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Rote Beete roh raspeln – lohnt sich der Aufwand wirklich?

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kleines Update weil ich das grad nicht einfach so stehen lassen kann.

Zitat von leni_bk

ich brauch das nicht regelmäßig

das hast du irgendwo zwischendrin sinngemäß gesagt und ich hab das damals kommentiert aber ich glaub ich hab da was übersehen. Ich hab jetzt die letzten Tage nochmal drüber nachgedacht - weil ich gestern beim Markt eine riesige Knolle gesehen hab und einfach mitgenommen hab, ohne Plan - und ich glaub ich hab den Thread damals ein bisschen zu sehr von meiner Meal-Prep-Brille aus gelesen. Was sich bei mir konkret geändert hat: ich hab die Knolle gestern einfach gekocht, warm gegessen, kein Prep, kein "die halt ich jetzt drei Tage". Direkt mit Ziegenkäse und einem Schuss Apfelessig. Fertig. Und das war ehrlich gesagt besser als mein letzter Meal-Prep-Versuch wo ich die Beete Mittwoch gegessen hab und sie schon ein bisschen komisch war. Was mich jetzt aber wirklich beschäftigt ist ne neue Frage die ich vorher gar nicht hatte: ob der Geschmack beim direkten Essen nach dem Kochen wirklich anders ist als nach einem Tag im Kühlschrank. Mir kommt das so vor aber ich weiß nicht ob ich mir das einbilde. Hat wer das mal wirklich verglichen, also bewusst, nicht nur zufällig?

Guten Tag zusammen, ich lese hier schon eine Weile mit und muss ehrlich sagen, da muss ich mich mal einmischen. @leni_k das mit dem Geschmack direkt nach dem Kochen versus nach einem Tag - ja, das ist wirklich ein Unterschied, das bilde ich mir auch nicht ein. Bei mir im Garten, wenn ich die Rote Beete selbst anbaue und dann koche, schmeckt die am selben Tag einfach intensiver, irgendwie noch präsenter. Nach zwei Tagen im Kühlschrank wird das milder, mehr so - wie soll ich sagen - zahmer im Geschmack. Ob das an der Kälte liegt oder ob sich die Zellstruktur verändert, da muss ich sagen, das weiß ich nicht genau.

Zitat von leni_k

ob der Geschmack beim direkten Essen nach dem Kochen wirklich anders ist

- für mich ist das völlig klar ja. Aber was mich gerade mehr beschäftigt ist etwas ganz anderes. Ihr redet hier die ganze Zeit über Meal Prep und Optimierung und ob sich das lohnt und ich denke mir - vielleicht ist das auch einfach ein falscher Ansatz für Rote Beete? Bei mir funktioniert das so: ich koche sie, wenn ich sie haben will. Punkt. Nicht weil ich die Woche planen muss, sondern weil ich gerade Hunger drauf habe. Das kann Mittwoch sein oder Sonntag, mir ist das egal. Und ehrlich, die schmeckt dann auch immer gut, weil ich sie eben nicht drei Tage alt esse. Das mit dem schnellen Schälen danach im warmen Zustand - das mache ich genauso, @leni_k hat da recht. Nur ein Tuch, fertig.

