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Rote Beete im Smoothie – funktioniert das wirklich oder nur Marketingbild?

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@evelyn83

Zitat von evelyn83

warum wird das dann so vermarktet als wär es für jeden Alltag relevant

Weil Marketing selten einen Grund hat, den Kontext mitzuliefern. Die Studien kommen oft aus Gruppen mit gut trainierten Ausdauersportlern kurz vor Belastungstests - das ist der denkbar ungünstigste Vergleich für jemanden im Büroalltag. Da ist der Ausgangswert für Sauerstoffeffizienz schon so hoch, dass ein kleiner Nitrat-Boost überhaupt erst messbar wird. Bei jemandem, der acht Stunden sitzt, fehlt der Kontext komplett in dem man den Effekt überhaupt sinnvoll messen würde. Das heißt nicht, dass Rote Beete schlecht ist oder der Smoothie Unsinn. Nur die Schlussfolgerung "wirkt im Sport, also auch für dich" ist halt ein Sprung, den niemand wirklich rechtfertigt.

Zitat von evelyn83

drei Kinder, Teilzeit, da guck ich schon zweimal was ich ausgeb

Das ist eigentlich das ehrlichste Argument das du gebracht hast. Für den Preis eines Monatsvorrats an diesen standardisierten Shots kaufst du locker frischen Spinat für ein halbes Jahr. Und mit Spinat bist du beim Nitrat gar nicht so weit weg - der Gehalt ist je nach Quelle vergleichbar oder sogar höher, und Spinat kostet nichts. Mir fällt gerade auf, dass wir die ganze Diskussion über Rote Beete als funktionelles Lebensmittel geführt haben, aber dein ursprünglicher Einstieg war eigentlich: macht es Spaß, schmeckt es, lohnt sich der Aufwand. Und da ist die Antwort für dich ziemlich klar geworden ohne dass wir lange suchen mussten.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

dein ursprünglicher Einstieg war eigentlich: macht es Spaß, schmeckt es, lohnt sich der Aufwand

okay das hat mich jetzt kurz erwischt weil ich glaub ich hab das selbst gar nicht so klar formuliert. du hast das irgendwie besser zusammengefasst als ich es gedacht hab. und das mit dem Spinat ist eigentlich das was mich jetzt am meisten mitnimmt aus der ganzen Unterhaltung - nicht weil ich das nicht hätte selbst wissen können, sondern weil ich da noch nie so drüber nachgedacht hab. ich kauf Spinat seit Jahren der liegt einfach im Kühlschrank und wird irgendwie verbraucht. ohne dass ich dabei zweimal überlege ob er jetzt "sinnvoll" ist oder nicht. bei Rote Beete hab ich das immer mit so einem extra Aufwand verbunden, so ein "jetzt muss ich mich damit beschäftigen"-Gefühl. keine ahnung ob das an der Farbe liegt oder daran dass meine Freundin das immer so betont hat als wär es was besonderes. vielleicht hab ich mich da ein bsschen mitreißen lassen in dieses Denken dass es irgendwie mehr leisten soll als normales Gemüse

ich glaub das ist der Punkt wo ich für mich rauskomme aus dem Thema. nicht enttäuscht, eher so - ach so, war gar kein großes Ding

@evelyn83

Zitat von evelyn83

war gar kein großes Ding

Das ist eigentlich eine gute Stelle zum Landen. Und ich glaub, das "kein großes Ding"-Gefühl ist öfter das richtige Ergebnis als Leute zugeben, die vorher viel Energie ins Thema gesteckt haben. Was mich bei deinem letzten Satz aber noch kurz beschäftigt: das mit der Freundin, die es "betont hat als wär es was besonderes". Das kenn ich aus der Praxis in einer anderen Form - Patienten, die mir von einem Supplement erzählen das ihnen jemand empfohlen hat, und man merkt sofort, die haben nicht das Supplement bewertet, sondern die Begeisterung der anderen Person. Das ist schwer auseinanderzuhalten. Rote Beete hat da etwas, das diese Projektion einlädt, weil sie optisch halt wirklich auffällig ist. Die Farbe suggeriert schon irgendwie Wirksamkeit, das ist psychologisch kein Zufall. Und dass du Spinat "einfach verbrauchst" ohne es zu hinterfragen, ist übrigens kein Defizit, das ist eigentlich der Normalzustand, den man bei gesundem Essen anstreben sollte. Wenn man anfängt jedes Gemüse auf seine Funktion hin zu bewerten, landet man schnell bei einem Verhältnis zum Essen, das mehr Stress produziert als Nutzen. Das sehe ich bei Sportlern genauso wie bei Leuten die einfach gesünder essen wollen.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

wenn man anfängt jedes Gemüse auf seine Funktion hin zu bewerten landet man schnell bei einem Verhältnis zum Essen, das mehr Stress produziert als Nutzen

das ist irgendwie der Satz der bei mir hängenbleibt. weil ich glaub das mach ich gar nicht nur bei Rote Beete. ich hab das letztens auch bei Haferflocken gemacht - da hab ich plötzlich irgendwo gelesen dass man die am besten einweicht wegen irgendwas, und dann hab ich angefangen mich zu fragen ob mein normales schnelles Frühstück jetzt falsch ist. dabei ess ich die seit Jahren ohne Probleme

das nervt mich an mir selbst ein bisschen. man liest was, und plötzlich wird was ganz Normales zum Thema

ich frag mich ob das bei Leuten die du aus dem Berufsalltag kennst auch so ein Muster ist - also dass die sich durch so eine Empfehlung erstmal verunsichern lassen und dann mehr drüber nachdenken als vorher, obwohl vorher alles gepasst hat

@evelyn83

Zitat von evelyn83

ob das bei Leuten die du aus dem Berufsalltag kennst auch so ein Muster ist

Ja, das ist tatsächlich ein Muster, das ich regelmäßig sehe. Nicht nur bei Ernährung - auch bei Bewegung. Jemand macht seit Jahren dreimal die Woche einen Spaziergang, fühlt sich gut dabei, und dann liest er einen Artikel über "optimale Schrittfrequenz" und kommt in die Praxis mit der Frage ob er das alles falsch gemacht hat. Dabei war vorher nichts falsch. Das hat glaub ich einen Namen in der Verhaltenspsychologie, irgendwas mit Nocebo-Effekt angrenzend, also wenn Information selbst zum Problem wird. Ich bin da kein Experte, aber ich erlebe die Auswirkungen öfter als mir lieb ist. Was mich bei deinem Haferflocken-Beispiel aber etwas mehr beschäftigt: du hast das "Einweichen-wegen-irgendwas" gelesen und hattest sofort das Gefühl dein Frühstück könnte falsch sein. Ich kenn das Argument, das geht meistens um Phytinsäure. Und da ist die Datenlage tatsächlich dünn genug, dass man entspannt weitermachen kann wenn man keine Resorptionsprobleme hat. Aber darum geht's eigentlich nicht - der Punkt ist, dass du dir selbst misstraut hast, weil jemand anderes eine Meinung hatte. Das ist das eigentliche Thema hinter dem ganzen Rote-Beete-Thread, wenn ich das gerade so lese.

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