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Rote Beete für Kinder - wie bringt ihr das durch?

meine freundin hat mir neulich erzählt dass sie ihren Kids Rote Beete einfach in Smoothies schmuggelt und die merken das gar nicht. ich hab das natürlich gleich probiert weil meine drei ja bekanntlich bei fast allem die Nase rümpfen. hat bei uns nicht so gut geklappt der jüngste hat sofort gefragt warum das komisch aussieht 😄

ich weiß ehrlich gesagt nicht ob ich das mit dem Schmuggeln überhaupt richtig finde. irgendwie fühlt sich das komisch an, aber auf der anderen - nee warte, ich wollte das Wort nicht benutzen. also ich frag mich halt ob man die damit nicht auch ein bisschen austrickst und die dann trotzdem nie lernen dass das Gemüse okay ist

das Geschmacksproblem ist ja auch real. ich selber find Rote Beete so mittel, dieser erdige Geschmack ist halt sehr speziell. meine älteste (sie ist 11) hat einmal probiert und sagt seitdem "das schmeckt wie Erde mit Farbe" - was ich irgendwie auch verstehe

hat jemand von euch das wirklich hingekriegt, dass Kinder Rote Beete freiwillig essen? oder ist das einfach so ein Gemüse das man erst als Erwachsener mag wenn überhaupt. ich überleg auch ob es an der Zubereitung liegt, also ob es als Suppe besser ankommt als roh oder irgendwie anders

und dann noch das mit den Flecken. ich hab letzte woche kurz Rote Beete geschnitten ohne Handschuhe weil ich dachte das geht schon - absolute Katastrophe, meine Hände haben zwei tage lang komisch ausgesehen. das macht es mit Kindern in der Küche natürlich auch nicht einfacher

@evelyn83

Zitat von evelyn83

das schmeckt wie Erde mit Farbe

Deine Älteste hat das ehrlicher beschrieben als die meisten Erwachsenen. Der erdige Geschmack kommt von Geosmin, einem Stoff den Rote Beete natürlich enthält - und Kinder reagieren darauf oft empfindlicher als Erwachsene, das ist tatsächlich biologisch erklärbar, kein Drama. Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann, ohne Kinder: der Geosmin-Anteil variiert je nach Zubereitung. Langes Rösten im Ofen baut davon deutlich mehr ab als kurzes Kochen. Wenn überhaupt, dann würde ich das als Einstieg probieren - nicht schmuggeln, sondern offen servieren, aber in einer Form die nicht nach Erde riecht. Das mit dem Schmuggeln - ich versteh die Logik, aber du hast den Punkt selbst schon angesprochen. Das eigentliche Problem ist nicht ob sie es essen, sondern ob sie irgendwann eine Geschmackserfahrung machen die positiv ist. Smoothie-Schmuggeln schafft keine. Da trinkt das Kind Rote Beete ohne es zu wissen, lernt aber nichts über das Gemüse. Wenn der Jüngste dann irgendwann doch mal Rote Beete sieht und probiert, startet er bei null. Realistisch betrachtet: manche Gemüsesorten kommen erst mit 15 an, manche nie. Das ist kein Erziehungsversagen.

Zitat von markus_hh88

startet er bei null

okay das hab ich jetzt nochmal gelesen und irgendwie nervt mich das - aber weil es stimmt. ich hab mir das mit dem Schmuggeln so ein bisschen schöngeredet glaub ich

die Sache mit dem Rösten wusste ich gar nicht, dass das den Geschmack wirklich so verändert. ich hab Rote Beete immer nur gekocht oder halt vakuumverpackt gekauft und dann so hingestellt. vielleicht ist das schon das Problem

aber meine Frage wäre dann - wie kriegst du das hin dass ein Kind überhaupt mal probiert wenn die allein vom Anblick schon nein sagen? meine mittlere (sie ist 8) weigert sich bei allem was pink oder rot ist, das ist bei ihr eine Art Prinzip inzwischen. da hilft auch kein Rösten wenn sie schon vorher den Teller wegschieben

und das mit "kein Erziehungsversagen" - keine ahnung ob ich das wirklich so sehen kann. ich merk immer wieder dass ich mir da zu viel draus mache wenn die Kinder was nicht essen

@evelyn83

Zitat von evelyn83

wie kriegst du das hin dass ein Kind überhaupt mal probiert wenn die allein vom Anblick schon nein sagen

Das ist eigentlich die ehrlichere Frage als die vorherige. Und ich hab keine perfekte Antwort - ich arbeite mit Erwachsenen, nicht mit 8-Jährigen. Was ich aber aus Gesprächen mit Eltern in der Praxis mitgenommen hab: bei Kindern die kategorisch nein sagen, hilft oft nicht das Produkt zu verändern, sondern den Kontext. Nicht "probier mal" am Abendbrottisch wo schon Druck drauf ist, sondern eher beim Zubereiten selbst. Wenn ein Kind beim Schälen oder Schneiden dabei ist, sinkt die Hemmschwelle manchmal - weil das Gemüse dann irgendwie "ihres" wird. Keine Garantie, aber die Mechanismus macht Sinn. Deine Mittlere mit dem Prinzip gegen alles Pink - das ist vermutlich gerade nicht zu lösen, ehrlich gesagt. Das ist keine Frage von Rote Beete, das ist eine Phase. Da würd ich keinen Energieaufwand reinstecken.