Zitat von leni_bk

ich trink den Saft weil ich glaub dass der was bringt beim Sport

ja genau das ist das Problem. "ich glaub dass". das reicht dem Supplement-Hersteller natürlich völlig, mehr braucht der nicht von dir. ich les das hier jetzt ne Weile mit und bei dem ganzen Rote-Beete-Kochen und Textur-Diskussion hab ich nix gesagt weil das ist halt Küche, soll jeder machen wie er will. aber dieser Betanio-Kram der zieht sich hier durch den Thread und da muss ich mal was sagen. das ist Quatsch für Leute die zu viel Geld übrig haben sorry. @hannelore_b hat eigentlich recht - kochst du die Knolle frisch wenn du Lust drauf hast, schmeckt das und kostet nix. fertig. das Gemüse selbst, ja, ok, das ess ich auch mal. meine Frau macht das manchmal zu Kartoffeln, das geht. aber dann kauft man halt Rote Beete auf dem Markt für paar Cent und nicht irgendwelche Konzentrat-Kapseln für 30 Euro im Monat. @leni_bk du hast selbst geschrieben du weißt gar nicht ob der Saft was macht oder ob du einfach besser geschlafen hast. da muss ich lachen - und trotzdem kaufst du den weiter. das ist genau das Geschäftsmodell, die Leute wissen selbst nicht ob es wirkt und kaufens trotzdem. mein Schwager macht das genauso übrigens, deswegen les ich hier überhaupt mit. die Frage ob Beete direkt nach dem Kochen anders schmeckt als nach nem Tag - ja logisch tut die das. ist wie mit Kaffee der zwei Stunden steht.

melde mich nochmal kurz weil @ms_77 mich gerade mehr beschäftigt als ich dachte.

Zitat von leni_bk

Flöckchen dran die sind total nervig

okay das war eigentlich ne technische Frage aber ich fang trotzdem hier an weil der Thread grad woanders hingegangen ist. @ms_77 du hast nicht unrecht mit dem "ich glaub dass" - genau das ist der Punkt der mich bei dem Saft auch skeptisch macht. Aber ich find den Ton ein bisschen... naja. Dass jemand was kauft das vielleicht Placebo ist das macht die Person nicht blöd. @leni_bk hat selbst gesagt sie weiß es nicht - das ist eigentlich ehrlicher als die meisten Leute die sowas nehmen. Was mich aber wirklich reizt an deinem Post ist die Kaffee-Sache. Der Vergleich hinkt glaub ich ein bisschen. Kaffee der zwei Stunden steht verliert Aromen die du riechen und schmecken kannst, das ist physikalisch ziemlich klar. Ob das bei gekochter Roter Beete nach einem Tag im Kühlschrank wirklich dasselbe ist - da bin ich mir nicht so sicher. @hannelore_b schreibt "zahmer", das trifft es vielleicht besser als "schlechter". Vielleicht ist das sogar manchmal erwünscht je nachdem was man damit macht. Was ich heute früh beim Frühstück gemerkt hab - ich hab noch Reste von gestern gehabt, mit dem Ziegenkäse - und die Beete war tatsächlich milder. Ob mir das jetzt besser oder schlechter gefallen hat... ich weiß es nicht. War einfach anders. Das ist wahrscheinlich keine befriedigende Antwort aber schauen wir mal ob da noch wer was konkretes dazu hat.

@leni_k der Punkt mit "anders, nicht schlechter" ist eigentlich der interessantere. Die meisten Leute framen das als Qualitätsverlust, aber das stimmt so pauschal nicht. Was ich dazu konkret sagen kann: Gegartes Gemüse verändert sich im Kühlschrank durch Retrogradation der Stärke und durch Oxidationsprozesse an der Schnittfläche. Das ist bei Roter Beete besonders gut sichtbar, die Schnittfläche wird dunkler. Ob das den Geschmack beeinflusst oder ob das nur visuell ist - da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher. Die Datenlage zeigt bei anderen Gemüsesorten unterschiedliche Ergebnisse, je nach Lagertemperatur und Verpackung. Was mich bei @ms_77 mehr beschäftigt als der Betanio-Teil ist eigentlich der Kaffee-Vergleich. Das ist faktisch zu ungenau. Kaffee verliert Aromen durch Ausgasung, das passiert innerhalb von Stunden. Bei einer Roten Beete im Kühlschrank reden wir über andere Prozesse, anderen Zeitraum, andere Chemie. Das ist kein guter Vergleich, auch wenn das Ergebnis - "schmeckt anders" - stimmt. @hannelore_b "zahmer" ist das präzisere Wort. Ich hab das gestern selbst so empfunden. Ob zähmer in dem Kontext schlechter ist hängt komplett davon ab, was man damit macht. Zu Ziegenkäse war mir das frisch lieber. Zu was Kräftigem, Schmalem, Wurstigem - vielleicht ist die gedämpfte Variante sogar besser. Was ich noch nie probiert habe: ob die Lagerung in der eigenen Sud-Flüssigkeit das verändert. Also nicht trocken im Behälter, sondern in dem Kochwasser das übrigbleibt.

