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Nitrat aus Gemüse vs. Wurst - wird das immer noch durcheinandergebracht?

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@rote_socke_83 das mit der Ausrede - da hast du was gesagt das mich grad ehrlich beschäftigt. Weil ich kenn das von der Arbeit. Wenn eine Schweißnaht nicht hält und man nicht genau weiß warum, dann kann man sagen "zu viele Variablen" und damit hat man zwar recht, aber das Problem ist trotzdem noch da. Irgendwann muss man trotzdem eine Entscheidung treffen.

Zitat von rote_socke_83

ich weiß noch nicht ob ich das Konzentrat nochmal nachkaufe wenn die Packung leer ist

Das ist eigentlich die klarste Antwort die du in diesem ganzen Thread gegeben hast. Dass du da zögerst sagt mehr als jede Nitrat-Diskussion. Was mich bei dir aber wirklich wundert: du sagst du hast Schichtarbeit und zwei Kinder, und trotzdem hast du monatelang ein Konzentrat genommen und auf Wirkung gewartet. Das ist ja auch eine Form von Kontrolle die du dir da zusammengebaut hast. Ich versteh das. Aber wenn der Schlaf durch Schichtarbeit eh nie konstant ist dann messst du gegen eine Variable an die sich jeden Monat ändert. Das macht jede Blutdruckmessung die du machst irgendwie wackelig, oder? Ich frag das weil ich bei mir gemerkt hab dass meine schlechtesten Werte immer nach langen Wochen kamen, nicht nach dem was ich gegessen hab. Mittwoch letzte Woche zum Beispiel, drei Überstunden und abends noch Ärger wegen nem Auftrag - da war der Wert morgens echt bescheiden. Rote Beete hab ich da auch gegessen.

@rainer_w64 das mit dem Mittwoch und den Überstunden - ja das kenn ich. Ich hab das mal über drei Wochen parallel notiert, Blutdruckwert morgens und was am Vortag war. Nicht wissenschaftlich, einfach so in nem Notizbuch. Und da war die Korrelation mit Stress eindeutiger als mit allem was ich gegessen oder genommen hab. Das hat mich damals eigentlich mehr erschreckt als beruhigt.

Zitat von rainer_w64

du messest gegen eine Variable an die sich jeden Monat ändert

Das ist kein Einwand den ich so schnell wegschiebe. Aber ich merke gerade dass ich das nie so formuliert hätte. Ich hab einfach gemessen und mir gedacht, na ja, Tendenz geht vielleicht leicht runter. Ob das Methode war oder Wunschdenken - ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Was mich bei deinem Schweißnaht-Vergleich nicht loslässt: beim Schweißen hast du irgendwann ein Ergebnis das hält oder nicht hält. Der Blutdruck ist kein Bauteil. Der ändert sich je nach Tageszeit, nach Kaffee, danach ob ich grad vom Fahrrad komm oder fünf Minuten still gesessen hab. Heute morgen hab ich gemessen, direkt nach dem Aufstehen - Wert war ok. Zwei Stunden später nochmal, weil ich neugierig war - schlechter. Hab nichts gegessen dazwischen außer Kaffee. Was sagt mir das jetzt? Das ist das Problem das ich mit der ganzen Selbstmessung hab und das hier im Thread noch nicht so direkt stand.

@rote_socke_83 das mit dem Kaffee ist eigentlich der springende Punkt den du da gerade ohne viel Aufhebens reingeworfen hast. Ich hab das bei mir auch gemerkt. Ich mess morgens, nüchtern, sitz fünf Minuten vorher still - und trotzdem ist der Wert manchmal komplett anders als zwei Tage vorher bei gleichen Bedingungen. Mein Gerät ist ein Omron, hab ich vor zwei Jahren nach der Diagnose gekauft, nicht das billigste. Trotzdem frag ich mich manchmal ob das Ding überhaupt reproduzierbar misst oder ob ich mir da nur Zahlen einbilde die ich dann interpretiere wie ich will.

