Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Absetzen und nix gemerkt – macht euch das auch stutzig?

VorherigeSeite 2 von 4Nächste
Zitat von rote_socke_83

ich hab das Betanio immer morgens vor der Frühschicht genommen, nicht vor dem Training

Das ist jetzt tatsächlich der interessanteste Punkt im ganzen Thread. Weil 8-10 Stunden Abstand zum Training das Timing-Problem nicht nur theoretisch aufmacht - da ist der Peak-Spiegel längst wieder abgebaut. Die 2-3 Stunden, die du gelesen hast, stimmen ungefähr, wobei es je nach Quelle eher Richtung 2-2,5 Stunden geht für anorganisches Nitrat aus Nahrung. Was danach passiert ist individuell, aber nach 8 Stunden bist du in den meisten Fällen wieder auf Baseline. Was dabei noch hinzukommt, und das ist mir gerade erst bewusst geworden: die Halbwertszeit von Plasma-Nitrat liegt grob bei 5-8 Stunden, aber das ist kein Cliff - der Spiegel fällt graduell. Ob du beim Training noch was davon hast, hängt also auch davon ab wie viel du morgens eingenommen hast. Bei 600 mg Extrakt ohne Standardisierung weißt du den Ausgangswert sowieso nicht. @rote_socke_83 ich würde das Timing für dich als eigentlich vorrangig einschätzen, vor der Dosierungsfrage. Eine zu niedrige Dosis zum richtigen Zeitpunkt ist immer noch besser als eine theoretisch ausreichende Dosis mit 8 Stunden Vorlauf. Beides zusammen ist halt ein schlechter Start für jedes Selbstexperiment. Ob du das Produkt weiter nimmst oder nicht, ist letztlich deine Entscheidung - aber wenn du es testen willst, dann mit einer anderen Routine. Direkt vor dem Training, nicht als Frühstücksritual.

Zitat von markus_hh88

Eine zu niedrige Dosis zum richtigen Zeitpunkt ist immer noch besser als eine theoretisch ausreichende Dosis mit 8 Stunden Vorlauf

Das stimmt so, aber ich würd das noch etwas schärfer formulieren: beim Timing-Problem von @rote_socke_83 reden wir ja nicht über ein paar Minuten Abweichung, sondern über einen systematischen Fehler der sich über Monate wiederholt hat. Wenn das stimmt, was er beschreibt, dann hat er das Produkt konsequent außerhalb jedes plausiblen Wirkfensters genommen. Das ist kein Rauschen, das ist Methodik. Was mich dabei beschäftigt und das hat bisher noch niemand angesprochen: wäre es theoretisch möglich, dass eine chronische Supplementierung - also nicht das akute Timing-Fenster, sondern tägliche Einnahme über Wochen - den Baseline-Nitrat-Spiegel dauerhaft leicht anhebt? Ich hab da mal was quergelesen, bin aber nicht mehr sicher ob das aus einem Exeter-Paper war oder aus einem Review, und ich will das nicht als Fakt verkaufen. Hast du da, @markus_hh88, eine verlässlichere Einschätzung? Weil wenn ja, wäre die Timing-Frage nochmal differenzierter. Draußen schneit es gerade wieder, also kommt der Sonntagslauf eh ins Wasser. @rote_socke_83 ich sag's trotzdem nochmal direkt: mit "Rote-Beete-Extrakt 600 mg" ohne Nitrat-Deklaration und 8 Stunden Abstand zum Training hast du eigentlich gar keine Testbedingung gehabt. Das ist kein Vorwurf, das mach ich beim ersten Produkt auch nicht besser gemacht.

Zitat von markus_b82

wäre es theoretisch möglich, dass eine chronische Supplementierung den Baseline-Nitrat-Spiegel dauerhaft leicht anhebt

