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Macht Ernährung vor dem Training wirklich so viel aus oder rede ich mir das ein?

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Ich merk das gerade richtig stark seit ich ernsthafter auf die Granfondo hintrainiere. Früher war mir das egal - ich bin einfach losgefahren. Jetzt denk ich ständig drüber nach was ich vorher gegessen hab und ob das stimmt oder nicht. Letzte Woche Mittwoch, Frühschicht war fertig, ich hab noch schnell zwei Scheiben Brot mit Erdnussbutter reingehauen bevor ich auf die Rolle gegangen bin. Intensiv, 90 Minuten. Und ich sag euch das war spürbar anders als die Sessions wo ich halb nüchtern drauf gegangen bin. Weniger Einbrüche, klarer im Kopf. Jetzt frag ich mich ob ich das dem Essen zuschreibe weil ich es zuschreiben will. Also klassisch Placebo-Denke. Oder ob da wirklich was dran ist. Was mich dabei nervt ist dass alle immer direkt auf Supplemente springen wenn man über Energie und Training redet. Protein nach der Einheit, Kohlenhydrate und Elektrolyte währenddessen, Rote Beete davor. Ich hab das selbst gemacht, ich red ja nicht von nix. Aber ich glaub die Grundlage wird zu wenig diskutiert. Was kommt aus dem Essen selbst rein und was fehlt dann noch. Ich hab mal mit meiner Hausärztin kurz drüber geredet, die meinte der Körper ist kein Uhrwerk das man mit Zusatzstoffen optimiert wenn die Basis nicht stimmt. Das ist mir irgendwie hängen geblieben. Wie haltet ihr das? Macht ihr euch beim Essen vor dem Training Gedanken oder läuft das bei euch mehr nach Gefühl? Und habt ihr das Gefühl dass Supplemente bei euch wirklich was machen, oder erst nachdem ihr die Ernährung insgesamt hingekriegt hattet?

@rote_socke_83 das mit dem Brot und Erdnussbutter klingt erstmal nach ganz normalem Glykogenstoffwechsel, kein Hexenwerk. Wenn du gut gefüllt reingehst, hast du schlicht mehr verfügbare Energie für intensive Einheiten. Das ist keine Einbildung. Was mich bei deinem Post aber mehr beschäftigt ist die Frage, ob du den Unterschied überhaupt merkst, wenn du die Sessions nicht vergleichst. Also - erinnerst du dich wirklich zuverlässig daran, wie sich die halb-nüchterne Session angefühlt hat? Oder färbt das aktuelle Gefühl die Erinnerung ein. Das ist keine rhetorische Frage, das ist ein echtes Problem bei Selbstbeobachtung im Training. Ich hab das bei Patienten und bei mir selbst oft genug gesehen.

Zitat von rote_socke_83

ich glaub die Grundlage wird zu wenig diskutiert

Da hast du nicht unrecht, aber ich würd das nochmal einschränken. Die Grundlage wird in manchen Kreisen zu wenig diskutiert, in anderen eigentlich ziemlich viel - nur dann oft so dogmatisch, dass man am Ende auch nicht weiterkommt. "Iss echtes Essen, alles andere ist überflüssig" ist genauso wenig hilfreich wie der nächste Betanio-Plus-Fanboy. Realistisch betrachtet: für Granfondo-Vorbereitung auf ambitioniertem Hobbyniveau ist Pre-Workout-Ernährung tatsächlich einer der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Viel mehr als die meisten Supplemente jedenfalls. Ob das Timing auf die Minute stimmt oder ob du Weißbrot statt Vollkorn nimmst - das ist dann wieder Optimierungsfantasie. Was ich mich frage: wie lang vor der Session war das Brot, eine halbe Stunde, eine Stunde?