@n.feld das mit der Sud-Flüssigkeit - ich hab das tatsächlich noch nie bewusst gemacht aber ich glaub ich hab das einmal aus Faulheit so gelassen und dann nicht mehr drüber nachgedacht. Jetzt wo du das sagst frag ich mich ob das ein echter Unterschied ist oder ob die Beete dann einfach nach mehr Wasser schmeckt weil sie nochmal Flüssigkeit aufnimmt.

Zitat von markus_hh88

zu binär gedacht

das fällt mir grad wieder ein weil dein Lagerungs-Gedanke genau dasselbe Problem hat wie der ganze Roh-Gekocht-Streit am Anfang. Es gibt halt nicht nur "frisch gut Kühlschrank schlecht" - das ist zu simpel. Was ich mir jetzt konkret vornehme: ich koche nächstes Mal zwei Portionen, eine lagere ich trocken wie immer, eine im restlichen Kochwasser. Dann ess ich beide an Tag zwei und schau ob ich überhaupt nen Unterschied merke. Das klingt fast zu methodisch für mich aber ehrlich gesagt interessiert mich das grad wirklich. Was mich an deinem Post aber am meisten aufhält ist der Punkt mit Ziegenkäse frisch vs. gedämpfte Variante zu was Wurstigem. Das klingt so selbstverständlich aber ich hätte das nie so formuliert. Ich hab das immer eher von der Textur her gedacht, nicht davon wie der Geschmack des Umfeldes mit der Intensität der Beete zusammenspielt. Vielleicht ist das die eigentliche Variable die den ganzen Thread lang niemand wirklich benannt hat.

@leni_k der Test klingt sinnvoll, aber ich würde eine Variable noch mitdenken: Temperatur beim Essen. Kühlschrank-kalt versus kurz erwärmt. Das verändert die Wahrnehmung von Bitterstoffen messbar, das ist keine Spekulation sondern Grundlage der Sensorik. Wenn du die zwei Portionen vergleichst, beide aus dem Kühlschrank direkt, testest du eigentlich Lagerung plus Temperatureffekt gleichzeitig, nicht nur die Flüssigkeit.

Zitat von leni_k

die eigentliche Variable die den ganzen Thread lang niemand wirklich benannt hat

Das stimmt so halb. Was niemand explizit gesagt hat: Intensität der Beete und Intensität der Begleitung müssen in einem bestimmten Verhältnis stehen, sonst erschlägt eine die andere. Das ist keine neue Erkenntnis in der Küche, aber bei Roter Beete fällt es besonders auf weil der Eigengeschmack so dominant ist. Frisch gekochte Beete zu mildem Ziegenkäse funktioniert weil der Käse nicht konkurriert. Zu einer kräftigen Wurst würde die frische Variante vermutlich zu laut wirken. Ob das beim Sud-Test auch so eine Rolle spielt weiß ich nicht. Meine Vermutung wäre, dass die Beete im eigenen Kochwasser weniger Flüssigkeit aufnimmt als verliert, weil der Konzentrationsgradient schon ausgeglichen ist. Aber das ist Spekulation ohne Messung.

