Placebo oder echt – wie merkt man das bei sich selbst überhaupt??
Zitat von leni_bk am August 15, 2026, 13:20 Uhr@markus_hh88 das mit dem Hawthorne-Effekt - ja genau das. ich hab das Wort gar nicht mehr im Kopf gehabt aber als ich es gelesen hab war sofort klar worauf du hinweist. und jetzt ärgert mich selbst ein bisschen dass ich das studiere und trotzdem so blauäugig in die Falle getreten bin, haha. aber was mich an deiner Frage viel mehr beschäftigt ist das Ende -
Zitat von markus_hh88ob du das anders bewertet hättest wenn die Antwort von einem Produkt gekommen wäre
. und ehrlich? ja. wahrscheinlich. weil wenn ich sagen könnte "ah, Betanio PLUS oder was auch immer, THAT'S the thing" - dann hätte ich ja eine... keine Ahnung, eine externe Lösung? Mit Schlaf ist es halt so dass ich weiß es liegt an mir. Ich muss früher aufstehen, ich muss weniger am Handy hängen, das ist unbequem. Mit einem Produkt könnte ich sagen "okay ich hab mein bestes gegeben, jetzt mach du deinen Job Saft" und wenn's dann nicht klappt is es nicht mein Fehler. Jetzt wo ich das so schreib merke ich dass das total absurd klingt aber es stimmt irgendwie. Und ich glaub da sitzt auch der Grund warum ich meine Kollegin immer noch nicht gefragt hab wie sie das mit dem Schlaf macht. Weil wenn sie mir das erzählt und ich's nicht umsetze weil ich zu faul bin früher ins Bett zu gehen - dann bin ich selbst schuld. Das ist unbequemer als weiterhin zu glauben dass vielleicht doch der Saft was bringt und ich ihn nur noch nicht richtig ausprobiert hab.
@markus_hh88 das mit dem Hawthorne-Effekt - ja genau das. ich hab das Wort gar nicht mehr im Kopf gehabt aber als ich es gelesen hab war sofort klar worauf du hinweist. und jetzt ärgert mich selbst ein bisschen dass ich das studiere und trotzdem so blauäugig in die Falle getreten bin, haha. aber was mich an deiner Frage viel mehr beschäftigt ist das Ende -
Zitat von markus_hh88ob du das anders bewertet hättest wenn die Antwort von einem Produkt gekommen wäre
. und ehrlich? ja. wahrscheinlich. weil wenn ich sagen könnte "ah, Betanio PLUS oder was auch immer, THAT'S the thing" - dann hätte ich ja eine... keine Ahnung, eine externe Lösung? Mit Schlaf ist es halt so dass ich weiß es liegt an mir. Ich muss früher aufstehen, ich muss weniger am Handy hängen, das ist unbequem. Mit einem Produkt könnte ich sagen "okay ich hab mein bestes gegeben, jetzt mach du deinen Job Saft" und wenn's dann nicht klappt is es nicht mein Fehler. Jetzt wo ich das so schreib merke ich dass das total absurd klingt aber es stimmt irgendwie. Und ich glaub da sitzt auch der Grund warum ich meine Kollegin immer noch nicht gefragt hab wie sie das mit dem Schlaf macht. Weil wenn sie mir das erzählt und ich's nicht umsetze weil ich zu faul bin früher ins Bett zu gehen - dann bin ich selbst schuld. Das ist unbequemer als weiterhin zu glauben dass vielleicht doch der Saft was bringt und ich ihn nur noch nicht richtig ausprobiert hab.
