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Blutdruck selbst messen - wann sollte man es lassen?

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moin, schnell ne Frage. Mein Hausarzt hat mir geraten, meinen Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren, weil ich leicht erhöht bin. Aber jetzt bin ich in so ne Spirale reingekommen wo ich das Ding jeden Morgen rauskrame und mich dann den ganzen Tag über verrückt mache wenn die Werte nicht passen. Gestern früh 145/92, dann bin ich joggen gegangen, nachmittags gemessen 138/88 - und ich hab mir eingebildet das liegt an den paar Kilometer die ich gelaufen bin. Das ist doch Unsinn oder? Ich meine, ich weiß dass Blutdruck auch vom Stress abhängt, vom Schlaf und von tausend anderen Dingen. Aber wenn man anfängt zu messen, sieht man ja überall Probleme. Mein Kumpel hat mir geraten, sich einfach ein paar Wochen lang täglich zu messen und dann immer gleichzeitig. Sagt er, das macht mehr Sinn. Aber ehrlich - das klingt für mich nach noch mehr Zwang. Dann sitze ich um halb acht morgens da bevor ich auch nur nen Kaffee getrunken hab, und warte dass mein Blutdruck "normal" ist. Hat jemand Erfahrung damit gehabt, sich selbst unter Druck zu setzen wegen den Werten? Oder seid ihr da gelassener? Mein Arzt kommt morgen mit Tabletten um die Ecke da wollte ich aber erst mal checken ob ich das Messproblem in den Griff krieg, bevor ich medikamentös anfang.

Zitat von gg1987

ich hab mir eingebildet das liegt an den paar Kilometer die ich gelaufen bin

das ist gar nicht so eingebildet wie du denkst @gg1987. Sport senkt den Druck schon, das ist real. Aber ob das dann 6 Punkte waren wegen dem Joggen oder weil du vorher schlechter geschlafen hast oder weil du nachmittags einfach entspannter warst - das kriegst du nie raus. Das ist das Problem mit Selbstmessen du sammelst Zahlen aber du weißt nicht was du damit anfangen sollst. Was mich bei dir mehr interessiert: du schreibst dein Arzt kommt "mit Tabletten um die Ecke". Klingt als wärst du da noch nicht drin. Ich sag dir mal ehrlich, ich hab zwei Jahre gebraucht bis ich meinen Arzt wirklich verstanden hab was der will - der muss nämlich Verlaufswerte sehen, nicht Momentaufnahmen. Die gucken auf den Trend über Wochen, nicht ob du gestern 145 hattest. Und diese Sache mit halb acht morgens nüchtern messen - das ist tatsächlich die medizinisch sinnvollste Variante immer gleiche Bedingungen. Fühlt sich blöd an, ich weiß. Ich mach das auch manchmal bevor ich zum Frühstück komme. Aber wenn du jeden Messwert sofort interpretierst und dich dann aufregst, dann hebst du den Blutdruck durch das Messen selbst. Das ist kein Witz. Ich würd mal schauen ob dein Gerät überhaupt geeicht ist. Manche Billigdinger aus dem Drogeriemarkt sind echt für die Tonne.

@rainer_w64 da stimm ich dir zu beim Trend-Denken, aber ich hab ne andere Frage - wie merkst du denn selbst ob dein Gerät noch stimmt? Ich meine, du hast doch auch irgendwann angefangen zu messen. Hast du das irgendwann kalibrieren lassen oder vertraust du einfach drauf dass es beim Kauf gepasst hat? Weil @gg1987 hat ja recht dass das ganze Messding ein Kopfproblem werden kann, aber wenn das Gerät dann auch noch falsch misst, dann sitzt du da jeden Morgen nüchtern rum und sammelst Müll. Das ärgert mich ehrlich. Bei mir war's so - ich hab mir irgendwann ein Oberarm-Gerät gekauft, relativ gutes Ding, und dann hab ich die erste Woche gemessen wie verrückt. Nach drei Tagen bin ich zu meinem Doc und hab gefragt ob das Ding überhaupt richtig ist. Der hat mich an der Praxis gemessen und meins war tatsächlich um 5-6 Punkte zu hoch. Hätte ich nicht nachgefragt, hätte ich wahrscheinlich auch angefangen mir den Kopf zu zerbrechen. Also vielleicht sollte @gg1987 erst mal zum Arzt hin, sein Gerät checken lassen - die machen das meines Wissens - und dann erst wieder anfangen zu messen. Sonst ist das wie mit dem Rote-Beete-Konzentrat - du gibst Geld und Energie aus für etwas das dir vielleicht eh nicht hilft weil die Grundlage falsch ist.

