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Rote Bete roh vs. gekocht vs. Konzentrat – merkt ihr einen Unterschied?

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Zitat von markus_hh88

Das sollte übrigens auf die Betanio-Werbung draufstehen

Ja, und genau das ist der Punkt der mich an dem Produkt schon länger stört - nicht die Wirksubstanz, die ist hinreichend belegt, sondern was auf der Verpackung nicht steht. Kein Wort zur Mundflora, kein Hinweis auf Antiseptika, nichts zur Einnahmezeit relativ zu Mahlzeiten. Das ist halt aktives Weglassen von Information, die kaufentscheidend wäre. Was mich bei deinem letzten Punkt aber wirklich beschäftigt: Du schreibst, die Debatte wird "unbefriedigend", wenn man Mundflora als Faktor reinrechnet. Ich seh das anders. Für mich ist das eher ein Qualitätsfilter. Wenn jemand sagt "ich merk nichts", ist das jetzt deutlich informativer als vorher - weil es mehrere konkrete Kandidaten gibt, nicht nur "vielleicht ist das Placebo". Was ich mich frage, und da hab ich wirklich keine Antwort: Ist die orale Mikrobiota stabil genug, dass man sie als konstanten Faktor behandeln kann, oder variiert die über Wochen stark? Weil wenn die sich zyklisch ändert, zum Beispiel nach Antibiotika oder nach Erkrankungen, dann erklärt das vielleicht sogar warum dieselbe Person zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich auf Nitrat reagiert. Das würde die n=1-Protokolle noch weiter entwerten, auch mein eigenes. Ich glaub, da müsste man mal gezielt nach Studien schauen, die longitudinale Variabilität der oralen Nitratreduktase-Aktivität gemessen haben. Ob es das gibt, weiß ich ehrlich nicht.

@markus_b82 zur Stabilitätsfrage der oralen Mikrobiota: da gibt es tatsächlich was. Ich hab vor einer Weile einen Review von Zarco et al. (2012, ich glaub das war Oral Microbiology and Immunology, bin nicht sicher ob das Journal so noch heißt) quergelesen, die haben gezeigt dass die nitratreduzierende Aktivität im Mund relativ stabil ist - zumindest über Wochen ohne größere Störfaktoren. Antibiotika sind da natürlich ein anderes Kapitel, aber im Normalzustand ist das kein wilder Schwankungsparameter. Was das für deine Frage bedeutet: n=1-Protokolle werden dadurch vielleicht doch nicht so weiter entwertet wie du schreibst. Wenn meine Mundflora halbwegs konstant ist, dann ist sie zumindest als Störvariable stabil - und ich kann andere Faktoren sauberer vergleichen, als wenn da jeden zweiten Tag alles rotiert.

Zitat von markus_b82

longitudinale Variabilität der oralen Nitratreduktase-Aktivität

Das Interessante ist ja, dass genau das für die roh-vs-gekocht-Frage eine praktische Konsequenz hätte. Wenn meine Konversionsrate stabil ist, dann ist Dosis tatsächlich der Hebel - und dann wird Zubereitungsform wieder relevanter als Mundflora. Das dreht die Hierarchie wieder um. Aus meiner Erfahrung in der Praxis ist Antibiotika-Anamnese übrigens sowieso was, das kaum jemand bei Supplement-Eigenversuchen auf dem Schirm hat. Ich hab Patienten, die wundern sich warum ihr "Protokoll" nach einer Erkältungsbehandlung plötzlich nicht mehr "funktioniert".

