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Rote Beete / Nitrat aus Lebensmitteln vs. Supplement – lohnt sich der Aufpreis??

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Ich frag mich das gerade wirklich ernsthaft. Ich hab jetzt so viel über Nitrat und Ausdauerleistung gelesen dass ich langsam verwirrt bin. Die Frage ist eigentlich simpel: wenn der Effekt über Nitrat läuft, warum soll ich dann 40+ Euro für so ein Konzentrat hinlegen wenn ich einfach mehr Rote Beete essen kann? Ich mein ich weiß dass die Bioverfügbarkeit nicht immer 1:1 ist und dass verarbeitete Produkte manchmal andere Konzentrationen haben. Aber trotzdem. Gestern hab ich mir kurz ausgerechnet was ich für das Betanio PLUS im Monat ausgeben würd und dann hab ich lieber aufgehört nachzudenken 😅

Was mich außerdem beschäftigt - in einem Paper das wir letzte Woche in der Uni kurz angeschnitten haben (Sportphysiologie 3. Stunde) ging es darum dass die Nitrat-Wirkung sehr abhängig ist von der individuellen Mundflora. Also manche Menschen können das überhaupt nicht so umwandeln wie andere. Und das wird auf keiner Produktseite erwähnt. Nie. Einfach gar nicht. Ich bin kein Profi, ich lauf Halbmarathon wenn ich dazu komm und mein Training ist alles andere als strukturiert gerade. Aber ich will halt nicht einfach Geld verbrennen für irgendwas das bei mir vielleicht eh nicht greift wegen meiner Mundflora oder wie auch immer. Hat irgendjemand hier mal verglichen? Also wirklich bewusst eine Phase mit Rote-Beete-Saft oder Lebensmitteln gemacht und dann ein Konzentrat-Supplement genommen und tatsächlich einen Unteschied gemerkt? Oder ist das so eine Sache wo man sich den Unterschied einredet weil man für die teure Variante bezahlt hat...

Zitat von miramira

die Nitrat-Wirkung sehr abhängig ist von der individuellen Mundflora

Das ist genau der Punkt der mich auch schon länger beschäftigt. Ich hab dazu einen Artikel aus dem British Journal of Nutrition von 2016 oder 2017 gelesen - müsste nachschauen ob ich den noch finde - der das ziemlich konkret aufdröselt. Die Reduktion von Nitrat zu Nitrit läuft über Bakterien im Zungenbereich, und wenn die durch Mundspülungen oder Antibiotika-Kuren stark reduziert sind, verpufft ein Großteil des Effekts. Ist sogar messbar im Plasma-Nitrit. Konkret gefragt: hast du irgendwas dazu in dem Paper gesehen, ob das durch höhere Dosen kompensiert werden kann? Das wäre nämlich ein Argument für Konzentrate - dass man einfach mehr nimmt und damit auch bei schlechterer Mundflora genug Nitrit produziert. Hab da noch keine klare Antwort drauf gefunden. Was den Vergleich Lebensmittel vs. Supplement angeht - ich kenn niemanden aus meinem Umfeld der das methodisch sauber verglichen hat. Die meisten Leute die ich frage können sich nicht mal erinnern was sie sonst noch gegessen haben in der Testphase. Roter-Beete-Saft aus dem Supermarkt schwankt außerdem erheblich im Nitratgehalt, das macht Vergleiche noch schwieriger. Drag ich mich schon seit Wochen durch - draußen ist es heute wieder unerträglich heiß, kein guter Tag zum Klären.

@mh_82 die Frage mit der höheren Dosis als Kompensation find ich interessant weil ich das eigentlich noch nie so gedacht hab. Ob das in dem Paper stand... ich glaub nicht direkt, das war wirklich nur kurz angerissen. Aber der Gedanke macht irgendwie Sinn? Wenn der Flaschenhals die Bakterienmenge ist, hilft mehr Substrat vielleicht bis zu einem gewissen Punkt.

Zitat von mh_82

Roter-Beete-Saft aus dem Supermarkt schwankt erheblich im Nitratgehalt

das hab ich mir echt noch nie überlegt ehrlich gesagt. Ich hab immer so gedacht okay Rote Beete ist Rote Beete. Aber wenn der Nitratgehalt schon im Rohprodukt variiert dann ist der Vergleich zu einem standardisierten Konzentrat eigentlich ziemlich wackelig. Das ist fast das stärkste Argument für Supplmente das ich bisher gehört hab - nicht die Bioverfügbarkeit sondern einfach die Reproduzierbarkeit der Dosis. Bleibt trotzdem die Frage ob mir diese Reproduzierbarkeit bei meinem Trainingsstand überhaupt was bringt. Ich mein ich hab letzte Woche meinen Lauf dreimal verschoben weil Studium. Bei sowas unsystematischen wie meinem Training macht ein standardisiertes Suppplement wahrscheinlich weniger Unterschied als wenn ich einfach konsequenter trainieren würd 😅

Zitat von miramira

bei sowas unsystematischen wie meinem Training macht ein standardisiertes Supplement wahrscheinlich weniger Unterschied

