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Rote Bete roh – wer macht das wirklich und wie?

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@jana_w der letzte Satz den du schreibst - "nicht mehr auf den eigenen Körper hören" als Fehler - der ist eigentlich wichtig, aber ich glaub du biegst da gerade was falsch ab. Niemand hier hat gesagt, man soll Körperwahrnehmung komplett ignorieren. Der Punkt war ein anderer: Verträglichkeit lässt sich halbwegs zuverlässig beobachten, Leistungswirkung nicht. Das ist keine Ablehnung von Selbstbeobachtung, das ist eine Einschränkung darüber was sie leisten kann.

Zitat von jana_w

ob da sechs Wochen Training einfach sechs Wochen Training waren, kann ich dir nicht sagen

Genau das ist der Punkt. Und das ist keine Niederlage, das ist einfach ehrlich. Ich finde es eigentlich gut wenn jemand das so benennt, weil die meisten das nicht tun. Was mich aber bei dem Gedanken "auf den eigenen Körper hören" generell stört: das klingt immer so als wäre der Körper ein zuverlässiger Reporter. Ist er nicht. Er liefert Rohdaten, und die Interpretation passiert im Kopf - mit allem was da so dranhängt. Der Podcast, die Erwartung, die Hoffnung. Das ist keine Schwäche, das ist Biologie. Aber es bedeutet, dass "mein Körper sagt mir X" oft eigentlich heißt "ich interpretiere Signale meines Körpers als X". Ich merk grad dass ich das etwas abstrakt formuliere. Konkret: wenn ich nach einem langen Lauf müde bin und gut geschlafen habe, weiß ich nicht ob das die Rote Bete war, das Wetter, oder einfach dass ich gut trainiert habe. Das lässt sich nicht auseinanderhalten, egal wie genau ich hinschaue.

@markus_b82 der Satz "mein Körper sagt mir X heißt oft ich interpretiere Signale als X" - ja, okay. Das ist eigentlich das präziseste was in diesem Thread gesagt wurde, und ich sitz grad kurz davor das einfach abzunicken und weiterzumachen. Aber da ist noch was, was mich nicht loslässt. Du sagst der Körper liefert Rohdaten, Interpretation passiert im Kopf, mit Podcast und Erwartung und allem. Stimmt. Aber das gilt doch auch für die andere Richtung, oder? Ich mein, ich kann genauso systematisch was weginterpretieren. Wenn ich beschlossen hab dass das Konzentrat Placebo ist, erkläre ich gute Läufe plötzlich mit Training und schlechte mit dem Konzentrat. Das ist derselbe Mechanismus, nur umgekehrt. Der Bias funktioniert in beide Richtungen. Das ist kein Argument dafür dass Betanio PLUS wirkt. Das ist nur ein Argument dafür dass ich mit "Rauschen, kein Signal" auch nicht einfach fertig bin. Was mich gerade ehrlich beschäftigt - ich hab heute morgen nen Lauf gehabt, war mies, Beine schwer, alles zäh. Und mein erster Gedanke war: zu wenig Schlaf. Nicht: Konzentrat hat nicht gewirkt. Nicht: Training war falsch. Schlaf. Vielleicht weil das die naheliegendste Erklärung war, vielleicht weil ich das Konzentrat nicht in Frage stellen wollte. Ich weiß es nicht. Und das ist halt das Problem das du beschreibst, nur von innen.

@jana_w

Zitat von jana_w

Schlaf. Vielleicht weil das die naheliegendste Erklärung war

Das ist eigentlich der interessanteste Punkt den du bisher gemacht hast, und ich glaub du siehst selbst warum. Du hast eine Erklärung gewählt, die das Konzentrat aus der Schusslinie lässt - und das weißt du. Das ist nicht zwingend falsch, Schlaf ist wahrscheinlich tatsächlich die stärkste Variable beim Ausdauergefühl. Aber du hast dir die Frage gestellt, und das ist schon mehr Reflexion als die meisten leisten. Was mich an deiner Beobachtung aber wirklich stutzig macht: du sagst "erster Gedanke war Schlaf." Erster Gedanke ist oft der automatisierte. Der kommt bevor man überhaupt anfängt zu interpretieren. Vielleicht ist das weniger Schutzreflex als du denkst, vielleicht ist das schlicht Erfahrungswissen aus vielen Läufen - du kennst den Unterschied zwischen "schwere Beine wegen schlechtem Schlaf" und "schwere Beine aus anderen Gründen" inzwischen halbwegs. Das wäre dann tatsächlich valide Selbstbeobachtung, nicht Bias. Das ist jetzt aber kein Freifahrtschein für "ich vertraue meinem Bauchgefühl bei allem." Der Unterschied ist: akute Körperzustände (Schlaf, Muskelkater, Magenproblem) lassen sich halbwegs zuverlässig einordnen, wenn man genug Wiederholungen hat. Langfristige Wirkungen von Supplements nicht. Das sind zwei verschiedene Kategorien von Selbstbeobachtung, und ich glaub die werden gerade noch vermischt. Hast du eigentlich irgendwann mal eine Phase ohne das Konzentrat eingelegt, gezielt, um zu schauen ob du einen Unterschied merkst?