Die Frage ist berechtigt, und ich kenn die Studien dazu leider auch nur am Rand. Es gibt tatsächlich Hinweise - ich glaube aus einem Paper von Lansley et al., bin aber nicht sicher ob das die richtige Zuordnung ist - dass bei täglicher Einnahme über mehrere Wochen der Ruhe-Plasmaspiegel leicht erhöht bleibt. Aber "leicht erhöht" heißt da wirklich marginal, und ob das funktionell relevant ist, also ob das am Ende beim Training irgendwas ausmacht, ist eine andere Frage. Ich würde das nicht als Freifahrtschein fürs Timing-Egal-Nehmen interpretieren. Was mich an @markus_b82's Punkt eigentlich mehr beschäftigt: wenn chronische Supplementierung überhaupt einen Baseline-Effekt hätte, dann wäre das ja gerade das Argument für @rote_socke_83's Morgenroutine - und trotzdem ist beim Absetzen nix passiert. Das spricht dann eher gegen den chronischen Effekt als dafür. Realistisch betrachtet: bei einem Produkt ohne Nitrat-Deklaration, unbekannter Lagerung und Listerine vor dem Speicheltest bleibt eigentlich keine Variable kontrolliert. Das ist kein Einzelfall, das ist der Normalzustand bei Selbstversuchen mit Rote-Beete-Produkten. Ich sag das ohne Ironie - ich hab selbst Trainingswochen, wo ich drei Confounding-Faktoren gleichzeitig ändere und mich dann wundere warum ich nichts rauslese.

Zitat von markus_hh88

ich hab selbst Trainingswochen, wo ich drei Confounding-Faktoren gleichzeitig ändere

ja, das kenn ich. Und genau da ist mein Problem gerade. Ich sitz hier und merke, dass ich eigentlich nie wirklich getestet hab, ich hab einfach genommen. Das ist was anderes. Was mich jetzt beschäftigt und das ist noch nicht gefallen hier: ich überleg ob ich das Timing-Problem nicht auch einfach aus dem Weg räumen könnte, indem ich auf echte Rote Beete umsteige statt auf das Kapsel-Zeug. Ich mein, wenn ich zwei Stunden vor der Ausfahrt 200g Rote Beete esse, dann weiß ich wenigstens dass da was drin ist - auch wenn die Menge schwankt. Meine Frau kocht das eh manchmal, das wäre kein großer Aufwand. Und der Preis-Vergleich wäre interessant. Betanio PLUS kostet mich im Monat so 35-40 Euro. Rote Beete aus dem Rewe daneben kostet einen Bruchteil davon. Ich weiß dass man damit die Standardisierungsfrage auch nicht löst. Aber ich hätte wenigstens ein realistisches Timing und keine Verpackung ohne Nitrat-Angabe. @markus_b82 du hast gesagt "gar keine Testbedingung gehabt" - das trifft es ehrlich gesagt. Das nervt mich weniger wegen dem Geld, obwohl das auch eine Frechheit ist. Mehr wegen dem Gefühl monatelang im Dunkeln getappt zu sein ohne es zu wissen. Ich bin eigentlich kein Mensch der sich so was durchgehen lässt. Im Job würd ich das nicht akzeptieren.

Zitat von rote_socke_83

ich überleg ob ich das Timing-Problem nicht auch einfach aus dem Weg räumen könnte, indem ich auf echte Rote Beete umsteige

Der Gedanke ist naheliegend, und ich hab das selbst mal eine Weile so gemacht - gekochte Rote Beete, ca. 150-200g, ungefähr 90 Minuten vor langen Läufen. Das Problem dabei ist weniger die Standardisierungsfrage, die du selbst schon nennst, sondern eher was praktisches: gekochte Rote Beete verliert einen Teil des Nitrats durch den Kochprozess, rohe ist da effizienter aber auch schwerer verträglich kurz vor dem Sport. Ich hab letztens irgendwo gelesen - ich glaub es war bei examine.com, aber ich bin nicht sicher - dass der Nitratverlust beim Kochen je nach Dauer und Wasservolumen erheblich schwanken kann. Also löst das die Variabilitätsfrage nur halb. Was mich an deinem letzten Beitrag aber mehr beschäftigt als die Rote-Beete-Frage: du sagst "Im Job würd ich das nicht akzeptieren" - und das ist eigentlich der interessante Punkt. Weil im Job hast du eine Anforderungsliste, du weißt was das System liefern soll, und du testest dagegen. Beim Supplement hat niemand je definiert, was der Erfolgsfall überhaupt aussehen soll. Kein Ziel, kein Messkriterium, kein Abnahmetest. Das ist kein Vorwurf an dich, das ist das Standardproblem. Ohne vorher festgelegtes Erfolgskriterium kann Supplementierung weder scheitern noch bestehen - sie passiert einfach. @rote_socke_83 wenn du auf Rote Beete umsteigst: roh, entsaftet wäre wahrscheinlich die verlässlichere Option als gekocht. Aber dann halt mit der Reibe in der Küche, und das ist halt nochmal eine andere Bereitschaft.

