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Rote Bete roh – wer macht das wirklich und wie?

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Ich bin letzte Woche durch Zufall drauf gestoßen. Kollegin hatte rohe Rote Bete in ihren Salat geraspelt - nicht gegart, nicht aus dem Glas, einfach roh. Ich war skeptisch, weil ich den Geschmack gekocht schon sehr intensiv finde, aber roh war das nochmal eine andere Hausnummer. Erdig, fast scharf, sehr fest im Biss. Jetzt frage ich mich, ob das ernährungsphysiologisch überhaupt sinnvoll ist. Ich hab letztens irgendwo gelesen, dass die Nitrate, um die es ja bei der Sporternährung geht, durch Kochen zum Teil verloren gehen - aber ich finde dazu keine verlässliche Angabe wie viel das konkret ausmacht. Meine Hausärztin hat dazu nichts gesagt, weil ich sie das auch nicht gefragt hab. Was mich außerdem beschäftigt: Verträgt man rohe Rote Bete überhaupt gut? Ich hab einen empfindlichen Magen vor langen Ausfahrten, das ist für mich kein kleines Detail. Gekochtes oder Konzentrat habe ich da bisher gut vertragen - aber roh, kurz vor 90 km, das wäre ein Experiment das ich nicht leichtfertig machen würde. Die Farbe beim Raspeln war übrigens ein kleines Desaster. Ich hab einen weißen Schneidebrettrand und der ist jetzt dauerhaft rosa. Das nur als Vorwarnung falls jemand das erstmal versucht - Handschuhe oder dunkles Brett. Konkret gesagt: Ich bin gar nicht sicher ob roh für mich eine Option ist, aber ich will das nicht einfach abtun. Hat jemand hier Erfahrung damit, auch im Zusammenhang mit Sport? Oder ist das eher ein Salatding ohne den Effekt den man sich erhofft? **Edit:** Kleine Anmerkung - wenn jemand das ausprobiert: die Verdauung kann auf rohe Rote Bete auch anders reagieren als auf gekochte. Das sollte man vorher vielleicht mal im trainingfreien Alltag testen, bevor man es vor einer Ausfahrt macht. --
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate der Punkt mit dem empfindlichen Magen ist das einzige was mich da wirklich interessiert, ehrlich gesagt. Weil ich das kenne - ich hab vor langen Läufen auch ne Liste von Sachen, die ich einfach nicht anfasse. Roh hab ich persönlich nur ein paarmal probiert, geraspelt in nem Salat, genau wie deine Kollegin. Und ich muss sagen, mein Bauch hat das okay gefunden, aber ich bin auch kein empfindlicher Typ in der Hinsicht. Was ich nicht weiß - ob die Ballaststoffstruktur roh wirklich anders liegt als gekocht. Ich mein, man hört das immer, rohe Bitterstoffe, härtere Zellwände, schwerer verdaulich - aber ob das bei Rote Bete konkret so pauschal gilt, da bin ich nicht sicher. Hab das nie nachgelesen, nur so aufgeschnappt irgendwo. Was mich bei deinem Post eher beschäftigt: du sagst Konzentrat verträgst du gut. Das Betanio PLUS das ich seit nem Jahr nehme ist ja auch Konzentrat, und ich schwöre drauf was das Körpergefühl angeht. Draußen ist es grad wieder so drückend, das macht Ausdauer eh zur Qual - aber ich glaub das Konzentrat gibt mir zumindest das Gefühl dass ich nicht komplett leer laufe. Ob das Nitrate sind oder Placebo, ich weiß es ehrlich nicht und ich behaupte das auch nicht. Was ich sagen würde: roh vor ner Ausfahrt wäre für mich auch kein Experiment. Das wäre eher ein Feierabend-Salatding zum Testen, nicht kurz vor 90 km.