@markus_hh88 zur Frage wie lang vorher - ich schätz ungefähr 40 Minuten. War nicht geplant, ich hab einfach gemerkt dass ich Hunger hatte und dann halt gegessen. Kein Protokoll, kein Timer. Und genau da triffst du mich mit dem Erinnerungsproblem. Ich kann dir ehrlich gesagt nicht garantieren dass meine Erinnerung an die schlechteren Sessions sauber ist. Ich weiß dass ich einmal richtig eingebrochen bin und einmal nicht. Aber ob das wirklich das Essen war oder ob ich bei der schlechten Session einfach schon müde reingegangen bin - keine Ahnung. Kann ich so nicht unterschreiben dass ich das sicher auseinanderhalte. Was mich aber trotzdem nicht loslässt: ich merk bei der Arbeit genau das gleiche. Nachtschicht schlecht gegessen, Konzentration weg. Das ist keine Einbildung, das hab ich oft genug gehabt. Ich glaub dem Körper ist es im Grunde egal ob ich auf dem Rad sitze oder Pakete scanne - wenn die Energie fehlt merkst du's.

Zitat von markus_hh88

für Granfondo-Vorbereitung ist Pre-Workout-Ernährung tatsächlich einer der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung

Das glaub ich dir und das deckt sich auch mit dem was meine Hausärztin angedeutet hat. Mich beschäftigt nur die nächste Stufe, nämlich ab welcher Streckenlänge das Timing wirklich anfängt eine Rolle zu spielen. Bei 80 km ist das vielleicht noch großzügig. Bei 140 km - also Granfondo-Niveau - wird das vermutlich enger.

@rote_socke_83 die Frage nach dem Timing bei längeren Strecken ist eigentlich die interessantere. Und da wird's nuancierter, als die meisten annehmen. Bei 140 km geht's weniger ums Pre-Workout-Timing in dem Sinne - da läuft die eigentliche Arbeit in den 48 Stunden vorher. Was du 40 Minuten vor der Rolle isst, ist bei einer Granfondo fast irrelevant verglichen mit dem, wie gut du in der Nacht davor und am Morgen aufgeladen bist. Das ist kein Widerspruch zu dem was ich vorhin sagte, es ist halt eine andere Kategorie von Belastung. Was mich bei deinem Nachtschicht-Vergleich aber beschäftigt: du trennst da gerade kognitive Leistung und körperliche Leistung nicht, und das ist eigentlich ein wichtiger Unterschied. Konzentration bricht bei Energiemangel früher ein als Muskelkraft, das ist gut belegt - ich glaub das war irgendwas mit dem Glukosebedarf des präfrontalen Kortex, hab das vor einer Weile in einem Review gelesen, müsste ich raussuchen. Das heißt: dein Nachtschicht-Gefühl ist real, aber es ist nicht direkt übertragbar auf "also bricht mir bei schlechter Ernährung auch die Ausdauerleistung weg."

Bei kurzen intensiven Einheiten auf der Rolle ist die Geschichte tatsächlich enger mit dem verknüpft, was du in den letzten zwei Stunden gegessen hast. Weil du da primär aus verfügbarem Glukose schöpfst. Das spricht für dein Brot-Erlebnis, auch wenn die Erinnerung nicht makellos ist. Hast du eigentlich Powermeter auf der Rolle? Weil sonst bleibt das alles Gefühlsdiskussion.

Zitat von markus_hh88

bei einer Granfondo fast irrelevant verglichen mit dem, wie gut du in den Nacht davor und am Morgen aufgeladen bist

Das haut mich ein bisschen um, ehrlich gesagt. Weil ich das bisher komplett falsch gedacht hab. Ich hab die Pre-Workout-Frage immer auf die letzte Stunde reduziert - und du sagst eigentlich das ist bei der Streckenlänge die falsche Zeitachse. Draußen regnet's gerade wie aus Eimern, passt zum Thema irgendwie. Zum Powermeter: nein, hab ich nicht. Ich fahr nach Gefühl und ab und zu Herzfrequenz, mehr nicht. Ich weiß dass das ne Lücke ist. Aber ich kauf mir keinen Powermeter nur damit ich in Foren mit Wattzahlen argumentieren kann. Das ist mir zu teuer für den Nutzen den ich auf meinem Niveau hab. Was mich jetzt aber wirklich beschäftigt - wenn die 48 Stunden vorher so viel wichtiger sind als die letzte Stunde: wie sieht das dann praktisch aus bei einem Mann mit Schichtarbeit? Ich hab keine geregelten Essenszeiten. Wenn ich Frühschicht hab esse ich um 4:30 Uhr, wenn Spätschicht dann mittags. Die Granfondo ist ein Samstagmorgen-Event. Ich weiß noch nicht mal wie meine Schichtwoche vorher aussieht. Das ist kein theoretisches Problem für mich, das ist real. Den Glukose-Kortex-Punkt find ich übrigens interessant, auch wenn ich dem nicht einfach glaube ohne den Review zu sehen.

