Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Macht Ernährung vor dem Training wirklich so viel aus oder rede ich mir das ein?

VorherigeSeite 3 von 3
Zitat von markus_b82

gibt es da eine innere Bremsschwelle die dich hindert

@markus_b82 das kenn ich zu gut und ich glaub die Bremsschwelle hat bei mir früher einen Namen gehabt: Sturheit. Ich hab mir meinen Trainingsplan gemacht und das war dann halt heilig. Donnerstag steht Intervall, also fahr ich Intervall, egal ob ich die Woche schon drei Kundentermine hinter mir hab und abends noch Material bestellt hab. Bis ich irgendwann gemerkt hab dass ich nach solchen Wochen nicht schlechter trainiert hab, sondern einfach net erholt ankam. Das klingt nach derselben Geschichte wie bei dir mit dem Projektcrunch. Was mich an deiner Frage aber wirklich beschäftigt - und das ist ein Punkt der im Thread noch net so direkt war: die "innere Bremsschwelle" ist ja net nur Psychologie. Die ist auch ein Informationsproblem. Ich wusste früher schlicht net wann genug genug ist, weil ich keine Anhaltspunkte hatte außer Gefühl. Und das Gefühl lügt ja gerne, gerade abends wenn man müde aber irgendwie noch aufgedreht ist. @rote_socke_83 ich frag mich bei dir konkret ob du dir erlaubst eine Einheit ersatzlos zu streichen, nicht zu verschieben. Verschieben ist oft nur Aufschieben des Problems. Manche Wochen sind einfach keine Trainingswochen, fertig. Das hab ich erst kapiert nachdem mich Oktober erwischt hat - und das Blöde ist: der Plan hat danach trotzdem geklappt.

Zitat von rennradhorst

ob du dir erlaubst eine Einheit ersatzlos zu streichen

Ehrlich gesagt - nein. Ich streich nicht ich verschiebe. Und du hast recht dass das meistens dasselbe ist, weil die Woche nicht länger wird. Aber was mich bei dem Punkt wirklich trifft ist was du am Ende sagst: der Plan hat trotzdem geklappt. Das ist der Teil den ich mir nicht vorstellen kann. Weil in meinem Kopf hängt da irgendwie drin dass jede gestrichene Einheit ein Loch ist das ich nicht mehr stopfe. Als ob die Granfondo am Ende zählt wie viele Kästen ich abgehakt hab und nicht wie fit ich ankomme. Das ist wahrscheinlich falsch. Aber ich weiß nicht wie ich das anders denken soll, weil ich das noch nie anders gemacht hab. Was mich noch beschäftigt - und das ist vielleicht die eigentlich neue Frage hier: ich hab im Job Schichtkollegen die seit Jahren sowas machen, Fußball, Laufen, einer macht sogar Triathlon. Die reden nie über Ernährungsprotokoll oder Marker oder Erholung. Die machen einfach. Und funktionieren irgendwie. Ich frag mich gerade ob ich durch das ganze Nachlesen und Diskutieren ein Problem aufgebaut hab das vorher keins war. Nicht dass ich die Diskussion bereue - ich lern hier was. Aber der Kollege der seit acht Jahren Halbmarathon läuft und nie einen Thread gelesen hat macht mich manchmal nachdenklich.

Zitat von rote_socke_83

ob ich durch das ganze Nachlesen und Diskutieren ein Problem aufgebaut hab das vorher keins war

das ist ehrlich gesagt die Frage die mich am meisten trifft heute abend. Ich kenn das von mir selbst - vor zehn Jahren bin ich einfach gefahren, kein Podcast, kein Forum, kein Blutdruckmessen. Und ich war net schlechter dabei. Dann kommt das Wissen dazu und plötzlich hast du fünf Variablen im Kopf wo vorher keine war. Aber ich glaub es gibt einen Unterschied zwischen deinem Kollegen und dir. Der macht seit acht Jahren dasselbe. Granfondo ist für ihn Routine, für dich ist das neu und du baust gerade auf. Da ist mehr Unsicherheit drin und die sucht sich halt Antworten. Das ist net dasselbe wie ein selbst erzeugtes Problem. Was mich bei dem Kollegen-Beispiel aber wirklich interessiert: der macht einfach - aber macht er auch mehr als früher? Oder ist sein Halbmarathon immer gleich geblieben? Ich vermut das zweite. Wer nicht mehr werden will kann vieles ignorieren. Wer aufbaut und ein Ziel hat das größer ist als das was er bisher gemacht hat, der kommt irgendwann an den Punkt wo Gefühl net mehr reicht. Net weil's vorher falsch war sondern weil die Anforderung eine andere ist. Das heißt net dass man jetzt jede Session mit drei Apps begleiten muss. Aber ein bisschen Bewusstsein schadet net wenn man zum ersten Mal auf 140 km geht.

Zitat von rennradhorstwer nicht mehr werden will kann vieles ignorieren

Das ist der Satz der mich gerade wirklich trifft. Weil er mir erklärt warum der Kollege funktioniert ohne nachzudenken - und warum das für mich eben kein Modell ist. Der will seinen Halbmarathon machen wie die letzten acht Jahre. Ich will was schaffen das ich noch nie gemacht hab. Das ist tatsächlich ne andere Ausgangslage. Aber ich merk gerade dass mich da noch was beschäftigt was bisher nicht drin war. @rennradhorst du hast das so formuliert als wäre Bewusstsein immer hilfreich wenn man aufbaut. Ich bin da nicht ganz sicher. Ich kenn das aus dem Job - neue Leute die anfangen und plötzlich alles hinterfragen, jeden Handgriff, jeden Prozess. Die lernen manchmal langsamer als die die einfach machen und aus Fehlern kapieren. Nicht weil Wissen falsch ist. Sondern weil Nachdenken und Ausführen zwei verschiedene Muskeln sind und wenn du zu viel vom einen machst leidet das andere. Ich frag mich ob das beim Radfahren auch so ist. Also ob ich irgendwann einfach fahren muss ohne Ernährungsgedanken und Erholungsmarker im Hinterkopf, und dann halt merke was passiert. Nicht auf gut Glück, sondern weil der Körper Rückmeldung gibt wenn man ihm zuhört. Das klingt ein bisschen nach "mach einfach" und ich weiß dass das zu kurz gedacht ist. Aber ich glaub da ist trotzdem was dran. Edit: Kleine Ergänzung - ich meine damit nicht, dass man Planung komplett vergessen soll. Eher dass es vielleicht eine Balance braucht zwischen Struktur und Intuition. Mal sehen wie das in der Praxis läuft.

VorherigeSeite 3 von 3