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Absetzen und nix gemerkt – macht euch das auch stutzig?

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Zitat von rote_socke_83

gibt es irgendeine Möglichkeit das vorher rauszufinden

Zur Genetik-Frage kurz: ja, es gibt tatsächlich Varianten im NOS3-Gen und in Enzymen der Nitrat-Nitrit-NO-Kaskade, die die individuelle Ansprechrate beeinflussen. Aber das ist kein binäres "wirkt / wirkt nicht" - das ist ein Kontinuum. Und ob du da je konkret rausfindest wo du stehst, ist im Freizeitsport-Kontext ehrlich gesagt unrealistisch. Gentest für Nitrat-Response ist nichts, was eine normale Hausarztpraxis macht. Was ich praktischer finde: wenn du nach einem sauber durchgeführten Versuch - richtiges Timing, halbwegs bekannte Dosis, einigermaßen kontrollierte Bedingungen - trotzdem nichts rausliest, dann kannst du das für dich abhaken. Ob das dann Genetik ist oder einfach Effektgröße unter deiner Wahrnehmungsschwelle, ist für die persönliche Entscheidung egal. Zur Nüchternfrage, die ich bisher schuldig geblieben bin: die kurze Antwort ist, es macht wahrscheinlich weniger aus als du denkst. Die Resorption von anorganischem Nitrat läuft primär über den oberen GI-Trakt und ist relativ robust gegenüber Nahrung. Was sich ändert ist eher die Magenentleerung - nüchtern geht das etwas schneller, der Peak kommt minimal früher. Ich würd das nicht als relevante Variable einstufen, solange du das Timing konsistent hältst. Was mir bei @rennradhorst's Schlafpunkt nochmal aufgefallen ist: Schichtarbeit ist da wirklich ein strukturelles Problem, kein Detailproblem. Wenn du nach Nachtschicht fährst ist dein sympathisches Nervensystem in einem anderen Zustand als nach einem normalen Morgen - das überlagert jeden Supplement-Effekt locker.

Zitat von markus_hh88

Schichtarbeit ist da wirklich ein strukturelles Problem, kein Detailproblem

ja, das ist der Punkt der mich gerade am meisten trifft. Weil ich das im Hinterkopf schon wusste, aber nicht so klar formuliert hatte. Ich hab Wechselschicht, das ist kein "manchmal schlafe ich schlecht" - das ist ein System das meinen Schlaf-Wach-Rhythmus alle paar Wochen komplett umdreht. Und ich soll da ernsthaft saubere Messdaten rausziehen? Was mich dabei jetzt beschäftigt und das ist wirklich noch nicht gefallen hier: vielleicht ist das ganze Testvorhaben für mich schlicht der falsche Ansatz. Nicht weil ich faul bin oder keine Lust hab. Sondern weil die Ausgangsbedingungen so variabel sind, dass ich nie einen stabilen Nullpunkt kriege. Im Lager würde ich sagen: bevor wir irgendwas testen müssen die Rahmenbedingungen erstmal stabil sein. Sonst misst du den Lärm, nicht das Signal. @markus_hh88 eine Frage die ich noch hab: gibt es irgendeinen Marker den ich ohne Schlaflabor oder Bluttest selbst tracken könnte, der mir zeigt ob mein Körper an einem gegebenen Tag überhaupt in einem Zustand ist wo ein Supplement-Test Sinn macht? Ruhepuls beim Aufwachen oder sowas? Garmin zeigt mir Stresswert und Körperbatterie an, aber ich trau dem Ding ehrlich gesagt nur halb.

