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Rote Beete roh essen – schmeckt das wirklich besser oder ist das Placebo?

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hey zusammen, ich hab letztens einen artikel gelesen, dass rohe rote beete viel mehr nährstoffe hat als gekochte und seitdem frag ich mich ob ich das nicht öfter probieren sollte. bei mir zuhause kocht mans ja immer, weil das einfacher ist und weniger flecken macht. aber ehrlich gesagt hab ich auch ein bisschen angst vor dem rohen geschmack. der erdige ton ist mir schon beim gekochten manchmal zu intensiv und ich weiß nicht ob das raw noch schlimmer ist? manche leute im forum schreiben ja dass sie die textur viel besser finden wenn es roh ist, aber ich kann mir nicht so richtig vorstellen wie das schmecken soll. meine frage ist eher praktisch. lohnt sich der aufwand wirklich oder bin ich da auch nur dem hype aufgesessen wie bei manchen supplements die ich kaufe 😅 und wenn ich es probieren will, wie macht man das am besten? einfach schälen und in streifen schneiden? oder muss ich da was beachten damit es nicht so sehr nach dreck schmeckt. derzeit mach ich die rote beete meistens gekocht in eine suppe oder als beilage, aber vielleicht versuch ich das mit dem rohen ja mal wenn ihr mir sagt dass es sich lohnt. danke schon mal für tipps

Edit: hab gerade gelesen dass man rohe rote beete auch gut raspeln und mit zitrone und öl anmachen kann. Vielleicht hilft das gegen den erdigen geschmack?

@leni_bk das mit dem Nährstoff-Artikel - ich sag's dir ehrlich, davon würde ich nicht zu viel erwarten. Ja, beim Kochen gehen Sachen verloren, aber der Unterschied zwischen roh und gekocht ist nicht so brutal dass es deinen Alltag ändert. Besonders nicht wenn dich der Geschmack eh schon nervt. Das Ding ist: die Textur ist wirklich anders, das stimmt. Roh ist knackiger, weniger matschig. Aber ob das für dich besser ist hängt davon ab ob dir die erdige Note generell liegt oder nicht. Und wenn sie dir schon beim Gekochten zu intensiv ist, wird roh eher schlimmer weil alles direkter schmeckt. Das Raspeln mit Zitrone und Öl kann helfen, ja. Die Säure nimmt dem ein bisschen von dieser pelzigen Note. Aber ehrlich - wenn du dich selbst beim Gedanken daran schon skeptisch machst, dann zwing dich nicht. Mach lieber bei dem was dir schmeckt und gut ist, statt wegen einer Nährstoff-Geschichte was zu essen was dir im Mund unangenehm ist. Wenn du's trotzdem probieren willst: klein raspeln, nicht zu viel auf einmal, und wirklich mit ordentlich Zitrone und Salz. Dann merkst du schnell ob das für dich was ist oder nicht.

Zitat von fk_1988

die Säure nimmt dem ein bisschen von dieser pelzigen Note

Das ist ein guter Punkt, und da steckt tatsächlich etwas dahinter. Fruchtsäuren brechen bestimmte Verbindungen auf, die für den erdigen Eindruck mitverantwortlich sind - Geosmin ist das Stichwort, das ist buchstäblich die Verbindung die nach Erde riecht. Säure hilft da wirklich, das ist kein Placebo. Was ich @leni_bk noch ergänzen würde: der Unterschied zwischen roh und gekocht hängt auch stark von der Rübe selbst ab. Frische Ware vom Markt schmeckt roh komplett anders als die drei Wochen alte aus dem Supermarktregal. Ich hab das beruflich ein paarmal in der Praxis erwähnt, wenn Patienten fragen warum sie Rote Beete nicht runterkriegen - oft ist es schlicht das falsche Produkt zur falschen Zeit. Und noch was zum Nährstoff-Argument: Die Studie, die da meistens zitiert wird, zeigt Verluste von Folat beim Kochen, das stimmt. Aber wie viel du davon über Rote Beete aufnimmst im Verhältnis zum Rest deiner Ernährung - das relativiert sich schnell. Wenn du Rote Beete wegen Folat isst und sonst wenig Hülsenfrüchte oder Blattgemüse, dann macht roh vielleicht einen kleinen Unterschied. Wenn nicht, ist das ziemlich egal. Kurz gesagt, @leni_bk: Probier es ruhig aus, aber nicht wegen der Nährstoffe, sondern weil es dich neugierig macht.

