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Absetzen und nix gemerkt – macht euch das auch stutzig?

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Zitat von rote_socke_83

hat er das Konzept dahinter komplett umgebaut

Beides, aber die Reihenfolge war anders als du vielleicht denkst. Er hat zuerst aufgehört, Wochen zu zählen. Also nicht "ich hab diese Woche nur zwei von vier Einheiten geschafft" sondern einfach: was ist heute möglich. Das klingt nach Selbstbetrug, ist es aber nicht - er hat einfach die Einheit als Einheit gewertet, egal wann sie kam. Mittwoch nach Nachtschicht nix? Dann eben Donnerstag kurz, wenn es geht. Keine Nachrechnung, kein Defizit-Denken. Was sich dadurch geändert hat, war weniger das Volumen als die Qualität der Einheiten die er gemacht hat. Weil er nicht mehr mit schlechtem Gewissen gefahren ist oder mit dem Gefühl nachholen zu müssen. Das ist jetzt kein Patentrezept, und ich weiß nicht ob das auf dich passt. Aber der Punkt den du machst - "nur Uhrzeit verschieben löst nix" - stimmt aus meiner Erfahrung. Das Problem bei Schichtarbeit ist nicht Kalenderlogistik sondern Erholungsarchitektur. Du kannst die Einheit auf Donnerstag legen, aber wenn du Donnerstag nach Nacht fährst mit 5 Stunden Schlaf, dann fährst du auf Reserve. Das akkumuliert sich. @rote_socke_83 konkret gefragt: hast du eigentlich irgendwo protokolliert wie viele deiner Einheiten in den letzten drei Monaten nach Nacht- oder Spätschicht waren? Nicht um dich zu ärgern, sondern weil das der eigentliche Ausgangspunkt wäre, bevor man irgendeinen Plan umbaut.

Zitat von markus_hh88

wie viele deiner Einheiten in den letzten drei Monaten nach Nacht- oder Spätschicht waren

hab grad ehrlich mal in Garmin Connect geschaut. Von den Ausfahrten die ich in den letzten drei Monaten protokolliert hab - 14 insgesamt - waren 6 entweder direkt nach Spätschicht oder an dem Tag danach. Also fast die Hälfte. Das hab ich so nie nebeneinandergelegt. Das ist kein Detail mehr. Was mich dabei gerade wirklich beschäftigt: ich hab immer gedacht ich train konsequent, weil ich die Einheiten gemacht hab. Aber wenn fast die Hälfte davon auf Tagen war wo ich eh schon auf Reserve lief - dann ist "konsequent" vielleicht das falsche Wort. Dann bin ich einfach rausgefahren weil ich das Gefühl hatte ich muss. Das ist was anderes. @markus_hh88 der Punkt mit der Erholungsarchitektur trifft mich mehr als ich erwartet hab. Ich hab das immer als Willenssache gesehen - du fährst oder du fährst nicht. Aber wenn der Körper nach Nachtschicht schlicht nicht regeneriert ist, dann ist das keine Frage des Willens sondern einfach Biologie. Das klingt offensichtlich wenn mans so sagt, trotzdem hab ich drei Monate so getan als wäre das egal. Ich glaub ich muss da wirklich nochmal einen Abend reinsetzen und schauen was sich an meinem Schichtplan für die nächsten Wochen ablesen lässt. Nicht Trainingsplan, erstmal nur: wann bin ich überhaupt in einem Zustand wo Fahren Sinn macht.

Zitat von rote_socke_83

wann bin ich überhaupt in einem Zustand wo Fahren Sinn macht

Das ist die richtige Frage - und dass du das jetzt so formulierst, ist eigentlich schon ein Ergebnis aus diesem Thread. Nicht "wann schaff ich eine Einheit", sondern ob sie dir gerade was bringt oder dich nur weiter aushöhlt. Was ich noch ergänzen würde, weil das bisher nicht kam: es gibt einen Unterschied zwischen "auf Reserve fahren" und "im Loch fahren". Kurze, sehr lockere Einheit nach Spätschicht - technisch möglich, physiologisch neutral bis leicht positiv, weil Bewegung Cortisol abbaut. Intensive Einheit nach Nacht mit 5 Stunden Schlaf - das ist keine Trainingsbelastung mehr, das ist Stress auf Stress. Die Frage ist also nicht nur ob, sondern auch was. Vielleicht ist "nach Nacht" nicht automatisch ein Ausfalltag, sondern einfach ein anderer Tag. Was ich nicht weiß, und das wäre meine echte Frage an dich: hast du in Garmin oder sonstwo Herzfrequenz-Daten aus diesen Post-Nacht-Einheiten die du mit normalen Einheiten vergleichen könntest? Gleiche Strecke, ähnliches Tempo - war die HF systematisch höher? Das wäre kein Beweis, aber ein Indikator ob der Körper da wirklich anders reagiert hat oder ob es sich nur subjektiv schlechter angefühlt hat. Ich frag weil ich beruflich immer wieder sehe dass die Selbstwahrnehmung nach Schlafmangel auch die Empfindung der Belastung verschlechtert, ohne dass objektiv mehr passiert. Das macht die Sache nicht besser, aber es verändert wie man drauf reagieren sollte.