Zitat von markus_hh88 am August 15, 2026, 13:41 UhrZitat von marcus_rwenn die Antwort von einem Produkt gekommen wäre
@leni_bk das was du da gerade beschreibst ist eigentlich ziemlich ehrlich - dieses "wenn es nicht klappt ist es nicht mein Fehler". Das kenn ich aus der Praxis gut. Patienten, die lieber noch ein Gerät, noch ein Tape, noch eine Behandlung wollen, statt die Übungen zuhause wirklich durchzuziehen. Weil wenn die Übungen nicht klappen, liegt es an ihnen. Wenn das Gerät nicht klappt, liegt es am Gerät. Was mich bei dir jetzt aber wirklich interessiert - du sagst du hast deine Kollegin immer noch nicht gefragt. Nicht wegen dem Saft, das ist klar. Sondern wegen dem Schlaf. Und der Grund den du nennst ist: wenn sie dir sagt wie sie das macht und du setzt es nicht um, bist du selbst schuld. Das ist aber eine ziemlich seltsame Vermeidungsstrategie, oder? Du vermeidest eine Information weil du dich vor dem Ergebnis dieser Information schützt. Das ist fast schon klassische Prokrastination, nur verkleidet als "ich will niemanden nerven mit meinen Fragen". Realistisch betrachtet: die meisten Leute die gut schlafen und früh ins Bett gehen haben auch nicht irgendein Geheimrezept dafür. Die haben irgendwann einfach entschieden dass Handy bis Mitternacht halt nicht geht. Das klingt banal, ist es auch. Aber es ist trotzdem schwerer umzusetzen als einen Saft zu kaufen - da geb ich dir recht. Edit: Kleine Anmerkung noch - natürlich gibt es auch Menschen mit echten Schlafstörungen, bei denen hilft das alles nicht. Aber bei dir klingt es eher nach einem Gewohnheitsproblem.
Zitat von marcus_rwenn die Antwort von einem Produkt gekommen wäre
@leni_bk das was du da gerade beschreibst ist eigentlich ziemlich ehrlich - dieses "wenn es nicht klappt ist es nicht mein Fehler". Das kenn ich aus der Praxis gut. Patienten, die lieber noch ein Gerät, noch ein Tape, noch eine Behandlung wollen, statt die Übungen zuhause wirklich durchzuziehen. Weil wenn die Übungen nicht klappen, liegt es an ihnen. Wenn das Gerät nicht klappt, liegt es am Gerät. Was mich bei dir jetzt aber wirklich interessiert - du sagst du hast deine Kollegin immer noch nicht gefragt. Nicht wegen dem Saft, das ist klar. Sondern wegen dem Schlaf. Und der Grund den du nennst ist: wenn sie dir sagt wie sie das macht und du setzt es nicht um, bist du selbst schuld. Das ist aber eine ziemlich seltsame Vermeidungsstrategie, oder? Du vermeidest eine Information weil du dich vor dem Ergebnis dieser Information schützt. Das ist fast schon klassische Prokrastination, nur verkleidet als "ich will niemanden nerven mit meinen Fragen". Realistisch betrachtet: die meisten Leute die gut schlafen und früh ins Bett gehen haben auch nicht irgendein Geheimrezept dafür. Die haben irgendwann einfach entschieden dass Handy bis Mitternacht halt nicht geht. Das klingt banal, ist es auch. Aber es ist trotzdem schwerer umzusetzen als einen Saft zu kaufen - da geb ich dir recht. Edit: Kleine Anmerkung noch - natürlich gibt es auch Menschen mit echten Schlafstörungen, bei denen hilft das alles nicht. Aber bei dir klingt es eher nach einem Gewohnheitsproblem.