@miramira Das ist eigentlich der ehrlichste Punkt den du hier gemacht hast. Ich sehe das bei Patienten ständig - die optimieren das Supplement und haben gleichzeitig Schlaf und Stressbelastung völlig im Argen. Da bringt Reproduzierbarkeit der Dosis herzlich wenig. Aber ich will kurz an was anderem haken bleiben. Du sagst "mehr Substrat hilft vielleicht bis zu einem gewissen Punkt" - das ist die entscheidende Einschränkung. Wenn die Bakterienkapazität der limitierende Faktor ist, dann wird ab einem bestimmten Nitrat-Angebot einfach nicht mehr Nitrit draus. Das Substrat liegt dann ungenutzt rum. Habt ihr da Quellen zu? Ich find dazu wenig Konkretes, also ob diese Sättigung der bakteriellen Kapazität tatsächlich gemessen wurde oder ob das nur logisch klingt. Was mich außerdem beschäftigt: bei standardisierten Konzentraten wird der Nitratgehalt angegeben, aber die individuelle Konversionsrate bleibt eine Black Box. Selbst mit perfekter Dosis weißt du nicht was im Plasma-Nitrit ankommt. Das ist mir zu vage für 40 Euro im Monat. In der Praxis sieht das anders aus als die Produktversprechen suggerieren - ich hab noch kein Supplement gesehen das auch nur andeutet wie man seine eigene Konversionsrate einschätzen könnte.

@mh_82

Zitat von mh_82

selbst mit perfekter Dosis weißt du nicht was im Plasma-Nitrit ankommt

ja genau das ist so ein bisschen das Problem mit dem ich irgendwie nicht weiterkomm. Du kannst alles standardisieren was vor deinem Körper passiert und dannach ist es eh wieder eine Black Box. Was mich bei deinem Post aber nochmal auf was anderes gebracht hat - du sagst du siehst das bei Patienten. Also bist du in nem medizinischen Bereich? Ich frag weil mich interessiert ob es da irgendwas gibt das man tatsächlich messen könnte. Wie ein einfacher Speicheltest oder so für die Mundflora-Zusammensetzung. Weil wenn das der Flaschenhals ist... wäre das eigentlich die logische erste Frage bevor man überhaupt über Supplement vs. Lebensmittel nachdenkt. Aber ich hab keine Ahnung ob sowas realistisch ist oder ob das nur in Forschungskontexten gemacht wird. Das mit der Sättigungsgrenze der Bakterienkapazität - keine Ahnung ob das gemessen wurde, wir haben das in der Einheit wirklich nur kurz gestreift. Ich könnt mal schauen ob ich die Literaturliste von der Folien noch irgendwo hab aber ich glaub die hat der Prüfer nicht hochgeladen 🙃

Zitat von miramira

ob es da irgendwas gibt das man tatsächlich messen könnte

@miramira Physio, ja - hab ich glaub ich schon erwähnt. Aber zur Messfrage: in Forschungskontexten wird das tatsächlich über 16S-rRNA-Sequenzierung gemacht, also Analyse der Mundflora-Zusammensetzung. Das ist aber nichts was du mal eben beim Hausarzt anforderst. Klinisch relevant wäre eher ein simpler Plasma-Nitrit-Test vor und nach Nitrat-Aufnahme, aber auch das ist keine Routinediagnostik. Ich kenn das aus keiner Praxis hier in der Gegend als Standardangebot. Was mich an deiner Frage aber eigentlich mehr beschäftigt: selbst wenn es so einen Test gäbe - was machst du dann mit dem Ergebnis? Schlechte Konversionsrate bedeutet was genau, höhere Dosis? Andere Quelle? Andere Uhrzeit der Einnahme? Da fehlt mir die Handlungsempfehlung die dranhängt. Konkret gefragt: hat dein Prüfer in der Einheit irgendwas dazu gesagt was Interventionen angeht, also ob man die Mundflora in diese Richtung überhaupt beeinflussen kann - jenseits von "keine Chlorhexidin-Spülung"? Weil wenn die Antwort da ist "nicht wirklich", dann ist der Test auch wenig wert.

@mh_82

Zitat von mh_82

selbst wenn es so einen Test gäbe - was machst du dann mit dem Ergebnis

okay das ist eigentlich der Punkt der mich jetzt gerade so ein bisschen festhängen lässt. Weil du hast recht - wenn die Handlungsempfehlung am Ende nur "mehr essen" oder "keine Mundspülung" ist, dann bringt mir das Wissen um meine eigene Konversionsrate relativ wenig. Das ist irgendwie frustrierend weil es so klingt als wär die Forschung schon weiter als die praktische Anwendbarkeit. Was mich bei deiner Frage zu Interventionen beschäftigt - in der Einheit hab ich das wirklich nicht mitbekommen. Der Prüfer hat die Mundflora-Abhängigkeit mehr als Caveat erwähnt und dann sind wir weitergeangen. Ich überleg gerade ob ich ihn das mal per Mail fragen kann ohne dass das komisch wirkt nach der Prüfung 😅

Aber mal andersrum gedacht - wenn die Mundflora-Variabilität so groß ist und kaum beeinflussbar dann ist das eigentlich ein Argument der die ganze Nitrat-Diskussion ein bisschen... relativiert? Nicht nur für Supplemente sondern für Rote Beete genauso. Der Effekt wäre dann vielleicht weniger ein Ernährungs- oder Supplementthema sondern einfach Glückssache je nach dem wer zufällig die richtigen Bakterien hat.

