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Macht Ernährung vor dem Training wirklich so viel aus oder rede ich mir das ein?

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@markus_b82 die Quellfrage ist berechtigt, da muss ich ehrlich sein. Für den direkten Link zwischen zirkadianer Disruption und Ausdauer-Performance - also wirklich Wattzahl oder VO2max-relevantes Zeug bei Schichtarbeitern - hab ich selbst nichts Sauberes in der Hand. Es gibt einiges zu Schlafentzug und Kraft, das ist robuster. Aber spezifisch Ausdauer plus Schichtarbeit plus Ernährungsrhythmus als kombinierter Faktor? Da wird die Datenlage dünn, das geb ich zu. Ich hab mich da wahrscheinlich weiter aus dem Fenster gelehnt als die Evidenz hergibt.

Zitat von markus_b82

Der Körper kompensiert Ernährungslücken erstaunlich lange, wenn die Belastung stimmt.

Das würd ich aber auch nicht so stehen lassen. "Erstaunlich lange" ist Erfahrungswert, kein Argument. Ich hab das bei Patienten in beide Richtungen gesehen - manche kompensieren gut, andere brechen genau dann zusammen wenn's drauf ankommt, und man weiß vorher nicht welcher Typ man ist. Was mich an deinem Punkt mit der Trainingslast trotzdem beschäftigt: du hast recht dass das im Thread kaum vorkommt. Ich hab @rote_socke_83 nie gefragt wie viel Volumen er gerade fährt. Weil wenn er vier Wochen vor der Granfondo in einer hohen Belastungswoche steckt, ist die Ernährungsdiskussion nochmal eine andere als wenn er gerade locker aufbaut.

Zitat von markus_hh88

ich hab @rote_socke_83 nie gefragt wie viel Volumen er gerade fährt

das ist tatsächlich der blinde Fleck im ganzen Thread und ich schließ mich da selbst mit ein. Wir reden seit einer Weile über Ernährungsrhythmus und Schichtarbeit und haben nie gefragt was @rote_socke_83 gerade wirklich trainiert. Das ändert ja alles. weil - und das ist mir gerade erst aufgegangen - wenn jemand in einer hohen Belastungsphase steckt, ist die Frage "was esse ich vor der Session" fast nachrangig verglichen mit der Frage ob der Körper überhaupt zwischen den Einheiten wegkommt. Regeneration ist ja auch Ernährungssache, nicht nur Schlaf. ich hab in meinen Halbmarathon-Vorbereitungen gemerkt dass ich in Hochbelastungswochen einfach mehr essen musste, nicht besser - nur mehr. Das klingt banal aber ich hab das lange unterschätzt. @markus_b82 dein Punkt mit der Trainingslast finde ich ehrlich gesagt den stärksten hier seit Langem. Ich würd das aber nicht als Gegenargument zu Ernährung lesen, sondern als - naja, andere Ebene. Wer zu viel reindrückt und schlecht isst, hat zwei Probleme gleichzeitig. Wer zu viel reindrückt und gut isst immer noch eins. @rote_socke_83 magst du eigentlich mal sagen wie deine Wochenstunden gerade aussehen? Das würde die ganze Diskussion glaub ich erheblich verschieben.

@jana_w ok, du willst Zahlen. Aktuelle Woche: drei Einheiten eine davon gestern auf der Rolle - 75 Minuten, mittelintensiv. Letzte Woche waren's vier, davon eine längere Ausfahrt draußen, knapp 90 km. Ich bau das gerade langsam hoch weil die Granfondo im Herbst ist, also bin ich noch nicht in einer Hochbelastungsphase. Das kommt erst. Was mich an deiner Frage aber wirklich trifft: ich hab ehrlich gesagt nie in Wochenstunden gedacht. Ich denk in Einheiten. Das klingt vielleicht nach dem gleichen aber ich glaub es ist nicht das gleiche. Weil eine 75-Minuten-Rolleneinheit mit hoher Intensität mich anders trifft als 90 km draußen im Flachen - und ich hab die nie wirklich gegeneinander gewichtet.

