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Blutdruck selbst messen - wann sollte man es lassen?

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@rainer_w64 das mit dem "angespannt beim Frühstück"-Ding das kenn ich auch. Aber ich glaub das Problem ist noch eins davor. @gg1987 schreibt ja gar nicht ob er überhaupt weiß wie sein Arzt dazu steht dass er selbst misst. Meine Hausärztin hat mir irgendwann gesagt - und das war für mich wichtig - "Florian, du brauchst mir nicht jeden Tag nen Wert vorbei zu bringen, das macht dich nur verrückt". Sie wollte von mir, dass ich alle zwei Wochen einmal ordentlich messe, morgens nüchtern, und dann nur die Werte von Montag aufschreibe oder so. Nicht täglich, nicht paranoid. Und das hat mir geholfen weil ich dann nicht mehr diese Spirale hatte wo jeder einzelne Wert relevant war. @gg1987 vielleicht solltest du deinen Arzt beim nächsten Termin einfach direkt fragen: wie oft soll ich denn eigentlich messen, und was soll ich mit den Werten machen wenn ich sie hab? Nicht "ob" ich messen soll sondern "wie". Das klingt nach ner Kleinigkeit aber das macht den Unterschied zwischen "ich sammle Daten" und "ich habe nen Plan" aus. Wenn dein Arzt dir dann sagt "lass es sein bis ich dich wieder sehe" dann ist das auch ne Antwort. Dann weißt du zumindest wo du dran bist. Die Tabletten-Geschichte - ja, die kommen vermutlich eh. Aber ob die allein reichen hängt eben wirklich davon ab ob du parallel auch was änderst. Das ist nicht optional, auch wenn dein Arzt das vielleicht nicht so deutlich sagt.

Zitat von fk_1988

du brauchst mir nicht jeden Tag nen Wert vorbei zu bringen, das macht dich nur verrückt

ja, das ist eigentlich das erste Mal im Thread dass jemand sagt - der Arzt hat das selbst gesagt. Nicht der Patient hat sich das zusammengegoogelt sondern die Ärztin hat das direkt ausgesprochen. Ich frag mich ob @gg1987 das auch schon mal gehört hat oder ob der da einfach nie nachgebohrt hat. @gg1987 ich mein das nicht als Vorwurf. Aber ich kenn das - man geht hin, nickt, geht raus und macht dann weiter wie vorher weil man sich nicht traut zu fragen "ja aber wie oft denn konkret". Das ist so ein deutsches Ding glaub ich. Der Arzt hat gesprochen, fertig. Dabei wäre das die simpelste Klärung überhaupt. Was mich bei @fk_1988 seiner Formulierung aber trotzdem ein bisschen stört: "alle zwei Wochen einmal ordentlich messen, nur Montag aufschreiben". Das klingt nach Lösung, ist aber auch wieder System. Neues System statt altem System. Ob das wirklich den Kopf freimacht oder nur das Messen in einen anderen Rhythmus presst - ich bin da nicht so sicher. Ich hab eine Zeit lang gar nicht mehr geschaut was ich aufschreibe, sondern nur ob der Wert grob in nem bestimmten Bereich war. Kein Protokoll, kein Datum. Ist das Ding unter 145 - gut, weiter. Ist es höher - okay, heute abend früher schlafen, weniger Salz. Mehr nicht. Hat mir mehr gebracht als jedes Heft.

Zitat von rainer_w64

Ob das wirklich den Kopf freimacht oder nur das Messen in einen anderen Rhythmus presst

