Rote Beete aus dem Vakuumpack - schmeckt das wirklich nach was?
Zitat von ms_77 am September 1, 2026, 15:00 Uhrkleines Update von mir auch. @n.feld Lansley et al. hab ich jetzt tatsächlich nachgeschaut, also den Namen. Nicht den ganzen Artikel - ich bin Elektriker nicht Wissenschaftler und mein Englisch reicht nur bedingt. Aber ich hab den Abstract gefunden und das reicht. Die haben Saft genommen, definierte Menge, trainierte Leute. Das steht da schwarz auf weiß. Hab das meinem Schwager heute morgen per Nachricht hingeschickt, einfach den Namen der Studie und die Frage ob sein Kapsel-Hersteller das auch irgendwo nennt auf seiner Website. Er hat noch nicht geantwortet.
Zitat von n.felddu kannst ihn nicht zwingen sie zu lesen
ja ich weiß. Aber ich hab jetzt wenigstens was Konkretes in der Hand statt nur "das ist doch Quatsch" zu sagen. Das ist eigentlich das erste Mal in dieser ganzen Diskussion dass ich nicht nur aus dem Bauch heraus argumentier. Das fühlt sich komisch an ehrlich gesagt - ich bin sonst nicht der der Studienautoren googelt. Was mich aber gerade noch beschäftigt und noch niemand angesprochen hat: wenn die Effekte in den Studien moderat sind und das für trainierte Ausdauersportler gilt - was will mein Schwager dann eigentlich. Der fährt einmal die Woche Rad zum Einkaufen. Das ist kein Ausdauersportler. Das bin ich auch nicht aber ich mach mir wenigstens keine Illusionen drüber. Für wen sind diese Kapseln dann überhaupt gedacht wenn nicht für Leute wie Tilo der wirklich Radsport macht.
kleines Update von mir auch. @n.feld Lansley et al. hab ich jetzt tatsächlich nachgeschaut, also den Namen. Nicht den ganzen Artikel - ich bin Elektriker nicht Wissenschaftler und mein Englisch reicht nur bedingt. Aber ich hab den Abstract gefunden und das reicht. Die haben Saft genommen, definierte Menge, trainierte Leute. Das steht da schwarz auf weiß. Hab das meinem Schwager heute morgen per Nachricht hingeschickt, einfach den Namen der Studie und die Frage ob sein Kapsel-Hersteller das auch irgendwo nennt auf seiner Website. Er hat noch nicht geantwortet.
Zitat von n.felddu kannst ihn nicht zwingen sie zu lesen
ja ich weiß. Aber ich hab jetzt wenigstens was Konkretes in der Hand statt nur "das ist doch Quatsch" zu sagen. Das ist eigentlich das erste Mal in dieser ganzen Diskussion dass ich nicht nur aus dem Bauch heraus argumentier. Das fühlt sich komisch an ehrlich gesagt - ich bin sonst nicht der der Studienautoren googelt. Was mich aber gerade noch beschäftigt und noch niemand angesprochen hat: wenn die Effekte in den Studien moderat sind und das für trainierte Ausdauersportler gilt - was will mein Schwager dann eigentlich. Der fährt einmal die Woche Rad zum Einkaufen. Das ist kein Ausdauersportler. Das bin ich auch nicht aber ich mach mir wenigstens keine Illusionen drüber. Für wen sind diese Kapseln dann überhaupt gedacht wenn nicht für Leute wie Tilo der wirklich Radsport macht.