Zitat von markus_hh88

die eigentliche Arbeit in den 48 Stunden vorher

das ist der Punkt der mich hier am meisten beschäftigt, ehrlich gesagt. Weil das für Schichtarbeit wie @rote_socke_83 das hat - also wirklich unregelmäßige Schlaf- und Essenszeiten - bedeutet das ja, dass die "optimale Vorbereitung" strukturell kaum machbar ist. Nicht wegen Disziplin, sondern wegen Schichtplan. ich frag mich ob das nicht auch das erklärt warum so viele Leute dann zu Supplements greifen. Nicht weil sie zu faul für echtes Essen sind, sondern weil sie die Grundlage schlicht nicht stabil hinkriegen. Gel hier, Riegel da, Betanio PLUS morgens - das ist vielleicht weniger Optimierungsfantasie als Flickwerk für ein System das nie ordentlich aufgeladen wird. ich mein ich hab das selbst nicht mit Schichtarbeit, ich kann meine Essenszeiten einigermaßen selbst steuern. Aber ich hatte mal eine Phase mit sehr unruhigen Projektwochen wo das Chaos war - und das hat meine Trainingsqualität mehr verändert als alles was ich je supplementiert hab. Das war so auffällig dass ich angefangen hab, mir das aufzuschreiben. @rote_socke_83 die Frage die mich interessiert: hast du eigentlich je bewusst versucht in den zwei Tagen vor einer wichtigen Session gezielt gleichmäßiger zu essen, auch wenn die Schicht das schwierig macht? Oder ist das bei deinem Rhythmus schlicht nicht realisierbar

@jana_w das ist eigentlich der interessanteste Gedanke den ich hier seit einer Weile gelesen hab.

Zitat von jana_w

Gel hier, Riegel da - das ist vielleicht weniger Optimierungsfantasie als Flickwerk für ein System das nie ordentlich aufgeladen wird

Da muss ich widersprechen - nicht komplett, aber ein bisschen. Weil das impliziert, dass Supplements dann wenigstens als Notlösung funktionieren. Tun sie aber größtenteils nicht, wenn die Grundlage strukturell kaputt ist. Ein Gel kompensiert keine chronisch schlechte Schlafqualität und kein dauerhaft unregelmäßiges Essen. Das ist kein Angriff auf Supplements per se, das ist halt Physiologie. Der Körper adaptiert an Rhythmen - Cortisol, Insulinsensitivität, Glykogenresynthese, das alles läuft zirkadian. Wenn der Rhythmus fehlt, verpufft ein Großteil der Suplement-Wirkung sowieso. Was mich aber wirklich mehr beschäftigt ist die Frage die du @rote_socke_83 gestellt hast - ob er das mal strukturiert versucht hat. Ich glaub das ist für Schichtarbeit tatsächlich nicht trivial planbar. Ich arbeite in der Praxis manchmal mit Patienten die Schicht schieben und die sagen mir genau das: sie wissen Donnerstagabend nicht was sie Freitagmorgen essen werden, weil sie nicht wissen ob sie Frühschicht oder frei haben. Das ist kein Disziplinproblem. Was ich mich frage: gibt es bei dir @rote_socke_83 so etwas wie fixe Anker die immer gehen? Also Dinge die du unabhängig von der Schicht immer essen kannst, weil sie einfach da sind. Das wäre realistisch betrachtet der einzige Weg wie ich das angehen würde - nicht Perfektion, sondern Mindest-Konsistenz.

