Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Erdiger Geschmack bei Roter Beete - Zubereitung schuld oder einfach so?

VorherigeSeite 3 von 5Nächste
Zitat von n.feld

Du erkennst beim Kollegen, dass Tagesform die Wahrnehmung verzerrt - und dann machst du bei dir dasselbe

@n.feld, ja, das hat gesessen, ich geb das zu. Hab kurz überlegt ob ich das kommentiere oder nicht, aber mal ehrlich, du hast recht. Das ist exakt das gleiche Muster, nur andersrum. Ich mach mich kleiner als der Kollege sich größer macht, und beides ist Tagesformabhängig. Gut, notiert. Was mich aber gerade noch beschäftigt, und das ist neu: du sagst, der Kollege kann Kausalität nicht erkennen weil das Gehirn die automatisch sucht. Stimmt. Aber das funktioniert ja auch in die andere Richtung, ne? Ich könnte genauso gut sagen, ich merk nix, also taugt das nix - und das wäre dann mein Confirmation Bias. Wer nix erwartet, merkt auch nix. Das macht die ganze Sache eigentlich methodisch hoffnungslos für jemanden der einfach nur Rote Beete isst und guckt obs was bringt. Kein Blindversuch, keine Kontrollgruppe, nur Gefühl. In der Schlosserei hätten wir das kein Werkzeug genannt, das hätten wir Raten genannt. Was ich jetzt eigentlich wissen will, und das ist ne echte Frage: gibt es irgendeinen sinnvollen Weg wie ein normaler Mensch ohne Labor das für sich selbst rausfinden kann? Oder ist das prinzipiell nicht möglich und man muss einfach entscheiden ob man das Risiko eingeht, Geld für nix auszugeben.

Zitat von rainer_w

gibt es irgendeinen sinnvollen Weg wie ein normaler Mensch ohne Labor das für sich selbst rausfinden kann

@rainer_w, kurze Antwort: nein, nicht wirklich. Nicht für kleine Effekte. Was du beschreibst ist das grundlegende Problem aller n=1-Selbstversuche. Du kannst nicht randomisieren, du kannst nicht verblinden, du kennst deine Ausgangslage nicht sauber genug. Das ist kein Versagen, das ist die Natur der Sache. Was Leute trotzdem machen, und ich sage nicht dass es methodisch sauber ist: ein Zeitfenster definieren, eine Variable ändern, eine andere Metrik notieren die weniger gefühlsabhängig ist als "ich fühl mich besser". Beim Radeln wäre das zum Beispiel Herzfrequenz auf einer Strecke die du kennst, immer gleiche Bedingungen soweit möglich. Nicht ob du dich gut fühlst, sondern ob eine Zahl sich verschiebt. Das filtert Tagesform nicht raus, aber es ist weniger anfällig für das Muster das wir beide gerade beschrieben haben. Ob das für dich die Mühe wert ist bei 50 km Freizeit-Radeln, bezweifle ich. Das ist der ehrlichere Punkt. Der Aufwand für einen sinnvollen Selbstversuch übersteigt wahrscheinlich den Nutzen den du realistisch erwarten kannst. Und ohne den Aufwand ist es eben Raten, wie du selbst gesagt hast. Das ist kein Grund, Rote Beete nicht zu essen. Aber es ist ein Grund, keine großen Erwartungen daran zu knüpfen.

Zitat von n.feld

Der Aufwand für einen sinnvollen Selbstversuch übersteigt wahrscheinlich den Nutzen

@n.feld, ja, das stimmt und ich glaub ich hab da gerade eine Entscheidung getroffen ohne es groß zu merken. Wenn der Aufwand größer ist als der mögliche Effekt, dann ist das für mich eigentlich klar - ich bau das nicht auf. 35 Jahre hab ich Dinge gemessen weil es drauf ankam, weil falsche Toleranzen echten Schaden gemacht haben. Beim Radeln klingt das ehrlich gesagt lächerlich, da fang ich nicht an, Pulsdaten zu tracken wegen einer Roten Beete. Was mich aber gerade wirklich beschäftigt, und das ist ein anderer Gedanke: du sagst Herzfrequenz auf bekannter Strecke als Metrik. Das setzt voraus, dass ich überhaupt ein Gerät hab das das misst. Hab ich nicht. Kein Pulsmesser, kein Sportuhr, nix. Ich fahr nach Gefühl und Kondition und das war mir bisher genug. Wenn ich jetzt anfange mir sowas zuzulegen nur um Rote Beete zu testen, dann bin ich schon tiefer drin als der Kollege mit seinem Betanio, nur mit mehr Technik. Das wär absurd, mal ehrlich. Ich glaub das Fazit für mich persönlich ist einfacher als der ganze Thread vermuten lässt: Glas aus dem Keller, Zutaten lesen, und wenn da kein E-Nummern-Block steht, dann ess ich das halt wenn mir danach ist. Nicht täglich, nicht als Kur, einfach so. Und der Kollege muss das nicht wissen.