Zitat von jana_w

wer zu viel reindrückt und gut isst immer noch eins

Das ist eigentlich der Satz der mich gerade am meisten beschäftigt. Weil ich merk dass ich das Volumen als Variable in meinem Kopf immer separat gehalten hab von der Ernährungsfrage. Als ob das zwei verschiedene Baustellen wären. Sind sie nicht, oder? Was mich jetzt interessiert - und das ist keine Fangfrage - ab welchem Volumen fängt das an wirklich relevant zu werden? Ich mein für jemanden wie mich, kein Profi, keine 15 Stunden die Woche. Ich vermut @markus_hh88 hat dazu mehr als ich.

Zitat von rote_socke_83

ich hab die nie wirklich gegeneinander gewichtet

das find ich eigentlich den interessanteren Punkt als die Volumenfrage selbst. Weil ich glaub das ist nicht nur bei dir so - die meisten Hobbysportler denken in "hab ich trainiert oder nicht", nicht in Belastungseinheiten die man irgendwie aufaddieren und gegen Erholung aufrechnen kann. ich hab das selbst lange so gemacht. Was mich gerade beschäftigt: du sagst du bist noch nicht in der Hochbelastungsphase, das kommt erst. Aber du bist gerade in der Phase wo du aufbaust - und genau da passiert ja schon was. Der Körper adaptiert, das kostet. Ich merk das bei mir immer zuerst am Hunger, nicht an der Müdigkeit. Plötzlich reicht das gleiche Essen nicht mehr, obwohl das Volumen noch moderat ist. Das kommt schleichend. @markus_hh88 würd ich hier wirklich fragen, weil ich das selbst nicht einschätzen kann: gibt es so was wie eine grobe Schwelle - also Stundenzahl oder Intensitätszone - ab der die Ernährungsanpassung wirklich mitziehen muss, oder ist das so individuell dass man das nicht sinnvoll generalisieren kann? Ich hab dazu mal was in einem Podcast gehört, das war irgendwas mit Energieverfügbarkeit und RED-S, aber das war eher auf Frauen fokussiert und ich weiß nicht ob das auf @rote_socke_83 seine Situation passt.

Zitat von jana_w

Plötzlich reicht das gleiche Essen nicht mehr, obwohl das Volumen noch moderat ist

das kenn ich und ich find das ist net nur ein Ernährungsthema sondern ein Wahrnehmungsthema. Man merkt's halt zu spät. Ich hab das selbst gehabt - nicht beim Aufbauen sondern beim Übergang in höhere Umfänge, so ab 8-9 Stunden die Woche. Da hab ich gemerkt dass ich abends einfach nicht satt wurde, egal was ich gegessen hab. Das war kein Mangel an Kalorien im klassischen Sinn, ich hab normal gegessen, aber der Bedarf war halt still und leise gewachsen und ich hab's net registriert bis ich drei schlechte Einheiten hintereinander hatte. @rote_socke_83 was mich bei deinen Zahlen beschäftigt ist was du sagst mit "Einheiten, net Stunden". Ich glaub da liegt ein echter blinder Fleck, weil eine intensive Rolleneinheit mit 75 Minuten deinen Glykogenspeicher anders leert als eine lockere Ausfahrt über 90 km im Flachen. Das ist net dasselbe, auch wenn sich beides nach "Training" anfühlt. Wenn du jetzt aufbaust und die Intensität steigt bevor das Volumen steigt, kann der Körper schon in einem Defizit sein das du net siehst. Was ich noch nie explizit überlegt hab: ich frag mich ob das RED-S-Konzept das @jana_w anspricht bei Männern überhaupt auf dem Radar ist. Ich kenn das fast nur aus dem Kontext Frauen-Ausdauersport. Meine Hausärztin hat das noch nie erwähnt und ich wüsste net ob mein Arzt da überhaupt anspringt wenn man als Typ drüber redet.

