Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Rote Beete Saft vs. frisches Gemüse - lohnt sich der Hype?

Moin zusammen ich hab da mal ne praktische Frage. Ich laufe regelmäßig Halbmarathon und interessier mich für Ernährung rund ums Training. Vor nem Jahr hat mir ein Laufpodcast vom Rote-Beete-Konzentrat erzählt - soll ja super für die Ausdauer sein, bessere Durchblutung und so. Hab mir dann so ein Ding für knapp 50 Euro gekauft. Ehrlich gesagt hab ich da danach nix gemerkt, war mir zu teuer für den Effekt. Jetzt les ich aber überall dass normaler Rote-Beete-Saft aus dem Supermarkt ähnlich funktionieren soll. Meine Frage: Habt ihr da Erfahrung ob es einen echten Unterschied gibt zwischen so teuren Konzentraten und einfach ner Packung Saft, die 3 Euro kostet? Oder ist das Sache der Dosierung. Nebeneffekt: Mein Blutdruck war immer unauffällig, aber mit 36 dacht ich mir okay, Zeit das im Auge zu behalten. Ein Kumpel von mir hat da Probleme und schwört neuerdings auf Rote Beete. Der hat sich sogar ne Blutdruckmanschette gekauft und misst täglich. Er sagt die Werte sind besser geworden seit er regelmäßig Saft trinkt. Kann man dem trauen oder ist das eher Placebo weil er gleichzeitig bewusster lebt? Interessiert mich halt einfach ob Leute hier konkrete Unterschiede gespürt haben, nicht so die Marketing-Story sondern real.

Zitat von fk_1988

ist das eher Placebo weil er gleichzeitig bewusster lebt

Genau das ist die Frage die mich auch nicht loslässt. Dein Kumpel kauft sich eine Blutdruckmanschette, misst täglich, trinkt Saft, achtet bewusster auf sich - und dann sollen wir sagen ob das die Rote Beete war? Kann ich so nicht unterschreiben dass man das isolieren kann. Das ist schlicht unmöglich. Was den Preisunterschied angeht: Ich hab das Betanio PLUS selbst probiert und der Preis ist eine Frechheit, das sag ich direkt. Ob normaler Saft aus dem Supermarkt weniger Nitrat hat liegt meiner Meinung nach an der Verarbeitung und Konzentration, nicht am Hersteller-Logo. Meine Hausärztin hat das mal kurz angeschnitten als ich gefragt hab - sie meinte Rote-Beete-Saft ohne Wärmebehandlung hat mehr aktive Verbindungen als der hoch erhitzte Haltbarkeitssaft aus der Packung. Ob das stimmt, keine Ahnung, ich bin kein Chemiker. @fk_1988 was mich bei dir wundert: du sagst du hast nix gemerkt beim Konzentrat. Aber auf was hast du konkret geachtet? Leistung beim Laufen, Puls, Erholung? Weil ich glaub die Leute merken da unterschiedliche Dinge oder eben nichts und dann ist die Frage ob man überhaupt weiss wonach man schauen soll.

@rote_socke_83 du hast recht dass ich nicht konkret genug war. Beim Konzentrat hab ich hauptsächlich auf Laufleistung geachtet - dachte wenn es was bringt dann merk ich das bei der Pace oder wie schnell ich mich erhol. Aber jetzt wo du's fragst: ich hab gar nicht vorher gemessen, also keinen Baseline-Wert. Ich hab das Zeug einfach drei Wochen getrunken und gedacht "hmm fühlt sich nicht anders an" und dann wars mir zu teuer und ich hab's gelassen. Zu deiner Ärztin-Info mit der Wärmebehandlung - das klingt plausibel aber bedeutet das nicht dass ich dann einfach nen frischen Saft pressen müsste statt ne Packung zu kaufen? Die Packungen sind ja alle ultra-haltbar gemacht. Oder gibt es da auch ungekochte Varianten im Supermarkt, keine Ahnung. Das mit deinem Kumpel finde ich trotzdem komisch. Er misst täglich, das ist ja ein bisschen viel wenn der Blutdruck eh volatil ist. Meine Frau hatte das ähnlich, hat sich da total reingesteigert. Nach zwei Wochen tägliches Messen war sie genervter und angespannter als vorher - und der Blutdruck war dann natürlich auch höher haha. Frag ihn mal ob die Werte wirklich stabiler sind oder ob er nur die guten Messungen im Kopf behält. Menschen sind da selektiv.