Zitat von leni_bk am August 15, 2026, 13:53 Uhr@markus_hh88 jetzt hast du mich aber gerade wirklich erwischt mit diesem Prokrastinations-Ding. Weil... ja. Ich glaub du hast recht. Ich vermeid die Frage nicht weil ich höflich sein will sondern weil ich weiß dass ich dann nicht mehr die Ausrede "vielleicht liegt es am Saft" haben kann. Wenn meine Kollegin mir sagt "naja ich schlaf halt um 22 Uhr ein" dann is das so unspektakulär dass ich gar nicht drum herum komm es zu akzeptieren dass ICH schuld bin wenn ich das nicht mach. Was mich aber jetzt beschäftigt - und das ist irgendwie noch unbequemer - ist dass ich merke wie sehr ich das Gefühl brauch dass ich "was tue". Mit dem Saft is das ja so - ich kauf ihn, ich trink ihn, das ist eine Aktion die ich sehen kann. Früher ins Bett gehen... das fühlt sich eher nach Verzicht an. Weniger Handy, weniger Netflix, weniger Zeit für mich bevor ich schlafen geh. Das ist nicht "ich investier in Training" das ist mehr "ich geb was auf". Und ich glaub darum weiß ich unbewusst dass wenn ich meine Kollegin frag, ich mir das eingestehen muss. Dass die Lösung nicht in ner Flasche is sondern in sowas Doofen wie Disziplin. Nächste Woche beim Training frag ich sie wirklich. Nur... vielleicht nicht als erstes 😅
@markus_hh88 jetzt hast du mich aber gerade wirklich erwischt mit diesem Prokrastinations-Ding. Weil... ja. Ich glaub du hast recht. Ich vermeid die Frage nicht weil ich höflich sein will sondern weil ich weiß dass ich dann nicht mehr die Ausrede "vielleicht liegt es am Saft" haben kann. Wenn meine Kollegin mir sagt "naja ich schlaf halt um 22 Uhr ein" dann is das so unspektakulär dass ich gar nicht drum herum komm es zu akzeptieren dass ICH schuld bin wenn ich das nicht mach. Was mich aber jetzt beschäftigt - und das ist irgendwie noch unbequemer - ist dass ich merke wie sehr ich das Gefühl brauch dass ich "was tue". Mit dem Saft is das ja so - ich kauf ihn, ich trink ihn, das ist eine Aktion die ich sehen kann. Früher ins Bett gehen... das fühlt sich eher nach Verzicht an. Weniger Handy, weniger Netflix, weniger Zeit für mich bevor ich schlafen geh. Das ist nicht "ich investier in Training" das ist mehr "ich geb was auf". Und ich glaub darum weiß ich unbewusst dass wenn ich meine Kollegin frag, ich mir das eingestehen muss. Dass die Lösung nicht in ner Flasche is sondern in sowas Doofen wie Disziplin. Nächste Woche beim Training frag ich sie wirklich. Nur... vielleicht nicht als erstes 😅
Zitat von markus_hh88 am August 15, 2026, 14:11 Uhr@leni_bk
Zitat von leni_bkvielleicht nicht als erstes
Das "vielleicht nicht als erstes" ist eigentlich das Ehrlichste was du in dem ganzen Thread geschrieben hast. Kein Vorwurf, das mein ich ernst. Was mich aber gerade beschäftigt - und das ist ein Gedanke den ich hier noch nicht gelesen hab - ist die Frage was du eigentlich mit dem Ergebnis machst wenn du fragst und die Antwort tatsächlich "22 Uhr einschlafen" ist. Du weißt schon vorher was du dann tun müsstest. Und du weißt schon vorher dass du es wahrscheinlich nicht sofort umsetzt. Das ist nicht Schwäche, das ist schlicht wie Verhaltensänderung funktioniert. Aus meiner Erfahrung - ich arbeite ja viel mit Leuten nach Verletzungen - ist die Information selten das Problem. Die meisten wissen was sie tun sollen. Die Lücke liegt zwischen Wissen und Tun, und die schließt sich nicht durch nochmal besser informiert sein. Was ich damit sagen will: die Kollegin fragen ist gut. Aber mach dir keine Illusion dass das Gespräch dann was verändert. Verhalten ändert sich meistens durch kleine, konkrete Einschränkungen - nicht durch Einsicht. Also nicht "ich schlaf früher" als Vorsatz, sondern "Handy ab 22 Uhr aus dem Schlafzimmer" als Regel. Das ist ein anderer Hebel. Ob der Saft wirkt oder nicht ist da ehrlich gesagt schon lange nicht mehr die relevante Frage in diesem Thread.
