Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Rote Bete vor dem Training – wann genau und wieviel?

VorherigeSeite 2 von 2

@markus_b82

Zitat von markus_b82

der Saft kaufen einfacher ist als früher ins Bett zu gehen

Ja. Und ich glaub das ist der Satz der diesen ganzen Thread eigentlich zusammenfasst, auch wenn ich das nicht so schön formuliert hätte. Was mich aber grade stört - an mir selbst - ist dass ich das schon wusste bevor ich den Thread eröffnet hab. Ich hab nicht wirklich eine Antwort auf das Timing gesucht. Ich hab irgendwie Beschäftigung gesucht mit dem Thema weil die Granfondo näher rückt und ich merke dass ich hinten dran bin mit dem Training. Und da ist es halt bequemer eine Stunde über Nitrat-Kinetik zu lesen als zuzugeben dass ich die letzten drei Wochen zu wenig Kilometer gemacht hab. Das ist kein neuer Gedanke, das kenn ich von der Arbeit auch. Wenn irgendwas im Lager hakt schau ich manchmal auch zuerst auf die Kleinigkeiten bevor ich das eigentliche Prozess-Problem angeh. Weil das überschaubarer wirkt. Was ich mich jetzt frage - und das ist ehrlich eine echte Frage, nicht rhetorisch - wie hast du das damals gelöst mit dem Schlaf? Du hast 6,5 Stunden erwähnt. Ich lieg oft bei ähnlichem, manchmal weniger wenn die Frühschicht früh anfängt. Das ist bei mir kein Disziplinproblem sondern schlicht Arithmetik mit Schicht, Kindern und dem Rest. Und da weiß ich nicht wie man da realistisch was dreht ohne irgendwo anders was wegzunehmen.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

schlicht Arithmetik mit Schicht, Kindern und dem Rest

Das ist der Punkt wo ich ehrlich sagen muss: ich hab keine gute Antwort darauf. Ich hab keine Kinder, das macht die Rechnung bei mir strukturell anders. Was ich damals gemacht hab war eigentlich ziemlich banal - ich hab eine Einheit im Kalender gestrichen und dafür früher aufgehört mit dem Laptop. Aber das funktioniert nur wenn man den Spielraum hat. Den hast du offenbar nicht immer. Was mich an deiner Frage aber stört, im guten Sinne: du rahmst das als Arithmetik-Problem, also unlösbar solange die Variablen gleich bleiben. Vielleicht stimmt das. Aber ich kenn genug Leute die in ähnlicher Lage trotzdem irgendwo 30-40 Minuten rausgedrückt haben, meistens nicht durch große Umbaumaßnahmen sondern durch eine einzige Verschiebung die alles andere leicht nach hinten schiebt. Ob das bei dir Schicht-Ende, Abendessen oder was anderes wäre, weiß ich nicht. Was ich aber wirklich nicht einschätzen kann: wie viel Energie du nach der Schicht noch hast. Ich sitz den ganzen Tag vor Code und bin meistens müde im Kopf, körperlich aber noch okay. Das ist bei körperlicher Schichtarbeit vermutlich komplett anders kalibriert. Da würde mich interessieren ob du das Gefühl hast, du könntest mehr wenn die Zeit da wäre - oder ob du die Zeit hättest und trotzdem nicht könntest. Das klingt nach einer anderen Diskussion, aber ich glaub das ist eigentlich die relevantere.

