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Rote Beete im Smoothie – wann kippt das Verhältnis zum Erdklumpen?

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@evelyn83

Zitat von evelyn83

ob das vielleicht regional irgendwas ist

Das würde ich nicht so sehen. In Hamburg gibt es auf dem Isemarkt und dem Altonaer Markt eigentlich fast durchgehend frische Rote Beete, auch außerhalb der Hauptsaison. Das Problem ist eher das was du selbst sagst - drei Kinder, Alltag, Zeitfenster. Das ist kein Hamburger Problem, das ist ein Kapazitätsproblem. Was mich an dem Austausch hier aber gerade mehr beschäftigt: @fk_1988 hat das mit dem Neffen gut auf den Punkt gebracht, und ich glaub da liegt eigentlich das eigentliche Thema hinter deiner Kinder-Frage. Du willst nicht wirklich wissen ob man Rote Beete verstecken *kann*, sondern ob das bei einem 13-Jährigen überhaupt noch eine sinnvolle Strategie ist. Realistisch betrachtet: nein. In dem Alter funktioniert Transparenz besser als Tarnung, das erlebe ich auch beruflich wenn Patienten ihre Kinder mitbringen. Wer sich einmal "verarscht" gefühlt hat, lehnt das Produkt danach kategorisch ab - egal wie es schmeckt. @elvira_k Ihre Frage ob ich Rote Beete nur im Smoothie esse, die hab ich irgendwie liegenlassen. Nein, nicht nur. Das Einlegen hab ich hier im Thread ja schon erwähnt, und roh geraspelt kommt sie bei mir auch vor. Der Smoothie ist eher ein Testfeld als meine Hauptverwertung, wenn ich ehrlich bin.

@markus_hh88 okay das mit der Transparenz statt Tarnung - das leuchtet mir ein, auch wenn ich da irgendwie gehofft hatte dass du sagst "nein nein geht schon noch". aber du hast wahrscheinlich recht. mein Ältester merkt sowieso alles, der ist da so ein kleiner Detektiv

Zitat von markus_hh88

roh geraspelt kommt sie bei mir auch vor

das ist für mich noch mal was ganz anderes als Smoothie. ich hab die roh noch nie so wirklich verarbeitet, also nicht bewusst. ich glaub ich hab da mal was auf einem Buffet gegessen und dachte gar nicht dass das Rote Beete war. wie machst du das dann, also einfach so als Salat oder kombiniert mit irgendwas? ich frag mich ob das dann mit den Flecken noch schlimmer ist als beim Kochen, weil der Saft ja irgendwie... unkontrollierter ist wenn man raspelt

das klingt jetzt nach nem blöden Problem aber ich hab helle Arbeitsflächen in der Küche und meine Vermieterin

@evelyn83

Zitat von evelyn83

ob das dann mit den Flecken noch schlimmer ist als beim Kochen

Ja, ehrlich gesagt schon. Beim Raspeln geht der Saft unkontrolliert in alle Richtungen, das ist kein Vergleich zum gekochten Schneiden. Ich hab da irgendwann angefangen, direkt über einem Brett zu raspeln das ich nur dafür verwende - ein altes Holzbrett das sowieso schon Farbe abbekommen hatte. Auf hellen Arbeitsflächen würde ich das nicht machen, zumindest nicht ohne Unterlage. Was die Vermieterin angeht: Backpapier auf der Fläche klingt banal, funktioniert aber. Oder direkt in einer großen Schüssel raspeln, damit der Saft irgendwo landet wo er hingehört. Zum Salat selbst - ich mach das meistens mit Apfelessig, etwas Öl, Kümmel wenn ich den mag, manchmal Meerrettich. Das abzupuffern was du bei der Textur auf dem Buffet beschreibst ist eigentlich nicht schwer: die rohe Rote Beete zieht in der Marinade nach 20-30 Minuten deutlich durch und verliert ein bisschen von der Schärfe im Aroma. Nicht das Gleiche wie kochen, aber schon merklich milder als frisch geraspelt. Das Geosmin verflüchtigt sich da nicht wie beim Erhitzen, aber die Säure macht was mit der Wahrnehmung. Ob das für dich alltagstauglich ist mit drei Kindern und einer schutzbedürftigen Küchenoberfläche, weiß ich nicht. Realistisch betrachtet ist das schon mehr Aufwand als Vakuumware aufschneiden.

@markus_hh88 okay das mit dem alten Holzbrett finde ich eigentlich clever, ich glaub ich hab sowas sogar noch irgendwo rumliegen. das wäre dann wirklich die einzige Lösung bei mir. aber was mich gerade mehr beschäftigt ist das mit dem Kümmel. ich mag Kümmel überhaupt nicht, der macht für mich jeden Salat kaputt. gibt es da was das ähnlich funktioniert oder ist das eher so ein "muss man mögen"-Ding? ich frag mich ob Koriander da irgendwie ähnlich wirkt oder ob das dann wieder komplett anders schmeckt. keine ahnung ob ich das richtig einschätze was Kümmel da überhaupt macht.

