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Placebo oder echt – wie merkt man das bei sich selbst überhaupt??

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@markus_hh88 okay das mit "hinschauen statt beweisen" - ich glaub ich merk gerade den Unterschied. Nur irgendwie fühlt sich hinschauen anfangs auch komisch an weil es sich so... passiv anfühlt? Aber jetzt wo du es so erklärst ist es ja nicht passiv, es ist nur nicht auf ein Ergebnis ausgerichtet das ich schon vorher im Kopf hab. Was mich aber gerade beschäftigt ist etwas Praktisches. Ich hab gestern beim Training mit meiner Kollegin tatsächlich gefragt wie sie das mit ihrem Plan macht. Nicht zum Saft gekommen, aber sie hat erzählt dass sie immer um halb sechs aufsteht, auch am Wochenende. Ich dacht mir erst "aha, aber WARUM", und dann hab ich kapiert dass genau das wieder das falsche Warum ist, oder. Also hab ich nur genickt. Aber jetzt sitz ich hier und denk - wenn ich das Notizbuch anfang, schreib ich dann "um halb sechs aufgestanden" rein oder interessiert mich das gar nicht weil es nur ne Routine von ihr ist und nicht meine? Weil bei mir ist es eher chaotisch mit dem Kindergarten, manche Tage früh manche spät. Kann ich das Notizbuch-Ding überhaupt nutzen wenn meine Variablen so unterschiedlich sind oder verschieb ich mir da wieder selbst die Barriere höher damit ich gar nicht anfang?

@leni_bk das mit dem chaotischen Kindergarten-Alltag ist eigentlich eine gute Nachricht, nicht ein Problem. Weil: wenn deine Variablen sowieso schon unregelmäßig sind, musst du im Notizbuch gar nicht alles kontrollieren wollen. Du schreibst rein was war - früher Dienst heute, spät gestern, Schlaf okay, Lauf fühlte sich so-und-so an. Das reicht. Meine Patienten mit den unregelmäßigsten Tagesabläufen haben aus meiner Erfahrung oft die ehrlichsten Aufzeichnungen, gerade weil sie gar nicht erst versuchen alles zu normieren. Was mich an deiner Frage aber wirklich aufhält: du fragst ob du "um halb sechs aufgestanden" reinschreiben sollst. Aber das wäre wieder die Kollegin-Variable, nicht deine. Das Notizbuch ist kein Kopierblatt von ihr. Dass sie um halb sechs aufsteht ist für dich erstmal irrelevant, solange du nicht weißt wie sich das bei dir anfühlt wenn du es machst - und ob du es überhaupt machen kannst mit dem Kindergartenplan. Ehrlich gesagt glaub ich, du baust dir gerade schon wieder eine neue Barriere. "Meine Variablen sind zu chaotisch" ist strukturell dasselbe wie "erst beweisen, dann fragen". Klingt vernünftig, führt zu nix. Fang heute Abend an. Drei Sätze. Was war heute, wie war der Schlaf, wie hat sich der Körper angefühlt. Kein System, kein Format. Einfach hinschreiben.

@markus_hh88 okay jetzt schreib ich's einfach hin bevor ich mir wieder tausend Gründe einfalle warum das nicht geht 😅

Hab grad ne Notiz app aufgemacht - nix fancy, einfach nur. Und moment, das ist witzig - während ich das schreib merke ich dass ich schon wieder im kopf "aber wie schreib ich das richtig auf" frage. als würde es einen richtigen oder falschen Weg geben. Das ist genau dieses Muster, oder. Was mich aber gerade beim Lesen deines letzten Posts getroffen hat - du sagst "fang heute Abend an" und das ist so konkret dass ich gar keine Ausrede mehr hab. Nicht "nächste Woche wenn es ruhiger wird" oder "wenn ich das Handy rausgenommen hab". Heute. Das is irgendwie unbequem weil es bedeutet ich muss jetzt die Verantwortung nehmen statt sie noch auf "später" zu verschieben. Aber ehrlich? Ich glaub das Problem das ich jetzt noch hab ist - und das ist die blöde Frage - was ich aufschreib wenn nichts besonderes passiert is. Wenn ich normal schlaf, normal lauf, normal fühle. Ist "alles okay" genug oder muss da mehr sein damit es zählt? Weil mit dem Saft war es ja so dass ich immer was zu notieren hatte - "hatte ich heute, wie war die Pace". Ohne Saft und ohne Projekt... ist die Baseline irgendwie langweilig, glaub ich. Und das is wahrscheinlich wieder so eine selbst gemachte Barriere aber ich wollts eben ehrlich sagen.