Zitat von fk_1988

ob die Werte wirklich stabiler sind oder ob er nur die guten Messungen im Kopf behält

Das ist der Punkt. Ich kenn das von mir selbst - wenn ich nach einer langen Schicht heimkomme und messe, dann ist der Wert immer höher als morgens vor dem Frühstück. Gleiche Manschette, gleicher Mensch, komplett andere Zahlen. Und dann such ich mir natürlich den raus der mir passt. Was deine Frau angeht: das glaub ich sofort. Tägliches Messen kann kippen wenn mans zu ernst nimmt. Ich hab mal gelesen - irgendwo in einem Ärztezeitungsartikel den mein Bruder rumgeschickt hat - dass die Messung selbst schon Stress auslöst und den Wert verfälscht. "Weißkitteleffekt" oder so heißt das bei Ärzten aber das passiert offenbar auch zuhause wenn man sich zu sehr drauf versteift. @fk_1988 zum frisch pressen: ja, das wäre wahrscheinlich die konsequenteste Variante. Aber ich sag dir, ich hab das zwei Wochen probiert. Der Aufwand ist nicht ohne, das Zeug färbt alles rot und der Geschmack ist... gewöhnungsbedürftig ist noch freundlich ausgedrückt. Irgendwo dazwischen liegt vielleicht ein kaltgepresster Saft aus dem Kühlregal, die gibt es manchmal im Bioladen. Ob der tatsächlich mehr Nitrat hat als der Haltbarkeitssaft - keine Ahnung, ich kann das nicht messen. Was mich bei dir aber wirklich beschäftigt: du hast drei Wochen lang was genommen ohne vorher irgendeinen Ausgangswert zu kennen. Das ist im Grunde Blindflug.

Zitat von rote_socke_83

du hast drei Wochen lang was genommen ohne vorher irgendeinen Ausgangswert zu kennen

Ja okay das ist fair. Blindflug ist das richtige Wort dafür haha. Aber ehrlich gesagt - und das ist vielleicht auch mein Problem - ich bin da nicht so der Typ der vorher misst und nachher misst. Ich lauf weil mir das gut tut, nicht weil ich Daten sammeln will. Bei meinem Kumpel ist das anders, der hat angefangen weil sein Arzt ihm gesagt hat er soll was dagegen tun. Da macht Messen wahrscheinlich mehr Sinn als bei mir. Was ich aber interessant finde: du hast das mit dem kaltgepressten Saft aus dem Bioladen erwähnt. Das ist halt immer noch billiger als so ein Konzentrat, und wenn der Unterschied zur normalen Packung wirklich nur die Wärmebehandlung ist, könnte man das ja mal testen. Nicht mit täglichem Messen und Datensammlung, sondern einfach: trink ich ne Zeit lang den kaltgepressten statt nix, und merke ich ob ich mich besser erhol nach ner langen Schicht. Das is für mich ne realistische Frage. Das andere Problem bei meinem Kumpel - ich glaub das Kernproblem ist nicht die Rote Beete sondern dass er angefangen hat täglich zu messen und jetzt kann er nicht mehr aufhören. Das ist wie wenn du anfängst dein Körpergewicht jeden Morgen zu checken. Nach zwei Wochen fixierst du dich drauf, und dann wars das. Vielleicht sollte ich ihm einfach sagen dass er weniger messen soll statt über die Rote Beete zu diskutieren.