Zitat von markus_b82

roh, entsaftet wäre wahrscheinlich die verlässlichere Option

ja ok, das ist realistisch. Aber "Reibe in der Küche" kurz vor einer Ausfahrt um 7 Uhr morgens - das wird meine Frau begeistern. Ich sag dir, da muss ich erst mal ein Gespräch führen bevor ich die Küche rot einfarbe. Was mich an deinem Erfolgskriterium-Punkt aber wirklich trifft: du hast recht, und das ärgert mich an mir selbst. Ich hab im Lager Prozesse, da definier ich vorher was "gut" bedeutet. Lieferzeit, Fehlerquote, was auch immer. Das ist nicht Pflicht, das ist einfach vernünftig. Beim Betanio hab ich nie festgelegt was ich überhaupt erreichen will. Schnellere Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Stammrunde? Niedrigere HF bei gleicher Pace? Nichts davon. Ich hab einfach genommen und gehofft dass ich irgendwas spüre. Das ist keine Methode. Was ich jetzt konkret überlege: für die Granfondo im Herbst hab ich noch ein paar Monate. Wenn ich das wirklich testen will, dann brauch ich eine Ausfahrt die ich regelmäßig fahre, immer die gleiche Route, und ich muss HF und Pace vergleichen. Ich hab die Strecke sogar, 45 km Richtung Hattingen, die fahr ich fast jede zweite Woche. Das wäre zumindest ein halbwegs vergleichbarer Rahmen. Ob das wissenschaftlich sauber ist, weiß ich auch nicht. Aber besser als nix. @markus_hh88 eine Frage die ich noch hab: spielt es eine Rolle ob ich nüchtern fahre oder nicht für die Nitrat-Aufnahme? Ich fahr die Strecke manchmal mit, manchmal ohne Frühstück.

Zitat von rote_socke_83spielt es eine Rolle ob ich nüchtern fahre oder nicht für die Nitrat-Aufnahme

Das ist eine Frage, die ich selbst nie wirklich aufgemacht hab, obwohl sie naheliegt. Meine Vermutung, ohne das jetzt mit einer konkreten Quelle belegen zu können: der Nüchternzustand beeinflusst die Magenentleerungsrate, und das könnte theoretisch das Resorptionstiming verschieben. Also nicht ob Nitrat aufgenommen wird, sondern wann der Peak kommt. @markus_hh88 weiß das vermutlich besser als ich. Was mich an deinem Plan mit der 45-km-Runde aber mehr beschäftigt: du musst da noch eine Variable raushalten, die du nicht erwähnt hast - Tagesform. Wenn du die Strecke "fast jede zweite Woche" fährst, dann läuft da eh schon ein Trainingseffekt durch. Der könnte den Nitrat-Effekt überlagern, weil du nach ein paar Monaten auf derselben Strecke einfach schneller wirst, egal was du nimmst. Das wäre dann wieder ein Confounding-Problem. Ich würd deshalb überlegen ob du die Strecke nicht kurz vor dem eigentlichen Test für 3-4 Wochen aussparst, um keinen Lerneffekt reinzubekommen. Klingt kleinlich, aber das ist genau der Unterschied zwischen "irgendwas messen" und "was Auswertbares messen". Im Job würdest du den Testlauf auch nicht gleichzeitig als Produktionsumgebung betreiben. Edit: Noch ein Gedanke - wenn du die Strecke pausierst, solltest du trotzdem leicht fahren gehen, damit du nicht völlig aus dem Rhythmus kommst. Nur eben nicht diese eine 45er.

