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Placebo oder echt – wie merkt man das bei sich selbst überhaupt??

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@evelyn83 Zitat von evelyn83ist das dann eigentlich noch die entscheidung meiner freundin oder schon meine

Das ist deine. Die war immer deine. Die Freundin hat eine Empfehlung gemacht, nicht einen Auftrag erteilt. Was mich an deiner letzten Formulierung aber wirklich aufhält - "vorauseilendes Vermeiden" ist kein schlechtes Wort dafür. Du vermeidest nicht nur die Situation, du vermeidest schon die Vorstellung der Situation. Das ist eine Stufe früher als das, was leni_bk hier beschrieben hat, die hat wenigstens erst gefragt und dann gewartet. Du wartest auf eine Frage, die noch niemand gestellt hat. Was den Saft angeht: normaler Rote-Beete-Saft aus dem Supermarkt, wenn der Blutdruck ein echtes Thema ist, dann sprich das mit deiner Hausärztin ab. Der Nitrat-Mechanismus ist da real, aber ob er bei dir relevant ist, hängt von Ausgangswerten ab, die ich nicht kenne. Das ist keine Absicherungsformel - ich sag das, weil "meine Freundin hat's empfohlen" und "ich hab einen erhöhten Blutdruck, der behandelt werden sollte" zwei sehr verschiedene Ausgangssituationen sind. Und zu deiner Frage, was du deiner Freundin sagst: "Ich hab den günstigen Saft probiert" ist eine vollständige Antwort. Du schuldest ihr keine Erfolgsmeldung. Edit: Kleine Kommakorrektionen eingefügt, um den Text flüssiger zu lesen.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

Du schuldest ihr keine Erfolgsmeldung.

das hab ich jetzt dreimal gelesen weil mir das so komisch vorkommt. nicht weil es falsch ist sondern weil ich nie so drüber nachgedacht hab. ich hab das irgendwie immer so gefühlt als wär das eine art... rückgabe schuldig. sie empfiehlt mir was, ich prob es aus, ich berichte. so als wäre das ein deal den ich eingegangen bin ohne ihn zu unterschreiben

und das mit der hausärztin - ich glaub da hast du recht und ich hab das bisher verdrängt weil mir das zu nach "echtes problem" klingt. solange ich nur saft trinke ist es noch kein richtiges thema. wenn ich zur ärztin gehe wird es offiziell irgendwie

keine ahnung ob das bei anderen auch so ist aber bei mir ist das echt ein ding. lieber erstmal was ausprobieren was die freundin sagt als zum arzt gehen und dann hören dass man das ernster nehmen müsste

@evelyn83

Zitat von evelyn83

lieber erstmal was ausprobieren was die freundin sagt als zum arzt gehen

Das kenn ich aus der Praxis gut, und ich sag es direkt: das ist der Teil wo ich aufhöre Physiotherapeut zu spielen und anfange ernsthaft zu werden. Rote Beete als Lifestyle-Experiment - kein Problem. Rote Beete statt Blutdruckabklärung - das ist ein anderes Kaliber. Nicht weil erhöhter Blutdruck automatisch dramatisch ist. Sondern weil du selbst sagst du verdrängt das, weil es "zu nach echtem Problem klingt". Das ist genau der Moment wo man hingehen sollte, nicht warten bis die Verdrängung nicht mehr klappt. Ich versteh den Mechanismus übrigens gut. Wenn die Hausärztin nix sagt, war die Angst umsonst. Wenn sie was sagt, muss man was tun. Beides unbequem auf verschiedene Arten. Aber die zweite Unbequemlichkeit ist zumindest produktiv. Was deinen Saft angeht - normaler Supermarkt-Saft, Johnston et al. 2013 und Folgestudien zeigen konsistente Effekte auf systolischen Druck, moderate Größenordnung. Das ist keine Werbung und kein Placebo-Terrain. Aber es ersetzt keine Diagnose. Und Betanio PLUS kaufst du wirklich nicht, da zahlst du im Wesentlichen für die Schachtel. Geh zur Ärztin. Das ist die eigentliche Frage in deinem letzten Post, auch wenn sie nicht so gestellt war.

melde mich nochmal kurz, weil sich seit meinen letzten Posts hier einiges getan hat - oder auch nicht, je nach Blickwinkel.

