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Rote Beete einlegen – Essig oder Lake, was dominiert am Ende wirklich?

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Zitat von elvira_k

Vielleicht reicht es einfach, einen Ansatz zu machen, zwei Wochen zu warten, probieren

ich glaub das ist eigentlich die entspannteste Herangehensweise die man haben kann - und gleichzeitig die, die mich am meisten überrascht von dir, weil du vorher sehr auf den Hausarzt-Rat und die genaue Lake-Kontrolle gepocht hast. aber ich find's ehrlich gesagt sympathisch. dieser Perfektionismus-Loop beim Fermentieren ("warte noch eine Woche dann wird's besser") klingt wie etwas das ich bei mir selbst sofort erkennen würde. was mich bei deinem Beitrag aber wirklich aufhält: drei Wochen und du hast noch nicht probiert? also ich weiß nicht ob ich das durchhalten würde. ich bin eher der Typ der nach fünf Tagen schon nervös wird und "nur mal kurz kostet". das ist wahrscheinlich auch kein optimales Fermentier-Mindset. was ich noch nicht im Thread gesehen hab - gibt's eigentlich einen Unterschied ob man ganze Scheiben fermentiert oder geraspelt? ich frag mich ob das die Gärzeit beeinflusst, weil die Oberfläche ja viel größer wäre. rein logisch müsste das schneller gehen, oder? das wär vielleicht auch eine Möglichkeit für Leute wie mich die nicht drei Wochen Geduld aufbringen. @markus_hh88 bin gespannt was du nach Woche zwei von deinem Ansatz berichtest, weil das für mich grad der konkreteste Anhaltspunkt wäre.

@leni_k [quote=leni_kganze Scheiben fermentiert oder geraspelt[/quote] - das ist tatsächlich eine Frage, die mir noch nicht in den Sinn gekommen ist, aber jetzt wo du es sagst macht das Sinn. Geraspelt hätte natürlich viel mehr Oberfläche, da müsste die Gärung schneller anlaufen. Allerdings - und da bin ich jetzt ehrlich - geraspelte Rote Beete stelle ich mir für mein Verfahren schwieriger vor. Bei mir im Garten mache ich das immer in Scheiben, weil ich die dann später einfach rausholen kann und portionsweise verwenden. Geraspelt würde das ganze Glas zu einem Brei und dann hast du wieder das Problem mit der Textur das @markus_hh88 erwähnt hat, nur noch ausgeprägter. Was mich aber bei deinem Punkt nervös macht - und da gebe ich dir recht - ist dieses "nur mal kurz kosten" nach fünf Tagen. Ich habe das auch gemacht, und ehrlich gesagt weiß ich dann hinterher nie, ob ich dem Ferment damit geschadet habe oder nicht. Jedes Mal wenn du das Glas öffnest, holst du ja auch Luft rein. Das ist wahrscheinlich nicht tragisch, aber es ist eben auch nicht optimal. Mein Hausarzt hat mir geraten, das einfach sein zu lassen und erst nach zwei Wochen zu schauen, aber das sagen ist leichter als das tun, oder? Vielleicht ist das auch nur eine Frage davon, ob man sich vorab entscheidet: entweder ich mache das halbwegs nach Plan, oder ich nehme es lockerer und akzeptiere dass es vielleicht nicht perfekt wird.

@elvira_k

Zitat von elvira_k

entweder ich mache das halbwegs nach Plan, oder ich nehme es lockerer

das klingt eigentlich nach einer falschen Dichotomie, oder? weil "nach Plan" beim Fermentieren bedeutet ja auch nur - Salzkonzentration halbwegs stimmt, alles unter der Lake, Temperatur passt. das ist kein Hexenwerk. der Rest ist dann eh Abwarten. was mich bei deinem Beitrag aber wirklich aufhält ist die Stelle mit dem Lufteintrag. du sagst "wahrscheinlich nicht tragisch" - aber das ist eigentlich genau die Unsicherheit die mich davon abhält das einfach anzugehen. ich hätt das gerne schwarz-weiß. entweder der kurze Blick nach fünf Tagen ist okay, oder er killt das ganze Ferment. so ein "naja, schauen wir mal" als Antwort darauf ist irgendwie unbefriedigend, auch wenn's ehrlich ist. was ich mich grad frage - und das ist neu im Thread: macht es einen Unterschied ob das Glas einen Schraubverschluss hat oder so einen Bügelverschluss mit Gummidichtung? ich hab beides zu Hause, aber ich hab keine Ahnung ob CO2 beim Gären irgendwie entweichen muss oder nicht. beim Bügelverschluss weiß ich nicht ob der Druck sich aufbaut und das dann ein Problem wird. ich glaub ich hab das beim Sauerkraut nie wirklich beachtet weil ich da einfach immer Schraubgläser genommen hab. draußen ist es heute endlich wieder angenehm kühl - vielleicht der beste Zeitpunkt um so einen Ansatz in der Küche stehen zu lassen ohne dass es zu warm wird.

