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Rote Beete aus dem Glas vs. Supplement – lohnt sich der Preisunterschied?

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Zitat von markus_hh88

bei VO2max unter 60 ml/kg/min noch messbar, darüber wird's dünn

Ok, das ist der erste Punkt in diesem ganzen Thread der mich wirklich kurz ruhig gemacht hat. Weil ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe wo ich da liege. Ich hab noch nie einen VO2max-Test gemacht, nicht mal annähernd. Ich kenn meine Wattzahlen halbwegs, ich kenn mein Gefühl auf dem Rad - aber den Wert nicht. Meine Hausärztin hat letztes Jahr beim Check kurz was von Ausdauerkapazität gesagt, das war aber eher so ein Nebensatz beim Blutdruck messen. Nichts Messbares. Ich sag dir, das ist das Problem mit dieser ganzen Diskussion: Je tiefer man reingeht, desto mehr merkt man dass man eigentlich nicht mal die Ausgangsbedingungen kennt. Ich weiß nicht ob 300mg Nitrat drinstecken wo 300 draufsteht, ich weiß nicht wie mein Timing wirklich wirkt, und jetzt weiß ich auch nicht ob mein Körper überhaupt noch auf das Zeug reagiert oder schon drüber ist. @markus_b82 deine Frage nach dem Trainingsstatus hat mich mehr getroffen als die von dir erhoffte Antwort glaub ich. Das klingt überheblich, ist nicht so gemeint. Aber die Frage stellt im Grunde alles infrage was ich bisher als Grundannahme hatte. Ich fahr seit drei Jahren Rad, aber "gut trainiert" im Sinne dieser Studien - keine Ahnung ob das auf mich zutrifft. Das ist mir zu unklar um da irgendwas drauf aufzubauen. Gibt es eigentlich eine halbwegs günstige Möglichkeit den VO2max zu schätzen - ohne ins Labor zu fahren?

Zitat von markus_b82

die ganze Timing-Frage verschiebt sich nochmal

Das stimmt, und das gilt jetzt auch für @rote_socke_83s VO2max-Frage. Zur Schätzung: Es gibt valide Feldtests, der bekannteste ist der 20-Minuten-FTP-Test auf dem Rad, aus dem man mit einer Formel eine VO2max-Näherung rausrechnen kann. Nicht perfekt, aber besser als gar nichts. Garmin und Polar machen das übrigens auch automatisch aus Herzfrequenz und Tempo - die Algorithmen sind nicht ideal, aber die Werte liegen aus meiner Erfahrung bei Ausdauersportlern oft im richtigen Bereich, plus minus fünf Punkte. Wenn du also seit drei Jahren regelmäßig Rad fährst mit Intervallen, würde ich schätzen du liegst irgendwo zwischen 52 und 58. Das ist die Zone, wo der Nitrat-Effekt laut Hoon et al. noch existiert, aber niemand sollte da große Zahlen erwarten. Was mich an deinem letzten Post mehr beschäftigt als die VO2max-Frage: Du sagst "das stellt alles infrage was ich als Grundannahme hatte." Das ist eigentlich gut. Wer mit falschen Grundannahmen an sowas rangeht, optimiert ins Leere. Dass du das merkst ist kein Problem, das ist der erste sinnvolle Schritt. Realistisch betrachtet: Ein Garmin-basierter VO2max-Schätzwert kostet dich nichts wenn du das Gerät eh schon hast. Das wäre mein erster Tipp bevor du weiter über Glasgemüse vs. Kapsel nachdenkst.

Zitat von markus_hh88

die Werte liegen aus meiner Erfahrung bei Ausdauersportlern oft im richtigen Bereich, plus minus fünf Punkte

Das "plus minus fünf Punkte" ist aber entscheidend, wenn wir gerade über einen Schwellenwert von 60 ml/kg/min reden. Wer bei 57 liegt, könnte laut Garmin-Schätzung auch 62 haben - und dann wäre die Einschätzung ob der Nitrat-Effekt noch greift komplett anders. Das ist kein akademisches Problem, das ist genau die Art von Unschärfe die die ganze Optimierungsdiskussion hier ein bisschen wacklig macht. @rote_socke_83 ich würde den Garmin-Wert trotzdem als Ausgangspunkt nehmen, aber mit dem Wissen dass er eine Näherung ist. Was mich eigentlich mehr interessiert: Hast du Herzfrequenzdaten aus deinen längeren Einheiten? Weil eine gut trainierte Person mit stabilem Drift-Verhalten über 3-4 Stunden lässt sich qualitativ schon einschätzen, auch ohne Laborzahl. Ich hab damals für meinen ersten Halbmarathon einen Conconi-artigen Stufentest auf dem Laufband gemacht, aber das war mit Unterstützung aus dem Uni-Sportinstitut hier in der Region - nicht jeder hat sowas in der Nähe. Und selbst da war der Wert eher Orientierung als Fakt. Was ich noch nicht gesehen hab im Thread: Hat eigentlich jemand die Frage gestellt ob Rote-Beete-Extrakt in Kapselform anders absorbiert wird als der Saft oder das Glasgemüse? Die Matrix drumherum - also Ballaststoffe, Zellstruktur - könnte die Bioverfügbarkeit beeinflussen. Hast du da eine Quelle für, @markus_hh88?