Zitat von rote_socke_83

gibt es irgendeinen Marker den ich ohne Schlaflabor oder Bluttest selbst tracken könnte

Ruhepuls beim Aufwachen ist tatsächlich nicht schlecht - nicht als absolute Zahl, sondern als Abweichung von deinem persönlichen Mittelwert. Wenn du z.B. normalerweise bei 52 aufwachst und heute bei 62 liegst, dann ist irgendetwas nicht normal, egal ob Schicht, Infekt oder schlechter Schlaf. Das kostet 30 Sekunden. Was Garmin-Stresswert und Körperbatterie angeht: ich würd das auch nicht überbewerten, aber komplett ignorieren würde ich es auch nicht. Die HRV-basierten Werte dahinter haben einen realen physiologischen Hintergrund, das Problem ist die Kalibrierung auf dich persönlich und die Genauigkeit der Messung während des Schlafs. Ich hab Patienten, die schwören drauf, und welche denen der Wert systematisch daneben liegt. Ohne zu wissen wie gut das Gerät deinen Schlaf wirklich erfasst, ist der Wert halt ein grober Indikator. Was mich bei deiner letzten Frage aber wirklich mehr beschäftigt: du fragst nach einem Marker der dir zeigt ob ein Test Sinn macht - aber realistisch betrachtet wirst du mit Wechselschicht Wochen haben, wo du nie über diese Schwelle kommst. Dann testest du entweder trotzdem unter schlechten Bedingungen oder du testest gar nicht. Das ist keine Lösung, das verschiebt das Problem nur. Ich kenn das aus eigener Erfahrung - ich hab Trainingsphasen wo Schlaf, Stress und Kilometer nie gleichzeitig passen. Irgendwann muss man akzeptieren dass "kontrolliert" für Freizeitsportler ein relatives Konzept ist.

Zitat von markus_hh88

Irgendwann muss man akzeptieren dass "kontrolliert" für Freizeitsportler ein relatives Konzept ist

ja. Das ist wahrscheinlich das ehrlichste was in diesem ganzen Thread stand. Und gleichzeitig ist das der Punkt wo ich gerade sitze und denke: ok, was mach ich jetzt damit. Weil "akzeptieren dass es relativ ist" kann zwei Sachen bedeuten. Entweder man hört auf, überhaupt noch drüber nachzudenken und nimmt halt weiter irgendwas. Oder man zieht die Konsequenz und sagt, ich leg das Betanio erstmal komplett weg, nicht als Test sondern als Entscheidung. Was mich dabei beschäftigt und das ist mir gerade erst gekommen: ich hab nie bewusst entschieden das zu nehmen. Mein Kollege hat mir das empfohlen, ich hab's bestellt, und dann war's einfach da. Das ist keine Entscheidung, das ist Trägheit. Ich würd im Lager nie ein Prozess einführen weil irgendwer sagt "probier mal". Da will ich erst wissen warum und wozu. Ehrlich gesagt bin ich grad nicht sicher ob ich das Zeug nach dieser Diskussion nochmal kaufe. Nicht weil ich überzeugt bin dass es nix bringt. Sondern weil ich keine vernünftige Grundlage hab um das zu beurteilen, und der Preis dafür ist eine Frechheit. Das Geld kann ich auch in vernünftiges Essen stecken vor der Ausfahrt. Punkt.

Zitat von rote_socke_83

ich hab nie bewusst entschieden das zu nehmen

Das ist eigentlich der ehrlichste Satz im ganzen Thread. Und ich kenn das - nicht bei Rote Beete, aber ich hab mal ein halbes Jahr lang Magnesium genommen weil es irgendwie dazugehörte. Kein konkreter Anlass, kein Ziel, einfach im Warenkorb gelandet. Irgendwann hab ich's gelassen und nie gemerkt was sich geändert hat. Was mich bei deiner Schlussfolgerung aber leicht stört: "keine vernünftige Grundlage" und "also weg damit" ist eine valide Entscheidung - aber sie ist nicht das Gleiche wie "es bringt nix". Das klingt jetzt spitzfindig, ist es aber nicht. Wenn du aufhörst weil du dem Produkt nicht traust und den Preis nicht rechtfertigbar findest, ist das ein vernünftiger Pragmatismus. Wenn du aufhörst weil du denkst du hättest es getestet und es hat nix gebracht, dann zieht du eine falsche Schlussfolgerung aus einem Experiment das so nie stattgefunden hat. Realistisch betrachtet: die Entscheidung "ich kauf das nicht mehr" brauchst du gar nicht zu begründen. 35-40 Euro im Monat für ein Produkt ohne Nitrat-Deklaration - das würde ich mir auch sparen. Aber wenn du irgendwann nochmal neugierig wirst, dann mit einem standardisierten Produkt und einem definierten Zeitfenster, nicht mit dem nächsten Betanio-Äquivalent das dir jemand empfiehlt.