Zitat von rote_socke_83

direkt nach dem Aufstehen - Wert war ok. Zwei Stunden später nochmal - schlechter

Das kenn ich. Und da ist noch was das mich stört: du weißt ja nicht ob der erste Wert "richtig" war oder der zweite. Vielleicht war der erste zu niedrig weil du noch halb geschlafen hast. Das ist kein Messfehler im technischen Sinne - das Gerät macht was es soll. Aber der Körper ist halt kein Rohr mit konstantem Druck. Ich hab meine Ärztin mal gefragt wann ich idealerweise messen soll. Die hat gesagt morgens vor dem Frühstück, immer gleiche Bedingungen. Aber was "gleiche Bedingungen" bedeutet wenn man wie du Schichtarbeit hat - das hat sie nicht weiter ausgeführt. Natürlich nicht.

Zitat von rainer_w64

der Körper ist halt kein Rohr mit konstantem Druck

@rainer_w64 das trifft es eigentlich besser als jede technische Erklärung die ich bisher gelesen hab. Und genau da liegt das Problem mit der ganzen Selbstmessung - wir behandeln das Gerät als Wahrheit und den Körper als Störvariable. Dabei ist es andersrum. Was mich bei deiner Ärztin-Aussage aber wirklich beschäftigt: "immer gleiche Bedingungen" ist bei Schichtarbeit halt kein Rat, das ist ein Witz. Ich hab Früh-, Spät- und Nachtschicht im Wechsel. Wann genau soll "morgens vor dem Frühstück" sein wenn ich um halb vier aufstehe oder um elf? Das hat mir auch noch keiner erklärt. Ich hab mal kurz bei der Deutschen Hochdruckliga nachgelesen - die empfehlen sogar zwei Messungen hintereinander mit einer Minute Pause und dann den Mittelwert. Das mach ich nie. Ich mess einmal, schau auf die Zahl, und denk entweder "ok" oder "bescheiden". Das ist natürlich kein vernünftiges Protokoll. Was mich aber wirklich interessieren würde: dein Omron, misst der am Handgelenk oder am Oberarm? Weil meine Hausärztin hat mir damals gesagt Handgelenk ist unzuverlässiger, hängt von der Haltung ab. Ich hab trotzdem eins am Handgelenk weil das praktischer ist. Ehrlich gesagt war das keine besonders kluge Entscheidung.

Zitat von rote_socke_83

Handgelenk ist unzuverlässiger, hängt von der Haltung ab

@rote_socke_83 das stimmt und mein Omron ist Oberarm, deswegen hab ich den auch genommen. Aber selbst da - ich hab mal aus Neugier beide Arme gemessen hintereinander. Links und rechts. Echt jetzt, da waren fünf Punkte Unterschied systolisch. Hab ich dann gegoogelt, anscheinend ist das normal bis zu einem gewissen Grad. Aber "normal" heißt dann was genau? Dass ich den linken Arm nehme oder den rechten? Meine Ärztin hat mir das nie gesagt. Was mich an deinem Beitrag aber noch mehr beschäftigt als das Gerät: du sagst du messst einmal, schaust auf die Zahl, denkst ok oder bescheiden. Ich mach das genauso. Und das ist eigentlich das ehrlichste was hier bisher stand, wenn du mich fragst. Wir messen beide seit Monaten und haben trotzdem kein System dahinter. Das ist kein Vorwurf - ich hab auch keins. Ich überleg gerade ob ich beim nächsten Termin einfach mein Messprotokoll mitbringe. Also nicht irgendwas aufgeschrieben wie dein Notizbuch, sondern die Speicherfunktion vom Omron - der speichert die letzten 60 Messungen mit Uhrzeit. Ob meine Ärztin damit was anfängt weiß ich nicht. Wahrscheinlich kriegt das zwei Minuten wie alles andere.