Zitat von rennradhorst

ob das RED-S-Konzept bei Männern überhaupt auf dem Radar ist

Ehrlich gesagt nein, bei mir war das komplett off the radar. Ich hab den Begriff erst durch @jana_w heute zum ersten Mal wirklich wahrgenommen. Und ich bin mir ziemlich sicher dass mein Hausarzt da auch nicht spontan drauf käme wenn ich ihm sage ich fahr Rad und bin manchmal platt. Der würde vermutlich Blutbild machen und Eisenwerte checken, Ende der Geschichte. Was mich an deinem Punkt aber wirklich beschäftigt @rennradhorst: du sagst das hat sich bei dir ab 8-9 Stunden die Woche gezeigt. Ich bin da aktuell noch weit drunter. Aber du hast auch was gesagt das ich so direkt noch nicht gedacht hab - dass Intensität vor Volumen schon ein Defizit erzeugen kann das du nicht siehst. Das trifft mich gerade weil ich genau das gerade mache. Ich drück die Intensität hoch, das Volumen kommt erst später. Und ich hab das als sauber gebaut betrachtet, weil ich auf die Gesamtstunden geschaut hab und dachte - passt noch. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Die 75 Minuten gestern auf der Rolle waren alles andere als locker, ich hab das heute noch in den Beinen. Und ich hab danach normal gegessen weil ich gedacht hab das Volumen ist ja noch moderat. Kann ich so nicht unterschreiben dass ich das bisher richtig eingeschätzt hab.

@rote_socke_83 das mit den Beinen die du heute noch spürst - das ist eigentlich schon deine Antwort, auch wenn sie unbequem ist. Ich kenn das Muster: du schaust auf die Stundenzahl, denkst "passt noch" und merkst net dass die Intensität einen anderen Preis hat als die Zeit auf dem Rad. Das ist bei mir auch lange so gelaufen. Was mich aber gerade beschäftigt und im Thread noch net vorkam: hast du eigentlich irgendeinen Marker für Erholung, außer Gefühl? Ich mein sowas simples wie Ruhepuls morgens. Ich mach das seit zwei Jahren wegen dem Blutdruckthema ich mess eh täglich - und irgendwann hab ich gemerkt dass der Ruhepuls mir mehr sagt als jede Selbsteinschätzung abends. Wenn der morgens 5-6 Schläge über dem Schnitt liegt, bin ich net erholt egal ob ich subjektiv fit fühle. Das ist kein Powermeter, kostet nix, und man braucht keine App dafür. Das würde mich bei dir interessieren weil genau das was du beschreibst - Intensität hoch, Volumen noch niedrig, Erholung unklar - genau da fängt man an Signale zu übersehen. Nicht aus Dummheit sondern weil man halt net hinschaut. Und dann kommt irgendwann eine Einheit wo man denkt man ist krank, dabei war man einfach leer.

Zitat von rennradhorst

Wenn der morgens 5-6 Schläge über dem Schnitt liegt, bin ich net erholt

Das ist tatsächlich der konkreteste Hinweis im ganzen Thread, und ich find ihn unterbewertet. Ich mach das auch seit ungefähr zwei Jahren - Ruhepuls morgens, vor dem Aufstehen, per Pulsuhr. Was ich dabei aber gelernt hab: der absolute Wert sagt mir wenig, der Trend über die Woche ist der eigentliche Marker. Wenn ich Montag bis Mittwoch jeweils einen Schlag höher lieg, ist das bei mir verlässlicher als ein einmaliger Ausreißer. @rote_socke_83 was mich bei deiner Situation aber wirklich beschäftigt ist was du noch nicht erwähnt hast - nämlich wie dein Schlaf in Schichtwochenn konkret aussieht. Nicht die Essenszeiten, die haben wir durchgekaut. Sondern die Schlafdauer und vor allem ob du nach Nachtschicht überhaupt auf 7+ Stunden kommst. Ich frag das weil der Ruhepuls-Marker den @rennradhorst beschreibt bei Schlafmangel komplett verrückt spielt - er steigt gar nicht immer, manchmal bleibt er flach obwohl der Körper durch ist. Das hab ich selbst in einer Projektphase gemerkt, wo ich vier Tage mit zu wenig Schlaf hatte und der Puls trotzdem unauffällig war. Gefühlsmäßig war ich aber klar schlechter. Das wäre für mich die Frage bevor wir weiter über Ernährungsrhythmen reden. Hast du da irgendwas an Aufzeichnungen, oder ist das bisher auch nur Gefühl?

