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Vakuumware vs. frisch: Wirklich so ein Unterschied oder Einbildung?

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@n.feld, ich glaub wir sind uns näher als es aussieht, ehrlich gesagt. Du sagst am Ende dass keiner sagt für welches Gericht er die kauft - und genau da hätte die ganze Diskussion anfangen müssen, nicht bei Sortenvergleichen und Aromaverlust. Bei mir is es so: meine Frau macht im Winter manchmal Rote-Beete-Suppe und dafür kauf ich definitiv nicht frisch auf dem Markt. Dafür nehm ich was vakuumiert oder aus der Dose, weil die Beete da eh zerkocht wird und nix von dem Eigencharakter übrig bleibt - da is mir schnuppe ob das Aroma flach is oder nicht. Aber wenn ich die mal roh in nen Salat schneid oder als Beilage mach, dann muss es was taugen. Dann fällt jede Schwäche auf. Ich glaub das is der Punkt wo wir uns alle einig sind und keiner traut sich das zu sagen: Vakuumware funktioniert für bestimmte Sachen und für andere gar nicht. Das is keine Frage von Test und Sorte, das is einfach Pragmatik. Wenn du die nächste Vakuumpackung kriegst, versuch sie nächstes Mal in ner Suppe statt pur. Dann weißt du schneller wo die Grenze is statt dass du noch nen Monat drüber nachdenkst ne. Edit: Kleine Ergänzung - natürlich gibt es auch hochwertige vakuumierte Sorten, die deutlich besser sind als andere. Aber selbst die beste Vakuumpackung wird nie an frische Beete in nem Rohkostsalat rankommen. Das is halt die Realität.

@n.feld jetzt bin ich gespannt ob du überhaupt noch mitliest oder ob ich hier mit mir selbst rede - aber egal, ich hab grad beim Durchlesen meines eigenen Edits gemerkt dass ich da einfach so "natürlich gibt es auch hochwertige vakuumierte Sorten" hingeschrieben hab als ob ich das wüsste. Woher soll ich das wissen? Ich hab das nie verglichen ich kauf das Zeug kaum. Das war so ein Satz der sich schlau anhört aber eigentlich nix dahinter hat. wat mich jetzt gerade beschäftigt, und das ist wirklich ein neuer Gedanke den ich vorhin noch nicht hatte: wir reden die ganze Zeit über Zubereitung und Lagerung und Sorte, aber niemand hat gefragt was die Vakuumware eigentlich kostet im Vergleich zu frisch. Ich mein, wenn die vakuumierte Packung halb so teuer ist und für den Eintopf taugt, ist das doch ne völlig andere Diskussion als ob sie gleich gut schmeckt. Gleich gut ist sie nicht, das bezweifelt hier keiner. Aber billiger und praktisch für bestimmte Zwecke - das ist ein anderes Argument. Und das is das Argument das man in der echten Welt macht wenn man mittwochabends müde nach Hause kommt und noch was kochen soll. Nicht Sortenvergleich, sondern: was is da, was kostet das, reicht das für heute. Meine Frau macht das übrigens genau so. die kauft nie frisch Rote Beete extra - die nimmt was da is.

@n.feld ich merk grad dass wir beide viel schreiben aber eigentlich das gleiche meinen, und das is irgendwie lustig und auch frustrierend gleichzeitig. Du hast recht dass ich mir vorhin selbst widersprochen hab mit dem "hochwertige vakuumierte Sorten" - das war Blödsinn, ich hätt das nicht schreiben sollen. Aber was mich gerade wirklich beschäftigt - und das is was ganz anderes - ist dass ich langsam gar nicht mehr weiß ob Vakuum überhaupt das Problem ist oder ob ich mich von dir anstecken lass mit dem ganzen Hinterfragen. Ich mein, meine Frau kauft das Zeug, kocht damit, und beschwert sich nicht. Sie hat auch keine Zeit für Tests. Die fragt nicht nach Sorte oder Aromaverlust, die schaut ob es im Angebot is und ob die Packung noch gut aussieht. Punkt.