Zitat von leni_bkvielleicht nicht als erstes
Das "vielleicht nicht als erstes" ist eigentlich das Ehrlichste was du in dem ganzen Thread geschrieben hast. Kein Vorwurf, das mein ich ernst. Was mich aber gerade beschäftigt - und das ist ein Gedanke den ich hier noch nicht gelesen hab - ist die Frage was du eigentlich mit dem Ergebnis machst wenn du fragst und die Antwort tatsächlich "22 Uhr einschlafen" ist. Du weißt schon vorher was du dann tun müsstest. Und du weißt schon vorher dass du es wahrscheinlich nicht sofort umsetzt. Das ist nicht Schwäche, das ist schlicht wie Verhaltensänderung funktioniert. Aus meiner Erfahrung - ich arbeite ja viel mit Leuten nach Verletzungen - ist die Information selten das Problem. Die meisten wissen was sie tun sollen. Die Lücke liegt zwischen Wissen und Tun, und die schließt sich nicht durch nochmal besser informiert sein. Was ich damit sagen will: die Kollegin fragen ist gut. Aber mach dir keine Illusion dass das Gespräch dann was verändert. Verhalten ändert sich meistens durch kleine, konkrete Einschränkungen - nicht durch Einsicht. Also nicht "ich schlaf früher" als Vorsatz, sondern "Handy ab 22 Uhr aus dem Schlafzimmer" als Regel. Das ist ein anderer Hebel. Ob der Saft wirkt oder nicht ist da ehrlich gesagt schon lange nicht mehr die relevante Frage in diesem Thread.
Zitat von leni_bk am August 15, 2026, 14:35 Uhr@markus_hh88 mit deinem Punkt zu "kleine konkrete Einschränkungen statt Einsicht" - das sitzt mir gerade richtig im Magen, ehrlich gesagt. Weil du hast recht, die Information is mir ja nicht neu. Ich WEISS dass ich zu spät ins Bett geh, ich WEISS dass das Handy schuld dran is. Aber irgendwie macht das Wissen nix wenn ich um 23:30 immer noch scrolle und denk "okay nächste Woche dann wirklich". Was mich aber gerade beschäftigt is was du über konkrete Regeln sagst - "Handy ab 22 Uhr aus dem Schlafzimmer". Das klingt so simpel dass es fast blöd is, aber ich glaub genau darum funktioniert es vielleicht. Weil wenn das Handy im anderen Zimmer is kann ich nicht einfach "schnell noch checken", das is zu viel Aufwand. Mit dem Saft war es ja umgekehrt - super niedrige Barriere, einfach trinken und fertig. Aber genau darum funktioniert es ja auch nicht wirklich, oder. Was mich jetzt aber mehr fragt als alles andere - wenn ich das mit dem Handy wirklich mach braucht es dann noch die Frage an meine Kollegin? Oder verschieb ich die nur wieder um eine Woche. Weil ehrlich... ich glaub ich will mir vorher schon etwas "bewiesen" haben bevor ich sie frag. Nicht damit ich weiß dass es funktioniert sondern damit ich nicht vor ihr dastehn muss und sagen "ja ich weiß gar nicht wie ich das hinkrieg". Das is auch wieder so eine komische Barriere die ich mir selbst bau, glaub ich.
@markus_hh88 mit deinem Punkt zu "kleine konkrete Einschränkungen statt Einsicht" - das sitzt mir gerade richtig im Magen, ehrlich gesagt. Weil du hast recht, die Information is mir ja nicht neu. Ich WEISS dass ich zu spät ins Bett geh, ich WEISS dass das Handy schuld dran is. Aber irgendwie macht das Wissen nix wenn ich um 23:30 immer noch scrolle und denk "okay nächste Woche dann wirklich". Was mich aber gerade beschäftigt is was du über konkrete Regeln sagst - "Handy ab 22 Uhr aus dem Schlafzimmer". Das klingt so simpel dass es fast blöd is, aber ich glaub genau darum funktioniert es vielleicht. Weil wenn das Handy im anderen Zimmer is kann ich nicht einfach "schnell noch checken", das is zu viel Aufwand. Mit dem Saft war es ja umgekehrt - super niedrige Barriere, einfach trinken und fertig. Aber genau darum funktioniert es ja auch nicht wirklich, oder. Was mich jetzt aber mehr fragt als alles andere - wenn ich das mit dem Handy wirklich mach braucht es dann noch die Frage an meine Kollegin? Oder verschieb ich die nur wieder um eine Woche. Weil ehrlich... ich glaub ich will mir vorher schon etwas "bewiesen" haben bevor ich sie frag. Nicht damit ich weiß dass es funktioniert sondern damit ich nicht vor ihr dastehn muss und sagen "ja ich weiß gar nicht wie ich das hinkrieg". Das is auch wieder so eine komische Barriere die ich mir selbst bau, glaub ich.