Zitat von markus_hh88

Wenn meine Konversionsrate stabil ist, dann ist Dosis tatsächlich der Hebel

Das ist ein interessanter Umkehrschluss, @markus_hh88 - aber ich bin nicht sicher ob Zarco et al. 2012 da ausreicht als Grundlage. Zwölf Jahre alte Reviewdaten zur oralen Mikrobiota, in einer Zeit bevor Sequenzierungsmethoden so feinkörnig waren wie heute. Hast du da eine aktuellere Replikation auf dem Radar? Was mich an deinem Punkt mit der Antibiotika-Anamnese eigentlich mehr beschäftigt: Das ist ja nicht nur ein Randfall. Wer im Winter zweimal einen Infekt hatte und dazwischen ein Antibiotikum bekommen hat, hat in einem Sechsmonats-Protokoll mindestens ein, zwei Datenpunkte drin, die systematisch verzerrt sind - ohne dass er es merkt. Das würde ich gerne mal gegengerechnet sehen in einem der n=1-Berichte hier. Ich frag mich ob die Konsequenz daraus eigentlich wäre, dass man Nitrat-Eigenversuche sinnvollerweise erst nach einer "Erholungsphase" der Mundflora starten sollte. Ob es dafür irgendeine Daumenregel gibt - wie lange nach Antibiotika bis die nitratreduzierende Aktivität wieder auf Ausgangsniveau ist - das weiß ich wirklich nicht. Da müsste ich selbst erst suchen. @rennradrenate, falls du hier noch mitliest: Hast du in letzter Zeit irgendwas in der Richtung genommen, das die Mundflora beeinflusst haben könnte? Das wäre für deine Blutdruck-Beobachtungen vielleicht gar nicht unwichtig.

@markus_b82 die Daumenregel nach Antibiotika - ich hab da tatsächlich nichts Belastbares auf dem Radar, nur das was man so aus der allgemeinen Mikrobiom-Literatur kennt. Die spricht von zwei bis vier Wochen für eine grobe Erholung der oralen Flora, aber das ist nicht spezifisch für Nitratreduktase-Aktivität gemessen, das ist eher extrapoliert. Ob das fürs Mund-Nitrat-System genau so gilt, wäre eine separate Frage. Was mich bei deinem Einwand zu Zarco stört: du hast mit den Sequenziermethoden recht, das ist ein valider Punkt. Aber ich würde vorsichtig sein damit, ältere Reviews grundsätzlich zu entwerten weil die Methodik seitdem feiner geworden ist. Für die Frage "ist die nitratreduzierende Aktivität über Wochen stabil" braucht man keine hochauflösende Sequenzierung - das war damals methodisch zugänglich. Eine aktuellere Replikation wäre trotzdem schön, da stimme ich zu. Ich schaue bei Gelegenheit nach, ob da was aus dem letzten Jahrzehnt reingespielt hat.

Zitat von markus_b82

Erholungsphase der Mundflora

Das wäre eigentlich ein praktikabler Hinweis, den man Leuten mitgeben könnte. Ich hab in der Praxis bisher nie aktiv darauf hingewiesen, weil ich das selbst nicht auf dem Schirm hatte in dem Kontext. Jetzt wo du das sagst - das wäre vielleicht relevanter als die Frage roh oder gedämpft, die den ganzen Thread über diskutiert wird.

Zitat von markus_hh88Das wäre eigentlich ein praktikabler Hinweis, den man Leuten mitgeben könnte

Ja, aber das wirft für mich eine andere Frage auf: Wer gibt diesen Hinweis eigentlich? Nicht der Hersteller, nicht der Hausarzt (der sagt "Gemüse ist gut"), und in Foren wie diesem landet er nur zufällig, wenn jemand die richtige Literatur gelesen hat. Das ist ein strukturelles Problem, kein individuelles. Was mich bei deinem Punkt zur Sequenzierung aber nochmal einholt: Du hast recht, dass die Stabilitätsfrage damals methodisch zugänglich war. Ich hab das zu schnell als Einwand formuliert. Was ich eigentlich meinte: Zarco 2012 kann sagen "die Aktivität ist stabil", aber ob sie das bei denselben Probanden nach veränderten Ernährungsgewohnheiten, anderen Jahreszeiten oder einfach einem anderen Lebensrhythmus auch noch wäre. Das ist eine andere Frage, die ein Cross-Sectional-Review nicht beantworten kann. Ich frag mich grad, ob es überhaupt einen praktischen Weg gibt, die eigene orale Nitratreduktase-Aktivität irgendwie einzuschätzen, ohne Labordiagnostik. Gibt es da irgendeinen indirekten Marker? Ich weiß es wirklich nicht. Und wenn nicht, dann ist der ganze Optimierungsversuch bei der Zubereitungsform ein bisschen wie Code-Tuning bei einem Programm, ohne zu wissen, ob der Bottleneck überhaupt dort liegt. **Edit:** Kleine Präzisierung. Wenn es keinen praktischen Selbsttest gibt, ist das natürlich nicht zwingend ein Argument gegen die Optimierung, sondern eher ein Argument dafür, dass man den Aufwand realistisch einschätzen sollte.