Zitat von markus_b82

manchmal bleibt er flach obwohl der Körper durch ist

das ist ein Punkt den ich so noch net auf dem Schirm hatte, wenn ich ehrlich bin. Ich hab den Ruhepuls bei mir immer als zuverlässig erlebt aber ich hab auch keinen Schichtdienst, mein Schlafrhythmus ist relativ stabil. Wenn der Marker bei Schlafmangel einfach aufhört zu reagieren - das wäre natürlich blöd, dann schaust du auf eine Zahl die dir nix mehr sagt. @rote_socke_83 was mich bei dir gerade beschäftigt ist eigentlich was markus_b82 nur angetippt hat: ob dein Körper nach Nachtschichten überhaupt in einen Schlaf kommt der Erholung bringt. Ich kenn das von Bekannten mit Schichtdienst - die schlafen zwar ihre Stunden aber es ist nicht dasselbe. Und dann kommt Training obendrauf. Das ist dann kein Ernährungs- oder Timingproblem mehr, das ist schlicht zu viel Input bei zu wenig Basis. Was ich mich frage und bisher wirklich noch net drüber nachgedacht hab: gibt es bei dir so etwas wie eine bewusste Entscheidung "diese Woche trainier ich weniger weil die Schicht brutal war" - oder planst du das Pensum durch und hoffst dass der Körper mitspielt? Ich frag weil ich das bei mir selbst lange so gemacht hab. Ich hatte meinen Plan und bin den gefahren, egal wie die Arbeitswoche war. Bis es mich einmal Mitte Oktober richtig erwischt hat und ich drei Wochen fast nix auf die Reihe gekriegt hab.

Zitat von rennradhorst

gibt es bei dir so etwas wie eine bewusste Entscheidung "diese Woche trainier ich weniger weil die Schicht brutal war"

Das ist eigentlich die Frage die ich mir selbst nie so explizit gestellt hab - und ich hab keinen Schichtdienst. Ich hab einen geregelten Bürotag, Homeoffice meistens, und trotzdem hab ich jahrelang meinen Trainingsplan durchgezogen ohne wirklich zu fragen ob die Woche das hergibt. Was mich bei @rennradhorst seinem letzten Absatz aber konkret beschäftigt: die drei Wochen im Oktober. Ich kenn das aus eigener Erfahrung ähnlich, nur dass bei mir der Auslöser nicht Schicht war sondern ein Projektcrunch - fünf Wochen kaum unter 50 Stunden Arbeitszeit, Training trotzdem halbwegs weitergezogen, und dann irgendwann Mitte der Vorbereitung auf meinen ersten Halbmarathon war ich einfach fertig. Nicht krank. Einfach leer. Und ich hab damals geglaubt das ist ein Ernährungsproblem, hab angefangen mit mehr Kohlenhydraten, Rote-Beete-Extrakt, das volle Programm. Hat nichts gebracht. Weil das Problem war, dass ich dem System insgesamt zu viel abverlangt hatte. @rote_socke_83 was mich da anknüpfend interessiert: hast du eigentlich irgendeine Form von Flexibilität im Trainingsplan, oder ist der fix? Also konkret - wenn du Donnerstag nach Nachtschicht merkst dass du eigentlich durch bist, lässt du die Freitagseinheit fallen, oder gibt's da eine innere Bremsschwelle die dich hindert?

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