Zitat von markus_b82

Hast du eigentlich irgendwann mal eine Phase ohne das Konzentrat eingelegt

Das ist die einzige Frage in diesem Thread, die wirklich zählt - und ich bin gespannt ob @jana_w da eine ehrliche Antwort hat. Weil das ist tatsächlich das einzige Quasi-Experiment, das Hobbysportler realistisch machen können. Kein Crossover-Design, keine Kontrollgruppe, aber wenigstens ein bewusster Verzicht über ein paar Wochen unter halbwegs vergleichbaren Bedingungen. Das ist methodisch immer noch schwach, aber es ist eine andere Qualität als "ich nehme es seit einem Jahr und fühle mich gut."

Aus meiner Erfahrung - und ich rede jetzt von Patienten, nicht von mir - machen das die wenigsten. Weil es sich anfühlt wie ein Risiko. Man hat sich an etwas gewöhnt, man will nicht rausfinden dass es nichts war. Das ist psychologisch völlig nachvollziehbar, aber es bedeutet, dass man die Information die man bräuchte um wirklich zu wissen ob etwas wirkt, aktiv vermeidet. Was mich bei @markus_b82s letztem Punkt noch beschäftigt: die Unterscheidung zwischen akuten Körperzuständen und Langzeiteffekten ist eigentlich der klarste Rahmen den wir bisher hatten. Den würde ich gerne auf die Ausgangsfrage zurückbiegen - @rennradrenate hat nach roh vs. gekocht gefragt, und die Antwort ist eigentlich: akut, also Magen vor der Ausfahrt, kann man halbwegs testen. Ob der Nitratgehalt langfristig was macht, kann man nicht. Wobei ich mich frage ob die Frage nach "roh" überhaupt noch jemanden interessiert nach diesem Thread.

@markus_hh88 die Frage ob ich eine Pause eingelegt hab - ja. Einmal, letzten Herbst, drei Wochen. Nicht geplant, ich hab einfach vergessen nachzubestellen und dann dachte ich, okay, jetzt schau ich mal. Und ehrlich gesagt: ich hab keinen Unterschied gemerkt. Nicht wirklich. Aber dann war da auch dieser Gedanke - vielleicht war es die falsche Phase, vielleicht war das Training gerade sowieso ruhiger, vielleicht war Herbst halt Herbst. Genau das was @markus_b82 beschrieben hat, von innen. Was mich aber an eurer Frage nervt - nicht an euch, an der Situation - ist dass die Antwort "ich hab keine Pause gemerkt" genauso wenig beweist wie "ich fühle mich besser damit." Ich kann da drehen wie ich will, ich komme nicht raus. Und das ist irgendwie frustrierend, weil ich kein Mensch bin der einfach sagt, ist mir egal, ich mach weiter. Ich will das eigentlich wissen.

Zitat von markus_hh88

ob die Frage nach "roh" überhaupt noch jemanden interessiert

@rennradrenate, falls du noch liest - ich frag mich gerade ob du mit deinem empfindlichen Magen eigentlich schon mal getestet hast ob das situativ ist, also ob du an normalen Trainingstagen generell anders reagierst als in der Wettkampfwoche. Weil wenn das Nervensystem da so viel ausmacht wie hier beschrieben, wäre das fast die interessantere Variable als roh vs. gekocht.