Zitat von leni_bk

nicht weil er nix tut, sondern weil ich andere Sachen gefunden hab

Das ist eigentlich der Satz der mir aus dem ganzen Thread am längsten nachgehangen hat. Nicht weil er so originell ist, sondern weil er selten so klar formuliert wird. Was mich gerade beschäftigt - und das hat weniger mit leni_bk zu tun als mit evelyn83s letzten Posts - ist dass wir da gerade mitten in einem Gespräch sind das eigentlich nicht mehr über Saft geht. Evelyn, ich hoffe du bist wirklich zur Ärztin gegangen. Das war kein Ratschlag zum Abhaken. Bei mir selbst: ich hab in den letzten Wochen tatsächlich mal wieder konsequent auf Nitrat-haltige Lebensmittel geachtet - nicht als Supplement, einfach weil wir in der Praxis gerade einen Patienten betreuen der nach Herzreha läuft und da die Datenlage relevant ist. Rote Beete, Spinat, ein bisschen Rucola. Kein Konzentrat, kein Betanio PLUS und auch kein anderer Markenname. Und aus meiner Erfahrung ist das der einzige Weg wie ich das empfehlen kann ohne das Gefühl zu haben ich verkaufe was. Ob ich beim eigenen Triathlon-Training einen Unterschied gemerkt hab? Realistisch betrachtet: nein. Aber ich weiß auch, dass mein Ausgangsniveau nicht das ist wo der Effekt am deutlichsten messbar wäre - die Studien zeigen die stärksten Resultate bei untrainierten Probanden, nicht bei Leuten die seit Jahren regelmäßig Ausdauertraining machen. Was sich bei mir geändert hat seit Anfang des Threads: ich frag Patienten jetzt öfter direkt was sie nehmen, bevor ich überhaupt anfange über Übungen zu reden.

kleines Update von mir, weil mein letzter Post schon ein paar Wochen her ist.

Zitat von fk_1988

beim Vertrauen in meine eigenen Entscheidungen

@fk_1988 das hat mich jetzt tatsächlich nochmal eingeholt, weil ich das in den letzten Wochen bei einem Athleten aus meiner Praxis fast eins zu eins wiedergefunden hab. Der Typ läuft seit Jahren, kennt seine Werte auswendig, hat eine Meinung zu jedem Supplement - und trotzdem fragt er mich nach jedem zweiten Termin ob seine Einschätzung "so in Ordnung" ist. Nicht weil er unsicher über Fakten ist. Sondern weil er sich selbst nicht traut ohne Rückmeldung von außen. Was mich daran aufhält: du hast das für dich selbst sehr klar benannt. Das ist eigentlich schon das meiste. Aus meiner Erfahrung ist der Schritt von "ich erkenn das Muster" zu "ich handel trotzdem anders" aber der längste, und der läuft nicht über Einsicht. Was sich bei mir seit dem letzten Post verändert hat - ich frag Patienten jetzt fast routinemäßig was sie nehmen und warum. Nicht um das zu beurteilen, sondern weil die Antwort meistens viel mehr verrät als jeder Bewegungstest. Wer sofort sagt "wegen der Studie von X" ist ein anderer Fall als wer sagt "mein Kumpel meint das hilft". Beide können recht haben, aber der Ausgangspunkt ist komplett verschieden. @evelyn83 bist du eigentlich zur Ärztin gegangen? Das war die offene Frage die ich aus dem Thread mitgenommen hab.

melde mich nochmal kurz, weil ich @evelyn83 eigentlich noch eine Antwort schulde - die offene Frage von meinem letzten Post.

Zitat von marcus_r

und dann läufst du schneller weil du ausgeruht bist, nicht weil der Saft was gemacht hat

Das stimmt grundsätzlich, aber ich merk gerade beim Rückblick auf den ganzen Thread, dass wir das fast ausschließlich als Problem behandelt haben. Dabei ist "ich bin ausgeruht und lauf deshalb besser" ja eigentlich eine gute Nachricht. Das wird hier ein bisschen unter den Tisch gekehrt. Was mich gerade anders beschäftigt: ich hatte heute in der Praxis ein kurzes Gespräch mit einer Patientin, Hobbyläuferin, die seit Wochen Rote-Beete-Konzentrat nimmt und mir völlig beiläufig erzählt hat, dass sie seitdem mehr auf ihre Schlafzeiten achtet - weil sie "das Konzentrat nicht verschwenden will". Der Saft hat sie also zu einem Verhalten gebracht das tatsächlich was bringt, durch die Hintertür sozusagen. Das ist kein Argument für das Konzentrat. Aber es ist ein Argument dafür, dass der Mechanismus manchmal komplizierter läuft als "wirkt oder wirkt nicht". @evelyn83 ich warte noch auf eine Antwort von dir. Nicht als Kontrolle, wirklich nur weil mich das genuinen interessiert ob du den Schritt gemacht hast.

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