@leni_bk

Zitat von leni_bk

ist "alles okay" genug oder muss da mehr sein damit es zählt

Ja. "Alles okay" ist genug. Das ist sogar oft das Wertvollste was du reinschreiben kannst, weil du nach ein paar Wochen siehst an welchen Tagen "alles okay" steht - und was die gemeinsam hatten. Aber ich merk gerade was Interessantes an deiner Formulierung. Du sagst "mit dem Saft hatte ich immer was zu notieren". Das ist kein Zufall. Das Produkt hat dir eine Struktur gegeben, einen Aufhänger. Jeden Tag: Saft ja/nein, Pace wie. Das fühlt sich nach Inhalt an, ist aber eigentlich nur Rahmen. Das Notizbuch ohne Produkt fühlt sich leer an weil der Aufhänger fehlt. Das ist normal. Den musst du dir aber nicht erfinden - weder durch einen Saft noch durch irgendetwas anderes. Ich hab das beim Triathlon selbst durch. Wenn ich nach einem Lauf schreibe "okay, nix besonderes, Beine etwas schwer" - das ist nach vier Wochen tatsächlich Information. Nicht weil einzelne Einträge spannend sind sondern weil Muster sich erst im Rückblick zeigen. Das Einzelne ist tatsächlich meistens langweilig. Was mich jetzt aber wirklich interessiert, unabhängig vom Notizbuch: du hast heute mit deiner Kollegin gesprochen. Wie hat sich das angefühlt - also nicht was sie gesagt hat, sondern dass du einfach gefragt hast?

@markus_hh88 ehrlich gesagt hat sich das Fragen irgendwie... antiklimaktisch angefühlt? Ich hab mir so viel Kopf drüber gemacht und dann war es einfach nur eine normale Frage im Training und die Antwort war halt "ich steh um halb sechs auf". Keine große Sache. Das Komische ist - ich hab danach noch ne ganze Weile an ihr gehangen und überlegt ob ich noch mehr fragen soll, aber dann bin ich mir selbst blöd vorgekommen. Weil die Frage war ja beantwortet und dann einfach nochmal nachbohren wäre seltsam gewesen. Was mich aber gerade mehr beschäftigt ist was du zum Notizbuch fragst. Also wie sich das angefühlt hat zu fragen... irgendwie war das einfach nur unangenehm ehrlich. Nicht weil ich Angst hatte sondern mehr so - ich hab gemerkt dass ich in meinem Kopf schon wieder erwartet hab dass sie mir ein Geheimnis verrät oder so. Und stattdessen war es nur eine normale Antwort. Und dann war ich enttäuscht obwohl ich vorher nicht mal bewusst wusste dass ich das erwartet hab. Das mit dem Notizbuch - ich hab gestern Abend wirklich angefangen. Drei Sätze, einfach so. Und heute hab ich die gleichen drei Sätze geschrieben - "normal geschlafen, normal gelaufen, alles okay". Und jetzt sitze ich hier und denk mir "aber das ist ja nichts interessantes". Aber gleichzeitig merk ich dass mir das irgendwie... hilft? Nicht weil etwas Spannendes drin steht sondern weil ich nicht mehr ständig dran denk ob ich es richtig mach. Das ist seltsam.