Zitat von markus_hh88 am August 15, 2026, 14:58 Uhr@leni_bk
Zitat von leni_bkdamit ich nicht vor ihr dastehn muss und sagen "ja ich weiß gar nicht wie ich das hinkrieg"
Das ist jetzt aber interessant. Du baust dir eine Bedingung ein - erst beweisen, dann fragen - die du so formulierst als wäre sie logisch. Ist sie aber nicht. Du willst der Kollegin zeigen dass du schon weißt wie es geht, bevor du sie fragst wie es geht. Das dreht sich im Kreis. Ich kenn das aus der Praxis in einer anderen Variante: Patienten die zur zweiten Meinung erst dann gehen wenn sie sich sicher sind dass die erste Meinung falsch war. Damit sie nicht dumm dastehen. Dabei ist genau das der Punkt warum man eine zweite Meinung holt. Was mich an deiner Formulierung aber wirklich aufhält: du redest die ganze Zeit davon was du "dir beweisen" willst. Nicht was du ändern willst. Das ist ein feiner Unterschied. Beweisen ist immer noch Evaluation - also genau das Muster das miramira weiter oben so treffend beschrieben hat. Solange du testest, musst du nicht entscheiden. Realistisch betrachtet: ob du das Handy rausnimmst und ob du die Kollegin fragst sind zwei völlig unabhängige Sachen. Die hängen nur zusammen weil du sie gerade zusammenbindest. Mach das eine, lass das andere offen. Oder umgekehrt. Aber diese Bedingung "erst beweisen, dann fragen" - die klingt nach einer sehr eleganten Art, beides nicht zu tun.
Zitat von leni_bkdamit ich nicht vor ihr dastehn muss und sagen "ja ich weiß gar nicht wie ich das hinkrieg"
Das ist jetzt aber interessant. Du baust dir eine Bedingung ein - erst beweisen, dann fragen - die du so formulierst als wäre sie logisch. Ist sie aber nicht. Du willst der Kollegin zeigen dass du schon weißt wie es geht, bevor du sie fragst wie es geht. Das dreht sich im Kreis. Ich kenn das aus der Praxis in einer anderen Variante: Patienten die zur zweiten Meinung erst dann gehen wenn sie sich sicher sind dass die erste Meinung falsch war. Damit sie nicht dumm dastehen. Dabei ist genau das der Punkt warum man eine zweite Meinung holt. Was mich an deiner Formulierung aber wirklich aufhält: du redest die ganze Zeit davon was du "dir beweisen" willst. Nicht was du ändern willst. Das ist ein feiner Unterschied. Beweisen ist immer noch Evaluation - also genau das Muster das miramira weiter oben so treffend beschrieben hat. Solange du testest, musst du nicht entscheiden. Realistisch betrachtet: ob du das Handy rausnimmst und ob du die Kollegin fragst sind zwei völlig unabhängige Sachen. Die hängen nur zusammen weil du sie gerade zusammenbindest. Mach das eine, lass das andere offen. Oder umgekehrt. Aber diese Bedingung "erst beweisen, dann fragen" - die klingt nach einer sehr eleganten Art, beides nicht zu tun.