Zitat von markus_hh88

die Entscheidung "ich kauf das nicht mehr" brauchst du gar nicht zu begründen

das stimmt, und trotzdem find ich es irgendwie unbefriedigend. Nicht das Ergebnis, sondern wie ich dahin gekommen bin. Ich hab jetzt einen ganzen Nachmittag über ein Produkt diskutiert das ich nie bewusst ausgewählt hab. Das sagt eigentlich mehr über mich aus als über Betanio. Was mich gerade beschäftigt - und das ist wirklich neu für mich heute: ich frag mich ob ich bei der Granfondo im Herbst überhaupt irgendwas supplementieren will. Nicht Rote Beete speziell, generell. Ich hab mich angemeldet um zu fahren, nicht um Ernährungsexperimente zu machen. Und wenn ich ehrlich bin - meine Vorbereitung hängt grad viel mehr an der Trainingskonsistenz als an irgendeinem Kapsel-Zeug. Ich hab letzte Woche zweimal ausgelassen wegen Spätschicht. Das ist das eigentliche Problem. @markus_hh88 du hast vorhin gesagt "standardisiertes Produkt, definiertes Zeitfenster" wenn ich nochmal neugierig werde. Ich hak da nochmal nach - gibt es überhaupt Produkte auf dem deutschen Markt die das sauber deklarieren, also wirklich Nitrat in mg pro Portion? Weil wenn ich nochmal anfange will ich nicht wieder raten.

Zitat von rote_socke_83

gibt es überhaupt Produkte auf dem deutschen Markt die das sauber deklarieren

Ja, die gibt es. Beet It Sport von James White Drinks ist da eigentlich der Referenzpunkt, weil das exakt das Produkt ist das in den Exeter-Studien verwendet wurde - 400 mg Nitrat pro 70 ml Shot, deklariert, standardisiert. Das Zeug bekommst du in Deutschland über einige Online-Sportshops, manchmal auch in gut sortierten Läden. Ist kein Geheimtipp, aber ich nenn ihn explizit weil du konkret gefragt hast. Was ich noch ergänzen würde: wenn du das Etikett checkst, such nach "nitrate" in mg - nicht nach "Rote-Beete-Extrakt" irgendwas. Wenn die mg-Angabe fehlt, ist die Deklaration wertlos, egal was sonst draufsteht. Aber @rote_socke_83, ich nehm das trotzdem nochmal auf was du am Ende geschrieben hast - "zweimal ausgelassen wegen Spätschicht, das ist das eigentliche Problem." Das ist aus meiner Erfahrung der ehrlichste Satz den man über sich selbst sagen kann vor einem Wettkampf. Realistisch betrachtet macht Nitrat im besten Fall 1-2% Effizienzgewinn bei submaximaler Belastung. Zwei ausgefallene Einheiten fressen das locker wieder auf. Ich hab das selbst schon so erlebt, Triathlon-Vorbereitung, April, alles drumherum war gesetzt nur das Training nicht. Das heißt nicht, dass du das Produkt-Thema ignorieren sollst. Aber die Reihenfolge wäre für mich klar.