Zitat von jana_w

ich schwöre drauf was das Körpergefühl angeht

Das glaube ich dir, ehrlich. Das ist ja auch kein Vorwurf. Nur - Betanio PLUS ist halt Roter-Bete-Konzentrat in einer Verpackung, die 40% mehr kostet als der Saft aus dem Reformhaus. Der Mechanismus dahinter ist derselbe. Ich sag das nicht um dein Körpergefühl zu entwerten, sondern weil "ich schwöre drauf" für mich erstmal nur bedeutet: du verträgst es gut und glaubst, dass es wirkt. Das ist gar nicht nichts - aber das wäre mit jedem vernünftigen Rote-Bete-Produkt genauso. Zur eigentlichen Frage von @rennradrenate: Der Nitratverlust beim Kochen ist real, da gibts ne Metaanalyse aus 2014 (Bryan & Ivy, wenn ich mich recht erinnere), die zeigt dass Kochen im Wasser tatsächlich einen Teil rauslöst - aber "zum Teil" kann 20% heißen oder 50%, je nach Methode und Dauer. Roh wäre also nitratreicher, ja. Ob das in der Praxis einen messbaren Leistungsunterschied macht, bei einer Freizeitausfahrt und nicht im Labor - da wär ich vorsichtig mit dem "ja". Was ich aus der Praxis kenne: Leute mit Reizdarmanamnese reagieren auf rohe Rote Bete tatsächlich öfter mit Blähungen als auf gekochte. Das ist keine Studie, das ist Beobachtung aus dem Alltag. Wenn du sagst du hast nen empfindlichen Magen vor langen Einheiten, würd ich das wirklich erstmal an nem Ruhetag testen - nicht weil roh gefährlich ist, sondern weil 90 km der falsche Zeitpunkt fürs Experiment sind.

@markus_hh88 okay, der Preispunkt ist fair, das streite ich nicht ab. Aber ich glaub du vermischst da zwei Sachen. Ich hab nie behauptet Betanio PLUS wirkt wegen irgendeiner Geheimzutat die normaler Saft nicht hat. Der Punkt war ein anderer - nämlich dass Konzentrat für mich vor dem Training praktisch ist und ich es gut vertrage. Das ist keine Markenwerbung, ich hab das Zeug auch nicht geschenkt gekriegt. Was mich an deinem Beitrag aber wirklich interessiert: du sagst Leute mit Reizdarmanamnese reagieren öfter auf roh als auf gekocht. Okay, das glaub ich dir. Aber weißt du ob das bei normaler Verträglichkeit - also kein Reizdarm, einfach nur "ich bin vor Wettkämpfen ein bisschen empfindlich" - genauso zutrifft? Ich frag weil das ja zwei verschiedene Paarschuhe sind, irgendwie. Der eine ist ne strukturelle Sache, der andere ist eher nervöses Bauchgefühl im wörtlichen Sinn. Ich kenn das bei mir so, dass ich vor nem langen Lauf auf Kaffee verzichte obwohl ich ihn sonst täglich trinke - nicht wegen irgendeiner Studie, sondern weil ich's einmal getestet hab und das Ergebnis eindeutig war. So eine Art Selbstversuch halt. Vielleicht ist das für @rennradrenate der einzig sinnvolle Weg - einmal roh, Ruhetag, schauen was passiert. Aber die Metaanalyse die du erwähnst, hab ich die irgendwo verpasst? Weil Bryan & Ivy sagt mir grad nichts, und ich würd das gern mal nachlesen.

@jana_w die Frage zur Bryan & Ivy Metaanalyse - ich glaub da wird gerade was durcheinandergebracht. Bryan & Ivy, die beiden tauchen öfter in der Stickstoffmonoxid-Forschung auf, aber "die" Metaanalyse zu Nitratverlust beim Kochen ist das nicht unbedingt. Was ich kenne und wo das konkret drinsteht, ist eher Richtung Lidder et al. oder Reinli & Jacob (die haben Gemüse-Nitratgehalt systematisch erfasst), und der Kochverlust wird da tatsächlich sehr unterschiedlich angegeben - stark abhängig davon ob man das Kochwasser wegkippt oder nicht. @markus_hh88 sollte da vielleicht nochmal nachschauen welche Quelle er genau meint. Was mich aber bei dem ganzen Faden eigentlich mehr beschäftigt: der Unterschied den @jana_w aufmacht - struktureller Reizdarm vs. "nervöser Magen vor Wettkampf" - der ist real, aber ich glaub der ist für die Frage roh vs. gekocht trotzdem nicht so entscheidend. Weil der nervöse Magen vor Wettkampf auf fast alles Ungewohnte reagiert, nicht spezifisch auf Ballaststoffstruktur. Das heißt: wer da empfindlich ist, sollte eh nichts Neues kurz vorher testen - egal ob roh, gekocht oder Konzentrat. Ich hab das mal mit Haferflocken erlebt, völlig unspektakuläres Frühstück, aber neue Marke, zwei Tage vor nem Halbmarathon eingeführt. Hat mir einen Km 18 beschert, der mir noch heute in Erinnerung ist.