Zitat von rainer_w64

der speichert die letzten 60 Messungen mit Uhrzeit

@rainer_w64 das ist eigentlich ein guter Gedanke aber ich wette die Ärztin schaut da einmal drauf und sagt "ja, Werte schwanken halt". Ich kenn das. Nicht weil die Leute keine Ahnung haben - sondern weil 60 Einzelwerte ohne Kontext auch nichts erzählen. Du müsstest dazu eigentlich sagen: die war nach Überstunden, die nach Nachtschicht, die war direkt nach Kaffee weil ich vergessen hab zu warten. Sonst ist das eine Tabelle ohne Legende. Was mich bei deiner Links-Rechts-Geschichte beschäftigt: ich hab das noch nie gemacht. Echt nicht. Ich mess immer links, weil ich rechts dominant bin und das irgendwie unbequemer ist. Ob das irgendeinen Unterschied macht hab ich nie nachgefragt. Meine Hausärztin auch nicht erwähnt. Jetzt überleg ich ob ich da seit Monaten systematisch am falschen Arm messe. Das ist ehrlich gesagt das nervigste an dem ganzen Thema. Nicht die großen Fragen über Nitrat und Konzentrat. Sondern dass man monatelang irgendwas tut und sich dabei halbwegs informiert vorkommt - und dann wirft jemand beiläufig "linker oder rechter Arm" rein und man merkt dass man das nie auch nur kurz durchdacht hat.

@rote_socke_83 das mit dem linken Arm - ich hab das auch erst durch Zufall rausgefunden. Meine Ärztin hat irgendwann mal nebenbei erwähnt dass bei einem Unterschied von mehr als zehn Punkten zwischen beiden Armen man das abklären sollte, weil das auf was hinweisen kann. Nicht dramatisch, aber abklären. Das hab ich damals so mitgenommen und dann vergessen.

Zitat von rote_socke_83

dass man monatelang irgendwas tut und sich dabei halbwegs informiert vorkommt

Echt jetzt, das ist das Ding das mich an dem ganzen Selbstmess-Thema inzwischen am meisten nervt. Nicht die Geräte nicht die Methode - sondern dass man nie weiß was man nicht weiß. Ich hab zwei Jahre gemessen und dachte ich mach das halbwegs vernünftig. Omron Oberarm, morgens, nüchtern. Fertig. Dass der Arm eine Rolle spielt, dass man zwei Minuten still sitzen soll vorher, dass Schmerzen oder volle Blase den Wert verändern können - das hab ich alles irgendwann irgendwo aufgeschnappt, nie von meiner Ärztin. Was mich da jetzt ehrlich beschäftigt: wenn wir beide seit Monaten mit halbgaren Messmethoden arbeiten dann sind die Vergleichswerte über die Zeit auch nicht viel wert. Ich hab mir die letzten sechs Monate eingeredet der Trend geht leicht runter. Ob das stimmt oder ob ich einfach an besseren Tagen gemessen hab - keine Ahnung. Ich schreib mir das auf für den nächsten Termin. Nicht wegen Rote Beete. Einfach fragen wie man das richtig macht.

@rainer_w64 das mit dem Termin und einfach fragen wie man das richtig macht - ich glaub das ist das Vernünftigste was aus diesem ganzen Thread rausgekommen ist. Ohne Ironie. Aber was du sagst über "nie weiß was man nicht weiß" - da hängt bei mir noch was nach. Ich hab das Betanio-Zeug monatelang genommen und dabei Werte notiert und mir dabei vorgekommen wie jemand der das irgendwie im Griff hat. Dabei hab ich noch nicht mal gewusst dass eine volle Blase den Wert beeinflusst. Das stand nirgendwo auf der Packung. Natürlich nicht. Was mich dabei wirklich ärgert: die Produkte dieser Art - Betanio und was es sonst noch gibt - die werben alle mit "messbare Wirkung" und "klinisch getestet". Aber kein einziges Mal steht da wie man das überhaupt vernünftig messen soll zuhause. Kein Hinweis auf Messprotokoll, nix. Die verkaufen dir das Versprechen von Kontrolle ohne dir die Werkzeuge zu geben die Kontrolle überhaupt möglich machen. Das ist mir zu dünn. Das ist eigentlich eine Frechheit wenn ich drüber nachdenke. Ich überleg jetzt ernsthaft ob ich das beim nächsten Kauf einfach sein lasse und stattdessen wirklich die Ernährungsberatung anfrage. Nicht wegen dem Nitrat. Sondern weil ich da zum ersten Mal jemanden hätte der mir sagt wie man sowas methodisch angeht - und nicht nur was man essen soll. Edit: Kleine Anmerkung noch - ich weiß, dass manche Hersteller inzwischen auch PDFs mit Messanleitungen bereitstellen. Aber die sind halt oft versteckt auf der Website und nicht auf der Packung selbst. Ändert aber nichts daran dass das Standard sein sollte.