Zitat von leni_bk

nicht mehr ständig dran denk ob ich es richtig mach

@leni_bk das ist eigentlich das Ziel. Nicht der Inhalt der Einträge, sondern genau das - weniger Kopfkino während der Sache selbst. Das klingt banal aber das ist aus meiner Erfahrung der größte Unterschied zwischen Leuten die Fortschritte wahrnehmen und denen die immer noch suchen. Was mich an deinem letzten Post aber wirklich aufhält ist die Enttäuschung über die Antwort deiner Kollegin. Du hast das so beiläufig reingeworfen - "ich hab gemerkt dass ich erwartet hab dass sie mir ein Geheimnis verrät". Das ist eigentlich der Kern von allem was in diesem Thread besprochen wurde, nur jetzt mal nicht als Theorie sondern als echte Erfahrung die du gemacht hast. Das Geheimnis existiert nicht. Das ist unangenehm, weil es bedeutet dass der Abstand zwischen dir und ihr kein Wissensabstand ist. Und das ist schwerer zu verdauen als wenn es einen Saft oder eine Technik gäbe die du noch nicht kennst. Ich kenn das von Patienten nach längeren Reha-Phasen. Die suchen manchmal nach der einen Übung die sie noch nicht gemacht haben, weil die Vorstellung dass es sie gibt angenehmer ist als zu akzeptieren dass es jetzt einfach Konstanz braucht. Keine große Sache, nur Wiederholung. Was du mit dem Notizbuch beschreibst klingt übrigens genau richtig. Nicht weil die Einträge spannend sind - die werden es meistens nicht - sondern weil du gerade lernst dass "alles okay" kein Versagen ist.

@markus_hh88 das mit "alles okay ist kein Versagen" - ich glaub das braucht mich noch ne Weile bis das wirklich sitzt, ehrlich. Weil im Kopf weiß ich dass das stimmt, aber gefühlt... wenn nichts Besonderes passiert fühlt sich das immer noch wie verlorene Zeit an, irgendwie. Was mich aber gerade mehr beschäftigt - und das ist vielleicht ne blöde Beobachtung - ist dass ich merke wie sehr ich mich selbst unter Druck setze mit dieser ganzen "ich muss es richtig machen"-Mentalität. Nicht nur beim Training sondern auch im Kindergarten. Ich bin bei den Kindern auch ständig am Überlegen "mach ich das jetzt richtig" statt einfach... da zu sein. Und jetzt wo ich das so schreib frag ich mich ob das mit dem Saft vielleicht gar nicht wirklich das Problem war. Der Saft war nur so ein... Symptom, oder. Das klingt vielleicht zu viel auf einmal, aber seit ich das Notizbuch mach und einfach nur aufschreib was ist - auch wenn es langweilig ist - merke ich dass ich weniger Angst hab die Dinge zu vermasseln. Und das ist irgendwie großer als jeder Trainingserfolg den ich mir erhofft hab. Nur... ich weiß gar nicht wie ich das weiter nutzen soll. Also ob das jetzt eine Gewohnheit wird oder ob das wieder eine Phase ist wo ich gerade bewusst drauf achte und dann vergesse.