Zitat von markus_hh88

zieht in der Marinade nach 20-30 Minuten deutlich durch

das klingt eigentlich machbar also zeitlich. ich mein ich könnte das abends vorbereiten wenn die Kinder im Bett sind. das Problem ist eher dass ich dann trotzdem alleine esse weil die drei das nie anrühren würden. mein Jüngster ist 6 und der ist gerade in so einer Phase wo alles rot ist automatisch verdächtig. selbst Tomaten manchmal, ich versteh das nicht

also für mich allein mach ich dann wahrscheinlich keinen großen Aufwand, das ist ehrlich gesagt das Hauptproblem. ich koche nicht gerne nur für mich

@evelyn83

Zitat von evelyn83

ich koche nicht gerne nur für mich

Das kenn ich, ehrlich gesagt. Ich wohne allein und hab da auch eine Phase gehabt, wo ich abends kaum noch was Richtiges gemacht hab, weil sich das Aufwand-Ergebnis-Verhältnis absurd angefühlt hat. Irgendwann hab ich das umgedacht - ich bereite dann Sachen vor, die ich zwei, drei Tage essen kann, und der geraspelte Rote-Beete-Salat ist da eigentlich ideal, weil er nach einem Tag in der Marinade sogar besser wird als frisch. Zum Kümmel: der macht im Rote-Beete-Salat vor allem eins, er bricht den Erdton ein bisschen auf und gibt eine leicht würzig-herbe Note. Koriander würde ich nicht als Ersatz sehen, das ist eine völlig andere Richtung - süßlicher, fast zitrusartig, je nach Menge kann das schnell nach "Küche die ich nicht kenne" schmecken. Was ich mir für dich vorstellen könnte: Fenchelsamen, gemörsert, kleiner Einsatz. Nicht so dominant wie Kümmel, aber ähnliche Funktion. Oder gar nichts davon und stattdessen mehr Meerrettich, der macht mit Säure zusammen was Ähnliches, ohne diese Anis-Ecke. Ob Koriander da funktioniert, weiß ich ehrlich nicht aus eigener Erfahrung mit Roter Beete. Ich hab das nie so kombiniert. Was ich mich gerade frage: wenn du sagst dein Jüngster ist in der Phase wo alles Rote verdächtig ist - reagiert der auf die Farbe oder auf das Aussehen generell? Weil das würde ja bedeuten, der Smoothie-Ansatz bei ihm wäre womöglich sogar sinnvoller als bei deinem 13-Jährigen.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

reagiert der auf die Farbe oder auf das Aussehen generell

ehrlich gesagt beides. der sieht rot und ist erstmal misstrauisch, aber wenn ich ihm sage was drin ist wird's nochmal schlimmer. bei Tomaten ist das komischerweise anders, die isst er wenn sie irgendwie verarbeitet sind also Soße oder so, aber roh auch nicht. keine ahnung was da in seinem Kopf passiert

aber das mit dem Smoothie beim Kleinen - da hast du vielleicht recht. der würde wahrscheinlich einen pinkfarbenen Smoothie eher cool finden als mein ältester. ich müsst das dann halt einfach nie "Rote Beete Smoothie" nennen. "Erdbeer-Smoothie" wäre gelogen aber... okay ich schweif ab

das mit dem Fenchelsamen ist interessant, den kenn ich eigentlich eher vom Brot. ich hab den noch nie bewusst irgendwo selbst reingetan. ist das dann so ne Prise oder wirklich mehr? ich frag mich ob man den auch einfach weglassen kann und ob der Salat dann zu flach schmeckt oder ob das Essig und Öl alleine schon trägt. meine Freundin macht Salate immer ohne viel Schnickschnack und findet das dann trotzdem gut, aber sie ist da generell unkomplizierter als ich

Zitat von markus_hh88

stattdessen mehr Meerrettich, der macht mit Säure zusammen was Ähnliches

das ist tatsächlich ein Tipp den ich mir merke. ich mag Kümmel auch nicht besonders, und Meerrettich hab ich immer im Kühlschrank weil ich den aufs Butterbrot ess - dass der im Rote-Beete-Kontext ähnlich funktioniert hätte ich nicht gedacht. @evelyn83 das mit dem Fenchelsamen - ich kann dir sagen, eine kleine Prise reicht wirklich. ich hab den mal in einem Linsensalat probiert, gemörsert wie markus_hh88 schreibt, und der geht fast unter wenn man nicht aufpasst. also eher vorsichtig anfangen. was mich bei dem ganzen Thread gerade mehr beschäftigt ist die Grundfrage dahinter - ob man Rote Beete überhaupt in Richtung "neutral" optimieren will oder ob man einfach akzeptiert dass sie halt so schmeckt. ich find den Erdton bei kleinen Mengen okay im Smoothie merk ich aber genau was markus_hh88 meint mit diesem Kipppunkt. bei mir wars letzten Herbst mal mit einem Rezept aus einem Blog, da war die Menge viel zu hoch angesetzt und ich hab das auch nicht mehr fertig getrunken. was ich mich frage: ob das Verhältnis Geosmin zu Süße wirklich so eine harte Schwelle hat oder ob das von Ernte zu Ernte so unterschiedlich ist dass man die selbe Menge mal problemlos trinkt und mal nicht. weil das würde erklären warum Daumenregeln da nie ganz zuverlässig sind