@leni_k das mit dem Bügelverschluss - gute Frage, und ehrlich gesagt habe ich mich das auch noch nie so richtig überlegt. Bei mir im Garten nutze ich immer normale Schraubgläser, einfach weil die da sind. Aber jetzt wo du es sagst frage ich mich tatsächlich ob beim Fermentieren Gas entsteht das irgendwie raus muss. Beim Sauerkraut habe ich auch nie drauf geachtet, das stimmt. Was mich aber bei deinem Punkt mit der Dichotomie - entweder perfekt oder gar nicht - mehr beschäftigt: ich glaube du hast da recht, dass das zu streng gedacht ist. Aber gleichzeitig verstehe ich deine Frustration. Mein Hausarzt hat mir damals gesagt, ich soll einfach anfangen, und die meisten Fehler merkt man daran dass es oben anfängt zu schimmeln oder komisch riecht. Das ist ja auch schon eine Aussage - nicht alles ist fragwürdig, nur weil der Prozess nicht zu hundert Prozent optimal läuft. Das kurze Öffnen nach fünf Tagen ist wahrscheinlich nicht ideal, aber es ist auch nicht gleich das ganze Glas ruiniert. Eher so - ja, nicht optimal, aber auch nicht katastrophal. Was ich mich aber grad frage und das ist wirklich neu für mich: [quote=leni_kmacht es einen Unterschied ob das Glas einen Schraubverschluss hat[/quote] - vielleicht sollte ich das selbst mal recherchieren statt hier einfach zu raten. Ich habe nämlich das Gefühl dass ich da auch nur halb-Wissen weitergebe. Und beim Schimmelproblem - das ist ja das einzige was ich wirklich sicher kontrollieren kann. Da schaue ich drauf und wenn es passt, ess ich es.

Zitat von elvira_k

ich habe nämlich das Gefühl dass ich da auch nur halb-Wissen weitergebe

das ist eigentlich das ehrlichste was in diesem Thread bisher gesagt wurde, und ich find's gut dass du das so sagst. weil ich glaub wir sind hier alle ein bisschen in der Situation - keiner von uns ist Fermentier-Expertin, wir tauschen Erfahrungen aus und lesen dazwischen mal kurz irgendwas nach. passt ja auch so. aber zum Bügelverschluss - ich hab grad tatsächlich kurz geschaut, weil mich das nicht losgelassen hat. anscheinend ist das wirklich relevant: beim aktiven Gären entsteht CO2, und das muss irgendwie raus. Schraubgläser lassen bei leichtem Überdruck minimal Gas entweichen, Bügelverschlüsse mit intakter Gummidichtung eher nicht. also könnte man sich theoretisch den Deckel wegsprengen, wobei das bei Rote Beete wahrscheinlich weniger dramatisch ist als bei sowas wie Kimchi. @markus_hh88 wäre interessant ob du das bei deinem aktuellen Ansatz beobachtet hast - irgendein Druckaufbau, Blasen, irgendetwas das auf aktive Gärung hindeutet? was mich grad beschäftigt - und das ist wirklich neu - ist ob man den Gärfortschritt überhaupt sehen kann ohne zu öffnen. beim Schraubglas anscheinend schon, da steigen Blasen auf wenn man genau schaut. beim Bügelverschluss keine Ahnung. ich hab zu Hause beide Sorten, aber ich weiß nicht welches ich nehmen würde wenn ich jetzt wirklich anfang. mein Joghurtglas-Instinkt sagt Schraube, aber ich könnte mich irren.

@leni_k der Punkt mit dem CO2 ist korrekt, und das ist eigentlich der einzige technische Aspekt in diesem Thread, der wirklich relevant ist. Schraubgläser sind für Fermente besser geeignet, weil der Überdruck minimal entweichen kann, ohne dass das Glas zum Problem wird. Bügelverschluss geht, aber dann muss man täglich kurz öffnen, was den Effekt wieder aufhebt. Konkret gesagt: ich verwende für alles was gärt immer Schraubgläser, und drehe den Deckel in den ersten Tagen nur locker drauf. Das ist kein Präzisionssport, das ist einfach pragmatisch. [quote=leni_kob man den Gärfortschritt überhaupt sehen kann ohne zu öffnen[/quote] Beim Schraubglas schon, wenn das Licht stimmt. Blasen, die aufsteigen, sind ein gutes Zeichen. Wenn nach vier, fünf Tagen gar nichts passiert, stimmt entweder die Salzkonzentration nicht oder das Gemüse hatte zu wenig eigene Bakterienflora - was bei vakuumverpackter Rote Beete aus dem Supermarkt ein echtes Problem sein kann, weil die oft blanchiert ist. Frische Knollen vom Markt funktionieren da deutlich zuverlässiger. Das ist übrigens ein Punkt, den ich hier noch nicht gelesen habe: das Ausgangsmaterial entscheidet mit. Pasteurisierte oder stark gewaschene Ware bringt kaum noch Lactobazillen mit. Dann gärt da schlicht wenig bis nichts. Heute Nachmittag grau hier, passt eigentlich gut zum Warten auf Gäransätze.

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