Zitat von rote_socke_83

die verkaufen dir das Versprechen von Kontrolle

@rote_socke_83 das ist der Satz der mich gerade am meisten trifft, mal ehrlich. Weil das ist ja genau das was ich von Anfang an mit diesen ganzen Produkten nicht mag. Nicht der Wirkstoff, nicht das Nitrat - sondern das Versprechen. Und du hast jetzt selbst beschrieben wie das funktioniert: du kaufst das Ding, du notiertst Werte, du fühlst dich informiert. Und dabei weißt du nicht ob du am richtigen Arm misst. Was mich aber an deinem letzten Satz wirklich beschäftigt ist die Ernährungsberatung-Idee. Ich hab das vorhin auch erwähnt und ich mein das ernst. Aber jetzt frag ich mich ob die da wirklich auf sowas eingeht. Also ob die dir sagt wie du Blutdruckwerte methodisch bewertest oder ob die dir einen Ernährungsplan gibt mit "weniger Salz, mehr Gemüse" und du wieder nach Hause gehst mit demselben Wissensstand wie vorher. Das weiß ich nicht. Ich kenn das aus dem Betrieb: du fragst den Sicherheitsbeauftragten was und der gibt dir die Vorschrift, nicht die Antwort. Ob das bei Ernährungsberatern anders ist - keine Ahnung. Wäre interessant wenn du das mal rausfindest und hier zurückmeldest.

@rainer_w64 die Frage ob Ernährungsberatung wirklich methodisch arbeitet oder einfach einen Zettel mit "weniger Salz" rausgibt - die beschäftigt mich jetzt auch. Ich kenn das von einem Kollegen, der hat das mal gemacht nach seiner Diabetesdiagnose. Der hat mir gesagt die erste Sitzung war ok, die zweite war Wiederholung, danach hat er aufgehört zu gehen. Ob das bei Blutdruck anders läuft weiß ich nicht.

Zitat von rainer_w64

du fragst den Sicherheitsbeauftragten was und der gibt dir die Vorschrift, nicht die Antwort

Das kenn ich. Ich hab bei uns im Betrieb auch so jemanden. Vorschrift kommt sofort, Erklärung warum die Vorschrift Sinn macht musst du dir selbst zusammenreimen. Was mich da aber gerade anders denken lässt: bei uns im Lager haben wir seit letztem Jahr Unterweisungen die nicht mehr nur Folie vorlesen sondern wirklich Fragen stellen. Wer hat das durchgesetzt? Nicht der Sicherheitsbeauftragte - sondern jemand der selbst mal einen Unfall hatte und wusste was fehlt. Vielleicht ist das der Punkt. Ob ein Ernährungsberater was taugt hängt weniger vom Berufsfeld ab als davon ob die Person selbst mal in der Situation war die Infos wirklich zu brauchen. Das ist natürlich kein Auswahlkriterium das ich auf einem Kassenantragsformular ankreuzen kann. Ich frag meinen Schwager ob er da irgendwas weiß. Der kennt die Lebensmittelkontrolle von innen, vielleicht hat er auch Kontakte in die Richtung.

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