Zitat von markus_hh88

war die HF systematisch höher

hab grad nochmal reingeschaut. Ich kann in Garmin Connect nach Datum filtern, und ich hab tatsächlich vier Ausfahrten wo ich die ungefähr gleiche Runde gefahren bin - zwei nach normaler Frühschicht, zwei nach Spätschicht am nächsten Morgen. Die Pace ist fast identisch, der Unterschied ist marginal. Aber die Herzfrequenz liegt bei den Post-Spät-Einheiten im Schnitt so 7-9 Schläge höher. Nicht riesig aber konsistent. Das ist kein Gefühl mehr, das sind Zahlen. Was mich dabei jetzt beschäftigt: ich hab diese Ausfahrten immer als gleich gewertet. Gleiche Strecke, ähnliche Zeit, also gleiche Einheit. Aber wenn der Körper dabei 7-9 Schläge mehr arbeitet bei gleicher Leistung - das ist physiologisch keine gleiche Einheit. Das ist eine härtere. Ich hab mir also monatelang eingeredet ich fahre konsequent, und dabei war fast die Hälfte meiner Einheiten schlicht intensiver als geplant, nicht weil ich Gas gegeben hab, sondern weil der Körper einfach mehr brennt wenn er nicht erholt ist. Das ist eigentlich das Konkreteste was aus diesem ganzen Nachmittag rausgekommen ist. Und das hat nix mit Betanio zu tun, nix mit Nitrat, nix mit Rote Beete. Das ist einfach schlechte Selbstbeobachtung über drei Monate.

Zitat von rote_socke_83

das ist einfach schlechte Selbstbeobachtung über drei Monate

Das würde ich so nicht stehenlassen. Schlechte Selbstbeobachtung klingt nach Versagen, und das ist es nicht. Du hast die Daten gehabt, du hast sie nur nicht unter dieser Fragestellung ausgewertet. Das ist was anderes. Die meisten Leute hätten das nie überprüft. Was mich an dem 7-9-Schläge-Befund aber gerade beschäftigt, und das ist ein Punkt der noch nicht kam: diese erhöhte HF nach Spätschicht ist nicht nur ein Zeichen dass der Körper mehr arbeitet - sie sagt dir auch was über die Trainingszone. Wenn du die gleiche Pace fährst und dabei 7-9 Schläge höher liegst, bist du unter Umständen in einer anderen Zone als du dachtest. Was als "lockere Grundlage" geplant war, war physiologisch vielleicht Tempo-Bereich. Und das akkumuliert sich über Wochen anders als geplantes Grundlagenvolumen. Ich kenn das aus der Praxis - Patienten die sich wundern warum sie trotz "konsequentem Training" nicht frischer werden. Manchmal ist das Antwort schlicht: die Intensitätsverteilung hat nicht gestimmt, weil der Kontext der Einheiten nie mit eingerechnet wurde. @rote_socke_83 eine konkrete Frage dazu: hast du in Garmin irgendwo Trainingszonen hinterlegt, die auf deiner tatsächlichen Schwelle basieren, oder läuft das noch auf Standardwerten vom Gerät?

Zitat von markus_hh88

Trainingszonen hinterlegt die auf deiner tatsächlichen Schwelle basieren

ehrlich gesagt nein. Ich hab Garmin einfach laufen lassen, die Zonen sind noch auf den Standardwerten die das Gerät bei der Einrichtung gesetzt hat. Ich weiß nichtmal mehr welches Modell welche Formel nimmt. 220 minus Alter oder irgendwas neueres, keine Ahnung. Das bedeutet dann wohl, dass ich nicht nur nicht weiß ob ich erholt gefahren bin - ich weiß auch nicht in welcher Zone ich wirklich war. Die ganzen Garmin-Auswertungen die ich die letzten Monate angeschaut hab, Trainingsbelastung, Erholung, alles - die rechnen alle mit einem Maxpuls der vielleicht 10-15 Schläge daneben liegt. Das ist kein Rauschen mehr, das verändert die ganze Auswertung. @markus_hh88 wie bestimmt man das vernünftig ohne Labortest? Ich hab mal gelesen, irgendwo im Velominati-Forum glaub ich, dass man sich den Maxpuls bei einem ordentlichen Berg-Sprint rausprügeln kann. Aber ob das verlässlicher ist als Garmin-Standard weiß ich nicht. Und mein Hausarzt hat mir letztens beim Gesundheitscheck einfach 179 aufgeschrieben, keine Ahnung woher der das hatte. Das Ding ist: ich hab jetzt an einem einzigen Abend mehr über mein Training gelernt als in drei Monaten davor. Das ist irgendwie beschämend und nützlich gleichzeitig.

Zitat von markus_hh88

Trainingszonen hinterlegt die auf deiner tatsächlichen Schwelle basieren

das ist bei mir auch ewig so gelaufen. Garmin-Standard 220 minus Alter fertig. Mit 52 spuckt das dir dann irgendwas um 168 raus und das stimmt halt bei manchen und bei anderen net. Ich hab das erst gemerkt als ich mal beim Sportmediziner war wegen dem Blutdruck - der hat nebenbei einen Stufentest gemacht und mein echter Maxpuls lag 14 Schläge über dem was Garmin angenommen hatte. 14! Das heißt ich bin jahrelang in Zone 3 gefahren wenn Garmin mir Zone 2 angezeigt hat. @rote_socke_83 der Berg-Sprint-Ansatz den du beschreibst funktioniert im Prinzip, aber du brauchst wirklich einen Tag wo du ausgeschlafen bist und die Beine frei hast, sonst kriegst du nicht dein echtes Maximum raus. Und nach Spätschicht schon gar net. Was mich bei eurem ganzen Thread jetzt aber wirklich trifft - ich lese das alles und denke: da hat jemand Monate lang ein überteurtes Produkt ohne vernünftige Nitrat-Angabe genommen, zur falschen Tageszeit, mit falsch kalibrierten Trainingszonen, zur Hälfte auf nicht erholtem Körper. Da kann Rote Beete noch so gut sein, das wäre in dem Gesamtchaos nie sichtbar geworden. Das ist net böse gemeint @rote_socke_83, ich hab das mit anderen Sachen selbst so gemacht.

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