Zitat von markus_hh88

Frische Ware vom Markt schmeckt roh komplett anders als die drei Wochen alte aus dem Supermarktregal

ah das ist interessant, weil ich ja eigentlich immer frisch vom Markt kaufe und trotzdem hab ich mich nie getraut das roh zu probieren. jetzt wo du das sagst frag ich mich ob ich da einfach zu vorschnell war mit meiner skepsis. das mit dem geosmin ding - danke @markus_hh88 dass du das erklärt hast. irgendwie beruhigt mich das sogar ein bisschen, weil es nicht so vague ist wie "das schmeckt eben nach erde, pech gehabt". wenn säure da wirklich was bewirkt dann ist das ja nen konkreter trick den ich probieren kann. aber ehrlich gesagt nervt mich auch noch ne andere sache und vielleicht kann mir da wer helfen. wenn ich rote beete roh esse wird mir ja alles pink. ich mein nicht nur die finger - ich hab letztens ne kollegin im kindergarten gesehen die rote beete als snack mitgenommen hat und sah aus als hätte sie geblutet 😅 wie geht ihr damit um wenn ihr das roh esst? einfach akzeptieren oder gibt's da tricks? weil wenn ich mir vorstelle das bei der arbeit zu essen... naja. vielleicht ist das auch einfach ein grund es nicht zu probieren lol

Zitat von leni_bk

sah aus als hätte sie geblutet

Das ist halt das Ding - der Flecken-Faktor bei Roh ist wirklich intensiver als bei Gekochtem, das stimmt. Beim Kochen löst sich ein Teil der Betacyane ins Wasser, roh bleibt alles voll in der Zelle und überträgt sich entsprechend stärker. Aber realistisch betrachtet: als Snack bei der Arbeit würde ich das auch nicht essen wollen. Das hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern damit dass man sich nicht nach jedem Snack erklären muss. Raspeln in einer Schüssel zuhause ist was anderes als rohe Scheiben am Schreibtisch. Was mir noch einfällt, weil du fragst wie man damit umgeht: weißer Essig oder helles Öl kann die Verfärbung auf Händen zumindest teilweise reduzieren - Zitronensaft auf die Finger reiben direkt danach, dann kurz warten. Komplett weg wird es nicht, aber deutlich weniger. Das hab ich irgendwo in einem Kochforum gelesen, keine Ahnung mehr wo genau, funktioniert aber aus meiner Erfahrung tatsächlich halbwegs. Was Kleidung angeht: das ist bei Roh eigentlich schlimmer als bei Gekochtem, da würde ich einfach ehrlich sein. Schürze oder Abstand halten. Heute ist der Wetterbericht eh katastrophal hier oben, ich würd das für ein graues Sonntagnachmittagsprojekt aufheben, wo man sowieso zuhause bleibt und sich die Finger ruinieren kann.

Zitat von markus_hh88

als Snack bei der Arbeit würde ich das auch nicht essen wollen

ja genau das ist mein problem 😄 ich stell mir das vor und allein schon der gedanke wie ich meinen kolleginnen erklären soll warum meine hände aussehen wie im horrorfilm...nee danke

aber ich hab da noch ne andere frage die mir grade aufgeht - meine kinder würden das niemals anfassen wenn es roh ist. die drehen schon beim gekochten durch sobald irgendwas pink wird auf dem teller. also hat da jemand erfahrung wie man das kindern überhaupt schmackhaft macht? ob roh oder gekocht ist da glaub ich egal, die verweigern das komplett. meine jüngste meint es schmeckt "wie bad" was ich eigentlich auch verstehen kann wenn ich ehrlich bin

und @markus_hh88 das mit dem zitronensaft auf die finger - das klingt zwar logisch aber ich glaub das würde ich vergessen in dem moment. ich bin schon froh wenn ich beim kochen nicht alles vollkleckere

Zitat von evelyn83

die drehen schon beim gekochten durch sobald irgendwas pink wird auf dem teller

Das kenn ich aus Berichten von Eltern in der Praxis - das Farb-Problem ist bei Kindern oft mehr Hürde als der Geschmack selbst. Was ich da schon gehört hab, und das ist wirklich aus zweiter Hand, keine eigene Erfahrung: manche Eltern mischen fein geriebene Rote Beete in Hackfleisch für Burger oder in Tomatensauce, weil die Farbe sich da weniger dramatisch absetzt. Ob das klappt hängt natürlich davon ab wie genau das Kind hinschaut. Bei "schmeckt wie bad" muss ich ehrlich sagen - dein Kind liegt damit gar nicht so falsch. Dieses Geosmin-Ding, das ich vorhin erwähnt hab, ist tatsächlich dieselbe Verbindung die nach Regen auf trockenem Boden riecht, also der typische Erdgeruch. Kinder reagieren auf solche Aromen oft intensiver, weil sie noch nicht gelernt haben das als "interessant" einzuordnen statt als Warnsignal. Das ist kein schlechter Geschmackssinn, der ist schlicht anders kalibriert. Ob man da mit Roter Beete kämpfen sollte, weiß ich nicht. Es gibt genug anderes Gemüse das ähnliche Nährstoffe liefert und deutlich weniger Stress macht am Tisch.