Zitat von rainer_w

Und der Kollege muss das nicht wissen

@rainer_w, das ist eigentlich der vernünftigste Satz im ganzen Thread. Und ich meine das nicht ironisch. Was mich aber kurz aufhält: du hast gerade beschrieben wie man eine Entscheidung trifft die sachlich begründet ist, und dann trotzdem das Ergebnis versteckt weil die soziale Situation das verlangt. Das ist menschlich, keine Frage. Nur ist das genau das Muster das Supplement-Hersteller auch ausnutzen - der Kollege sagt dir nicht "ich bin mir unsicher", er sagt "hilft mir, schwör". Weil Unsicherheit sozial schwächer klingt als Überzeugung. Ich sag das nicht um dir was auszurichten. Ich merk das bei mir auch, wenn ich hier im Forum was schreibe und lieber eine Einschränkung weglasse weil sie den Punkt verwässert. Zum Glas aus dem Keller: ja, Zutaten lesen ist sinnvoll. Wenn du magst, schau auch auf den Essigtyp - Branntweinessig und Weinessig machen aromaseitig tatsächlich einen Unterschied beim Endgeschmack, das ist keine Einbildung. Nicht jedes Glas ist gleich, auch bei ähnlicher Zutatenliste. Das wäre der einzige praktische Hinweis den ich noch hätte, und der kostet keinen Pulsmesser.

Zitat von n.feld

Branntweinessig und Weinessig machen aromaseitig tatsächlich einen Unterschied

@n.feld, das ist jetzt interessant, weil ich ehrlich gesagt noch nie drauf geachtet hab welcher Essig da drin ist. Hab immer gedacht Essig ist Essig, so wie ich früher gedacht hab Stahl ist Stahl - bis man dann mal an einem Werkstoffzeugnis klebt und merkt dass da zehn verschiedene Legierungen mit dem gleichen Namen rumlaufen. Gut, den Punkt nehm ich mit für den Keller heute abend. Was mich an deinem letzten Absatz aber mehr beschäftigt als der Essigtyp: du sagst du lässt selbst manchmal Einschränkungen weg weil sie den Punkt verwässern. Das find ich eigentlich ehrlicher als die meisten Sachen die hier stehen, und ich mein das ohne Ironie. Weil das genau das ist was ich beim Kollegen nicht kriegte - er redet immer so als wär die Sache klar, kein Wenn und Aber. Und ich hab das erstmal so hingenommen. Ob ich ihm jetzt sage was ich aus diesem Thread mitgenommen hab, weiß ich noch nicht. Vielleicht kommt das irgendwann von selbst wenn er wieder anfängt von Betanio zu schwärmen. Oder ich sag einfach ich esse lieber aus dem Glas, und lass den Rest offen. Das ist auch eine Antwort. Zum Essig jedenfalls - steht auf dem Etikett vom Glas im Keller wahrscheinlich "Essigessenz" oder sowas, kenn ich von meiner Mutter noch. Ob das dann Branntwein ist oder was anderes, das schau ich mal nach.

Zitat von rainer_w

Essigessenz oder sowas, kenn ich von meiner Mutter noch

@rainer_w, Essigessenz ist konzentrierte Essigsäure, die wird vor Gebrauch verdünnt und hat aromatisch ungefähr so viel Charakter wie Leitungswasser mit sauer drin. Branntweinessig ist schon destilliert aber immer noch relativ neutral. Weinessig bringt eigene Aromastoffe mit, da ist der Unterschied im Endprodukt tatsächlich wahrnehmbar, nicht dramatisch, aber da. Wenn auf dem Etikett nur "Essig" steht ohne Zusatz, ist es meistens Branntweinessig, das ist die günstige Standardlösung für die Massenproduktion. Was mich an deinem letzten Satz aber mehr beschäftigt: "lass den Rest offen, das ist auch eine Antwort." Das stimmt, und ich würde sogar sagen das ist oft die ehrlichere Antwort als eine vollständige. Beim Kollegen kommt sowieso irgendwann der Moment wo er selbst merkt dass sein Betanio-Effekt sich nicht verstetigt, oder er merkt es nicht und ist damit glücklich. Beides ist sein Problem, nicht deins. Konkret gesagt: ich finde es etwas bemerkenswert dass ein Thread über erdigen Gemüsegeschmack bei Selbstversuchs-Methodologie und sozialer Dynamik gelandet ist. Das sagt wahrscheinlich mehr über die Fragestellung als über Rote Beete.