@jana_w das mit der Pause die du net gemerkt hast - das ist eigentlich das ehrlichste was in dem ganzen Thread stand. Und ich find's gut dass du das sagst weil die meisten das halt net zugeben würden. Aber mich beschäftigt grad was anderes an dem was du schreibst. Du sagst du willst das eigentlich wissen - ob's was tut oder net. Das kenn ich. Ich hab mir vor zwei Jahren genau die gleiche Frage gestellt mit dem Konzentrat, und irgendwann hab ich gemerkt dass ich die Frage eigentlich gar net beantworten will. Weil wenn's nix ist, hab ich ein Jahr lang Geld rausgeworfen. Das ist kein rationaler Gedanke, aber er ist da.

Zitat von jana_w

ich hab keine Pause gemerkt

Was mich dabei stört: drei Wochen im Herbst mit ruhigerem Training ist net wirklich ein Test. Ich würd sagen du bräuchtest das im Sommer, mitten in der Saison, gleiche Strecken, gleiche Belastung. Herbst ist Herbst wie du selbst sagst - da fährt man eh anders. Das wäre bei mir auch net der Zeitpunkt wo ich irgendwas testen würde. Was mich an dem ganzen Thread aber wirklich wurmt - die ursprüngliche Frage von @rennradrenate war eigentlich ganz konkret und praktisch. Roh oder net, Magen ja oder nein. Und jetzt sind wir bei Confirmation Bias und NO-Synthase. Das ist net schlecht aber Renate kommt da net weiter damit.

@rennradhorst du hast recht, und das wurmt mich auch ein bisschen - ich bin mitverantwortlich dafür, dass der Thread von "verträgt mein Magen roh" zu "Erkenntnistheorie der Selbstbeobachtung" gedriftet ist. Das war nicht geplant, aber manchmal läuft das so.

Zitat von rennradhorst

drei Wochen im Herbst mit ruhigerem Training ist net wirklich ein Test

Das ist fair. Wobei ich da noch einen Punkt ergänzen würde, den wir bisher nicht hatten: Es kommt auch darauf an, was man überhaupt testen will. Wenn @jana_w wissen will ob das Konzentrat ihre Ausdauerleistung beeinflusst, dann ja, Herbst ist falsch. Wenn sie wissen will ob sie es subjektiv vermisst - also ob da irgendwas ist das sich anders anfühlt - dann ist Herbst vielleicht sogar gar nicht so schlecht, weil der Körper ruhiger ist und man Signale klarer wahrnimmt. Das sind zwei verschiedene Fragen. Für @rennradrenate, weil du das verdient hast nach diesem Thread: ich würde wirklich empfehlen, die Rohvariante zunächst an einem normalen Dienstagabend zu testen, nicht am Wochenende vor der Ausfahrt. Kleine Menge, geraspelt, neben was anderem. Und dann einfach schauen ob der Magen in den nächsten paar Stunden irgendwas meldet. Das ist kein Experiment, das ist Vorinformation. Den Nitratgehalt kannst du danach immer noch diskutieren.

@markus_b82 der "Dienstagabend kleine Menge, einfach schauen" Rat ist eigentlich der vernünftigste in diesem ganzen Thread. Ich hab genau so angefangen, nur nicht mit roh sondern mit dem Konzentrat. Einfach mal probiert, kein Plan dahinter. Was mich aber beschäftigt - und das ist ein Punkt den hier noch niemand gemacht hat: wir reden die ganze Zeit über Magen, Nitrate, Selbstbeobachtung. Aber die Frage ob roh überhaupt praktisch ist im Alltag, die ist fast untergegangen. Ich mein, geraspelte Rote Bete ist halt auch Aufwand. Die Farbe, das Brett, die Hände danach. @rennradrenate hat das kurz erwähnt, und ich kann das bestätigen - ich hab das einmal roh versucht und meine Frau hat mich angeschaut als hätte ich ein Verbrechen begangen in der Küche.

Zitat von markus_b82

Vorinformation

Das Wort gefällt mir. Ich finde das ist die richtige Einordnung. Man testet nicht ob Rote Bete "wirkt" - man schaut ob man sie überhaupt verträgt und ob man sie in den Alltag kriegt. Der Rest ist dann eh nicht mehr in der eigenen Hand. Was ich mich frage - und das ist eine echte Frage, nicht rhetorisch: macht der Unterschied roh vs. Konzentrat für jemanden der keine Laborküche hat und morgens um halb sechs aufsteht überhaupt Sinn? Ich steh schichtbedingt manchmal um vier auf. Da raspel ich keine Rüben.

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