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Rote Beete für Kinder - wie macht ihr das?

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@gg1987 das mit "weniger reden, mehr vorzeigen" - da sprichst du mir aus der Seele. Bei mir funktioniert das auch so am besten, nicht nur bei Essen. Mein Mann und ich haben da ne ganz andere Herangehensweise an vieles und am Ende ist weniger Worte machen tatsächlich mehr. Aber ich muss ehrlich sagen, @ms_77, dein Punkt mit dem "innerlich die Augen verdrehen" - das sehe ich bei mir selbst auch manchmal. Ich koche gerne Rote Beete, bei mir landet die regelmäßig im Eintopf oder eingelegte Gläser wie ihr wisst. Aber wenn meine Kinder das nicht essen wollen, dann essen sie das nicht. Und ich glaube, das merken sie auch. Nicht weil ich es sage, sondern weil ich es einfach... hinnehme? Keine Spannung da, keine Mission. Das Interessante ist aber - manchmal sehen die Kinder mich dann beim Essen beobachten, wie ich das gerne mag, und dann probieren sie einfach mal. Nicht weil ich "probier doch" sage, sondern weil es für sie interessant wird, dass die Mama das anscheinend gut findet. Das ist glaub ich der Unterschied. Die Kleine merkt bei deiner Frau die Anspannung und das macht die ganze Sache zum Drama. Wenn du das änderst und einfach entspannt deinen Teller isst - das entzieht der Roten Beete echt die Macht. Vielleicht versuchst du nicht heute abend ein großes Gespräch, sondern machst es einfach beim nächsten Mal anders. Stille ist manchmal lauter als Worte. Edit: Kleine Klarstellung - mit "entspannt deinen Teller essen" meine ich natürlich, dass du dich selbst nicht unter Druck setzt, das Kind zu beobachten oder zu hoffen, dass es probiert. Einfach genießen, fertig.

@andrea.h ja genau die stille ist da echt das Werkzeug. Aber ich muss ehrlich sagen - das ist für viele Eltern wahrscheinlich eine der schwersten Sachen überhaupt. Nix tun, nix sagen, einfach warten. Das fühlt sich an wie Untätigkeit und gleichzeitig ist es das Gegenteil. @ms_77 dein Plan mit "heute abend ein Gespräch" - mh naja. Ich versteh ja wo du hinwillst aber andrea.h hat recht das kann schiefgehen. Deine Frau hört dann vielleicht raus dass du alles besser weißt. Ich hab das bei mir selbst im Lager - wenn ich dem Azubi erklär warum er was falsch macht wird er stur. Wenn ich es einfach anders mache und er sieht das, kapiert er es von alleine. Keine Diskussion. Aber was mich gerade interessiert - wie ist das denn mit den anderen Gemüsesorten die deine Frau isst? Ich mein, isst die Kleine von denen auch nix oder nur bei der Roten Beete? Weil wenn es wirklich nur bei dieser einen Knolle Drama gibt, dann ist das ja auch ein Signal dass es weniger um Gemüse geht sondern um die Farbe oder den Geschmack. Dann würde ich ehrlich sagen - lass das Zeug einfach weg vom Kindertisch. Nicht weil es schlecht ist sondern weil es bei euch gerade nicht die richtige Zeit ist. Das ist auch okay. Deine Kleine isst Brokkoli, die ist nicht unterversorgt.

Zitat von gg1987

das ist für viele Eltern wahrscheinlich eine der schwersten Sachen überhaupt. Nix tun, nix sagen, einfach warten