Zitat von evelyn83

ich merk immer wieder dass ich mir da zu viel draus mache wenn die Kinder was nicht essen

Das klingt mir aufrichtiger als du vielleicht gemerkt hast, dass du das geschrieben hast. Aus meiner Erfahrung - auch beruflich - ist Essens-Druck bei Kindern das, was am längsten nachwirkt. Nicht das Gemüse das sie mit 8 nicht mochten.

Zitat von markus_hh88

Essens-Druck bei Kindern das, was am längsten nachwirkt

okay das sitz jetzt irgendwie. weil ich glaub ich mach genau das - ohne dass ich das so nenne. ich frag nicht "willst du probieren" ich guck einfach so hoffnungsvoll rüber und die merken das natürlich alle

aber das mit dem Zubereiten - ich hab das mal kurz anders gedacht. meine älteste hilft manchmal in der Küche mit, so beim Salat waschen oder whatever. und da ist mir aufgefallen dass sie Sachen die sie selber angefasst hat eher probiert. einmal sogar Fenchel, was mich wirklich überrascht hat weil die sonst bei allem Grünen die Nase rümpft

ob das bei Roter Beete auch gehen würde weiß ich nicht. die Farbe ist halt das Problem, da kommt meine mittlere gar nicht erst ran

@markus_hh88 du hast vorhin geschrieben dass du beruflich mit Erwachsenen arbeitest - ich frag mich grad ob die Erwachsenen die zu dir kommen manchmal auch so Sachen mitbringen die irgendwie aus dem Essen als Kind stammen. also so richtige Abneigungen die sich festgesetzt haben. ich überleg das jetzt weil ich selber Rosenkohl bis heute nicht anfasse und meine Mutter hat mich da echt unter Druck gesetzt früher

vielleicht ist Rote Beete bei meinen Kindern einfach noch offen und ich sollte das nicht zu einer Sache machen

@evelyn83

Zitat von evelyn83

ob die Erwachsenen die zu dir kommen manchmal auch so Sachen mitbringen die irgendwie aus dem Essen als Kind stammen

Ja, öfter als man denkt. Nicht immer explizit, aber man merkt es manchmal daran wie jemand über bestimmte Lebensmittel redet - mit einer Schärfe die nichts mit dem Geschmack zu tun hat. Rosenkohl ist da tatsächlich ein Klassiker, keine Ahnung warum der so oft vorkommt. Was du über den Fenchel beschrieben hast, das ist eigentlich der interessantere Punkt in deinem letzten Post. Nicht weil das eine Methode ist die man jetzt systematisch anwendet, sondern weil es zeigt dass der Widerstand bei Kindern oft nicht gegen das Essen selbst geht, sondern gegen die Situation drum herum. Fenchel ist auch kein harmloses Gemüse geschmacklich - und trotzdem. Der Satz am Ende, "nicht zu einer Sache machen" - das klingt weniger wie eine Erkenntnis und mehr wie Erleichterung. Was ich gut verstehe. Ich bin heute nach einer langen Woche ehrlich gesagt selbst froh wenn ich abends nicht mehr groß nachdenken muss. Rote Beete speziell: ich würde das bei einer 8-Jährigen die gegen Pink ist wirklich komplett von der Agenda nehmen. Nicht als Aufgeben, sondern weil der Zeitpunkt einfach falsch ist. Manche Gemüsesorten haben ihr Fenster, und das lässt sich nicht erzwingen.

Zitat von markus_hh88

Manche Gemüsesorten haben ihr Fenster

das ist so ein Satz den ich mir eigentlich merken sollte. weil ich glaub ich versuche das Fenster aufzuhebeln wo gar keins ist gerade

und das mit dem Rosenkohl - ja, da hab ich heute nochmal drüber nachgedacht. meine Mutter hat den immer mit so einem Gesicht serviert wie "du wirst das jetzt essen und dankbar sein" und ich seh mich da manchmal selbst. nicht beim Rosenkohl aber so generell diese Energie am Tisch

@markus_hh88 du hast geschrieben du bist nach einer langen Woche froh wenn du nicht mehr nachdenken musst - das kenn ich gerade sehr gut, heute war so ein Tag. da ist mir aufgefallen dass ich wahrscheinlich auch deswegen so ein Fass aufmache aus dem Gemüsethema, weil es sich anfühlt als könnte man das wenigstens irgendwie lösen. also im Gegensatz zu anderen Sachen

ob das bei allen Eltern so ist oder ob ich da irgendwie komisch bin weiß ich nicht