Zitat von leni_k

die eigentliche Variable die den ganzen Thread lang niemand wirklich benannt hat

naja jetzt hat @n.feld die aber benannt und dann kommt gleich der nächste Kram dazu. Konzentrationsgradient. is mir schnuppe ob das Spekulation ist oder nicht, klingt trotzdem nach nem Physikbuch. ich sag mal was praktisches dazu. ich hab mal ne Suppe stehen lassen über Nacht - nicht Rote Beete, einfach normale Gemüsesuppe - und die war am nächsten Tag tatsächlich anders. konzentrierter. nicht weil ich was dran gemacht hab sondern einfach so. ob das bei Beete im Kochwasser genauso läuft, keine Ahnung, aber die Logik klingt nicht komplett falsch. was mich aber mehr beschäftigt: @leni_k du planst jetzt schon den Zwei-Portionen-Test mit Kontrollbedingungen. das fängt langsam an wie mein Schwager zu klingen der auch immer irgendwas "testet" und dann trotzdem weiter Zeug kauft das er nicht braucht. ich mein das nicht böse. aber irgendwann kochst du die Beete einfach und isst die. oder nicht. dieser Aufwand den ihr hier reinsteckt ins Nachdenken über Lagerflüssigkeit und Temperatureffekte - für ein Gemüse das 80 Cent kostet auf dem Markt. @n.feld der Punkt mit der Temperatur ist der einzige hier der mich wirklich interessiert, das kenn ich auch vom Käse. kalt schmeckt der nach nix, bei Zimmertemperatur geht erst was auf. das ist tatsächlich was wo man nix kaufen muss um es zu testen.

@ms_77

Zitat von ms_77

dieser Aufwand den ihr hier reinsteckt ins Nachdenken

- das ist eigentlich fair, aber ich würde da unterscheiden. Den Test den @leni_k beschreibt kostet keine extra Zeit, der läuft nebenbei. Das ist kein Aufwand, das ist Aufmerksamkeit. Anderes Ding. Was mich an deinem Post mehr beschäftigt: du sagst der Temperatur-Punkt ist der einzige der dich interessiert, weil man nix kaufen muss um ihn zu testen. Das ist faktisch das sinnvollste Kriterium das jemand in diesem Thread genannt hat. Nur würde ich das noch enger fassen: die Frage ist nicht nur ob kalt oder warm, sondern ab welcher Temperatur der Effekt einsetzt. Zimmertemperatur ist keine präzise Angabe. 18 Grad fühlen sich anders an als 24 Grad, gerade bei fettigen Begleitern wie Ziegenkäse. Konkret gesagt: ich hab das letzten Winter mal unabsichtlich getestet, weil ich die Beete einfach vergessen hab aus dem Kühlschrank zu nehmen und sie erst ne Stunde später gegessen hab. Da war tatsächlich was anders, mehr Süße, weniger von dem erdigen Ton. Ob das Zufall war oder reproduzierbar ist weiß ich nicht, ich hab das nie wiederholt. Was ich eigentlich sagen will: der Temperatureffekt ist wahrscheinlich größer als der Lagerungseffekt. Wenn @leni_k den Test macht und beide Portionen kühlschrankkalt isst, misst er möglicherweise gar nicht das was er messen will.

melde mich nochmal kurz. @n.feld

Zitat von leni_k

die eigentliche Variable die den ganzen Thread lang niemand wirklich benannt hat

das stimmt - aber jetzt wird hier aus einem 80-Cent-Gemüse langsam ein Laborexperiment. Temperatur ab wann genau Konzentrationsgradient, Retrogradation. ich bin Elektriker, ich kenn das wenn Leute anfangen alles zu verkomplizieren damit es wichtiger klingt als es ist. aber der Punkt von @n.feld mit der vergessenen Beete - das ist eigentlich das einzige was mich hier grade wirklich interessiert. nicht weil ich das testen will sondern weil das einfach passiert ist ohne Plan. genau so hab ich das auch mal mit Käse gemerkt, hab den morgens rausgelegt und nachmittags erst gegessen, und der war halt komplett anders. das braucht kein Versuchsaufbau das merkt man wenn mans zufällig erlebt. was mich aber grad aufregt - und das sag ich weil ich heute schon nen langen Tag hinter mir hab - ihr redet jetzt über Messbarkeit von Temperatureffekten bei Roter Beete. das ist das Forum wo jemand gefragt hat wie man die Dinger raspelt ohne die Küche vollzusauen. irgendwann muss man auch einfach mal kochen statt drüber nachzudenken. mein Schwager macht das genauso, der "optimiert" seit zwei Jahren seine Supplementroutine und kocht trotzdem kaum selbst.

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