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Rote Beete roh im Smoothie – Verhältnis zum Erdgeschmack hinbekommen?

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Ich bin seit ein paar Wochen dabei, rohe Rote Beete öfter in Smoothies zu integrieren, hauptsächlich weil ich die Bearbeitungszeit gegenüber dem Kochen reduzieren wollte. Das Problem ist, dass ich den erdigen Anteil im Geschmack je nach Charge deutlich unterschiedlich wahrnehme. Manchmal fast gar nicht, manchmal dominiert er alles, und ich hab noch nicht rausgefunden woran das liegt - ob es die Sorte ist, die Lagerung, der Erntezeitpunkt oder einfach Unterschiede zwischen den Anbietern auf dem Markt. Ich raspel die Beete inzwischen lieber als ich sie im Mixer grob zerkleinere, weil das die Fasern feiner aufschließt. Das ändert aber am Gesamtaroma wenig. Mit Apfel und Ingwer lässt sich der Erdton gut maskieren, das weiß ich. Mich interessiert aber eher, ob man den Geschmack schon beim Einkauf oder bei der Lagerung beeinflussen kann, nicht erst durch Zugabe von Gegenspielern. Ich hab eine Ernährungsberaterin in der Praxis - sie macht nebenbei Fortbildungen zu funktionellen Lebensmitteln - gefragt, und die meinte, Geosmin, also der Stoff der für den Erdgeruch zuständig ist, baut sich beim Erhitzen tatsächlich merklich ab. Das würde erklären warum die rohe Variante intensiver ist. Ob das bei verschiedenen Sorten unterschiedlich stark ausgeprägt ist, konnte sie nicht sagen. Hat hier jemand konkrete Erfahrungen damit, ob der Erdgeschmack bei bestimmten Rote-Beete-Sorten wirklich geringer ist? Ich meine jetzt nicht die vakuumverpackte Supermarktvariante, die schmeckt sowieso nach wenig, sondern frische Ware vom Wochenmarkt. Gelbe Bete hab ich noch nicht probiert, die soll milder sein - aber ob das nur an fehlenden Farbpigmenten liegt oder tatsächlich auch am Aromaprofil, weiß ich nicht.

@markus_hh88 das mit dem Geosmin wusste ich gar nicht, das ist interessant. Ich hab mich immer gefragt warum die rohe Variante so viel intensiver riecht als die gekochte, und das würde halt erklären warum. Was die Sortenunterschiede angeht - ich hab tatsächlich letzten Herbst mal gelbe Bete vom Naschmarkt mitgenommen einfach weil sie mich neugierig gemacht haben. Und ja, die war deutlich milder, aber ich könnte jetzt nicht sagen obs wirklich am Aromaprofil liegt oder ob ich mich nur selbst beeinflusst hab weil sie halt gelb ist und ich weniger Erdgeschmack erwartet hab. Placebo ist im Bereich Geschmack ja nicht so leicht auszuschließen. Was mich aber bei deinem Post mehr beschäftigt: du sagst die Intensität schwankt von Charge zu Charge bei frischer Ware vom Markt. Ist das beim selben Stand, also wirklich gleicher Anbieter, oder variiert das auch wenn du bei verschiedenen Ständen einkaufst? Weil wenn's beim selben Lieferanten schwankt, dann tipp ich auf Lagerung oder Erntezeitpunkt innerhalb der Saison. Wenn's zwischen Ständen unterschiedlich ist, könnte es wirklich an der Sorte oder dem Boden liegen. Ich bin da halt auch kein Experte, nur viel zu viele Smoothies in den letzten Monaten 😄

@leni_k

Zitat von leni_k

ob ich mich nur selbst beeinflusst hab weil sie halt gelb ist

Das ist eigentlich der interessanteste Punkt in deinem Post. Geschmackserwartung beeinflusst Wahrnehmung, das ist gut belegt, und ausgerechnet bei Bitterei und Erdnoten sind Leute besonders suggestibel. Ich würde das also nicht einfach abtun - das könnte wirklich Placebo gewesen sein. Zu deiner Frage über die Schwankungen: es ist tatsächlich beides. Ich hab beim gleichen Stand auf dem Altonaer Markt mal zwei Bund mitgenommen, eine Woche auseinander, und die waren geschmacklich spürbar unterschiedlich. Das legt für mich Lagerung oder Erntezeitpunkt nahe, nicht Sorte. Aber ich hab da keine systematische Aufzeichnung gemacht, das wäre ehrlich gesagt nötig um wirklich was zu sagen. Was ich noch nicht bedacht hatte: Geosmin ist wasserlöslich. Wenn man die frische Beete vor dem Raspeln ein paar Minuten in kaltem Wasser liegen lässt, wäre theoretisch ein leichter Auswascheffekt denkbar. Ich hab das bisher nicht gezielt probiert, weiß also nicht ob das im Smoothie messbar wäre oder ob man sich damit nur ein gutes Gewissen macht. Klingt aber nach einem einfachen Test.

