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Rote Beete roh reiben - lohnt sich das überhaupt oder ist das Quatsch?

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@rote_socke_83 das mit den Kindern und dem Wissen das den Geschmack rückwirkend verändert - das ist eigentlich der interessanteste Punkt seit einer Weile hier. Weil das geht ja auch in die andere Richtung. Ich hab mal jemandem Rote-Beete-Konzentrat in nem Smoothie gegeben ohne was zu sagen, und die Person hat ihn getrunken und fand ihn gut. Danach gesagt klar kommt da Beete rein, das schmeckt man ja. Hat sie vorher nicht gerochen. Ich mein, das Gehirn ist da wirklich kein neutraler Zeuge. Was mich aber am meisten bei deinem Bericht beschäftigt ist nicht mal die Kinder-Sache, sondern dass du sagst Erfahrung kann systematisch falsch liegen. Stimmt ja. Aber ich frag mich ob das bei Geschmack überhaupt eine Rolle spielt. Wenn die Oma-Methode jedes Mal funktioniert hat - also das Ergebnis war gut, alle haben gegessen - was ist dann eigentlich "falsch"? Falsch wäre für mich wenn der Salat schlecht schmeckt und man trotzdem behauptet er schmeckt gut. Aber das ist hier ja nicht passiert. Was ich nie machen würde: aus der Erfahrung eine universelle Regel basteln und sagen "Kümmel dämpft Geosmin, wissenschaftlich belegt". Das wäre dann der Fehler. Aber als persönliche Küchen-Heuristik - ich vertrau dem.

@jana_w

Zitat von jana_w

als persönliche Küchen-Heuristik - ich vertrau dem.

ja, damit kann ich leben. Aber ich hänge gerade an dem anderen Punkt - "Falsch wäre wenn der Salat schlecht schmeckt und man trotzdem behauptet er schmeckt gut." Weil das passiert doch ständig. Ich kenn das aus der Logistik, da haben wir auch Prozesse die seit 15 Jahren so laufen und keiner fragt warum, die laufen halt. Und dann stellt sich irgendwann raus dass da ein Schritt drin ist der nichts tut außer Zeit kosten. Aber weil das Ergebnis am Ende trotzdem ok war hat das nie jemand hinterfragt. Bei der Oma-Methode ist das Problem halt dass man nie weiß was passiert wäre wenn man den Kümmel weggelassen hätte. Hat jemand das mal gemacht? Also wirklich direkt verglichen - gleiche Knolle, gleiches Öl, einmal mit Kümmel einmal ohne, gleichzeitig? Ich nicht. Du nicht. Rosi wahrscheinlich auch nicht. Wir reden alle über Erfahrung die wir nie isoliert getestet haben. Das macht die Erfahrung nicht wertlos, Punkt. Aber es ist halt auch kein Beweis. Es ist einfach: hat funktioniert, weiter so. Was bei Salat völlig reicht, klar. Was mich trotzdem beschäftigt ist dein Smoothie-Beispiel. Die Person hat ihn gut gefunden solange sie nicht wusste was drin ist. Ich frag mich ob das auch andersrum geht - also ob jemand was gut findet weil er weiß dass da was gesundes drin ist. Meine Frau macht das glaub ich mit allem was "natürlich" draufsteht.

@rote_socke_83 der Punkt mit "weil gesund draufsteht" - ja, das ist eigentlich das Interessantere an deinem Smoothie-Gegenbeispiel. Ich würde sagen: absolut. Das ist sogar dokumentierter als das Geosmin-Zeug, da gibt's glaub ich tatsächlich Forschung dazu, wie Packaging und Labeling den wahrgenommenen Geschmack verändern. Hab das mal in nem Podcast aufgeschnappt, kann die Quelle nicht nennen, aber der Effekt ist real.

Zitat von rote_socke_83

ob jemand was gut findet weil er weiß dass da was gesundes drin ist

Meine Antwort wäre: ja, und das ist noch nicht mal Einbildung im negativen Sinne. Das Gehirn bewertet halt Kontext mit. Wenn ich weiß dass in meinem Rote-Beete-Konzentrat Nitrat drin ist das mir beim Training hilft, dann trinke ich das anders als wenn ich denke es ist einfach irgendein roter Saft. Ob mein Körper dann wirklich anders reagiert oder ob ich das nur so erlebe - ich kann das ehrlich gesagt nicht trennen und ich glaub die meisten können das nicht. Was mich aber gerade mehr beschäftigt als der Placebo-Aspekt: du sagst keiner von uns hat den Kümmel-Vergleich je isoliert gemacht. Stimmt. Aber ich frag mich ob das überhaupt möglich wäre, also wirklich sauber. Weil du kannst nicht zweimal in den gleichen Fluss steigen und so - du weißt beim zweiten Bissen schon wie der erste war. Blinded tasting bei sich selbst ist kaum machbar.

Zitat von jana_w

Blinded tasting bei sich selbst ist kaum machbar

da hast du natürlich recht, aber ich frag mich ob das wirklich das Problem ist. Weil in der Logistik haben wir das auch - du kannst einen Prozess nicht blind testen wenn du schon weißt wie er läuft. Trotzdem gibt's Methoden, zumindest annähernd. Zwei verschiedene Personen, gleiche Zutaten, keiner sagt dem anderen was drin ist. Das wäre schon näher dran als "ich erinnere mich wie es letzte Woche schmeckte." Meine Kinder wären eigentlich perfekte Testkandidaten wenn sie nicht sofort fragen würden was das ist. Aber eigentlich ist das nicht mal der Punkt der mich gerade beschäftigt. Du sagst das Gehirn bewertet Kontext mit - und das stimmt. Was mich daran aber stört: dann ist die Frage ob Rote Beete roh wirklich so erdiger schmeckt als gekocht, oder ob ich das nur erwarte weil mir das jeder sagt. Ich hab die rohe nie gegessen ohne vorher zu wissen dass sie roh ist. Niemand hier hat das glaub ich. Also wie viel von dem Erdfaktor ist wirklich im Mund und wie viel ist schon im Kopf bevor der erste Bissen kommt. Das macht die Erfahrung wieder nicht wertlos, Punkt. Aber es wäre mal ehrlich zuzugeben dass wir das schlicht nicht wissen.

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