Zitat von n.feld am September 1, 2026, 15:54 Uhr@ms_77
Zitat von ms_77was will mein Schwager dann eigentlich
Die Frage beantwortet sich eigentlich selbst. Er will das Gefühl von Optimierung, nicht die Optimierung. Das ist kein Vorwurf, das ist ein ziemlich menschliches Muster. Was mich aber konkret stört: die Kapseln werden oft genau so vermarktet - "auch für Freizeitsportler geeignet" oder ähnliches. Die Datenlage zeigt aber dass die relevanten Studien mit Leistungssportlern unter Laborbedingungen gemacht wurden. Das ist kein kleiner Fußnotenpunkt, das ist der Kern. Wer das auf den Gelegenheitsradler überträgt, der extrapoliert ins Leere. Und dann noch das: selbst wenn man annimmt, die Kapsel liefert was sie verspricht, wäre der Effekt bei jemandem der einmal die Woche zum Einkaufen fährt schlicht nicht messbar. Nicht weil die Physiologie da anders wäre, sondern weil das Signal im Rauschen des normalen Alltags untergeht. Kein Versuchsdesign der Welt kriegt da was raus. Ich halte das für das eigentliche Problem mit der ganzen Produktkategorie. Die sind für Tilo sinnvoll diskutierbar, der hat wenigstens den Kontext in dem sowas eine Rolle spielen könnte. Für deinen Schwager ist das Geld weg und er fühlt sich trotzdem besser - wegen allem anderen was er geändert hat.
Zitat von ms_77was will mein Schwager dann eigentlich
Die Frage beantwortet sich eigentlich selbst. Er will das Gefühl von Optimierung, nicht die Optimierung. Das ist kein Vorwurf, das ist ein ziemlich menschliches Muster. Was mich aber konkret stört: die Kapseln werden oft genau so vermarktet - "auch für Freizeitsportler geeignet" oder ähnliches. Die Datenlage zeigt aber dass die relevanten Studien mit Leistungssportlern unter Laborbedingungen gemacht wurden. Das ist kein kleiner Fußnotenpunkt, das ist der Kern. Wer das auf den Gelegenheitsradler überträgt, der extrapoliert ins Leere. Und dann noch das: selbst wenn man annimmt, die Kapsel liefert was sie verspricht, wäre der Effekt bei jemandem der einmal die Woche zum Einkaufen fährt schlicht nicht messbar. Nicht weil die Physiologie da anders wäre, sondern weil das Signal im Rauschen des normalen Alltags untergeht. Kein Versuchsdesign der Welt kriegt da was raus. Ich halte das für das eigentliche Problem mit der ganzen Produktkategorie. Die sind für Tilo sinnvoll diskutierbar, der hat wenigstens den Kontext in dem sowas eine Rolle spielen könnte. Für deinen Schwager ist das Geld weg und er fühlt sich trotzdem besser - wegen allem anderen was er geändert hat.
Zitat von n.feld am September 18, 2026, 21:48 Uhrmelde mich nochmal kurz.
Zitat von ms_77für wen sind diese Kapseln dann eigentlich gedacht
Das ist die Frage die ich mir auch stelle, aber ich glaube die Antwort ist unangenehmer als sie klingt. Die Kapseln sind primär für Leute gedacht die Geld ausgeben wollen. Tilo mit echtem Radsport ist das Gesicht auf der Verpackung, aber das Hauptgeschäft läuft mit den Schwägern. Die Zielgruppe ist nicht der Leistungssportler, der weiß meistens genauer was er braucht. Die Zielgruppe ist der Gelegenheitsradler der sich mit Tilo vergleicht und denkt er könnte mit dem richtigen Produkt aufschließen. Was mich dabei konkret beschäftigt: das ist strukturell dasselbe wie bei IT-Sicherheitsprodukten. Ich kenne das aus der Arbeit. Die teuren Firewalls kaufen meistens nicht die Leute die ein klares Bedrohungsmodell haben - die kaufen sie die Angst haben ohne genau zu wissen wovor. Und dann fühlen sie sich sicherer, obwohl das Passwort immer noch "Sommer2024" ist. Dein Schwager hat fünf Sachen geändert und schläft besser. Die Kapsel ist sein "Sommer2024" - sie gibt ihm das Gefühl er hat was Wichtiges erledigt. Das ist faktisch das Problem, nicht die Physiologie.
melde mich nochmal kurz.