Zitat von leni_bk am August 15, 2026, 15:05 Uhr@markus_hh88
Zitat von markus_hh88Diese Bedingung "erst beweisen, dann fragen" - die klingt nach einer sehr eleganten Art, beides nicht zu tun
okay... autsch. Aber du hast recht und das ist das Blöde dran. Ich merk gerade dass ich mir das selbst einrede als wäre es logisch, aber es ist ja nur ne Ausrede die gut klingt. Und jetzt wo du das so hinschreibst wird mir bewusst wie sehr ich das mach - nicht nur mit der Kollegin sondern überall. Bei der Arbeit im Kindergarten genauso, wenn ich was Neues mit den Kindern probieren will mach ich vorher erst zehnmal mental durch wie es laufen könnte statt einfach... es zu machen. Was mich aber gerade beschäftigt ist etwas anderes. Du schreibst "zwei völlig unabhängige Sachen" - Handy rausnehmen und Kollegin fragen. Und ich glaub du hast recht dass ich die künstlich zusammen gebunden hab. Aber ehrlich gesagt hab ich gerade Angst dass wenn ich nur das Handy rausnehm und NICHT frag, ich dann wieder in die alte Routine rutsch. Weil dann hab ich zwar besseren Schlaf aber keinen Grund mehr mich damit zu beschäftigen. Und ohne dass ich mich damit beschäftige vergess ich warum ich das überhaupt angefangen hab. Das klingt verrückt, ich weiß. Aber bei mir funktioniert das so - wenn ich nicht aktiv drüber nachdenk merke ich nicht dass es sich verändert hat. Gibt es da einen Unterschied ob man gleich beide Sachen macht oder wirklich getrennt?
Zitat von markus_hh88Diese Bedingung "erst beweisen, dann fragen" - die klingt nach einer sehr eleganten Art, beides nicht zu tun
okay... autsch. Aber du hast recht und das ist das Blöde dran. Ich merk gerade dass ich mir das selbst einrede als wäre es logisch, aber es ist ja nur ne Ausrede die gut klingt. Und jetzt wo du das so hinschreibst wird mir bewusst wie sehr ich das mach - nicht nur mit der Kollegin sondern überall. Bei der Arbeit im Kindergarten genauso, wenn ich was Neues mit den Kindern probieren will mach ich vorher erst zehnmal mental durch wie es laufen könnte statt einfach... es zu machen. Was mich aber gerade beschäftigt ist etwas anderes. Du schreibst "zwei völlig unabhängige Sachen" - Handy rausnehmen und Kollegin fragen. Und ich glaub du hast recht dass ich die künstlich zusammen gebunden hab. Aber ehrlich gesagt hab ich gerade Angst dass wenn ich nur das Handy rausnehm und NICHT frag, ich dann wieder in die alte Routine rutsch. Weil dann hab ich zwar besseren Schlaf aber keinen Grund mehr mich damit zu beschäftigen. Und ohne dass ich mich damit beschäftige vergess ich warum ich das überhaupt angefangen hab. Das klingt verrückt, ich weiß. Aber bei mir funktioniert das so - wenn ich nicht aktiv drüber nachdenk merke ich nicht dass es sich verändert hat. Gibt es da einen Unterschied ob man gleich beide Sachen macht oder wirklich getrennt?
Zitat von markus_hh88 am August 15, 2026, 15:10 UhrZitat von leni_bkwenn ich nicht aktiv drüber nachdenk merke ich nicht dass es sich verändert hat
@leni_bk das ist aber kein Argument dafür, beides gleichzeitig zu machen. Das ist ein Argument dafür, ein Messverfahren zu haben. Und das muss nicht deine Kollegin sein und auch kein Saft. Ich mach das beim Triathlon so: ein Lauftagebuch, kein Strava-Algorithmus, einfach ein Notizbuch. Drei Sätze nach dem Training. Wie hab ich mich gefühlt, Schlaf der Nacht davor, was war anders. Das klingt banal, aber nach vier Wochen siehst du Muster die du sonst nicht siehst. Nicht weil du "aktiv drüber nachdenkst" während du läufst, sondern weil du danach kurz reflektierst. Das ist ein anderer Modus. Dein Problem ist, glaub ich, dass du Bewusstsein mit Aufmerksamkeit während der Sache verwechselst. Du musst nicht beim Einschlafen daran denken warum du früher einschläfst. Du musst es nur irgendwann registrieren können. Und jetzt, realistisch betrachtet: ob du das Handy rausnimmst und ob du das Notizbuch anfängst - das sind immer noch zwei Sachen. Aber die zweite gibt dir das was du eigentlich suchst, nämlich die Möglichkeit zu merken ob was passiert. Ohne dass du dafür auf externe Bestätigung angewiesen bist, weder vom Saft noch von der Kollegin.