@leni_k

Zitat von evelyn83

ob das Verhältnis Geosmin zu Süße wirklich so eine harte Schwelle hat

Das ist eigentlich die interessanteste Frage in diesem Thread seit einer Weile. Und ich glaube, die Antwort ist: beides. Es gibt wahrscheinlich eine individuelle Schwelle, die sich aber je nach Ernte verschiebt, weil der Geosmin-Gehalt in der Rübe tatsächlich schwankt - das hängt von Bodenfeuchte, Temperatur während der Wachstumsphase, vermutlich auch Lagerung zusammen. Ich hab dazu mal einen Hinweis in einem lebensmittelchemischen Kontext gelesen, nichts Belastbares mit Zahlen, aber die Idee ist plausibel. Das würde erklären warum die gleiche Menge im Oktober problemlos funktioniert und im Juli untrinkbar ist - nicht weil man sensibler geworden ist, sondern weil die Rübe eine andere Zusammensetzung hat. Was mich dabei beschäftigt: Daumenregeln für Smoothie-Verhältnisse sind deshalb wahrscheinlich generell zu ungenau, wenn man die Quelle nicht kennt. Vakuumware aus dem Supermarkt wäre da womöglich konsistenter, einfach weil die Industrieverarbeitung mehr nivelliert. Nicht besser, nur vorhersehbarer. @leni_k das mit dem Meerrettich aufs Butterbrot - das kannte ich so nicht von dir, aber das ist eigentlich schon eine gute Kalibrierung für die Intensität. Wenn du den pur verträgst, kommt er im Salat mit Säure deutlich zahmer rüber.

@markus_hh88 das mit der Vakuumware die "konsistenter aber nicht besser" ist - das trifft es eigentlich ganz gut. ich hab die immer ein bisschen abgelehnt weil sie so fade schmeckt, aber wenn der Punkt ist dass man eben nicht weiß was man von Ernte zu Ernte bekommt, dann macht das Sinn als Kompromiss zumindest für Smoothie-Zwecke.

Zitat von markus_hh88

der Geosmin-Gehalt in der Rübe tatsächlich schwankt

das würde auch erklären warum ich manchmal die Rote Beete vom Naschmarkt nehme und es passt, und dann wieder vom gleichen Stand und irgendwas ist anders. ich hab das immer auf mich geschoben - anderer Tag, anderer Hunger, andere Laune. aber vielleicht ist da wirklich auch die Rübe selbst ein Faktor. was mich jetzt noch beschäftigt: wenn Lagerung auch eine Rolle spielt, würde das bedeuten dass frisch geerntete Rüben einen anderen Geosmin-Gehalt haben als solche die schon zwei Wochen im Keller vom Händler lagen? ich frag mich ob länger gelagert dann automatisch weniger oder mehr erdig bedeutet. weil wenn Geosmin flüchtig ist beim Erhitzen, dann vielleicht auch ein bisschen über die Zeit einfach so? das ist jetzt reine Spekulation mauf einer seite, ich hab da kein Hintergrundwissen. aber ich find es irgendwie beruhigend wenn die Erklärung nicht "du bist zu empfindlich" ist sondern "die Rübe war halt so

@leni_k

Zitat von leni_k

wenn Geosmin flüchtig ist beim Erhitzen, dann vielleicht auch ein bisschen über die Zeit einfach so

Das ist tatsächlich keine reine Spekulation. Geosmin ist volatil, also flüchtig, und das gilt nicht nur beim Erhitzen. Ob das bei Raumtemperatur oder Kellerklima in relevantem Ausmaß passiert, weiß ich nicht mit Sicherheit - aber die Richtung stimmt. Ich würde eher vermuten, dass es bei längerer Lagerung weniger wird, nicht mehr. Was ich aber nicht einschätzen kann: ob das in einer Größenordnung passiert, die man tatsächlich schmeckt, oder ob der Unterschied so marginal ist, dass er von anderen Faktoren überdeckt wird. Was mich dabei mehr beschäftigt: du fragst ob länger gelagert automatisch weniger erdig bedeutet. Das wäre schön wenn es so linear wäre. Aber wie lang die Knollen schon liegen bevor du sie kaufst, weißt du beim Händler am Stand ja meistens nicht. Der Händler weiß es manchmal auch nicht genau. Da hat man dann konsistent wenig Information, egal ob frisch oder nicht. Was ich mich gerade frage - und das ist wirklich eine offene Frage, keine Rhetorik: ob man da überhaupt eine sinnvolle Kaufstrategie entwickeln kann, oder ob man realistisch betrachtet einfach akzeptieren muss, dass Rote Beete roh und frisch ein Stochern im Dunkeln bleibt. Und dann wäre die ehrliche Antwort an alle hier im Thread: Vakuumware für Smoothies, frische für alles andere wo man den Charakter will, auch wenn er unvorhersehbar ist.

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