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Zutatenliste bei NEM – lest ihr die eigentlich oder kauft ihr blind?

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@rennradhorst das mit dem Timing ist eigentlich ein Punkt der mich schon länger beschäftigt - aber dazu hab ich selbst getestet und da würde ich gerne Zahlen sehen, nicht nur Gefühle. Was mich an eurem ganzen Thread-Verlauf aber mehr triggert: ihr habt das Transparenz-Problem sehr gut auseinandergepflückt, aber die eigentliche Folgefrage taucht nicht auf. Wenn Beet It den Nitratgehalt direkt ausweist - woher weiß ich dass die Messmethode valide ist? Ich mein, es steht "400mg Nitrat pro Shot" drauf. Wer hat das gemessen, nach welchem Standard, wie oft, mit welcher Charge-Varianz? Das ist kein akademisches Haarspalterei, das ist dieselbe Frage in der nächsten Ebene.

Zitat von rennradhorst

Charge-Schwankungsbereich wenn möglich

Genau das. Aber ich kenne kein Produkt, das das freiwillig kommuniziert. Für Rote-Beete-Shots hab ich mal in einem Paper von Wylie et al. (2013, Applied Physiology) gelesen dass die Nitrat-Wirkung stark von der Ausgangsdosis abhängt - und dass die Schwankungen in natürlichen Produkten erheblich sein können. Die haben das zumindest methodisch sauber beschrieben. Ob Beet It da irgendwas intern prüft und das auch belegen kann, weiß ich nicht. Draußen ist es heute richtig mies, ich hab eigentlich meine Longjog-Einheit verschoben - da sitzt man halt länger am Rechner. Was ich rote_socke_83 noch mitgeben würde: die Mailaktion ist gut, aber frag konkret nach Prüfprotokoll und Charge-Varianz. Wenn die das nicht haben, ist die schöne Milligramm-Angabe auf der Flasche am Ende auch nur Marketing mit mehr Dezimalstellen.

Zitat von markus_b82

die Milligramm-Angabe auf der Flasche am Ende auch nur Marketing mit mehr Dezimalstellen

das ist net falsch, @markus_b82, aber ich glaub da beißt sich die Katze irgendwann in den Schwanz. Wenn wir sagen "Angabe ohne Prüfprotokoll zählt nix" - dann müssten wir das bei Lebensmitteln genauso durchziehen. Weißt du wie viel Nitrat wirklich in dem Spinat steckt den ich gestern abend gekauft hab? Steht nix drauf, und trotzdem ess ich den. Ich sag net dass das ein Freifahrtschein für Kapsel-Hersteller ist. Aber der Maßstab muss irgendwie vergleichbar bleiben sonst wird jede Diskussion über NEM am Ende eine wo nur noch Wylie et al. gewinnt und der normale Sportler kapituliert. Was mich an deinem Punkt aber wirklich interessiert: du schreibst "Prüfprotokoll anfragen". Das klingt plausibel, aber ich stell mir vor wie das läuft wenn rote_socke_83 das wirklich macht - Schichtbetrieb, drei Kinder, schreibt der eine Mail mit "bitte Prüfprotokoll und Charge-Varianz" und bekommt was zurück? Ich tipp auf Stille oder PDF mit Qualitätsmanagement-Buzzwords. Nicht weil alle Hersteller Gauner sind sondern weil das intern oft einfach keiner griffbereit hat. Ich hab das in der Elektrik auch so - Werkszertifikat anfordern klingt einfach, dauert dann drei Wochen und kommt auf Englisch.

@rennradhorst der Spinat-Vergleich ist nicht falsch, aber ich finde er hinkt an einer Stelle. Spinat kaufe ich als Lebensmittel, ohne Wirkversprechen. Da steht nicht drauf "optimiert deine Performance, enthält die klinisch relevante Nitrat-Dosis". Sobald ein Hersteller aber mit klinischer Relevanz wirbt, hat er sich implizit auf einen Maßstab eingelassen - und den kann man dann auch einfordern.

Zitat von rennradhorst

dauert dann drei Wochen und kommt auf Englisch

Das glaub ich sofort. Aber genau da ist der Unterschied zwischen "das System ist unpraktisch" und "die Forderung ist falsch". Ich würde rote_socke_83 nicht abraten, das zu versuchen - nur die Erwartung dämpfen und gleichzeitig die Nicht-Antwort als Datenpunkt werten. Das ist kein Nischenproblem für Leute die Wylie et al. lesen, das ist eigentlich das Mindeste was ein Hersteller der "klinisch erprobte Dosierung" kommuniziert bereitstellen können sollte. Was mich aber gerade wirklich beschäftigt ist eine andere Ebene: selbst wenn wir alle diese Infos hätten, Nitratgehalt in mg, Prüfprotokoll, Chargenvarianz - wir messen ja trotzdem nicht nach. Ich hab keinen Nitrat-Bluttest zuhause. Ich kann nachrechnen ob ich in der Range bin, aber ob mein Körper das dann auch so verwertet wie in den Studien, das weiß ich schlicht nicht. Das ist kein Argument gegen Transparenz, ich will die Angaben trotzdem. Aber es ist eine ehrliche Grenze des ganzen Ansatzes.

@markus_b82 der letzte Punkt den du machst ist eigentlich der der mich am meisten trifft. Kein Nitrat-Bluttest zuhause. Genau das. Ich kann die ganze Transparenzdiskussion gewinnen alle Angaben kriegen Prüfprotokoll, Chargenvarianz, alles - und am Ende steh ich trotzdem da ohne zu wissen ob mein Körper das überhaupt so verwertet. Ich bin 41, Schichtleiter, kein Labor. Der Unterschied zwischen "steht in der Range" und "wirkt bei mir" bleibt eine Blackbox.