Zitat von rote_socke_83

schlicht Arithmetik mit Schicht, Kindern und dem Rest

Das kenn ich aus der Praxis gut - nicht am eigenen Leib, ich hab keine Kinder, aber ich hab Patienten die genau dieses Setup beschreiben. Schichtarbeit plus Familie ist physiologisch wirklich eine andere Kategorie. Da geht es nicht um Disziplin oder Prioritäten, da geht es um chronischen Schlafpressure der sich aufaddiert. Was mich an markus_b82s letzter Frage interessiert - ob du mehr könntest wenn die Zeit da wäre - ist der Aspekt den keiner von euch bisher aufgemacht hat: Recovery-Kapazität nach körperlicher Arbeit ist nicht dasselbe wie nach Bürojob. Das ist keine Meinung, das ist Biologie. Kortisol-Profil, muskuläre Ermüdung, mentale Erschöpfung laufen da anders. Ich hab Patienten die acht Stunden Schichtarbeit hinter sich haben und dann noch trainieren wollen, und der häufigste Fehler ist zu denken, die freie Stunde reicht für das gleiche Pensum wie beim ausgeruhten Kollegen. Draußen ist grad Hochsommer-Schwüle, das macht das Training eh nochmal unangenehmer momentan. Zurück zur eigentlichen Frage: das Arithmetik-Problem lässt sich vielleicht nicht durch Zeitverschiebung lösen, sondern durch Intensitätsanpassung. Kürzere Einheit mit höherem Reiz statt lange Ausfahrt die du danach tagelang spürst. Ob das für eine Granfondo-Vorbereitung reicht, kommt auf den Stand an. Aber das wäre der Gedanke den ich hier reinwerfen würde - nicht mehr Zeit finden, sondern mit weniger Zeit effizienter sein. Was du jetzt schon machst an Umfang pro Woche in km?

@markus_hh88 das ist ein interessanter Einwurf, und ich glaub er ist auch berechtigt - aber ich würde eine Sache hinterfragen.

Zitat von markus_hh88

nicht mehr Zeit finden, sondern mit weniger Zeit effizienter sein

Das klingt erstmal plausibel, und ich kenn das Argument. Das Problem ist: für eine Granfondo-Vorbereitung brauchst du irgendwann Volumen, da hilft dir kein HIIT-Ersatz der die langen Einheiten komplett substituiert. Hast du da eine Quelle für, oder ist das aus der Praxis mit Patienten? Ich frag weil ich das Gegenteil auch gelesen hab - dass Ausdauersport-spezifische Adaptation zu einem guten Teil von der schieren Stundenzahl abhängt, nicht nur vom Reiz-Intensitätsprofil. Das wäre für rote_socke_83 relevant wenn die Granfondo 150+ km hat. Was mich an deinem Post aber mehr beschäftigt: du fragst nach km pro Woche. Das ist eigentlich die richtige Frage, die wir im ganzen Thread nie gestellt haben. Wir haben über Nitrat, Timing und Schlaf geredet aber nie nach dem eigentlichen Trainingsstand gefragt. Das ist rückblickend etwas peinlich, ehrlich gesagt. Zum Kortisol-Punkt: das deckt sich mit dem was ich aus dem Bereich gelesen hab, speziell zu Schichtarbeit und HPA-Achsen-Dysregulation. Aber das ist dann wirklich eine andere Ebene als "wann ess ich die Knolle".

Zitat von markus_b82

Das ist rückblickend etwas peinlich, ehrlich gesagt.

Ja, mir auch. Ich hab den Thread selbst eröffnet und hätte die Frage eigentlich gleich stellen können. Also: ich komm im Schnitt auf 80-100 km die Woche, manchmal weniger wenn die Schicht wild ist. Lange Ausfahrten am Wochenende, meistens Samstag, 3-4 Stunden. Unter der Woche eher 1-1,5 Stunden abends. Die Granfondo hat 160 km. Ich weiß selbst dass das kein üppiges Volumen ist für das was ich vorhab. @markus_hh88 was du zum Recovery-Thema schreibst trifft einen Nerv. Ich hab das nie so direkt gerechnet aber du hast recht - ich steig nach der Schicht nicht ausgeruht aufs Rad. Ich lad' Paletten und koordiniere Touren, das ist nicht Büro. Was mich aber an deinem Intensitäts-Argument ehrlich gesagt skeptisch macht: ich hab schon mal eine Phase gehabt wo ich kürzere härtere Einheiten gemacht hab und danach war ich einfach nur kaputt, nicht fitter. Kann aber auch sein dass ich das falsch angestellt hab, keine Ahnung. Ich bin kein Trainingswissenschaftler, ich bin jemand der einfach fahren will. Was @markus_b82 sagt mit dem Volumen und der Granfondo stimmt aus meiner Erfahrung auch. Du kannst keine 160 km mit reinen Intervall-Einheiten vorbereiten wenn dein Körper nie länger als 90 Minuten am Stück gefahren ist. Das ist kein theoretisches Argument, das hab ich letztes Jahr selbst gespürt bei einer Tour die länger wurde als geplant.

VorherigeSeite 2 von 2