- fair Point. Aber ich denk da anders drüber. Das Problem war für mich nicht das System sondern dass ich vorher gar keins hatte. Jeden Tag messen, immer neue Zahlen, immer neue Sorgen - das ist ja auch ein Rhythmus, nur einer der dich fertig macht. Mein Arzt hat mir nicht gesagt "ab jetzt Montag-Protokoll", sie hat gesagt "nicht täglich". Wie ich das dann organisiert hab war egal. Mir hat geholfen dass ich wusste - okay, morgen messe ich nicht, übermorgen auch nicht. Das hat den Kopf freier gemacht. Aber das andere was du schreibst - unter 145 gut, höher okay anders machen - das ist eigentlich smart. Keine Zahlen-Spielerei, nur die Frage "passt das noch oder nicht". @gg1987 könnte das auch so machen. Einfach ein Limit setzen, nicht jeden Wert kommentieren. Nur wenn's drüber geht dann halt checken was war anders. Was mich aber immer noch ärgert bei der ganzen Sache - und ich sag das offen - ist dass sein Arzt ihm gar nicht beigebracht hat wie der Blutdruck im Körper eigentlich funktioniert. Nicht biologisch, sondern praktisch. Warum geht er hoch, warum runter, was hat das mit mir zu tun. Ohne das sitzt du da und guckst auf Zahlen als wären's Lottozahlen. Mein Arzt hat mir das damals auch nicht proaktiv erklärt, ich musste fragen. Wäre ich nicht nachgefragt hätte ich wahrscheinlich immer noch keine Ahnung und würde messen wie ein Wahnsinniger.

Zitat von fk_1988Mein Arzt hat mir das damals auch nicht proaktiv erklärt ich musste fragen

ja und das ist der Punkt der mich eigentlich am meisten beschäftigt. Nicht dass Ärzte schlechte Erklärungen geben - die haben keine Zeit, das weiß ich. Aber dass wir alle hier so tun als wäre "selbst nachfragen" was Besonderes. Das sollte normal sein. Ist es aber nicht. Was ich @gg1987 eigentlich fragen würde - und das ist was anderes als alles was hier schon stand: bist du überhaupt in der Lage beim Arzt nachzuhaken wenn du was nicht verstanden hast? Ich mein das ernst. Ich kenn genug Leute die da sitzen, nicken, und dann draußen auf dem Parkplatz erst merken dass sie die Hälfte nicht kapiert haben. Das ist kein Vorwurf an die Person, das ist so ne Situation die einfach komisch ist. Du sitzt da, weißer Kittel, zehn Minuten, und sollst dann Fragen stellen als wär das ne normale Unterhaltung. Bei mir hat das Jahre gedauert bis ich da einfach reingeplatzt bin mit "warten Sie mal kurz, das hab ich nicht verstanden". Klingt simpel. War's nicht. @fk_1988 das mit den Lottozahlen trifft es eigentlich ganz gut. Du siehst die Zahlen, weißt aber nicht nach welcher Logik die gezogen wurden. Edit: Kleine Anmerkung noch - das Problem ist glaub ich auch, dass viele nicht wissen, dass Nachfragen beim Arzt völlig legitim und sogar gewünscht sind. Das wird einem nie so richtig vermittelt.

Zitat von rainer_w64

bist du überhaupt in der Lage beim Arzt nachzuhaken wenn du was nicht verstanden hast

das ist ehrlich gesagt ne Frage die ich mir bei mir selbst auch stellen musste. Bei mir war's so - ich bin zum Doc hin, der hat mir Sachen erklärt, ich hab genickt und bin raus. Erst Wochen später hab ich gemerkt dass ich eigentlich keine Ahnung hatte was der gemeint hat. Das Problem ist aber nicht unbedingt dass man nicht nachfragen kann, sondern dass man gar nicht merkt dass man was nicht verstanden hat. Wenn jemand sagt "Sie haben erhöhten Blutdruck, das liegt an Ihrem Lebensstil" dann klingt das klar. Ist es aber nicht. Was konkret am Lebensstil. Das kann ja alles Mögliche sein. @gg1987 was ich dir eigentlich raten würd - komm nicht mit Messwerten zu deinem Arzt. Komm mit Fragen. "Was genau muss ich ändern damit der Druck runtergeht, und wie check ich ob es funktioniert?" Nicht "soll ich täglich messen". Das ist viel zu klein gedacht. Wenn dein Arzt dir dann sagt "weniger Salz mehr Bewegung" dann fragst du nach - okay, wie viel weniger, wie viel mehr. Konkrete Zahlen. Nicht irgendwelche vagen Richtungen. Das Problem mit den Nachfragen ist glaub ich weniger dass man nicht darf, sondern dass man sich nicht traut weil man sich dumm vorkommt. Dabei ist das genau falsch. Jeder Doc muss damit rechnen dass sein Patient die Hälfte nicht versteht. Das ist nicht deine Schuld.