Zitat von n.feld

Was mich gerade mehr beschäftigt

Ja okay, aber für wen beschäftigt dich das eigentlich? Du schreibst hier und ich antworte, aber irgendwann sitzt jemand zu Hause und muss Essen machen. Und da geht es nicht um Fragen sondern um Entscheidungen. Kauf ich das oder nicht. Nehm ich Suppe draus oder probier ich anders. Ich glaub das is der Punkt wo deine ganzen Überlegungen in der Realität ankommen müssen. Sonst is es nur Gedankenspielen. Hast du die Vakuumpackung jetzt eigentlich endlich gegessen oder nicht?

@n.feld weißt du was, ich merke gerade dass ich die letzten zwei Stunden mehr über Rote Beete nachgedacht hab als in den letzten zehn Jahren zusammen, und ich bin Rentner, ich hab Zeit für sowas - aber trotzdem. Du hast mich nie gefragt ob ich die Vakuumware überhaupt mag. Ich hab das Glas-Zeug immer genommen weil mein Kollege damals im Betrieb das aus der Kantine kannte und gesagt hat, da ist Nitrat drin, das soll gut sein für die Ausdauer. So bin ich da überhaupt rangekommen. Nicht weil ich Rote Beete so toll finde.

Zitat von n.feld

Hast du die Vakuumpackung jetzt eigentlich endlich gegessen oder nicht?

Das war meine Frage an dich, nicht deine an mich. Aber gut. Was mir gerade durch den Kopf geht, das hab ich noch nirgends gesagt: ich glaub die ganze frisch-vs-Vakuum-Debatte ist für Leute die Rote Beete wirklich gerne essen. Für den Rest von uns ist das egal weil wir eh nicht oft genug kaufen damit es ne Rolle spielt. Ich radel morgen früh wenn das Wetter hält, und ich werd mit Sicherheit nicht vorher überlegen ob ich Vakuum oder frisch in die Trinkflasche pack. Das klingt jetzt flapsig aber ich mein das ernst. Wer das Gemüse nur gelegentlich isst weil er irgendwas gelesen hat, der kommt nie auf genug Vergleichswerte um sich ne echte Meinung zu bilden.

Zitat von rainer_w

Wer das Gemüse nur gelegentlich isst weil er irgendwas gelesen hat, der kommt nie auf genug Vergleichswerte um sich ne echte Meinung zu bilden.

Das ist der erste Satz heute der mich wirklich kurz gestoppt hat. Stimmt. Und er trifft mich auch ein bisschen, das räume ich ein. Aber dann noch dein Nitrat-Kollege aus der Kantine. Das halte ich für symptomatisch: Jemand sagt "da ist Nitrat drin, gut für die Ausdauer", und schwupps kauft man Rote Beete. Keine Quelle, kein Kontext, keine Dosierungsangabe. Das ist faktisch die Hälfte der Supplement-Logik, nur mit Gemüse statt Kapsel. Ich sage nicht, dass dein Kollege falsch lag, das Nitrat-Argument hat eine reale Basis. Aber der Weg "Kollege aus der Kantine hat das gesagt" zur Kaufentscheidung ist halt kein solider Pfad. Was mich dabei aber mehr interessiert: Du bist offensichtlich kein Rote-Beete-Fan und kaufst das trotzdem. Ich frage mich ob der Geschmacksvergleich frisch vs. Vakuum für dich überhaupt eine Rolle spielen kann, wenn du das Produkt grundsätzlich nur tolerierst. Das wäre dann ein echter Confounder in deiner Wahrnehmung, nicht im Produkt. Zur Frage ob ich die Vakuumpackung gegessen habe: ja, kalt, in einem Salat mit etwas Meerrettich. War akzeptabler als pur. Das ist aber kein Argument für Vakuum, das ist Schadensminimierung.