Zitat von markus_hh88

Kinder reagieren auf solche Aromen oft intensiver, weil sie noch nicht gelernt haben das als "interessant" einzuordnen statt als Warnsignal

okay das erklärt eigentlich einiges. meine jüngste (sie ist 6) verweigert auch alles was irgendwie "komisch riecht" und ich hab das immer für Sturheit gehalten aber vielleicht ist das einfach biologisch so. das macht mich jetzt etwas milde gestimmt ihr gegenüber lol

aber die Idee mit dem Hackfleisch - keine ahnung ob das bei uns klappt, mein großer ist der einzige der Burger mag und der würde es wahrscheinlich trotzdem rausschmecken. der hat so einen Spürnaseninstinkt für alles was ich versuche zu verstecken. einmal hab ich Zucchini in die Nudelsauce gemixt und er hat das sofort gemerkt, keine ahnung wie

ich frag mich ehrlich ob es sich lohnt da überhaupt Energie reinzustecken. meine freundin meint ihr kind isst mittlerweile fast alles weil sie nie Druck gemacht hat, aber keine ahnung ob das bei meinen dreien auch so funktioniert hätte. bei uns ist der Tisch manchmal schon Stress genug ohne dass ich da noch pinke Experimente einbaue

Zitat von evelyn83

ob es sich lohnt da überhaupt Energie reinzustecken

Das ist wahrscheinlich die ehrlichste Frage in diesem ganzen Thread. Und ich würde sagen: nein, zumindest nicht bei Rote Beete speziell. Was deine Freundin beschreibt mit dem kein Druck machen - das deckt sich mit dem was ich aus der Praxis kenne, wenn Eltern nebenbei davon erzählen. Kinder, bei denen Essen nicht zum Machtkampf wird, probieren irgendwann von selbst, oft Jahre später. Aber das ist kein Argument dafür jetzt Rote Beete in alles zu schmuggeln. Was mich an der Versteck-Strategie generell ein bisschen stört: wenn das Kind es dann doch rausschmeckt, ist das Vertrauen weg. Dein Großer klingt genau nach so einem Kandidaten. Und dann ist nicht nur die Rote Beete verbrannt, sondern auch die nächste versteckte Zucchini vorbelastet. Was ich sinnvoller finde - und das hab ich nicht aus einer Studie sondern aus Gesprächen mit Eltern - ist einfach das Gemüse auf dem Tisch zu lassen ohne Erwartung. Nicht "iss das", sondern es ist da, wer mag nimmt sich was. Bei manchen Kindern dauert das zwei Jahre, bei anderen passiert gar nichts, und das ist dann auch okay wenn der Rest der Ernährung stimmt. Rote Beete ist nun wirklich kein Muss für eine gesunde Kindernährung. Da gibt es deutlich unproblematischere Alternativen für die gleichen Mikronährstoffe.

@markus_hh88 okay das mit "einfach dalassen ohne erwartung" klingt in der theorie total entspannt aber ich glaub das klappt bei uns nicht weil mein großer (der ist 11) dann sofort anfängt die jüngeren zu beeinflussen. der sagt dann irgendwas wie "ih das ist eklig" und dann essen die anderen auch nichts mehr. also selbst wenn ich die rote beete einfach hinstelle ist da noch ein saboteur am tisch der mir das zunichte macht 😅

keine ahnung wie man das löst ehrlich gesagt. das ist dann kein rote-beete-problem mehr sondern ein familien-dynamik-problem oder so

aber zurück zu dir - du schreibst das aus gesprächen mit eltern. bist du arzt oder sowas? ich frag nur weil du vorhin auch "aus der praxis" geschrieben hast und mich das wundert. falls ja - hast du da mal eltern gehabt die das irgendwie hingekriegt haben mit dem gemüse ohne dass es stress am tisch gibt? weil ich glaub das ist eigentlich meine eigentliche frage und rote beete ist da nur der anlass

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