@markus_b82 der Code-Tuning-Vergleich am Ende trifft es ganz gut, wobei ich da einen anderen Schluss ziehe als du vielleicht erwartest.

Zitat von markus_b82

ob es überhaupt einen praktischen Weg gibt, die eigene orale Nitratreduktase-Aktivität einzuschätzen

Keinen direkten, soweit ich weiß. Aber es gibt einen indirekten Ansatz, der zumindest grobe Information liefert: Nitrit im Speichel lässt sich mit Teststreifen messen, die eigentlich für Wasseranalyse gedacht sind. Das ist methodisch natürlich ein Witz verglichen mit Labordiagnostik, aber Vanhatalo-Gruppe hat das in mindestens einem ihrer Protokolle als Proxy genutzt, um Mundflora-Aktivität abzuschätzen. Ob das irgendwer hier zuhause reproduzieren will, sei dahingestellt. Was mich eigentlich mehr beschäftigt: Dein Punkt, dass niemand diese Information weitergibt, stimmt - aber ich würde das nicht nur als strukturelles Problem rahmen. Es ist auch ein Incentive-Problem. Der Hausarzt hat keine Zeit, der Hersteller hat kein Interesse, und Ernährungsberatung nach IGeL-Modell optimiert auch nicht unbedingt auf Vollständigkeit. Wer vom Hinweis profitiert, hat keinen Kanal. Wer den Kanal hat, profitiert nicht vom Hinweis. In der Praxis merke ich das bei Patienten manchmal daran, dass die Eigenversuche sehr selektiv dokumentiert werden - was "funktioniert" wird erinnert, was nicht, wird vergessen oder erklärt. Das ist kein Vorwurf, das ist einfach wie Gedächtnis funktioniert. Macht Nitrat-Selbstexperimente ohne Protokoll aber ziemlich wertlos als Evidenz.

Zitat von markus_hh88

Wer vom Hinweis profitiert, hat keinen Kanal

Das stimmt, und das ist eigentlich der deprimierendste Punkt in diesem ganzen Thread. Ich würd das aber nochmal anders zuspitzen: Es gibt ja theoretisch Kanäle - Apotheken zum Beispiel. Die verkaufen Betanio PLUS und ähnliches, haben direkten Kundenkontakt, und könnten genau an dem Punkt ansetzen. Machen sie aber nicht, zumindest nicht in meiner Erfahrung. Ich hab vor ein paar Monaten in der Apotheke hier in der Nähe kurz nachgefragt, ob man auf Mundspülung vor der Einnahme achten sollte - die Pharmazeutin hat mich angeschaut als hätte ich was von Mondphasen gefragt. Was mich bei deinem Selektionsmemory-Punkt wirklich beschäftigt: Das ist ja nicht nur ein Problem für Nitrat-Selbstversuche. Das ist eigentlich ein generelles Problem mit allem was langsam wirkt oder variabel wirkt. Ich mach das beim Training genauso - die guten Einheiten nach Rote-Bete-Morgen bleiben im Kopf, die schlechten werden irgendwie erklärt. Da hilft eigentlich nur echtes Protokoll, und selbst das verzerrt man noch beim Ausfüllen. Was ich nicht ganz verstehe, @markus_hh88: Du schreibst, du merkst das bei Patienten. Hast du da mal versucht, mit einem vorstrukturierten Protokoll gegenzusteuern - also wirklich was Vorgefertigtes, das Confirmation Bias ein bisschen schwerer macht? Mich würd interessieren ob das in der Praxis überhaupt umsetzbar ist oder ob die Leute nach einer Woche aufhören.

@markus_b82 zur Protokoll-Frage: ja, ich hab das tatsächlich mal versucht. Nicht als ausgearbeitetes Forschungsdesign, eher als pragmatischer Versuch - ich hab Patienten in der Reha eine einfache Tabelle mitgegeben, Datum, Supplement ja/nein, subjektive Belastbarkeit auf einer Skala, Schlafqualität, sonst nichts. Vier Felder pro Tag. Ergebnis: Die Hälfte hat nach zehn Tagen aufgehört. Nicht weil es aufwändig war, sondern weil sie "eh schon wussten" dass es hilft oder nicht hilft. Das sagt eigentlich alles.