@leni_bk

Zitat von leni_bk

ob das jetzt eine Gewohnheit wird oder ob das wieder eine Phase ist

Das ist eine Frage die ich dir ehrlich gesagt nicht beantworten kann - und ich wäre skeptisch gegenüber jedem der das kann. Ob was zur Gewohnheit wird hängt nicht davon ab wie gut du es verstehst, das wissen wir jetzt beide. Es hängt meistens daran ob die Umgebung es erleichtert oder nicht. Du hast das Handy noch nicht rausgenommen, oder? Das ist die einzige konkrete Sache aus dem ganzen Thread die ich noch offen sehe. Was mich aber gerade bei deinem letzten Satz aufhält - du sagst du weißt nicht wie du das "weiter nutzen sollst". Das klingt schon wieder nach einem nächsten Schritt den du planen willst. Das Notizbuch ist kein Werkzeug das du strategisch einsetzt, das ist einfach eine Gewohnheit die entweder hält oder nicht. Die meisten halten nicht, aus meiner Erfahrung - weil irgendwann ein stressiger Seminarblock kommt oder eine Woche wo Training sowieso nicht klappt und dann ist die Lücke da. Was wirklich hilft ist nicht das Notizbuch selbst, sondern dass du weißt was du tust wenn die Lücke kommt. Nicht dramatisch, einfach: okay, drei Tage nix geschrieben, ich fang wieder an. Kein Neustart, kein Ritual darum. Einfach weiter. Das klingt unspektakulär weil es das ist.

@markus_hh88 mit deinem Punkt zum "einfach weiter" wenn die Lücke kommt - das sitzt mir irgendwie komisch. Weil ich merke gerade dass ich automatisch denk "okay, wenn ich drei Tage nicht schreib, dann brauch ich ein Ritual um wieder anzufangen". Und das ist ja genau das Muster das du vorhin kritisiert hast, oder. Nur halt jetzt beim Notizbuch statt beim Saft. Was mich aber gerade mehr fragt ist was du zum Handy gesagt hast. Du hast recht, ich hab es noch nicht rausgenommen. Und ich glaub der Grund ist dass ich unbewusst weiß - wenn ich das mach, dann kann ich nicht mehr sagen "naja, vielleicht liegt es am Saft dass ich nicht besser schlafen kann". Dann bin ich selbst schuld wenn es nicht funktioniert. Das ist so absurd wenn ich das schreib aber es stimmt irgendwie. Was mich aber gerade anders beschäftigt - beim Kindergarten merkst du nach ein, zwei Wochen wenn was funktioniert oder nicht. Mit Schlaf und Training braucht es länger, und ich glaub genau darum such ich mir immer noch irgendein Projekt für dazwischen. Damit ich nicht so lange warten muss bis ich merke dass ich was verändert hab. Der Saft war einfach... sofort. Handy rausnehmen und dann in drei Wochen "aha, jetzt schlaf ich besser" - das ist zu lange bis ich was Konkretes in der Hand hab. Irgendwie glaub ich ich muss einfach anfangen und nicht so viel drüber nachdenken, oder. Aber das ist leichter gesagt als getan wenn man sich selbst so gut kennt 😅

@leni_bk

Zitat von leni_bk

das ist leichter gesagt als getan wenn man sich selbst so gut kennt

Da muss ich kurz einhaken. "Sich selbst so gut kennen" klingt nach einem Vorteil - ist es in deinem Fall gerade aber nicht. Du nutzt das Wissen über dich als Begründung warum es schwer ist, nicht als Ausgangspunkt um was zu ändern. Das ist ein Unterschied. Was mich bei deinem letzten Post aber wirklich aufhält: du sagst der Saft war "sofort". Das stimmt - aber sofort was? Du hattest nicht sofort bessere Läufe, du hattest sofort das Gefühl dass du was tust. Das ist nicht dasselbe. Und das "in drei Wochen merke ich was" beim Schlaf - das ist eigentlich kein Problem des Schlafs, das ist ein Problem deiner Erwartung an Rückmeldung. Draußen ist heute noch ganz angenehm für Anfang Herbst, hab ich beim Laufen nach der Arbeit gemerkt - aber ich würd trotzdem nicht nach drei Kilometern sagen ob die Laufform sich verbessert hat. Du weißt was zu tun ist. Handy raus, Notizbuch weiter. Das Einzige was ich noch ergänzen würde - und das ist kein Ratschlag sondern eine Beobachtung aus der Praxis - ist dass die Leute die am meisten über Gewohnheiten nachdenken meistens die sind, die am schwersten anfangen. Nicht weil sie zu wenig wissen. Sondern weil Nachdenken sich nach Arbeit anfühlt und es dann so wirkt als hätte man schon was getan.

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