@markus_b82 Die Bioverfügbarkeits-Frage ist nicht dumm, aber ich muss da ein bisschen bremsen. Die Datenlage dazu ist tatsächlich dünn. Es gibt einzelne Hinweise, dass die Zellmatrix im rohen Gemüse die Nitratfreisetzung verlangsamen kann - aber bei vorgekochtem Glasgemüse ist die Zellstruktur eh weitgehend aufgebrochen. Da ist der Unterschied zum Saft wahrscheinlich marginal. Kapsel ist noch mal eine andere Sache, weil du da nicht weißt was als Trägersubstanz drin ist und ob das die Magenpassage beeinflusst. Aber ehrlich gesagt gibt es da keine sauberen Head-to-Head-Daten die ich kenne - wenn du was findest, gern rein damit.

Zitat von markus_b82

Das "plus minus fünf Punkte" ist aber entscheidend

Ja, das ist ein berechtigter Einwand. Ich hab das vielleicht zu lapidar formuliert. Der Punkt ist aber: Dieser 60er-Schwellenwert aus Hoon et al. ist kein harter Cut-off, der ist selbst mit Unsicherheit behaftet. Die haben das als Tendenz beschrieben, nicht als Grenze nach dem Schema "darunter wirkt's, darüber nicht". Wer da jetzt anfängt Garmin-Schätzwert gegen Studienschwellenwert aufzurechnen, betreibt Präzisions-Illusion mit zwei unscharfen Instrumenten. Für @rote_socke_83 ändert das unterm Strich wenig. Das Glas kostet zwei Euro, der Selbstversuch kostet vier Wochen Disziplin beim Timing. Das ist die sinnvollste Quelle für seinen persönlichen Wert - nicht die VO2max-Schätzung.

Zitat von markus_hh88

Präzisions-Illusion mit zwei unscharfen Instrumenten

Das ist ehrlich gesagt der Satz der den ganzen Thread für mich zusammenbringt - nicht weil er eine Lösung ist, sondern weil er das Problem benennt. Ich hab die letzten Stunden gelesen und gemerkt dass ich die ganze Zeit versucht hab Sicherheit rauszuholen aus einer Diskussion die keine liefern kann. Was mich aber gerade noch beschäftigt, und das kam noch gar nicht: @markus_hh88 du sagst das Glas kostet zwei Euro und vier Wochen Timing-Disziplin. Ok. Aber was ist eigentlich der Test? Ich hab kein Powermeter am Rad, nur einen billigen Herzfrequenzgurt den ich halb so oft anlege wie ich sollte. Wie soll ich überhaupt merken ob was wirkt. Gefühl? Das ist mir zu schwammig. Ich kenn mich - wenn ich gut geschlafen hab und die Beine frisch sind, fühlt sich alles besser an. Hat nichts mit Rote Beete zu tun. Das ist das Problem das ich mit Selbstversuchen hab. Ohne irgendeinen Anker - Wattzahl, Zeit, Puls-Leistungs-Verhältnis - bilde ich mir am Ende ein was ich eh einbilden will. Ich hab Betanio PLUS damals auch für gut befunden, und jetzt weiß ich nicht ob das Wirkung war oder einfach die Hoffnung dass 40 Euro Sinn ergeben mussten. Mein Garmin hat übrigens einen VO2max-Wert. Liegt bei 54. Ich hab dem nie vertraut weil ich nicht wusste was ich damit anfangen soll.

Zitat von rote_socke_83

Ich hab Betanio PLUS damals auch für gut befunden

Das ist eigentlich der ehrlichste Satz den du bisher geschrieben hast. Und die Antwort darauf ist nicht "du hast dich geirrt" - sondern: das ist der Normalfall. Das Gehirn will Kausalität wo keine messbar ist. Aber zur VO2max-54 von Garmin: Das ist ein brauchbarer Orientierungswert. Nicht mehr. Bedeutet in dem Kontext hier, dass du laut Hoon et al. noch im Bereich bist wo Nitrat einen kleinen, aber nicht-null Effekt haben kann. Das ist keine Garantie, aber auch kein Argument dagegen. Was mich bei deinem letzten Post mehr beschäftigt: Du sagst du hast keinen Powermeter und legst den Herzfrequenzgurt halb so oft an wie du solltest. Das ist realistisch betrachtet das eigentliche Problem beim Selbstversuch. Nicht weil du ohne Watt nichts testen kannst - sondern weil du ohne irgendeinen konsistenten Messanker nicht weißt ob du an vergleichbaren Tagen testest. Aus meiner Erfahrung funktioniert das am ehesten mit einer Route die du gut kennst und regelmäßig fährst, und einer subjektiven RPE-Skala. Also: gleiche Strecke, gleicher Puls-Zielwert, Zeit stoppen. Kein Labor, aber zumindest wiederholbar. Wenn du die vier Wochen machst und deine Standardrunde auf der gleichen Herzfrequenz messbar schneller wird - oder sich einfach merklich leichter anfühlt bei gleichem Puls - ist das mehr wert als ein Garmin-Algorithmus. Hast du so eine Referenzstrecke überhaupt?