Zitat von ms_77für wen sind diese Kapseln dann eigentlich gedacht
Das ist die Frage die ich mir auch stelle, aber ich glaube die Antwort ist unangenehmer als sie klingt. Die Kapseln sind primär für Leute gedacht die Geld ausgeben wollen. Tilo mit echtem Radsport ist das Gesicht auf der Verpackung, aber das Hauptgeschäft läuft mit den Schwägern. Die Zielgruppe ist nicht der Leistungssportler, der weiß meistens genauer was er braucht. Die Zielgruppe ist der Gelegenheitsradler der sich mit Tilo vergleicht und denkt er könnte mit dem richtigen Produkt aufschließen. Was mich dabei konkret beschäftigt: das ist strukturell dasselbe wie bei IT-Sicherheitsprodukten. Ich kenne das aus der Arbeit. Die teuren Firewalls kaufen meistens nicht die Leute die ein klares Bedrohungsmodell haben - die kaufen sie die Angst haben ohne genau zu wissen wovor. Und dann fühlen sie sich sicherer, obwohl das Passwort immer noch "Sommer2024" ist. Dein Schwager hat fünf Sachen geändert und schläft besser. Die Kapsel ist sein "Sommer2024" - sie gibt ihm das Gefühl er hat was Wichtiges erledigt. Das ist faktisch das Problem, nicht die Physiologie.
Zitat von leni_k am September 18, 2026, 21:59 UhrZitat von elvira_kpackert er die Verantwortung in die Flasche
das ist eigentlich der Satz aus dem ganzen Thread der mich am meisten beschäftigt, auch jetzt noch. weil das stimmt ja nicht nur für Kapseln. @n.feld dein IT-Vergleich ist gut aber ich glaub da ist noch eine Ebene drunter. der Schwager kauft sich nicht nur das Sicherheitsgefühl - er kauft sich auch raus aus der Verantwortung falls's nicht klappt. wenn er kein Kilo abnimmt oder die Kondition gleich bleibt, dann war's halt das falsche Produkt. nicht er. das ist so eine eingebaute Ausrede. ich kenn das von Leuten im Lauftrefff die seit einem Jahr denselben Schuh kaufen in der nächsten Auflage weil der aktuelle "nicht passt" - und dann laufen sie immer noch gleich langsam. das Gerät ist schuld, nie das Training. was mich aber gerade wirklich beschäftigt: Tilo, der echte Radsportler aus dem Thread - würde der wirklich was anderes machen wenn er's besser wüsste? also ich bin da nicht so sicher. ich kenn genug Leute die ernsthaft Sport machen und trotzdem Zeug schlucken das keinen echten Unterschied macht. weil die Gruppe das so macht. Tilo hat's vom Vereinskollegen, der Schwager von Tilo - aber auch Tilo hat's irgendwoher. irgendwann oben in der Kette sitzt einer der's auch nur gehört hat. schauen wir mal ob @ms_77 noch eine Antwort vom Schwager kriegt zu dem Lansley-Ding.
Zitat von elvira_kpackert er die Verantwortung in die Flasche
das ist eigentlich der Satz aus dem ganzen Thread der mich am meisten beschäftigt, auch jetzt noch. weil das stimmt ja nicht nur für Kapseln. @n.feld dein IT-Vergleich ist gut aber ich glaub da ist noch eine Ebene drunter. der Schwager kauft sich nicht nur das Sicherheitsgefühl - er kauft sich auch raus aus der Verantwortung falls's nicht klappt. wenn er kein Kilo abnimmt oder die Kondition gleich bleibt, dann war's halt das falsche Produkt. nicht er. das ist so eine eingebaute Ausrede. ich kenn das von Leuten im Lauftrefff die seit einem Jahr denselben Schuh kaufen in der nächsten Auflage weil der aktuelle "nicht passt" - und dann laufen sie immer noch gleich langsam. das Gerät ist schuld, nie das Training. was mich aber gerade wirklich beschäftigt: Tilo, der echte Radsportler aus dem Thread - würde der wirklich was anderes machen wenn er's besser wüsste? also ich bin da nicht so sicher. ich kenn genug Leute die ernsthaft Sport machen und trotzdem Zeug schlucken das keinen echten Unterschied macht. weil die Gruppe das so macht. Tilo hat's vom Vereinskollegen, der Schwager von Tilo - aber auch Tilo hat's irgendwoher. irgendwann oben in der Kette sitzt einer der's auch nur gehört hat. schauen wir mal ob @ms_77 noch eine Antwort vom Schwager kriegt zu dem Lansley-Ding.