Zitat von markus_hh88

ein leichter Auswascheffekt denkbar

das klingt für mich plausibler als ich zuerst dachte weil Geosmin ja wirklich wasserlöslich ist - du sagst es ja selbst. Ich überleg grad ob das nicht auch erklärt warum manche Rezepte empfehlen, die rohe Beete kurz zu wässern bevor man sie weiterverarbeitet. Hab ich bisher immer ignoriert weil ich dachte das ist nur wegen der Schale oder so. Was mich bei deinem Post aber mehr beschäftigt: du sagst zwei Bund vom selben Stand, eine Woche auseinander, spürbar unterschiedlich. Ich frag mich ob da einfach die Lagerzeit beim Händler selbst eine Rolle spielt. Also nicht Erntezeitpunkt, sondern wie lang die Knollen schon liegen bevor du sie kaufst. Auf dem Markt steht ja nicht drauf wann die geerntet wurden, und die meisten Händler sagen da auch nix von sich aus. Ich bin heute Nachmittag eh zu müd zum Testen irgendwas, aber der Einweich-Test wäre wirklich simpel genug dass ich ihn irgendwann mal machen würde. Einfach Beete halbieren, eine Hälfte rein ins Wasser, eine nicht, dann raspeln und vergleichen. Ohne Apfel und Ingwer natürlich sonst merkst du eh nix.

@leni_k

Zitat von leni_k

wie lang die Knollen schon liegen bevor du sie kaufst

Das ist vermutlich der Faktor, den ich am meisten unterschätzt habe. Geosmin entsteht ja nicht einmalig bei der Ernte und bleibt dann konstant - das Aromaprofil verändert sich während der Lagerung. Bei länger gelagerten Knollen akkumulieren sich bestimmte Verbindungen, das gilt für viele Wurzelgemüse. Ob das bei Roter Beete wirklich in die Richtung "mehr Erdton" geht, weiß ich nicht mit Sicherheit, aber es wäre biologisch plausibel. Dein Testaufbau ist gut, aber ich würde noch eine Variable rausnehmen: die Knollen sollten wirklich gleich alt sein, also am selben Tag gekauft. Sonst misst du möglicherweise Lagerzeit statt Einweicheffekt. Was ich mich gerade frage - und das ist noch kein Gedanke den ich weiterverfolgt hab - ob die Blätter irgendwas verraten. Frische Knollen haben straffe, grüne Blätter, das ist bekannt. Aber ob das mit dem Geosmingehalt korreliert oder nur mit der allgemeinen Frische der Knolle, ist eine andere Frage. Ich schau beim nächsten Markteinkauf mal gezielt auf den Zustand des Grüns und notier mir den Geschmack danach. Mehr als eine grobe Beobachtung wird das nicht, aber irgendwo muss man anfangen.

@markus_hh88 der Hinweis mit den Blättern ist eigentlich cleverer als er auf den ersten Blick klingt. Ich hab das bisher nur als "ist die Beete frisch oder nicht"-Indikator verwendet nie als möglichen Hinweis aufs Aromaprofil. Wobei ich mich frag ob das überhaupt korreliert - eine Knolle kann innen schon einiges durchgemacht haben während das Grün noch ganz passabel aussieht, oder? Was mich noch beschäftigt: du willst beim nächsten Mal gezielt auf das Grün achten und dann den Geschmack notieren. Aber wie machst du das konkret? Also ich mein - du kaufst die Beete, nimmst sie heim, lässt sie vielleicht noch ein paar Tage liegen... bis du sie dann verwendest ist der Zustand des Grüns ja schon wieder ein anderer. Das wäre für mich die eigentliche Schwierigkeit beim Beobachten. Ich würd fast sagen du müsstest sie direkt am Markt roh probieren damit der Vergleich halbwegs stimmt, und das ist halt auch wieder nicht ganz praxistauglich. Ich überleg gerade, ob man das Grün selbst verwenden könnte um irgendwas zu erschließen - also ob frisches Beeten-Grün ähnlich riecht wie die Knolle. Hab ich noch nie bewusst gerochen ehrlich gesagt. Beim nächsten Naschmarkt-Besuch schauen wir mal. Edit: Kleine Korrektur - es heißt natürlich "Rüben" oder "Rote Beete", nicht einfach "Beete". Ist mir beim Schreiben nicht aufgefallen, sorry für die Verwirrung!

@markus_hh88 das mit den Blättern am Markt selbst probieren ist ehrlich gesagt ne gute Idee aber ja - das Grün ist zwei Stunden später schon wieder anders. Ich glaub das Problem ist dass du da wirklich eine Baseline brauchst und die kriegst du nicht hin wenn zwischen Beobachtung und Verwendung Tage liegen. Was mich aber grad beschäftigt: du schreibst dass sich das Aromaprofil während der Lagerung verändert. Mich würde interessieren ob das eher in Richtung "noch erdiger" geht oder ob sich der Erdton auch wieder abbaut mit der Zeit? Also ob es so eine Spanne gibt wo die Beete am milderen ist - nicht direkt nach der Ernte und auch nicht nach Wochen Lagerung sondern irgendwie dazwischen? Weil wenn ja wäre das ja auch ne praktische Info fürs Einkaufen. Und ehrlich gesagt - der direkte Markt-Test mit den Blättern... ich würd das eher so machen: du notierst dir beim Kauf einfach wie das Grün aussieht (frisch/schlapp/gelb) und kaufst dann immer beim selben Stand. Und dann schaust du ob es ein Muster gibt über mehrere Wochen. Statt einzelne Bete zu probieren während du am Stand rumstehst was ja auch komisch aussieht 😄 Ich hab das beim Naschmarkt noch nie gemacht und würd mir auch komisch vorkommen.