Zitat von markus_b82

kein Argument gegen Transparenz

Nein klar, das stimmt. Ich will die Angaben auch weiterhin. Aber ehrlich gesagt hab ich gerade zum ersten Mal in diesem Thread das Gefühl dass wir uns alle drei in einer Diskussion befinden die wir nie wirklich abschließen können. Nicht weil die Fragen falsch sind. Sondern weil der letzte Schritt - wie verwertet mein Körper das konkret - schlicht nicht auf der Packung steht und auch nicht in einer Mail vom Hersteller kommen wird. Das klingt jetzt resigniert, ist es aber nicht. Ich find die Diskussion sinnvoll. Nur muss ich für mich irgendwann einen Punkt setzen wo ich sage: ok, ich hab das Beste rausgeholt was ohne Bluttest geht, und dann treff ich eine Entscheidung. So läuft das bei mir im Lager auch - du kriegst nie alle Informationen, irgendwann musst du die Ware annehmen oder zurückschicken. Die Frage ist halt: was ist mein Schwellenwert. Und den hab ich für Betanio PLUS noch nicht wirklich definiert.

Zitat von markus_b82

selbst wenn wir alle diese Infos hätten

@markus_b82 ja, und genau da hör ich bei mir selbst auf zu theoretisieren. Weil du hast recht - der letzte Schritt bleibt immer Körper, und der ist halt kein Messgerät das ich ablesen kann. Was mich an rote_socke_83 seinem Abschluss aber wirklich anspringt ist der Schwellenwert-Gedanke. Ich hab den für mich irgendwann ganz pragmatisch definiert - net über Laborwerte sondern über Blutdruck. Ich mess den regelmäßig weil ich muss, zweimal die Woche morgens. Und wenn ich ehrlich bin, da merk ich schon einen Unterschied seit ich Rote Beete Konzentrat nehme - ob das Nitrat ist oder Routine oder Einbildung, ich weiß es net. Aber mein Schwellenwert war: Blutdruck geht runter ich behalts. Geht er net runter, lass ich's. Das ist keine Wissenschaft aber es ist mein persönliches Prüfprotokoll - und das ist zumindest konsistent. Betanio PLUS hab ich nach diesem Test übrigens abgesetzt, nicht weil was Schlechtes drin wäre sondern weil ich keinen Unterschied zum günstigeren Saft gesehen hab und der Preis halt net stimmt. Draußen fängt's grad auch noch an zu regnen, schöner Sonntag. Was ich @rote_socke_83 noch mitgeben würd: dein Schwellenwert muss net perfekt sein. Er muss nur deiner sein.

@rennradhorst der Blutdruck als persönliches Prüfprotokoll - das ist eigentlich cleverer als ich zuerst dachte. Weil das ein Wert ist den du tatsächlich messen kannst, zweimal die Woche, ohne Labor. Ich hab das bei mir nie so gemacht. Ich mess meinen Blutdruck so gut wie nie, nur wenn die Hausärztin fragt.

Zitat von rennradhorst

dein Schwellenwert muss net perfekt sein

Ich glaub das ist der Punkt der mich gerade wirklich weiterbringt. Ich hab die ganze Zeit nach einem Schwellenwert gesucht der von außen kommt - Nitratgehalt, Prüfprotokoll, Studienlage. Aber vielleicht ist die Frage einfach: was kann ich selber messen? Blutdruck könnte ich messen, hab sogar so ein Gerät zuhause, liegt irgendwo rum seit meiner Frau in der Schwangerschaft. Ob das noch kalibriert ist, keine Ahnung. Was mich aber dazu beschäftigt: bei dir war's Blutdruck weil du den eh im Blick hast. Ich hab den nicht im Blick. Mein Messwert wäre eher Leistung auf der Rolle - aber da spielen so viele Sachen rein, Schlaf, Schicht, ob die Kinder nachts ruhig waren, dass ich da nie sauber trennen kann. Letzte Woche drei Nachtschichten hintereinander, da ist mein Rollenwert komplett unbrauchbar als Vergleich. Ich frag mich ob es überhaupt einen Messwert gibt der für jemanden wie mich realistisch funktioniert.

@rote_socke_83 der Rollenwert-Punkt ist real da geb ich dir recht. Aber ich glaub das Problem ist net der Messwert selbst sondern dass du zu viele Variablen gleichzeitig drinhast. Drei Nachtschichten Kinder, Ernährung - da kannst du nix isolieren.

Zitat von rote_socke_83

ob es überhaupt einen Messwert gibt der für jemanden wie mich realistisch funktioniert

Ich würd mal anders ansetzen. Net was du messen kannst sondern wann. Bei mir hat das erst funktioniert als ich aufgehört hab zu vergleichen "heute vs. letzte Woche" und stattdessen längere Zeiträume genommen hab. Sechs Wochen mit, sechs Wochen ohne. Grob, net wissenschaftlich - aber da fällt Schlaf und Schicht weniger ins Gewicht weil sich das über die Zeit rausmittelt. Ist mehr so ein Handwerkerprinzip halt - einmal messen sagt nix, Trend zählt. Das Gerät deiner Frau würd ich übrigens trotzdem mal rauskramen. Kalibrierung ist bei den normalen Omron-Teilen eigentlich kein echtes Thema solange das Gerät net heruntergefallen ist. Und Blutdruck ist eben was das du morgens nüchtern hinkriegst ohne Rolle, ohne Schicht, ohne Kinder die grad schreien. Das ist der einzige Wert der bei mir wirklich reproduzierbar ist. Ob das für dich der richtige Messwert ist weiß ich net. Aber irgendwas brauchst du das unabhängig von deiner Tagesform funktioniert.

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