Zitat von elvira_k am September 19, 2026, 07:21 Uhr@leni_k das mit der eingebauten Ausrede ist ja interessant, aber ich muss ehrlich sagen dass mich gerade noch was anderes beschäftigt. Sie schreiben Zitat von leni_kirgendwann oben in der Kette sitzt einer der's auch nur gehört hat
und da frage ich mich ob das nicht auch bei mir der Fall ist, nur andersherum. Mein Hausarzt hat mir gesagt essen Sie mehr Rote Beete, und ich habe das einfach getan. Aber ich habe das getan weil der Arzt es gesagt hat, nicht weil ich es selbst recherchiert habe. Das ist ja auch eine Form von Vertrauen in jemand anderen, nicht weil ich die Datenlage verstanden hätte sondern weil ich meinen Arzt kenne und der mir nicht irgendwelche Sachen verkaufen will. Das ist aber ein wichtiger Unterschied zu den Kapseln, wenn ich das richtig sehe. Der Arzt profitiert nicht davon dass ich Rote Beete esse, der Kapsel-Hersteller aber sehr wohl. Trotzdem - ich höre auf eine Empfehlung ohne sie zu hinterfragen, genauso wie der Schwager. Der Unterschied ist nur dass meine Empfehlung von jemandem kommt der mich kennt und nicht von einer Website. Und dass ich die Rote Beete ohnehin schon im Garten hatte. Was mich aber gerade beschäftigt - ob der Schwager jemals wirklich versucht hat die Knolle selbst zu essen bevor er die Kapsel gekauft hat. Das hat niemand im Thread gefragt und ich glaube das ist tatsächlich die erste Frage die zählt.
@leni_k das mit der eingebauten Ausrede ist ja interessant, aber ich muss ehrlich sagen dass mich gerade noch was anderes beschäftigt. Sie schreiben Zitat von leni_kirgendwann oben in der Kette sitzt einer der's auch nur gehört hat
und da frage ich mich ob das nicht auch bei mir der Fall ist, nur andersherum. Mein Hausarzt hat mir gesagt essen Sie mehr Rote Beete, und ich habe das einfach getan. Aber ich habe das getan weil der Arzt es gesagt hat, nicht weil ich es selbst recherchiert habe. Das ist ja auch eine Form von Vertrauen in jemand anderen, nicht weil ich die Datenlage verstanden hätte sondern weil ich meinen Arzt kenne und der mir nicht irgendwelche Sachen verkaufen will. Das ist aber ein wichtiger Unterschied zu den Kapseln, wenn ich das richtig sehe. Der Arzt profitiert nicht davon dass ich Rote Beete esse, der Kapsel-Hersteller aber sehr wohl. Trotzdem - ich höre auf eine Empfehlung ohne sie zu hinterfragen, genauso wie der Schwager. Der Unterschied ist nur dass meine Empfehlung von jemandem kommt der mich kennt und nicht von einer Website. Und dass ich die Rote Beete ohnehin schon im Garten hatte. Was mich aber gerade beschäftigt - ob der Schwager jemals wirklich versucht hat die Knolle selbst zu essen bevor er die Kapsel gekauft hat. Das hat niemand im Thread gefragt und ich glaube das ist tatsächlich die erste Frage die zählt.