kleines Update, weil ich das schuldig bin. Die Vakuumpackung ist weg, der Salat war wie gesagt akzeptabel. Das Thema hab ich für mich abgehakt. Was mich aber seither beschäftigt, und das ist ein Gedanke der erst heute Morgen beim Kaffee aufgetaucht ist: @rainer_w, du hast gesagt du bist überhaupt erst durch den Nitrat-Kollegen zur Roten Beete gekommen. Das ist interessant, weil das genau der Mechanismus ist, der mich an Supplements stört - nur dass hier das Gemüse selbst das Vehikel war, nicht eine Kapsel. Der Weg war trotzdem derselbe. Jemand behauptet Wirkung, keine Quelle, man kauft. Und am Ende isst du jahrelang etwas das du nur tolerierst. Das frage ich mich jetzt konkret: Hat sich an deiner Einstellung zur Roten Beete je etwas geändert, oder bist du immer noch in diesem "ich kauf das weil irgendwer was gesagt hat"-Modus? Weil wenn ja, dann ist die ganze frisch-vs-Vakuum-Frage für dich tatsächlich irrelevant, und zwar aus einem anderen Grund als dem, den wir bisher diskutiert haben. Nicht wegen Sorte oder Lagerung, sondern weil du das Produkt nie wirklich für dich bewertet hast. Das wäre dann der eigentliche Confounder in diesem Thread, nicht die Zubereitung.

@n.feld, ich lese hier schon eine Weile mit und muss ehrlich sagen, Sie haben einen Punkt der mich beschäftigt. Aber nicht den, den Sie gerade ansprechen. Was mir auffällt ist, dass die ganze Diskussion irgendwie an einem Punkt vorbeigeht, der für mich persönlich sehr wichtig ist. In meinem Garten baue ich Rote Beete an, und der Hausarzt hat mir geraten, mehr davon zu essen wegen meines Blutdrucks. Das ist nicht optional, das ist eine Empfehlung mit medizinischem Hintergrund. Und wenn ich dann zum Wochenmarkt fahre oder selbst ernte, dann esse ich die auch - weil ich weiß, was reingeht und wie frisch die sind.

Zitat von n.feld

Jemand behauptet Wirkung, keine Quelle, man kauft.

Das verstehe ich, aber bei mir ist es anders gelaufen. Mein Arzt hat mir das gesagt, nicht irgendein Kollege aus der Kantine. Und das macht für mich einen großen Unterschied. Wenn der Arzt sagt, essen Sie mehr Rote Beete, dann kaufe ich die nicht, weil es eine Theorie ist, sondern weil ich das medizinisch ernstnehmen muss. Was mich aber gerade beschäftigt ist etwas ganz anderes - und da habe ich da gute Erfahrungen gemacht: Diese Vakuumware die Sie beschreiben, die würde ich nie nehmen für das, wofür ich Rote Beete eigentlich brauche. Da nehme ich das, was ich kenne. Punkt. Ich verstehe aber, dass Menschen die nicht selbst anbauen, andere Prioritäten haben. Nur - sollte man dann nicht auch ehrlich sagen, dass die ganze Debatte vielleicht gar nicht für sie relevant ist, statt alles hinterfragen zu wollen?

@elvira_k

Zitat von elvira_k

sollte man dann nicht auch ehrlich sagen, dass die ganze Debatte vielleicht gar nicht für sie relevant ist