Zitat von leni_bkwenn ich nicht aktiv drüber nachdenk merke ich nicht dass es sich verändert hat
@leni_bk das ist aber kein Argument dafür, beides gleichzeitig zu machen. Das ist ein Argument dafür, ein Messverfahren zu haben. Und das muss nicht deine Kollegin sein und auch kein Saft. Ich mach das beim Triathlon so: ein Lauftagebuch, kein Strava-Algorithmus, einfach ein Notizbuch. Drei Sätze nach dem Training. Wie hab ich mich gefühlt, Schlaf der Nacht davor, was war anders. Das klingt banal, aber nach vier Wochen siehst du Muster die du sonst nicht siehst. Nicht weil du "aktiv drüber nachdenkst" während du läufst, sondern weil du danach kurz reflektierst. Das ist ein anderer Modus. Dein Problem ist, glaub ich, dass du Bewusstsein mit Aufmerksamkeit während der Sache verwechselst. Du musst nicht beim Einschlafen daran denken warum du früher einschläfst. Du musst es nur irgendwann registrieren können. Und jetzt, realistisch betrachtet: ob du das Handy rausnimmst und ob du das Notizbuch anfängst - das sind immer noch zwei Sachen. Aber die zweite gibt dir das was du eigentlich suchst, nämlich die Möglichkeit zu merken ob was passiert. Ohne dass du dafür auf externe Bestätigung angewiesen bist, weder vom Saft noch von der Kollegin.
Zitat von leni_bk am August 15, 2026, 15:14 Uhr@markus_hh88 das mit dem Lauftagebuch... ich muss ehrlich sagen das hat mich gerade anders getroffen als alles davor. Weil du hast recht ich verwechsel da was. Ich denk immer ich muss während dem Laufen bewusst mitkriegen "hey, heute ohne Saft und es geht mir gut" - aber das ist ja genau dieser Beobachtungseffekt den ich vorhin selbst beschrieben hab. Ich verändere das Ding dadurch dass ich drauf achte. Aber ein Notizbuch... das ist danach, nicht während. Das ist irgendwie anders. Und ehrlich, wenn ich das so schreib merke ich dass das total simpel klingt und wahrscheinlich genau darum könnte es funktionieren. Keine Messung während, keine Uhr im Blick, einfach nachher drei Sätze. Was mich aber gerade noch beschäftigt - und das ist vielleicht die blöde Frage - aber wenn ich das Notizbuch mach und dann nach vier Wochen merke "aha, besser geschlafen = bessere Läufe", ist das dann nicht auch wieder eine Form von Beweis den ich mir selbst erbringen muss? Nur halt zeitverzögert? Ich glaub ich suche immer noch nach sowas wie einer... Genehmigung dass ich es richtig mach, und ein Notizbuch wäre halt meine eigene Genehmigung statt dass ich die von außen brauch. Ist das nicht auch wieder nur eine andere Form vom gleichen Muster?