- ja genau das. Und ich glaub, das liegt auch daran dass Eltern immer das Gefühl haben müssen aktiv was "für" die Entwicklung tun. Aber ehrlich, manchmal passiert das Beste wenn man einfach nur präsent ist und nicht versucht zu steuern. @ms_77 was ich noch schnell sagen wollte - dein Punkt mit dem "innerlich die Augen verdrehen" - das ist auch wichtig zu sehen. Aber nicht um deine Frau zu kritisieren, sondern um selber klarer zu werden. Wenn du merkst dass du das tust, dann sitz einfach entspannter da. Das ist keine Passivität, das ist aktiv Druck rausnehmen. Deine Kleine fühlt das sofort, dass da weniger Spannung im Raum ist. Bei uns ist es manchmal so - ich ess meine Rote Beete und die Kinder sitzen daneben und machen ihre Sache. Und dann irgendwann fragt einer "Mama, warum schmeckt das bei dir so gut wenn du das isst?". Das ist der Moment. Nicht weil ich das provoziert hab, sondern weil die Neugierde einfach da war. Dann sagen die Kids auch automatisch "ich probier mal" - weil sie das selbst wollen, nicht weil jemand druck macht. Das mit der Farbe - @gg1987 hat recht, vielleicht ist das für die Kleine im Moment einfach zu viel. Rote Beete ist halt nicht subtil, optisch. Manche Kids sind da empfindlicher. Das wächst sich aus oder auch nicht, aber das ist dann halt so.

@andrea.h das mit dem "warum schmeckt das bei dir so gut wenn du das isst" - das glaub ich dir. aber ich weiß auch dass bei uns das nie passieren wird weil ich das Zeug selbst nicht esse. also wenn die Kleine mich anguckt sieht sie: Papa rührt das nicht an, Mama isst das mit Begeisterung, und irgendwer will dass sie auch begeistert ist. das ist kein klares Bild. das ist eher wie zwei verschiedene Anleitungen für die gleiche Schaltung - die widersprechen sich und dann macht das Kind erstmal gar nix. ich hab jetzt gerade überlegt ob ich da eigentlich das Problem bin. nicht weil ich sie zwinge oder überrede - das mach ich nicht. aber allein dass ich es demonstrativ nicht esse schickt halt auch ne Botschaft. und die Kleine ist neun, nicht zwei, die rechnet das zusammen.

Zitat von gg1987

lass das Zeug einfach weg vom Kindertisch

das klingt vernünftig. aber ich weiß schon wie das läuft wenn ich das meiner Frau sage. das wird dann so aufgenommen als hätt ich gesagt "dein Gemüse ist Mist". da muss ich lachen aber das ist leider so. vielleicht ist die Lösung wirklich dass ich beim nächsten Mal einfach nichts mache - weder Augen verdrehen noch irgendwas sagen. neutral dasitzen wie ein Sicherungskasten der einfach seinen Job macht ohne Kommentar. mal schauen obs heute abend überhaupt Rote Beete gibt. hoffentlich nicht, ich hab einen langen Tag gehabt.

Ich bin jetzt drei Tage weg gewesen und lese das gerade in einem Rutsch durch - und mir ist dabei eine Sache aufgefallen, die mich selbst beschäftigt. @ms_77, du sprichst da von dem Sicherungskasten, der neutral seinen Job macht, und ehrlich gesagt, das hat mich zum Nachdenken gebracht. Bei mir im Garten ist es ja so - ich baue die Rote Beete selbst an, ich koche damit, ich esse sie regelmäßig. Und mein Hausarzt hat mir das empfohlen wegen des Blutdrucks. Aber ich habe festgestellt, dass ich manchmal - wenn Besuch kommt oder wenn meine Enkelin da ist - trotzdem noch diesen Drang habe zu erklären, warum das so gesund ist. Nicht zu zwingen, das nicht, aber eben doch irgendwie zu verkaufen. Und je mehr ich das hier lese, desto mehr merke ich - das nimmt dem ganzen die Natürlichkeit.

Zitat von ms_77

neutral dasitzen wie ein Sicherungskasten der einfach seinen Job macht ohne Kommentar

- das ist tatsächlich weise. Aber ich glaube, das Problem ist, dass wir als Erwachsene oft das Gefühl haben, wir müssen es besser wissen. Bei mir ist es halt nicht Erziehung sondern Gesundheit, aber der Mechanismus ist derselbe. Ich sage mir selbst - iss das, es ist gut für dich - und dann erwartet man, dass andere das auch verstehen oder akzeptieren. Deine Frau macht das aus Liebe, das sieht man deutlich. Aber vielleicht ist das auch das Problem - je mehr Liebe da reingesteckt wird, desto mehr Druck entsteht. Wenn ich ehrlich bin, esse ich meine Rote Beete am liebsten dann, wenn mich niemand dabei beobachtet oder erwartet dass ich sie magisch finde.