Zitat von fk_1988

man gar nicht merkt dass man was nicht verstanden hat

ja, das ist eigentlich das Ehrlichste was heute Abend hier stand. Und ich glaub das ist auch der Punkt wo @gg1987 gerade steckt - nicht dass er sich nicht traut zu fragen, sondern dass er noch gar nicht weiß was er fragen müsste. Ich kenn das aus'm Betrieb. Wenn ein Azubi zum ersten Mal an ner Maschine steht und ich frag "alles klar?" sagt der automatisch ja. Weil er noch nicht weiß was er nicht weiß. Erst wenn er den ersten Fehler macht kommt die eigentliche Frage. Mit dem Arztgespräch ist das genauso. Das Problem ist - beim Blutdruck kriegt man den "ersten Fehler" manchmal gar nicht mit. Der Druck ist halt hoch, du spürst nix, du nickst beim Arzt und denkst du hast alles kapiert. Und dann sitzt du zu Hause und misst und weißt trotzdem nicht warum der Wert heute anders ist als gestern. Was mich bei @gg1987 ehrlich gesagt noch beschäftigt: der schreibt seit dem ersten Post nix mehr. Liest der das hier überhaupt noch.

Zitat von rainer_w64

der schreibt seit dem ersten Post nix mehr. Liest der das hier überhaupt noch

haha ja, gute Frage. Aber ehrlich - ich glaub das Problem ist auch dass wir hier alle so reingerutscht sind in diese Meta-Diskussion über Ärzte und Verständnis und alles mögliche, und @gg1987 sitzt wahrscheinlich immer noch in der gleichen Ausgangslage. Morgen kommt sein Arzt mit Tabletten, und wir haben hier zwei Stunden drüber geredet ob er messen soll oder nicht. Was mich aber gerade beschäftigt - und das hat mit meinem eigenen Kram zu tun - ist dass ich selbst beim Joggen merke wie unterschiedlich der Körper reagiert. Manchmal lauf ich drei Kilometer, fühle mich danach besser, messe später und alles ist im grünen Bereich. Andere Tage dasselbe Training und irgendwie ist der Kopf nicht dabei, ich bin angespannt, und hinterher ist der Druck höher als vorher. Das hat nichts mit dem Training zu tun, das hat mit meinem Kopf zu tun. Und ich glaub @gg1987 verkennt genau das - dass sein Blutdruck wahrscheinlich gar nicht so sehr von dem Joggen abhängt als von der Frage ob er gerade vertraut oder angespannt ist. Und wenn er täglich misst und sich dabei selbst unter Druck setzt, dann ist das selffulfilling prophecy. Deswegen würd ich dem auch nicht sagen "lass es sein" wie @rainer_w64 meint mit der Maschinen-Metapher. Sondern eher - mach das Gerät weg bevor du zum Arzt gehst. Nicht aus Trotz, sondern um rauszukriegen wie du dich FÜHLT wenn du nicht alle zwei Stunden schaust. Vielleicht merkt er dann beim nächsten Praxis-Termin dass sein Blutdruck gar nicht so dramatisch ist wie er denkt.

Zitat von fk_1988

mach das Gerät weg bevor du zum Arzt gehst

das ist eigentlich der einzige konkrete Ratschlag heute Abend der auch wirklich handlbar ist. Aber ich frag mich ob @gg1987 das überhaupt hinkriegt. Nicht weil der schwach ist oder so - sondern weil das Gerät da steht. Du siehst es morgen früh. Das ist wie wenn du aufhören willst zu rauchen und die Schachtel liegt auf dem Tisch. Was mich bei @fk_1988 seiner Sache mit dem Joggen aber ehrlich gesagt wundert: du sagst gleiche Strecke, anderer Wert je nach Kopfzustand. Das glaub ich dir sofort. Aber das ist doch eigentlich auch ne Info. Wenn du weißt dass der Kopf den Druck mehr treibt als die drei Kilometer, dann ist die Frage doch nicht mehr "messen oder nicht" sondern was du mit dem Kopf machst. Das ist ne ganz andere Baustelle. Ich mein - wenn ich nach ner beschissenen Frühschicht nach Hause komm und direkt mess, weiß ich dass das kein fairer Wert ist. Das ist mir klar geworden nach ein paar Monaten. Nicht weil ich so schlau bin sondern weil ich irgendwann gemerkt hab dass meine höchsten Werte immer dienstags waren. Mein stressigster Tag. Hat nix mit Rote Beete zu tun und nix mit dem Gerät. @gg1987 falls du das noch liest - das wäre meine eigentliche Frage an dich: wann genau misst du. Nicht wie oft. Wann.