@markus_b82 ja, du hast recht, ich sollte da genauer sein. Bryan & Ivy war ein Fehler von mir - die sind tatsächlich eher in der NO-Synthase-Ecke unterwegs. Was ich im Kopf hatte war wahrscheinlich tatsächlich eher Reinli & Jacob, oder eine der Folgestudien die auf deren Datenbasis aufgebaut haben. Danke für die Korrektur, das ist kein Nebenpunkt. Der Haferflocken-Km-18 ist übrigens eine Geschichte, die ich so oder so ähnlich aus der Praxis kenne - nicht einmal, sondern mehrfach. Das ist eigentlich das stärkste Argument gegen jedes "roh vs. gekocht"-Optimieren kurz vor dem Wettkampf, weil das Nervensystem dabei schlicht nicht mitspielt. Kein Nitratgehalt der Welt hilft dir wenn dein Darm beschlossen hat, heute unkooperativ zu sein. Was mich bei @jana_ws Unterscheidung noch beschäftigt: die Trennung zwischen strukturellem Problem und nervösem Magen ist in der Theorie sauber, in der Praxis aber schwer zu machen. Aus meiner Erfahrung verschwimmt das bei Ausdauersportlern regelmäßig - die meisten wissen gar nicht genau ob sie "empfindlich" sind oder ob ihr Darm einfach gelernt hat, auf Wettkampfstress zu reagieren. Das lässt sich nicht per Selbstbeobachtung auseinanderhalten, dafür bräuchte man wirklich kontrollierte Bedingungen. Für @rennradrenate bleibt das trotzdem pragmatisch: Ruhetag, kleine Menge, abwarten. Nicht wegen der Theorie dahinter, sondern weil man das sowieso rausfinden muss.

@markus_hh88 der Punkt dass man das strukturell und nervös nicht auseinanderhalten kann - ja, das stimmt wahrscheinlich. Das hab ich mir zu einfach gemacht, ich geb das zu. Aber was mich gerade eigentlich mehr beschäftigt ist was du am Ende sagst: "dafür bräuchte man kontrollierte Bedingungen." Ich mein, das ist halt der Punkt wo ich immer etwas hänge. Weil kontrollierte Bedingungen für Hobbysportler schlicht nicht existieren. Wir testen uns selbst, unter wechselnden Umständen, mit zu vielen Variablen. Schlechter Schlaf, Stress, Tageszeit, was man davor gegessen hat. Und trotzdem ist das die einzige Information die ich wirklich habe - mein eigener Körper, über Zeit. Ich find das nicht nichts. Ich find das auch nicht dasselbe wie eine kontrollierte Studie. Beides gleichzeitig. Was mich bei @markus_b82 sein Haferflocken-Beispiel interessiert - war das für dich danach ein "nie wieder neue Sachen vor Wettkampf" oder hast du trotzdem weiter rumexperimentiert? Weil ich kenn Leute die nach sowas richtig vorsichtig werden, und ich kenn welche die beim nächsten Rennen schon wieder was Neues ausprobieren. Ich bin ehrlich gesagt eher zweite Kategorie auch wenn ich das vielleicht nicht sollte.

@jana_w die Frage ob ich danach vorsichtiger geworden bin - ehrlich gesagt: nein, nicht wirklich. Ich hab danach eher angefangen, das systematischer zu betrachten. Also nicht "nie wieder neu vor Wettkampf", sondern eher: ich führ seitdem so eine Art informelles Protokoll was ich in den 48h vorher esse, und wenn ich was Neues einführen will, dann teste ich das mindestens drei Wochen vorher im Training. Nicht weil ich übergenau bin, sondern weil mir km 18 von damals tatsächlich den Ehrgeiz ausgetrieben hat, beim Rennen selbst noch Variablen einzuführen. Was mich an deiner Selbstbeschreibung "zweite Kategorie" aber stutzig macht: du sagst, du weißt dass du es vielleicht nicht solltest, aber du machst es trotzdem. Das ist eigentlich interessant, weil das bei vielen Ausdauersportlern so ein Muster ist - man hat die Information, man ignoriert sie, und dann ist man überrascht. Ich schreib das ohne Wertung, ich kenn das bei mir auch, nur woanders. Beim Training-load zum Beispiel, nicht bei Ernährung.