Zitat von markus_b82

den Testlauf auch nicht gleichzeitig als Produktionsumgebung betreiben

das trifft es. Genau das mach ich die ganze Zeit. Ich fahr die Runde, ich trainiere, ich nehm irgendwas - alles auf einmal, alles durcheinander. Das wäre bei uns im Lager eine Nullmessung, die ich wegschmeißen würde. Der Punkt mit dem Trainingseffekt auf der Strecke ist mir ehrlich gesagt noch nicht so klar gewesen. Ich hab die Hattingen-Runde als "Konstante" gedacht, aber du hast recht - ich werd auf der Strecke bis Herbst sowieso besser, einfach weil ich mehr fahre. Das überlagert dann alles andere. Ich bräuchte also eigentlich eine Runde die ich für den Test reserviere und sonst nicht fahre. Das ist organisatorisch machbar, aber das bedeutet ich muss mir eine andere Ausfahrt suchen für den Trainingsalltag. Was mich dabei gerade beschäftigt: ich hab gar kein sauberes Baseline-Datum. Ich weiß nicht wie ich auf der Hattingen-Runde vor drei Monaten war, weil ich die Daten nicht systematisch verglichen hab. Garmin-Aufzeichnungen hab ich zwar, aber nie ausgewertet mit dem Gedanken "was hat sich wirklich verändert". Ich glaub ich muss da mal einen Abend reinsetzen, bevor ich irgendeinen Testplan aufstelle. @markus_hh88 deine Frage zum Nüchternfahren interessiert mich trotzdem noch.

Zitat von rote_socke_83

Garmin-Aufzeichnungen hab ich zwar, aber nie ausgewertet

das kenn ich von mir selbst, die Daten liegen da und man schaut drauf aber nie wirklich drauf. ich hab mal irgendwann angefangen meine Herzfrequenz bei gleicher Teststrecke in Garmin Connect zu vergleichen - nicht wissenschaftlich, aber zumindest konsistent. Was mir dabei aufgefallen ist: der größte Störfaktor war nicht das Supplement oder das Training sondern der Schlaf in der Nacht davor. An Tagen wo ich weniger als 6 Stunden hatte war die HF bei gleicher Pace locker 8-10 Schläge höher. Das macht jeden Vergleich kaputt wenn man das net protokolliert. @rote_socke_83 du hast die Garmin-Daten also schau mal ob du da Schlafqualität oder zumindest die Uhrzeit vom Aufstehen irgendwo nachvollziehen kannst. Ich hab das eine Weile lang einfach handschriftlich in einem Notizbuch gemacht, morgens kurz: Schlaf ok/schlecht, Beine schwer/leicht, Wetter. Klingt nach Aufwand aber dauert 30 Sekunden. was mich bei dem ganzen Thread hier auch noch beschäftigt und das ist net gefallen: ihr redet viel über die Nitrat-Menge im Produkt, aber kein Wort darüber dass manche Leute genetisch unterschiedlich stark auf Nitrat ansprechen. Ich hab das mal in einem Podcast gehört - ich glaub es war der Sigma Nutrition, markus_b82 hat den ja auch erwähnt - dass es da tatsächlich Varianz gibt in wie gut jemand Nitrat zu NO umwandelt. Wenn das stimmt wäre selbst ein perfekt dosiertes Produkt zum richtigen Zeitpunkt bei manchen Leuten schlicht weniger wirksam. Das würde die "nix gespürt"-Geschichten nochmal anders erklären.

Zitat von rennradhorst

genetisch unterschiedlich stark auf Nitrat ansprechen

das hab ich so noch nicht auf dem Schirm gehabt, ehrlich gesagt. Und das nervt mich jetzt gerade ein bisschen, weil das bedeutet: selbst wenn ich alles richtig mache - Timing, Dosis, kontrollierte Strecke - kann am Ende trotzdem rauskommen dass ich einfach zu denen gehöre bei denen es weniger zieht. Das wäre dann kein Fehler in der Methode sondern einfach meine Biologie. Kann ich so nicht beeinflussen. Was mich dabei beschäftigt: gibt es irgendeine Möglichkeit das vorher rauszufinden oder ist man da auf Verdacht unterwegs? Ich mein, ich bin kein Mensch der sich gerne auf "vielleicht bin ich halt so" zurückzieht, aber wenn das eine echte genetische Varianz ist und keine Frage der Dosierung, dann ist der ganze Testaufwand den wir hier besprochen haben vielleicht für mich persönlich trotzdem eine Nullnummer. Der Schlafpunkt von dir trifft mich übrigens auch. Ich fahr die Hattingen-Runde manchmal nach Nachtschicht, manchmal nach normalem Morgen. Das hab ich nie getrennt. Schichtarbeit und konsistente Messdaten - das ist sowieso ein Problem, da muss ich realistisch sein. @markus_hh88 deine Antwort zur Nüchternfrage steht übrigens noch aus.

VorherigeSeite 2 von 4Nächste