Zitat von fk_1988

war tatsächlich um 5-6 Punkte zu hoch

das ist echt interessant @fk_1988, und ich glaub das passiert öfter als die Leute denken. Aber mal ehrlich - 5-6 Punkte systolisch, das ist jetzt keine Katastrophe. Wenn du 145 misst und es sind eigentlich 139, dann bist du immer noch im selben Bereich. Das ändert nix an der Tendenz. Was mich bei der Kalibriergeschichte immer wundert: die meisten Ärzte haben auch nur ein Gerät rumstehen das seit Jahren nicht geprüft wurde. Meine Hausärztin hat mich mal in der Praxis gemessen und ich hatte mein Gerät dabei. Unterschied war 4 Punkte - aber welches jetzt "richtig" war, das hat sie auch nicht mit Gewissheit sagen können. Da stehst du dann mit deiner Wissenschaft. @gg1987 der Vergleich mit dem Rote-Beete-Konzentrat von @fk_1988 trifft es eigentlich ganz gut, auch wenn ich da noch skeptischer bin als er. Falsche Messbasis, falsche Schlüsse - das gilt für Geräte genauso wie für Selbstversuche mit irgendwelchen Säften. Du bildest dir ein du siehst was, aber du weißt nicht was du eigentlich misst. Was ich @gg1987 noch fragen würde: misst du an beiden Armen? Ich hab mal gelesen dass der Unterschied zwischen links und rechts auch locker 10 Punkte sein kann und die meisten Leute wissen das gar nicht.

@rainer_w64 ja gut, aber das Problem ist doch dass der Unterschied zwischen links und rechts eigentlich niemand von allein checkt. @gg1987 misst wahrscheinlich immer am gleichen Arm weil's bequemer ist, und dann denkt er sein Wert ist Wirklichkeit. Ich mein, ich hab das auch erst gemacht nachdem mein Doc mir das gesagt hat. Aber was mich eher interessiert - @gg1987 du hast geschrieben dein Arzt kommt mit Tabletten. Das klingt so als würde der dich nicht wirklich fragen sondern dir das einfach in die Hand drücken. Wie ist das denn - habt ihr auch über Ernährung geredet oder war das nur kurz "ja du bist zu hoch, hier nimm das"? Weil bei mir war es so dass ich erst dachte okay, Tabletten, fertig. Aber mein Hausärztin hat mir dann auch gesagt dass der Blutdruck nicht einfach nur von Medikamenten runtergeht wenn daneben alles andere schiefläuft - zu viel Salz, zu wenig Bewegung, ständig angespannt sein. Das war für mich eigentlich wichtiger als das Messen selbst zu verstehen. Die Sache mit den Billiggeräten - ja, stimmt. Aber ehrlich, auch wenn dein Gerät 5-6 Punkte falsch ist, das ist nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist dass du dich selbst unter Druck setzt. Und das hebt den Blutdruck dann wirklich an. Vielleicht wäre es für dich besser erst mal zwei Wochen gar nicht zu messen, dafür aber ordentlich schlafen und weniger gestresst sein. Dann zum Arzt und sich dort einmal ordentlich checken lassen.