Zitat von fk_1988

einfach sagen dass er weniger messen soll statt über die Rote Beete zu diskutieren

Das klingt einfacher als es ist. Wenn jemand erstmal im Meß-Rhythmus drin ist, willst du dem sagen er soll aufhören? Das nimmt der nicht gut an. Ich weiß das weil ich meiner Frau mal gesagt hab sie soll nicht jeden Tag auf die Waage und da hab ich mir nen schönen Abend eingehandelt. Was mich aber bei deinem Vorschlag mit dem kaltgepressten Saft interessiert: du sagst du willst das "einfach merken" ob du dich besser erhols. Das ist im Grunde genau das was du bei deinem Kumpel kritisierst - selektive Wahrnehmung ohne Ausgangswert. Der Unterschied ist nur dass du kein Messgerät benutzt. Ob das besser ist, Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich sag das nicht um dir eins reinzuwürgen. Ich hab das selbst so gemacht. Hab Betanio PLUS getrunken, meinte nach zwei Wochen die Beine fühlen sich weniger schwer an auf langen Touren - aber ich war gleichzeitig mehr draußen, Wetter war besser, hab weniger Spätschichten gehabt. Was davon war die Rote Beete? Punkt. Ich glaub das Ehrlichste was man sagen kann: wenn du nicht misst, weißt du nichts. Und wenn du misst, musst du es richtig machen. Dazwischen gibt es eigentlich kein sauberes Mittelding.

Zitat von rote_socke_83

wenn du nicht misst, weißt du nichts. Und wenn du misst, musst du es richtig machen. Dazwischen gibt es eigentlich kein sauberes Mittelding.

Haha ja okay das ist hart aber wahrscheinlich wahr. Nur - und jetzt ganz praktisch gedacht - wenn ich mir vorher ne Baseline hole beim Laufen, also meine durchschnittliche Pace auf ner bestimmten Strecke, und dann drei Wochen später die gleiche Strecke laufe... ist das nicht auch eine Form von messen, nur halt nicht mit ner Manschette? Ich mein, ich hab meinen Garmin, der trackt das automatisch. Das Problem bei meinem Kumpel ist halt wirklich dieses tägliche Manschetten-Ding. Das ist eine ganz andere Liga. Aber wenn ich selbst nur gucke ob ich mich auf meiner Stamm-Runde schneller oder entspannter fühle - ohne vorher irgendwas zu überanalysieren - ist das nicht auch aussagekräftig genug? Oder ist das wieder nur Selbstbetrug mit extra Schritten. Weil ehrlich, wenn ich anfange mir vorher alle möglichen Werte zu notieren, verlier ich die Lust am Ganzen. Das ist dann kein Laufen mehr sondern Datenhaushalt. Und genau das ist wahrscheinlich auch das Problem bei meinem Kumpel - der hat sich selbst in ne Messung-Spirale gezogen, obwohl sein Arzt ihm nur gesagt hat er soll sich bewegen und auf Ernährung achten.

Zitat von fk_1988

ist das nicht auch eine Form von messen, nur halt nicht mit ner Manschette

Ja klar ist das eine Form von messen. Aber der Garmin hat halt einen Vorteil den dein Bauchgefühl nicht hat: der lügt dich nicht aktiv an. Du wirst trotzdem Tage rauspicken wo du gut drauf warst und die anderen vergessen, das ist menschlich. Aber zumindest hast du die Rohdaten. Wenn du wirklich ehrlich bist zu dir selbst, schau dir nach vier Wochen den Durchschnitt an und nicht die drei Toprunden. Was mich bei dem Ganzen aber gerade mehr beschäftigt: du sagst dein Kumpel hat vom Arzt nur gehört er soll sich bewegen und auf Ernährung achten. Und dann hat er sich eigenständig ne Manschette geholt und fängt an täglich zu messen. Das ist eine ziemliche Eigendynamic die da entstanden ist. Ich frag mich ob der Arzt überhaupt weiß was der Kumpel da gerade treibt, oder ob der beim nächsten Termin sitzen wird mit ner Exceltabelle voller Messwerte. Ich hab meiner Hausärztin letztes Jahr mal nen Zettel mitgebracht mit eigenen Blutdruckwerten über zwei Wochen. Die hat den kurz angeschaut, genickt und gesagt die Streuung sei normal. Mehr nicht. Das war irgendwie ernüchternd aber auch beruhigend gleichzeitig. Vielleicht wäre das für deinen Kumpel das Sinnvollste - die Werte einmal wirklich jemandem zeigen der was damit anfangen kann, statt weiter alleine zu interpretieren.