@elvira_k das mit dem "wir müssen es besser wissen" - ja das trifft es irgendwie. ich hab das bei mir selbst auch bemerkt ehrlich gesagt. ich hab mir vor ein paar Monaten diesen Rote-Beete-Saft gekauft, weil überall Läufer das nehmen und ich dachte naja, vielleicht hilft es beim Halbmarathon. und dann hab ich meiner Kollegin davon erzählt und die andere hat auch gleich einen gekauft. aber jetzt - wenn ich den trinke, denke ich die ganze Zeit ob der wirklich was bringt oder ob ich mir das nur einbilde weil es teuer war. und wenn ich ehrlich bin, schmeckt mir der nicht mal besonders gut. aber dein Punkt - dass es um Natürlichkeit geht - das hab ich noch gar nicht so gedacht. ich glaub du hast recht. wenn ich mir was "aufzwinge" weil ich gelesen hab dass es gesund ist, dann ess ich es irgendwie auch gar nicht mit Freude. das merkt bestimmt auch die Kleine bei der Frau vom @ms_77. die spürt ja dass da was Erzwungenes dahinter steckt, nicht einfach nur ein Gemüse auf dem Teller. ich frag mich jetzt ob das Problem gar nicht die Rote Beete ist sondern dass alle viel zu viel Gedanken drum machen. wie wenn man jemandem sagt "keine Angst vor dieser Spinne" - dann hat die Person plötzlich mehr Angst, weil die Aufmerksamkeit auf der Spinne liegt.

@leni_bk

Zitat von leni_bk

wie wenn man jemandem sagt keine Angst vor dieser Spinne

das ist eigentlich das treffendste Bild das hier bisher kam, ehrlich gesagt. sobald du die Aufmerksamkeit drauf lenkst ist es schon zu spät. ich hab das Thema Kinder und Essen selbst nicht, aber ich kenn das von mir selbst beim Training. wenn ich anfange drüber nachzudenken ob ich heute genug gegessen hab vor dem Lauf, dann lauf ich meistens schlechter. das Denken selbst wird zum Problem. und ich glaub genau das passiert bei der Kleinen vom @ms_77 auch - die Rote Beete ist inzwischen kein Gemüse mehr sondern so ein Symbol für "Mama will was von mir". das kriegst du kurzfristig nicht weg auch wenn du aufhörst zu reden, weil das schon gesetzt ist. was mich eigentlich interessiert - @ms_77, wie reagiert die Kleine wenn Rote Beete einfach irgendwo drin ist ohne dass sie es sieht? also nicht versteckt im Sinne von schummeln, sondern z.B. in einem Dip wo man eh nicht fragt was alles drin ist. weil wenn da keine Spannung dranhängt, schmeckt das vielleicht anders für sie. nicht aus Erziehungsgründen, nur so als Information über den Geschmack an sich.

@leni_k ja genau das mit dem Training -

Zitat von leni_k

wenn ich anfange drüber nachzudenken ob ich heute genug gegessen hab vor dem Lauf, dann lauf ich meistens schlechter