Zitat von miramira

ein Argument der die ganze Nitrat-Diskussion ein bisschen... relativiert

@miramira Ja, das ist eigentlich die logische Konsequenz. Aber ich würd das nicht als "Glückssache" rahmen - das klingt nach kompletter Beliebigkeit. Eher so: die Effektgröße ist populationsgemittelt und verdeckt eine enorme individuelle Streuung. Wenn ich mir anschaue was Wylie et al. in dem Review von 2013 (Nitric Oxide) rausgearbeitet haben, dann liegen die gemessenen Leistungsverbesserungen zwischen null und mehreren Prozent. Null ist da kein Ausreißer, das ist ein reales Ergebnis für einen Teil der Probanden. Was mich an deiner Formulierung aber noch mehr beschäftigt: du sagst "für Rote Beete genauso". Das stimmt technisch, aber der Unterschied ist - ich verbrennen kein Geld wenn Rote Beete bei mir nicht optimal konvertiert. Das Risiko ist asymmetrisch. Schlechte Mundflora plus 40 Euro Supplement ist ärgerlicher als schlechte Mundflora plus ein paar Rote-Beete-Mahlzeiten die sowieso nicht schaden. Konkret gefragt: gibt es in eurem Sportphysiologie-Kurs eigentlich irgendeinen Fokus auf Responder vs. Non-Responder Thematik generell? Also nicht nur Nitrat - ich frag mich ob das methodisch überhaupt sauber aufgearbeitet wird in der Ausbildung oder ob immer die mittlere Effektgröße im Vordergrund steht. Das wäre nämlich das eigentliche Problem mit dem wie Supplements kommuniziert werden.

@mh_82

Zitat von mh_82

ob das methodisch überhaupt sauber aufgearbeitet wird in der Ausbildung oder ob immer die mittlere Effektgröße im Vordergrund steht

das ist ehrlich gesagt ne gute Frage und ich muss zugeben... ich glaub schon dass bei uns meistens die mittlere Effektgröße dominiert. Also nicht weil der Prüfer das absichtlich so macht sondern ich glaub das ist einfach wie Lehrmaterial aufgebaut ist. Du nimmst den Durchschnitt weil du irgendwas kommunizieren musst. Responder vs. Non-Responder hab ich eigentlich nur kurz in nem anderen Kontext gehört - glaub das war bei VO2max-Trainierbarkeit. Dass da manche einfach kaum adaptieren egal was sie machen. Aber als systematisches Thema? Nicht wirklich. Was mich bei deinem Wylie-Hinweis beschäftigt - wenn "null" kein Ausreißer ist sondern ein reales Ergebnis für einen Teil der Probanden, dann frag ich mich wie Supplement-Hersteller das eigentlich handhaben dürfen. Ich mein die schreiben "klinisch getestet" oder irgendwas in der Richtung drauf und suggerieren damit irgendwie einen Effekt für alle. Ob das rechtlich irgendwie reguliert ist... keine Ahnung. Das klingt fast nach nem eigenen Thema. Ich überleg gerade ob ich das morgen mal in der Bibliothek nachschau, der Wylie-Review. Wir haben da Zugang über die Uni.

@miramira

Zitat von miramira

wie Supplement-Hersteller das eigentlich handhaben dürfen

Das ist tatsächlich interessanter als es klingt. Soweit ich weiß fällt das in Deutschland unter die Health-Claims-Verordnung der EU - und Nitrat ist da ein gutes Beispiel, weil für Nitrat aus Nahrungsquellen meines Wissens gar kein zugelassener Health Claim existiert. Das heißt, Hersteller können gar nicht offiziell schreiben "verbessert Ausdauerleistung". Was die stattdessen machen ist... naja, schaue dir mal die Produktseiten an. "Unterstützt normale Muskelfunktion", "für aktive Menschen". Das ist dann Magnesium oder irgendein B-Vitamin das als Co-Ingredienz drinsteckt und auf das sich der Claim bezieht. Das Nitrat selbst bleibt im Graubereich. "Klinisch getestet" ist kein geschützter Begriff, das können die einfach draufschreiben. Wie sauber die zugrundeliegende Studie ist - das steht da nie dabei. Konkret gefragt: wird in eurem Studiengang eigentlich mal durchgenommen wie man überhaupt beurteilt ob eine Industriestudie methodisch hält was sie verspricht? Interessiert mich weil ich merke dass selbst viele meiner Patienten mit FH-Abschluss da keine systematische Herangehensweise haben. Nicht als Kritik gemeint - das wird in vielen Ausbildungen einfach nicht explizit gemacht. Den Wylie-Review findest du über PubMed auch ohne Uni-Zugang, zumindest das Abstract. Ob du da voll reinkommst über eure Uni-Lizenz weiß ich nicht.

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