Zitat von markus_b82

ob das in der Praxis überhaupt umsetzbar ist

Begrenzt. Was ich gelernt habe: Wenn du Leute bittest, negative Ergebnisse genauso zu notieren wie positive, verlierst du sie schneller. Das Protokoll fühlt sich dann an wie ein Instrument, das ihre eigene Erwartung widerlegt - und das wollen die meisten nicht aktiv dokumentieren. Was mich aber an deiner Apotheken-Anekdote ehrlich gesagt mehr beschäftigt als das Protokollthema: die Pharmazeutin, die dich komisch angeguckt hat. Das ist aus meiner Erfahrung leider der Normalfall, nicht die Ausnahme. Mundspülung als Hemmfaktor für Nitratreduktion ist kein exotisches Nischenthema mehr, das ist seit Vanhatalo eigentlich Basiswissen für jeden, der das Zeug verkauft. Dass das in der Beratung nicht ankommt, hat wenig mit fehlendem Kanal zu tun - der Kanal existiert, er wird nur nicht genutzt. Ich weiß nicht ob das an Fortbildungsstand liegt oder daran, dass Betanio-Marge attraktiver ist als kritische Beratung.

Zitat von markus_hh88

der Kanal existiert, er wird nur nicht genutzt

das trifft mich ehrlich gesagt mehr als der ganze Mundflora-Teil davor. ich bin letztes Jahr in die Apotheke hier in Leonberg wegen Betanio PLUS - net weil ich's kaufen wollte, sondern weil ich mal wissen wollte was die dazu sagen. Die haben mir das Ding einfach hingestellt und Preis genannt. Fertig. Kein Wort zu irgendwas. Ich hab dann selbst gefragt ob man das nüchtern nehmen soll und die Antwort war "steht auf der Packung". Steht da halt nix Vernünftiges drauf wie ihr oben schon festgestellt habt. was mich aber gerade wirklich beschäftigt und was ich im ganzen Thread noch net gelesen hab: wenn die Mundflora so ein Faktor ist - was ist dann mit dem Kaffee morgens? ich nehm das Konzentrat meistens direkt nach dem ersten Kaffee weil ich net dran denk es vorher zu machen. Kaffee ist leicht sauer, verändert das Mundmilieu kurzfristig, und ich frag mich ob das die Konversionsrate schon beeinflusst. Ich hab dazu nix gelesen, ich frag das jetzt einfach weil's mir grad aufgeht. @markus_b82 und @markus_hh88 ihr diskutiert das auf einem Level das ich ehrlich gesagt nur halb folgen kann, aber genau deswegen lese ich sowas - weil man merkt wie viele Variablen da reinspielen die einem niemand sagt. auch net der Podcast wo ich damals überhaupt erst auf Rote Beete Konzentrat gestoßen bin.

@rennradhorst die Kaffee-Frage ist tatsächlich interessant, und ich muss zugeben, ich hab da keine belastbare Antwort. Kurzfristige pH-Verschiebung im Mund durch Kaffee - das klingt plausibel als Störfaktor, aber ob das die nitratreduzierende Aktivität messbar beeinträchtigt, weiß ich nicht. Ich hab dazu nichts gelesen, ehrlich gesagt. Was ich aber sagen kann: Kaffee hemmt die Speichelproduktion nicht unbedingt, das wäre der direktere Weg über den das laufen könnte. Die Frage wäre eher ob die relevanten Bakterienstämme pH-sensitiv genug sind, dass ein kurzer Kaffee-Bolus das wirklich verschiebt, oder ob sich das in Minuten normalisiert.

Zitat von rennradhorst

auch net der Podcast wo ich damals überhaupt erst auf Rote Beete Konzentrat gestoßen bin

Das ist eigentlich der Punkt der mich bei sowas immer mehr stört als die fehlende Apothekenberatung. Podcasts bauen Vertrauen auf, klingen kompetent, und lassen dann genau die Lücken offen die entscheidend wären. Welcher war das bei dir? Nicht um ihn schlecht zu reden, ich bin einfach neugierig ob der wenigstens auf Einnahmekontext eingegangen ist oder ob's reines "Nitrat gut, Rote Beete gut, kauf das" war. Ich selbst bin damals über einen Artikel zu Vanhatalo reingerutscht, der war immerhin verlinkbar - aber auch der hat die Mundspülung nur als Methodenkontrolle erwähnt, nicht als praktischen Hinweis für Konsumenten. Das ist dann irgendwie bezeichnend.

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