Zitat von fk_1988

zwei Wochen gar nicht zu messen

das ist so ein Rat den ich gut versteh aber der in der Praxis selten klappt. Wenn du das Gerät im Schrank hast, greifst du danach. Das ist wie mit dem Handy nachts - du weißt dass du es weglegen solltest und trotzdem. Was ich @gg1987 noch fragen würde: was macht dein Arzt eigentlich mit den Werten die du ihm mitbringst? Schaut der die an, tippt die ab, nickt kurz und schreibt dann trotzdem sein Rezept? Weil das wäre für mich die eigentliche Frage. Ich kenn das von mir - ich hab meiner Hausärztin mal eine Woche Messprotokolle mitgebracht, sauber aufgeschrieben, morgens und abends. Die hat draufgeguckt, kurz genickt und gesagt "ja, da sieht man den Trend". Mehr kam da nicht. Ich hab mich gefragt ob ich das auch hätte lassen können. Der Punkt mit Salz und Schlaf von @fk_1988 stimmt schon. Aber ich glaub dass viele Ärzte das gar nicht richtig durchgehen mit dir, die haben einfach keine Zeit. Du kriegst in zehn Minuten keinen vernünftigen Ernährungsplan erklärt. Also bist du hinterher genauso schlau wie vorher und misst weiter wie verrückt weil du das Gefühl hast du musst irgendwas kontrollieren. Dass das den Druck durch den Stress dann selber hochtreibt - das glaub ich dir @gg1987. Das ist kein Einbildung.

@rainer_w64

Zitat von rainer_w64

was macht dein Arzt eigentlich mit den Werten die du ihm mitbringst

- das ist tatsächlich die richtige Frage, aber ich glaub das Problem sitzt noch davor. @gg1987 hat sein Gerät wahrscheinlich gar nicht gecheckt sein Arzt hat ihm vielleicht gar nicht gesagt wie oft oder wann er messen soll, und dann sitzt er halt da und sammelt Zahlen die er nicht einordnen kann. Das ist wie wenn du jeden Tag dein Laufgewicht misst und dich aufregst weil du zwei Kilo schwerer bist als gestern - nur dass dein Körper eben auch Wasser speichert und dein Blutdruck halt auch einfach schwankt. Was mich bei der ganzen Sache nervt - und das ist nicht gegen dich - ist dass wir hier über Geräte und Messzeiten reden, aber nicht über das Offensichtliche. @gg1987 schreibt dass sein Arzt "mit Tabletten um die Ecke kommt" und dann sprechen wir über Kalibrierungen. Nein. Erst mal sollte der Arzt fragen ob der Typ auch nur weiß was Blutdruck überhaupt ist und warum er erhöht ist. Ist es Salzkonsum, ist es Übergewicht, ist es einfach Stress weil die Arbeit kacke ist. Das ist die Basis. Wenn das nicht geklärt ist, dann ist jede Messung wirklich Zeitverschwendung. Bei mir war's so - ich hab gefragt warum mein Druck überhaupt hochgeht. Meine Doc hat mir dann gezeigt dass ich unter Druck schneller anspanne, dass ich zu viel salziges Zeug esse ohne es zu merken, und dass ich zu wenig schlafe. Seitdem messe ich deutlich seltener und der Kopf ist freier. Das ist für mich der größere Gewinn als irgendein perfekt kalibriertes Gerät.

Zitat von fk_1988

Erst mal sollte der Arzt fragen ob der Typ auch nur weiß was Blutdruck überhaupt ist

ja mal ehrlich - das klingt hart aber da ist was dran. Ich hab bei mir selbst gemerkt dass ich zwei Jahre lang gemessen hab ohne wirklich zu kapieren was der diastolische Wert überhaupt bedeutet. Der systolische ist der bekannte, der andere steht halt auch da. Ich hab meiner Hausärztin irgendwann direkt gefragt - sie hat mir das dann erklärt, fünf Minuten, fertig. Warum nicht beim ersten Gespräch. Aber @fk_1988 ich find du machst da einen Sprung den ich nicht ganz mitgeh. Du sagst Ursache klären bevor messen - stimmt. Aber in der Praxis läuft das doch so: du gehst hin, kriegst die Ansage "zu hoch, beobachten Sie das mal", und wirst rausgeschickt. Dass du da selbst nachbohren musst um rauszukriegen ob es Salz oder Schlaf oder Stress ist - das ist Eigenleistung die die wenigsten bringen weil sie nicht wissen dass sie das bringen müssen. @gg1987 ich würd dir empfehlen beim nächsten Termin einfach direkt zu fragen: "Was genau wollen Sie dass ich ändere, und warum?" Klingt simpel. Ist es aber nicht wenn man dem Arzt gegenüber sitzt und der schon den nächsten Patienten im Kopf hat. Die Antwort die du kriegst sagt dir mehr als jede Woche Messprotokolle.