@markus_hh88 das mit dem Lauftagebuch... ich muss ehrlich sagen das hat mich gerade anders getroffen als alles davor. Weil du hast recht ich verwechsel da was. Ich denk immer ich muss während dem Laufen bewusst mitkriegen "hey, heute ohne Saft und es geht mir gut" - aber das ist ja genau dieser Beobachtungseffekt den ich vorhin selbst beschrieben hab. Ich verändere das Ding dadurch dass ich drauf achte. Aber ein Notizbuch... das ist danach, nicht während. Das ist irgendwie anders. Und ehrlich, wenn ich das so schreib merke ich dass das total simpel klingt und wahrscheinlich genau darum könnte es funktionieren. Keine Messung während, keine Uhr im Blick, einfach nachher drei Sätze. Was mich aber gerade noch beschäftigt - und das ist vielleicht die blöde Frage - aber wenn ich das Notizbuch mach und dann nach vier Wochen merke "aha, besser geschlafen = bessere Läufe", ist das dann nicht auch wieder eine Form von Beweis den ich mir selbst erbringen muss? Nur halt zeitverzögert? Ich glaub ich suche immer noch nach sowas wie einer... Genehmigung dass ich es richtig mach, und ein Notizbuch wäre halt meine eigene Genehmigung statt dass ich die von außen brauch. Ist das nicht auch wieder nur eine andere Form vom gleichen Muster?
Zitat von markus_hh88 am August 15, 2026, 15:37 Uhr@leni_bk ja und nein. Du fragst ob das Notizbuch "nur eine andere Form vom gleichen Muster" ist - aber ich glaub du vermischst da zwei Dinge die sich ähnlich anfühlen aber es nicht sind. Beweis-Suchen und Muster-Erkennen sind nicht dasselbe. Beweis-Suchen ist ergebnisoffen formuliert aber eigentlich auf eine Antwort ausgerichtet - du willst dir selbst zeigen dass du es richtig machst, wie du selbst sagst. Muster-Erkennen ist... neutraler. Du schreibst auf, du schaust hin, du siehst was da ist. Vielleicht ist Schlaf der Faktor, vielleicht ist es die Seminarphase, vielleicht merkst du nach vier Wochen dass Dienstags deine Läufe grundsätzlich schlechter sind weil du vorher immer Spätdienst hattest. Keine Ahnung. Das Notizbuch sagt dir nicht was richtig ist, es zeigt dir nur was tatsächlich passiert. Ich merk gerade, dass du die Frage nach der "Genehmigung" selbst schon beantwortet hast. Du hast sie nämlich genau richtig gestellt. Externe Genehmigung - vom Saft, von der Kollegin - ist immer anfällig dafür dass du sie falsch interpretierst oder gar nicht kriegst. Eigene Aufzeichnung ist das Einzige was wirklich zu dir passt, weil es deine Variablen abbildet, nicht die von irgendwem aus einer Studie mit n=30. Und nein, das ist kein Beweis den du dir erbringst. Das ist einfach hinschauen. Der Unterschied liegt im Anspruch den du daran knüpfst.
@leni_bk ja und nein. Du fragst ob das Notizbuch "nur eine andere Form vom gleichen Muster" ist - aber ich glaub du vermischst da zwei Dinge die sich ähnlich anfühlen aber es nicht sind. Beweis-Suchen und Muster-Erkennen sind nicht dasselbe. Beweis-Suchen ist ergebnisoffen formuliert aber eigentlich auf eine Antwort ausgerichtet - du willst dir selbst zeigen dass du es richtig machst, wie du selbst sagst. Muster-Erkennen ist... neutraler. Du schreibst auf, du schaust hin, du siehst was da ist. Vielleicht ist Schlaf der Faktor, vielleicht ist es die Seminarphase, vielleicht merkst du nach vier Wochen dass Dienstags deine Läufe grundsätzlich schlechter sind weil du vorher immer Spätdienst hattest. Keine Ahnung. Das Notizbuch sagt dir nicht was richtig ist, es zeigt dir nur was tatsächlich passiert. Ich merk gerade, dass du die Frage nach der "Genehmigung" selbst schon beantwortet hast. Du hast sie nämlich genau richtig gestellt. Externe Genehmigung - vom Saft, von der Kollegin - ist immer anfällig dafür dass du sie falsch interpretierst oder gar nicht kriegst. Eigene Aufzeichnung ist das Einzige was wirklich zu dir passt, weil es deine Variablen abbildet, nicht die von irgendwem aus einer Studie mit n=30. Und nein, das ist kein Beweis den du dir erbringst. Das ist einfach hinschauen. Der Unterschied liegt im Anspruch den du daran knüpfst.