Zitat von n.feld

das sagt wahrscheinlich mehr über die Fragestellung als über Rote Beete

@n.feld ja, das hab ich mir gerade auch gedacht. Ich bin hier reingekommen weil ich wissen wollte ob der Erdgeschmack an mir liegt oder an der Zubereitung, und rausgekommen bin ich mit nem halbwegs klaren Bild davon warum mein Kollege mir Sachen glaubt die er nicht nachprüfen kann. Das ist schon etwas mehr als ich erwartet hab für einen Freitagnachmittag. Was mich an deinem letzten Satz aber wirklich festhält: du sagst das sagt mehr über die Fragestellung. Ich frag mich ob du damit meinst, dass die Frage von Anfang an zu groß war für das was ich eigentlich wissen wollte - oder ob du meinst, ich hab unbewusst nach was anderem gesucht als nach Kochtipps. Weil wenn ich ehrlich bin, und das ist mir gerade erst klar geworden, ich glaub ich hab hier weniger über Rote Beete nachgedacht als über diesen Kollegen. Der hat mich auf eine Schiene gesetzt und ich hab mitgemacht, und irgendwo hat mich das beschäftigt auch wenn ich das so nicht gesagt hätte. Aber gut. Glas aus dem Keller, Etikett lesen, fertig. Das ist wat ich tun werde, mehr nicht. Ob da Weinessig oder Branntweinessig drin steht weiss ich spätestens heute abend.

Zitat von rainer_w

ich hab hier weniger über Rote Beete nachgedacht als über diesen Kollegen

Das glaube ich dir sofort, und ich finde das eigentlich nicht überraschend. Die Rote-Beete-Frage war von Anfang an eine Stellvertreterfrage. Du wolltest wissen ob du dem Kollegen trauen kannst, nicht wie man Geosmin los wird. Was mich daran jetzt aber kurz beschäftigt: du sagst, du bist rausgekommen mit einem klareren Bild von warum er Dinge glaubt die er nicht nachprüfen kann. Das stimmt soweit. Aber das gilt in einem Forum genauso. Ich hab dir hier Sachen erklärt, und du hast das weitgehend geglaubt, weil es kohärent klang und ich Quellen angedeutet hab ohne sie tatsächlich hinzuschreiben. Das ist strukturell nicht so anders wie beim Kollegen, nur der Tonfall ist kühler und das klingt dadurch seriöser. Ich sag das nicht um alles zurückzunehmen, sondern weil du das selbst auf dem Schirm haben solltest. @rainer_w, zum Etikett heute abend: wenn da "Essig" ohne weiteren Zusatz steht, kannst du davon ausgehen was ich gesagt hab. Wenn da "Weinessig" steht, ist das ein besseres Glas als der Preis vermuten lässt. Und wenn da "Essigessenz" steht, hat deine Mutter noch aus einer Zeit eingekauft wo das die günstigste Option war und Geschmack sekundär.

Zitat von n.feld

ich hab dir hier Sachen erklärt und du hast das weitgehend geglaubt

@n.feld, okay das ist jetzt ein Zug den ich nicht erwartet hab. Du ziehst dir quasi selbst den Boden weg, und das mitten im Gespräch. Das kenn ich ehrlich gesagt nicht oft. Meistens redet jemand und wenn man ihm zuhört, dann ist das für den halt gut so. Aber jetzt wo du das sagst - stimmt ja. Ich hab das kohärente Auftreten für Verlässlichkeit gehalten. Das ist genau das was ich beim Kollegen auch mache, nur weil der überzeugend klingt. Unterschied ist vielleicht der Ton, wie du selbst sagst, aber ob das reicht um einer Quelle zu trauen, weiß ich gerade nicht mehr so genau. Was mich dabei aber aufhält: du hast das selbst angesprochen, ohne dass ich gefragt hab. Mein Kollege würde das nie machen. Der würde nie sagen, pass auf, ich hab hier vielleicht auch Lücken. Das ist schon ein Unterschied der mir was sagt, auch wenn ich nicht genau sagen kann was. Ich glaub ich lass das jetzt so stehen. Glas aus dem Keller, Etikett lesen, und dann ist erstmal Feierabend mit dem Thema. Draußen wird's eh dunkler, typisch Herbst, da fährt man eh weniger.

Zitat von rainer_w

Mein Kollege würde das nie machen

@rainer_w, das ist wahrscheinlich der relevanteste Punkt am Ende. Aber ich würde da etwas bremsen. Dass ich das selbst angesprochen hab, macht mich nicht automatisch verlässlicher - es macht mich nur schwerer angreifbar. Das ist auch eine Technik, bewusst oder nicht. Wer die eigene Lücke benennt bevor jemand anderes drauf zeigt, wirkt reflektiert. Ob das stimmt, ist eine andere Frage. Was ich damit sagen will: der Unterschied zwischen mir und deinem Kollegen ist vielleicht kleiner als du gerade denkst. Er glaubt was er sagt, ich glaube auch was ich sage, und wir haben beide keine Primärquellen hingeschrieben heute. Ich hab "irgendwo gelesen" und "Vortrag" gesagt, das ist nicht viel besser als "schwör". Den Feierabend mit dem Thema verstehe ich. Ist ein langer Thread für eine Knolle.

VorherigeSeite 3 von 5Nächste