Zitat von markus_hh88

nicht Perfektion, sondern Mindest-Konsistenz

ja, und ich glaub das ist der eigentlich wichtige Dreh hier. Weil "Mindest-Konsistenz" klingt erstmal nach Kompromiss, aber ich frag mich ob das nicht für die meisten Leute der realistischere Ansatz ist als jedes Optimierungs-Protokoll das ich je gelesen hab. Was mich an @markus_hh88 seinem letzten Punkt beschäftigt: die fixe Anker-Idee klingt simpel, aber ich kenn das aus eigener Erfahrung als deutlich schwerer als es klingt. Nicht wegen Faulheit - sondern weil "was immer da ist" bei Schichtarbeit halt manchmal Tankstellen-Sandwich oder nix bedeutet. Da wird aus dem "Anker" schnell ein Kompromiss der eigentlich keiner ist. Was ich noch nie so explizit gedacht hab: vielleicht ist die relevante Frage gar nicht was man isst, sondern wie stabil überhaupt irgendetwas ist. Also ob der Körper überhaupt lernt wann er was zu erwarten hat. Ich hab das bei mir gemerkt in Phasen wo Deadline-Chaos herrschte - nicht was ich gegessen hab hat sich verändert, sondern wann, und das hat gereicht um alles durcheinanderzubringen. @rote_socke_83 ich frag mich ehrlich ob du mit dem Granfondo-Ziel nicht erstmal einfach schauen solltest was die Woche vorher an Schichten kommt, und dann rückwärts planst. Klingt banal, aber das wäre konkreter als jedes Timing-Konzept.

Zitat von jana_w

rückwärts planst

Das ist eigentlich der konkreteste Vorschlag im ganzen Thread, aber ich bin nicht sicher ob das bei Schichtarbeit so einfach funktioniert wie es klingt. "Woche vorher anschauen" setzt voraus dass der Plan steht - und aus dem was @rote_socke_83 beschrieben hat klingt das nicht immer so. Was mich aber an deinem Post @jana_w beschäftigt ist der Punkt mit "wann, nicht was". Da muss ich widersprechen, zumindest teilweise. Die Forschung zu zirkadianer Ernährung ist interessant, aber die Effektgröße bei gesunden Erwachsenen ohne metabolische Störungen ist kleiner als die Debatte suggeriert. Was ich in der Praxis häufiger sehe: Leute die das Wann zu einem Problem machen das es gar nicht ist, und dabei das Was komplett vernachlässigen. Wenn jemand unregelmäßig aber nährstoffdicht isst, ist das in meiner Erfahrung besser als regelmäßig Mist. Das heißt nicht dass Rhythmus egal ist - der Kortisol-Aspekt ist real. Aber ich glaube der Effekt von "wann" wird hier gerade etwas hochgeredet, weil es sich nach einem erklärbaren Hebel anfühlt. @rote_socke_83 konkret für die Granfondo: hast du eigentlich schon mal geschaut ob dein Arbeitgeber bei Wettkampf-Wochenenden tauschen lässt? Das ist vielleicht die pragmatischere Frage als das perfekte Ernährungsprotokoll für chaotische Schichtwochen.

Zitat von markus_hh88

hast du eigentlich schon mal geschaut ob dein Arbeitgeber bei Wettkampf-Wochenenden tauschen lässt

Das ist eigentlich der realistischste Satz hier seit einer Weile, aber ich würd das sogar noch weiter ziehen: nicht nur das Wettkampf-Wochenende selbst, sondern die zwei, drei Tage davor. Weil wenn @rote_socke_83 Donnerstag und Freitag Nachtschicht hat und Samstag morgens auf 140 km geht, ist das kein Ernährungsproblem mehr das man mit besseren Ankern löst. Was mich an dem ganzen Thread ein bisschen stört - und das ist kein Angriff auf @markus_hh88 oder @jana_w - ist dass wir sehr viel über Systeme und Rhythmen reden, aber die Trainingslast selbst kommt kaum vor. Ich hab das selbst getestet: ich hab Phasen gehabt wo meine Ernährung nicht gut war, aber das Training moderat, und Phasen wo ich perfekt gegessen hab und zu viel rein gedrückt hab. Die zweite Variante hat mich mehr gekostet. Der Körper kompensiert Ernährungslücken erstaunlich lange, wenn die Belastung stimmt. Hast du eigentlich eine Quelle für den Kortisol-Rhythmus-Effekt bei Schichtarbeit und Ausdauerleistung, @markus_hh88? Ich mein nicht die allgemeine zirkadiane Forschung - die kenn ich - sondern konkret Ausdauer-Performance. Das würde mich wirklich interessieren, weil ich da selbst nichts Belastbares gefunden hab das über "schlechter Schlaf = schlechtere Leistung" hinausgeht.

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