Zitat von jana_w

mein eigener Körper, über Zeit

Das ist methodisch das Schwächste was es gibt, und trotzdem ist es manchmal das Einzige was man hat. Wobei ich da eine Einschränkung machen würde: "über Zeit" funktioniert nur wenn die anderen Variablen halbwegs stabil sind. Bei Ernährungsexperimenten im Hobbysportbereich stimmt das meistens nicht - Saison wechselt, Stress wechselt, Schlaf wechselt. Was man dann rausliest ist oft Rauschen, kein Signal.

@markus_b82 der Punkt mit dem "Rauschen, kein Signal" ist eigentlich der schärfste in diesem ganzen Thread, und ich glaub er wird etwas zu schnell durchgewunken. Weil das ist ja das eigentliche Problem bei Selbstbeobachtung über Zeit - nicht dass man sich was einbildet, sondern dass man sich systematisch was einbildet. Der Bias geht meistens in eine Richtung: man fängt was an, man hofft dass es wirkt, und dann interpretiert man die nächsten guten Wochen als Bestätigung. Die schlechten Wochen werden erklärt - Stress, Schlaf, schlechter Tag. Das Ding hat sogar einen Namen, Confirmation Bias ist da noch untertrieben, weil bei Körperwahrnehmung noch Erwartungseffekte obendrauf kommen.

Zitat von markus_b82

"über Zeit" funktioniert nur wenn die anderen Variablen halbwegs stabil sind

Ja. Und die sind es fast nie. Ich seh das beruflich regelmäßig - Patienten die nach sechs Wochen Physio sagen, die neue Übung hat alles verändert. Vielleicht. Oder sechs Wochen sind halt sechs Wochen und der Körper hätte das sowieso gemacht. Was mich bei @jana_w aber trotzdem nicht loslässt: sie hat das Betanio-Konzentrat jetzt seit einem Jahr, und sagt, sie verträgt es gut. Das ist zumindest valide Information - Verträglichkeit kann man halbwegs beurteilen, Wirkung nicht. Das ist kein kleiner Unterschied. Nur macht sie daraus "ich schwöre drauf", und das ist dann der Sprung den ich nicht mitgehe.

@markus_hh88 okay, der "ich schwöre drauf"-Sprung, den du nicht mitgehst - ich versteh was du meinst, und ich glaub ich weiß auch warum ich das so formuliere. Weil "ich vertrage es gut und hab das Gefühl dass es was tut" sich halt bescheuert anhört. Das klingt nach nichts. Also sagt man "ich schwöre drauf" und klingt wenigstens überzeugt. Aber da ist eigentlich was Interessantes drin, was ich noch nie so gedacht hab: Verträglichkeit als valide Information, Wirkung nicht. Das ist eine Unterscheidung, die ich so noch nicht gemacht habe. Ich mein, ich hab immer beides in einen Topf geworfen - "läuft gut, verträgt sich gut, also gut." Dabei sind das ja wirklich zwei verschiedene Aussagen.

Zitat von markus_b82

man fängt was an, man hofft dass es wirkt

Das trifft mich ehrlich gesagt mehr als ich zugeben will. Weil ich weiß noch genau wie ich mit dem Konzentrat angefangen hab - nach diesem Podcast, mega motiviert, dann die ersten Wochen wo ich dachte ja, genau, das ist es. Ob da sechs Wochen Training einfach sechs Wochen Training waren, kann ich dir nicht sagen. Nicht wirklich. Was mich trotzdem stört ist wenn das als Argument benutzt wird um gar nicht mehr auf den eigenen Körper zu hören. Das ist dann der andere Fehler. Ich hab grad noch ne Deadline, aber den Gedanken will ich nochmal weiterdenken.

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