Zitat von markus_hh88

Hast du so eine Referenzstrecke überhaupt

Ja, hab ich. Ich fahr seit ungefähr zwei Jahren regelmäßig eine Runde raus Richtung Hattingen, immer dieselbe Auffahrt, kenn die Straße in- und auswendig. Ich weiß ungefähr wie sich eine gute Woche anfühlt da rauf und wie eine schlechte. Das ist kein Powermeter aber ich kenn den Unterschied zwischen "heute läuft's" und "heute kämpf ich". Das Problem ist ein anderes. Ich fahr die Runde nicht konstant genug. Manchmal zweimal die Woche, manchmal zehn Tage gar nicht wegen Schicht oder Familie. Wie soll ich da einen Vier-Wochen-Test sauber hinbekommen? Bis ich dreimal auf der gleichen Strecke mit ähnlichem Erholungsstand war, ist der Monat um und ich hab drei Punkte mit zu vielen Variablen dazwischen. Ich frag mich ob das nicht das eigentliche Argument für die Abendeinheiten ist, die du vorhin erwähnt hast - nicht wegen dem Timing, sondern weil ich abends generell planbarer trainiere. Morgens hängt alles am Wetterbericht und daran ob meine Frau früh raus muss. Abends hab ich zumindest eine Chance das zu steuern. Und der Garmin-Wert 54 - ok, ich nehm ihn jetzt mal als Orientierung. Mehr nicht.

Zitat von rote_socke_83

abends hab ich zumindest eine Chance das zu steuern

Das ist eigentlich die sinnvollste Schlussfolgerung die du heute gezogen hast - nicht wegen Nitrat, sondern weil Trainingsregelmäßigkeit für deinen Selbstversuch mehr zählt als optimales Timing. Wenn du abends dreimal pro Woche planbar auf die Hattingen-Runde kommst, hast du nach vier Wochen genug Datenpunkte um zumindest ein Gefühl zu kriegen ob sich was verändert. Was mich dabei noch beschäftigt: Du hast die Auffahrt als Referenz genannt. Das ist gut. Ich würde da eine simple Ergänzung vorschlagen - fang an, nach jeder Fahrt kurz in Garmin oder eine Notiz-App zu schreiben wie sich die Auffahrt angefühlt hat, auf einer schlichten Skala von 1 bis 10, plus Schlafdauer vom Vorabend. Das klingt aufwendiger als es ist, dauert 30 Sekunden. Wenn du das konsequent machst, merkst du nach zwei Wochen schon ob der Schlaf mehr erklärt als die Rote Beete - was aus meiner Erfahrung meistens der Fall ist. Und die 54 als Orientierung ist okay. Ich würde den Wert nach einer sauberen Grundlagenphase nochmal anschauen - Garmin rechnet den ja fortlaufend nach. Wenn der nach sechs Wochen regelmäßiger Abendeinheiten auf 56-57 gestiegen ist, weißt du mehr über deinen Trainingszustand als über Nitrat. Das wäre ehrlich gesagt der interessantere Befund.

Zitat von markus_hh88

Schlafdauer vom Vorabend

Ok, das ist der Punkt wo ich kurz lachen musste - nicht weil er falsch ist, sondern weil ich genau weiß was da rauskommt. Ich fahr Schicht. Letzte Woche hatte ich Frühschicht Montag bis Mittwoch, dann zwei Tage frei, dann Spätschicht. Da sieht mein Schlafprotokoll aus wie ein EKG im Notfall. Wenn ich das ehrlich aufschreibe, erklärt der Schlaf-Wert wahrscheinlich 80% von dem was ich auf der Hattingen-Auffahrt spüre - und die Rote Beete ist einfach Hintergrundrauschen. Was mich aber grade beschäftigt ist was das für den ganzen Test bedeutet. Ich mein, wenn mein Schlaf so chaotisch ist dass er die Trainingsqualität dominiert - was messe ich dann eigentlich noch? Ich notiere Schlafstunden, Auffahrtsgefühl, Rote-Beete-Einnahme ja oder nein. Und am Ende hab ich eine Tabelle wo Schlaf alles erklärt und ich immer noch nicht weiß ob das Glas was tut. @markus_hh88 ich frag mich ob ich den Test nicht erstmal schieben soll bis nach einer Woche mit normalem Schlafrhythmus. Ich hab Ende Juli zwei Wochen Urlaub, da fahren wir nicht weg, die Kinder sind bei meiner Schwiegermutter für eine Woche. Das wäre eigentlich der einzige Zeitraum wo ich annähernd kontrollierte Bedingungen kriege. Klingt lacherlich dass ich einen Rote-Beete-Test im Urlaub plane aber irgendwie macht das mehr Sinn als jetzt im laufenden Schichtbetrieb.

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