Zitat von rainer_w64

wann genau misst du. Nicht wie oft. Wann.

das ist tatsächlich ne gute Frage aber ich glaub sie verfehlt auch wieder ein bisschen das Kernproblem. @gg1987 misst wahrscheinlich dann wenn er Angst hat dass was nicht passt - also eher emotional gesteuert als rational. Und wenn man dem jetzt sagt "okay, mach das um acht Uhr morgens", dann hat er zwar ne neue Regel aber das Kopfproblem bleibt. Das ist nur verschoben. Was mich gerade beschäftigt - und das merke ich selbst beim Joggen - ist dass ich völlig unterschätzt hab wie sehr Messung selbst ein Stressfaktor ist. Nicht nur die Zahlen, sondern die Handlung. Du sitzt da, legst den Oberarm rein, wartest, und dein Körper weiß schon - jetzt passiert was das mich nervös macht. Das ist fast klassisches Konditionieren. Ich hab das mal bewusst probiert - eine Woche gar nicht gemessen, nur geguckt wie ich mich fühle. Und Überraschung: mir ging's besser, ich war entspannter. Nicht weil die Werte besser waren sondern weil die Messerei weg war. @gg1987 - falls du das liest - vielleicht ist die Frage nicht "wie messe ich richtig" sondern "warum will ich überhaupt messen". Weil wenn die Antwort ist "weil mein Arzt hat gesagt ich soll" dann musst du erst klären ob der das wirklich so gemeint hat oder ob das nur deine Interpretation ist. Dein Arzt hat wahrscheinlich gesagt "beobachten Sie das". Nicht "machen Sie ein Tagebuch". Das ist ein großer Unterschied.

Zitat von fk_1988

warum will ich überhaupt messen

Das ist eigentlich die Frage die mich gerade auch beschäftigt, wenn ich das so lese. Ich bin ja selbst nicht in der Blutdruck-Situation, aber ich erkenne das Problem bei meiner Roten Beete - ich habe festgestellt, dass ich anfangs viel zu oft kontrolliert habe ob sie wirkt. Jeden Tag gegessen, dann gemessen, als würde das was ändern in so kurzer Zeit. Mein Hausarzt hat mir damals gesagt, geben Sie dem Körper wenigstens drei Wochen bevor Sie wieder kommen, und bis dahin essen Sie einfach regelmäßig davon ohne ständig zu überwachen. Das hat mir geholfen, weil ich dann wirklich merken konnte ob es was bringt, anstatt mich selbst verrückt zu machen. Was mich bei @gg1987 aber stutzig macht - und das hat @fk_1988 gerade angesprochen - ist dass sein Arzt ihm wahrscheinlich gar nicht konkret gesagt hat was "beobachten" bedeutet. Mein Hausarzt ist da deutlich. Der sagt mir "Elvira nehmen Sie das Gemüse regelmäßig zu sich, in drei Wochen sehen wir uns wieder, dann messen wir". Nicht täglich. Nicht paranoid. Sondern strukturiert mit Abstand. @gg1987 wenn du das noch liest - frag deinen Arzt morgen ganz direkt: "Sollen Sie, dass ich selbst messe oder reicht es wenn ich zu Ihnen komme?" Das klingt vielleicht blöd, aber es ist nicht blöd. Der kann dir dann sagen ob er das überhaupt erwartet oder ob das nur dein Eindruck war. Und dann weißt du wenigstens woran du bist.

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