Zitat von rainer_w64

du gehst hin kriegst die Ansage "zu hoch, beobachten Sie das mal", und wirst rausgeschickt

- genau das. Und dann sitzt du da und fragst dich ob die Person dir das absichtlich so unklar erklärt oder ob die einfach davon ausgehen dass du selbst googelst. @gg1987 aber ich glaub da liegt auch dein echtes Problem - nicht das Messen selbst, sondern dass du noch gar keine Vorstellung hast was du konkret ändern sollst. Und wenn du dann anfängst täglich zu messen und merkst "oh der Wert ist runter", dann denkst du automatisch "okay, das war das Joggen gestern" oder "vielleicht war ich entspannter". Das ist halt das Problem wenn du keine Richtung hast. Bei mir war's so dass ich nach dem ersten Gespräch mit meiner Doc gefragt hab - nicht weil ich klug sein wollte sondern weil mir das reicht nicht - "okay, Tabletten nehmen?" Sie hat mir dann gesagt ich soll erst Mal zwei Dinge ausprobieren bevor wir medikamentös anfangen. Weniger Salzstangen beim Fernsehen (war ich brutal süchtig nach), und zwei Mal die Woche mindestens ne halbe Stunde bewegen. Nicht joggen, einfach bewegen. Das war für mich viel greifbarer als irgendwelche Messwerte. Nach drei Wochen hab ich gemerkt dass mein Ruhepuls niedriger war, ich besser geschlafen hab. Das Messen war dann fast nebensächlich. Also: nicht die Frage "soll ich messen ja oder nein", sondern "was genau soll ich ändern". Das ist die Frage die @rainer_w64 richtig stellt. Und wenn dein Arzt die nicht konkret beantworten kann, dann hast du da ein anderes Problem.

Zitat von fk_1988

was genau soll ich ändern

ja, das ist eigentlich die ehrlichste Zusammenfassung von dem ganzen Thread hier. Aber ich häng noch an was anderem. @gg1987 du hast bis jetzt eigentlich gar nix gesagt was du schon versucht hast. Nicht böse gemeint. Aber ich lese hier seit einer Stunde mit und du fragst ob du messen sollst oder nicht - das ist ja fast die falscheste Frage. Die richtige wäre: was passiert eigentlich wenn du einen Wert siehst der dir nicht passt. Isst du dann anders? Schläfst du anders? Oder sitzt du einfach da und grübelst. Das klingt blöd aber ich mein das ernst. Ich hab selbst eine Phase gehabt wo ich morgens gemessen hab, den Wert gesehen hab, und dann schon beim Frühstück angespannt war. Nicht weil der Wert schlecht war, sondern weil ich nicht wusste was ich jetzt "tun" soll damit. Das ist der Unterschied. Wenn du konkret weißt - okay, heute war der Wert hoch, dann lass ich heute das Salz weg und geh abends kurz raus - dann hat das Messen einen Sinn. Wenn du nur guckst und dich dann aufregst dann ist das Gerät ehrlich gesagt dein Feind. Draußen ist heute auch so ein Wetter wo man eigentlich gar nix entscheiden will. Aber trotzdem. @fk_1988 deine Salzstangen-Geschichte, das find ich tatsächlich interessanter als alles was wir über Geräte geredet haben. Das ist konkret. Sowas fehlt @gg1987 noch glaub ich.

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