- das ist so wahr. Ich merk das bei mir auch, wenn ich zu viel über den Saft nachdenke den ich trinken soll, schmeckt der plötzlich viel erdiger als sonst. Aber deine Frage zu der Kleine vom @ms_77 - ob die Rote Beete auch schmeckt wenn sie nicht sieht dass es drin ist - das finde ich eigentlich spannend. Nicht weil man das verstecken soll wie die Frau das macht, sondern weil du recht hast dass die Aufmerksamkeit das ganze verbiegt. Wenn das Kind nicht weiß dass es Rote Beete ist und einfach "oh das schmeckt gut" sagt dann hat die Kleine vielleicht zum ersten Mal eine positive Erfahrung damit gemacht. Nicht weil jemand sie dazu überredet hat sondern weil ihr Mund sagt ja statt ihr Kopf sagt nein. Das Problem ist nur - und das hab ich bei mir selbst gemerkt - sobald du weißt dass da was "Gutes für dich" drin ist, verdirbt das auch wieder den Geschmack irgendwie. Zumindest bei mir. Ich trink den Saft lieber wenn ich nicht daran denke dass er Nitrate oder so hat, sondern einfach nur weil mir danach ist. Aber das ist halt schwer wenn man erst mal weiß dass man's wissen soll, verstehste. Da spielen zu viele Gedanken mit rein.

@leni_bk

Zitat von leni_bk

sobald du weißt dass da was Gutes für dich drin ist, verdirbt das auch wieder den Geschmack

ja das ist das Ding das mich gerade beschäftigt. weil das bedeutet ja - je mehr Informationen man hat, desto schwieriger wird das einfache Essen. ich frag mich ob das bei Kindern vielleicht umgekehrt funktioniert. die haben noch keinen Kopf voll mit "das ist gesund, das sollst du mögen, das ist Rote Beete und erdiger Geschmack ist okay". die reagieren einfach auf das was im Mund passiert, fertig. das ist bei Erwachsenen halt nicht mehr so leicht. ich merk das selbst - wenn ich was esse und vorher schon weiß dass es "gut für die Ausdauerleistung" ist, dann esse ich das irgendwie nicht mehr als Essen sondern als Maßnahme. und Maßnahmen schmecken anders als Essen. bei der Kleinen vom @ms_77 ist das Problem glaub ich dass der Schalter schon umgelegt ist. die isst die Rote Beete nicht mehr als Gemüse sondern als Thema. das brauchst du erstmal monatelang nicht anzufassen bis das sich wieder normalisiert, wenn überhaupt. kein Gespräch heute abend hilft da, kein Dip, nix. einfach gar nix für eine Weile. ich weiß nicht ob das @ms_77 seiner Frau sagen kann ohne dass wieder ein Kabelvergleich kommt

@leni_k das mit "Maßnahmen schmecken anders als Essen" - genau das ist es. Und ich glaub das ist auch der Grund warum ich den Saft inzwischen nicht mehr regelmäßig trinke, obwohl ich ihn mir gekauft hab. Nicht weil er schlecht schmeckt sondern weil ich die ganze Zeit denke "okay jetzt trink ich das Gesunde" statt einfach nur was zu trinken das mir schmeckt. Aber dein Punkt am Ende - [quote=leni_kweil der Schalter schon umgelegt ist[/quote] - das finde ich wichtig. Bei mir ist es ja anders ich hab den Schalter selbst umgelegt indem ich mir ständig Gedanken drum mache. Aber bei der Kleinen vom @ms_77 haben das andere für sie gemacht, die Frau mit ihrer Mission, der Vater mit seinem inneren Augeverdrehen. Und jetzt ist Rote Beete halt nicht mehr einfach Gemüse sondern ein großes Ding. Das Verrückte ist - wenn ich das auf mein Training übertrage dann merke ich dass ich selbst schuld bin wenn ich mir zu viel einrede. Aber wie soll @ms_77 das seiner Frau erklären ohne dass sie sich angegriffen fühlt. Die meint es ja gut, die will nur dass das Kind was Gutes isst. Aber genau das Gutmeinen ist das Problem. Ich frag mich manchmal ob es einfacher wäre wenn man als Eltern sagen könnte "okay, das Interesse ist nicht da, wir probieren das in zwei Jahren nochmal" ohne dass man sich dabei wie eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater fühlt. Weil das ist glaub ich das was die Frau antreibt - nicht die Rote Beete selbst sondern das Gefühl dass sie sonst was falsch macht.

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