@leni_bk kurz off topic - wer bist du? ich bin leni_k, das ist mein Account, das verwirrt mich gerade ein bissl 😄

aber inhaltlich: der Gedanke mit der Spanne find ich interessant. Also ob Rote Beete einen "sweet spot" hat was die Milde angeht - nicht erntefrisch, nicht überlagert. Das hab ich so noch nie gedacht. Ich könnt mir vorstellen dass direkt nach der Ernte die Knolle noch irgendwie... unreif im Aromaprofil ist? Keine Ahnung ob das botanisch Sinn macht, aber beim Apfel ist's ja ähnlich - zu frisch vom Baum ist manchmal auch komisch.

Zitat von leni_bk

du notierst dir beim Kauf wie das Grün aussieht und kaufst immer beim selben Stand

das wäre halt schon halbwegs systematisch und nicht peinlich am Marktstand. @markus_hh88 was hältst du davon? Mir wär das auch lieber als rohe Beete vor dem Händler abzukauen. Was ich mich aber grad frag - wenn man das über mehrere Wochen macht, wie behält man da die Kontrolle was man sich noch erinnert? Ich würd das spätestens nach dem zweiten Einkauf vermischen. Irgendwo kurz notieren müsste man schon, und dann wird's halt doch wieder aufwändiger als man will.

@leni_k haha ja das ist komisch 😄 aber ich glaub du hast recht dass das mit Notizen schnell aufwändig wird. Ich meine - wer macht das ernsthaft, ne? Man kauft die Beete man nimmt sie mit, und dann hat man andere Dinge im Kopf. Was mich grad beschäftigt ist eher was @markus_hh88 über den "Sweet Spot" bei der Lagerung gesagt hat. Also ob die Beete irgendwann zu mild wird wenn sie zu lange liegt. Ich glaub das ist biologisch total plausibel aber ich hab keine Ahnung wie lange das dauert bis dahin. Bei mir liegen die Dinger meistens drei, vier Tage im Kühlschrank bevor ich sie verarbeite und dann... naja, dann landen sie halt im Smoothie oder ich koche sie. Ich hab da nie drauf geachtet ob die nach einer Woche plötzlich anders schmeckt. Das eigentliche Problem ist glaub ich dass ich als Käufer gar keine Infos hab. Der Händler weiß wann die geerntet wurden, aber das sagt dir keiner. Und ob die jetzt zwei Tage oder zwei Wochen im Lager liegen - das siehst du halt nicht. Ich könnt mir vorstellen dass manche Standler einfach schneller umschlag haben und deswegen die Beete bei denen milder ist, ohne dass es mit Sorte oder Boden zu tun hat. Vielleicht wär die einfachste Lösung ja einfach: beim gleichen Stand kaufen und gucken ob's konsistenter wird. Wenn ja, dann war's wahrscheinlich die Lagerung. Wenn nein, dann... keine Ahnung 😅

ey moment ich muss hier mal was sagen weil mir das jetzt zu theoretisch wird digga. ihr sitzt alle hier und zerlegt das mit den Notizbüchern und Sweet Spots und ob man am Markt probieren soll oder nicht - aber real kauft keiner von euch die Beete und schreibt sich auf wie grün die Blätter sind, ne? @leni_k @leni_bk @markus_hh88 ich hab das anders angegangen und muss sagen - seitdem ich einfach immer beim gleichen Stand auf'm Wochenmarkt kaufe, ist das mit dem Erdgeschmack viel konsistenter geworden. nicht dass es weg ist, aber es variiert halt nicht mehr so wild. Das hat mich schon reingezogen in diesen Thread weil bei mir war es ähnlich - manchmal mega intensiv, manchmal fast weg. Was ich aber festgestellt hab: wenn ich die Beete direkt nach'm Kauf verarbeite statt sie im Kühlschrank zu lagern schmeckt sie milder. Und das war für mich überraschend weil man immer denkt frisch = intensiv, aber kann sein dass das Gegenteil zutrifft wenn die gerade geerntet wurde? Ich hab das nur zweimal bewusst gemacht und nicht systematisch dokumentiert oder so, aber es fiel mir auf. Das mit dem Wässern - @markus_hh88 - hab ich noch nicht probiert ehrlich. Aber wenn Geosmin wirklich wasserlöslich ist, müsste das doch was bringen? Oder ist das einer dieser Sachen wo die Theorie besser klingt als die Praxis.

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weniger reden mehr heben

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