Zitat von markus_hh88die Reihenfolge wäre für mich klar

ja die Reihenfolge ist klar. Das ärgert mich an mir selbst gerade am meisten. Ich weiß das ja eigentlich - Ernährung und Training vor allem anderen, das ist keine neue Erkenntnis. Und trotzdem hab ich monatelang Kapseln geschluckt und zwei Ausfahrten pro Woche als selbstverständlich angenommen. Was mich bei dem Beet It Hinweis beschäftigt: ich kenn das Zeug vom Namen her, hab das irgendwann mal in einem Radsport-Forum gesehen. Aber ich frag mich ob ich das überhaupt vor der Granfondo noch einführen will. Neues Produkt, neues Timing, neues Protokoll - und das alles in der Vorbereitung auf einen Wettkampf wo ich sowieso schon nicht weiß was mich erwartet. Das klingt nach dem falschen Moment. @markus_hh88 du hast Triathlon-Vorbereitung erwähnt, April, Training nicht gesetzt. Wie hast du das aufgeholt - hast du einfach Volumen nachgestopft oder bist du mit dem was war in den Wettkampf? Ich frag weil ich grad überlege ob ich für den Herbst die Erwartungen einfach runterschrauben muss. Nicht aufgeben, aber realistisch sein. Schichtleiter mit Wechselschicht und zwei Kindern - da ist "Trainingskonsistenz" manchmal einfach eine Wunschvorstellung. Das Beet It kauf ich jedenfalls erstmal nicht nach. Punkt. Edit: Komma nach "Namen her" eingefügt und "Betanio" in "Beet It" korrigiert - hatte das falsch geschrieben.

Zitat von rote_socke_83

Wie hast du das aufgeholt

Ehrlich gesagt gar nicht. Ich bin mit dem was war in den Wettkampf, hab die Erwartung runtergeschraubt und das war rückblickend die richtigere Entscheidung als krampfhaft nachzustopfen. Volumen nachladen zwei Wochen vor einem Wettkampf macht es meistens schlechter, nicht besser - das seh ich beruflich auch, Patienten die kurz vor dem Ziel nochmal alles raushauen und dann mit Überlastungsreaktionen ankommen. Was deine Frage zum Timing mit Beet It angeht: du hast recht, Granfondo-Vorbereitung ist der falsche Moment um neue Variablen einzuführen. Das würde ich auch niemandem empfehlen. Wenn überhaupt, dann nach dem Wettkampf testen, in einer Phase wo der Ausgang egal ist. Was mich an deinem letzten Satz aber wirklich mehr beschäftigt: "Schichtleiter mit Wechselschicht und zwei Kindern." Das ist keine Randnotiz, das ist der eigentliche Kontext für alles was wir heute besprochen haben. Ich hab einen Patienten, Feuerwehr, ähnliche Schichtstruktur - der hat irgendwann aufgehört, sich an Trainingsplänen zu messen die für Leute mit geregeltem Tagesablauf gebaut sind, und hat einfach angefangen mit dem zu arbeiten was er hat. Klingt banal, hat aber tatsächlich was verändert. Ob das auf dich zutrifft weiß ich nicht.

Zitat von markus_hh88

mit dem zu arbeiten was er hat

das klingt erstmal nach einer Plattitüde aber je länger ich drüber nachdenke desto mehr trifft es was. Ich hab die letzten Monate immer versucht das zu sein was ich mir vor drei Jahren vorgestellt hab als ich das erste Mal ernsthaft Rad gefahren bin - jemand mit Plan, Struktur, Konsistenz. Statt zu schauen was mit Wechselschicht und zwei Kids überhaupt realistisch geht. Was mich dabei gerade beschäftigt: ich kenn keinen einzigen Trainingsplan der explizit für Schichtarbeiter gebaut ist. Die gehen alle von einem Grundrauschen aus das ich einfach nicht hab. Montag Grundlage, Mittwoch Intervall, Freitag Ruhe - schön. Und ich komm Mittwoch um 6 Uhr morgens aus der Nacht und soll dann Intervalle fahren? @markus_hh88 der Feuerwehr-Patient - hat der einfach die Einheiten zeitlich verschoben oder hat er das Konzept dahinter komplett umgebaut? Weil das ist für mich gerade der entscheidende Unterschied. Nur die Uhrzeit zu verschieben löst das Problem nicht wenn die Regeneration trotzdem nicht stimmt. Ich frag weil ich langsam glaube dass das der eigentliche Hebel für die Granfondo ist - nicht Betanio, nicht Rote Beete, nicht Beet It. Sondern ein Trainingsansatz der mit meinem echten Leben funktioniert statt gegen es.

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