Das ist eine faire Frage, aber ich würde sie anders stellen. Die Frage ob etwas "relevant" ist hängt davon ab, was man herausfinden will. Ich hab die Debatte nicht geführt weil ich wissen muss ob ich Vakuum kaufen soll, sondern weil mich der Mechanismus dahinter interessiert. Das ist ein Unterschied. Was mich an Ihrem Beitrag aber mehr beschäftigt: Ihr Arzt hat Rote Beete empfohlen, und das nehmen Sie als belastbare Grundlage. Das respektiere ich. Aber Hausärzte variieren erheblich in dem, wie gut sie Ernährungsempfehlungen auf aktuelle Datenlage stützen. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil das schlicht nicht ihr Kerngebiet ist. "Essen Sie mehr Rote Beete wegen des Blutdrucks" kann gut begründet sein, kann aber auch aus einer Leitlinie von 2008 kommen die seitdem nicht mehr groß diskutiert wurde. Ich sag nicht, dass die Empfehlung falsch ist. Die Datenlage zu Nitrat und Blutdruck ist tatsächlich nicht schlecht, da gibt es konkrete Studien, unter anderem aus dem Umfeld von Andrew Webb, das kann man nachschauen. Aber "der Arzt hat das gesagt" und "es ist gut belegt" sind nicht automatisch dasselbe. Was ich damit meine: Ihr Vertrauen in die Quelle ist höher als das von @rainer_w in seinen Kantinenkolleg. Das stimmt. Aber der Grundmechanismus - Empfehlung annehmen ohne die Basis zu prüfen - ist strukturell ähnlich. Nur mit unterschiedlicher Fehlerwahrscheinlichkeit.

@n.feld, Sie machen da jetzt einen Vergleich zwischen meinem Arzt und Rainers Kantinenkolleg, und ich muss ehrlich sagen, das finde ich etwas zu glatt. Mein Hausarzt kennt mich, er weiß wie mein Blutdruck ist, er sieht meine Werte regelmäßig. Das ist nicht dasselbe wie jemand der im Betrieb was über Nitrat erzählt. Das eine ist eine persönliche medizinische Empfehlung, das andere ist Gerücht. Aber gut, Sie haben Recht dass ich nicht wirklich überprüft habe, auf welcher Basis er das sagt. Das gebe ich zu. Ich bin da vielleicht zu schnell mit meinem Vertrauen. Was ich aber sagen kann - und das ist der praktische Punkt - ist dass ich seit ich das mache, spürbar weniger Probleme mit dem Blutdruck habe. Das kann Placebo sein, das kann die Rote Beete sein, das können andere Faktoren sein. Aber es funktioniert bei mir. Was mich gerade aber wirklich beschäftigt ist etwas ganz anderes. Sie sprechen davon dass man die Basis prüfen sollte, und das ist ja grundsätzlich nicht falsch. Aber im Alltag - und da unterscheiden wir uns wahrscheinlich - kann ich nicht jede Empfehlung hinterfragen bis zur Doktorarbeit. Ich muss auch irgendwann eine Entscheidung treffen und dann essen. Das ist nicht gleichgültig, aber auch nicht alles hinterfragt. Oder sehen Sie das anders?

@elvira_k

Zitat von elvira_k

kann ich nicht jede Empfehlung hinterfragen bis zur Doktorarbeit

Das verlange ich auch nicht. Der Punkt ist ein anderer: Es gibt einen Unterschied zwischen "ich prüfe nicht alles" und "ich nehme an, dass es geprüft ist". Beides ist menschlich, aber nur eines ist ehrlich gegenüber sich selbst. Was mich konkret beschäftigt: Sie schreiben, der Blutdruck hat sich verbessert, seit Sie mehr Rote Beete essen. Das nehme ich Ihnen ab. Aber Sie listen gleichzeitig selbst drei mögliche Ursachen auf - Rote Beete, Placebo, andere Faktoren. Das ist eigentlich die korrekte Einschätzung. Warum dann trotzdem die Gewissheit, dass die Beete der entscheidende Faktor war? Das ist keine Kritik an der Entscheidung, mehr Rote Beete zu essen. Das Gemüse ist jedenfalls kein Schaden. Aber die Kausalität, die Sie implizit setzen, ist nicht belegt - durch Ihren Arzt nicht und durch Ihre eigene Beobachtung auch nicht, weil Sie keine Kontrollbedingung hatten. Das klingt pedantisch, ich weiß. Aber gerade bei Blutdruck, der von Stress, Schlaf, Gewicht, Bewegung und einem Dutzend anderer Variablen abhängt, ist "ich mache X und es wird besser" methodisch schwach. Das gilt im Labor genauso wie in der eigenen Küche.

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