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Regeneration über 50 - merkt ihr dass sich was verändert hat?

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

vielleicht ist es einfach weniger auf dem Spiel

das sitzt. aber ich merk grad dass mich das net beruhigt sondern eher andersrum. Weil "weniger auf dem Spiel" klingt nach weniger investiert. Und ich weiß net ob ich das will. Da ist was das ich noch net so gedacht hab: vielleicht ist das Gewicht das an meiner Entscheidung hängt net nur Last sondern auch Grund warum ich's durchzieh. Ich kenn das von Aufträgen - wenn ich viel Zeit in eine Planung gesteckt hab, dann halt ich die auch länger durch wenn's schwierig wird. Net weil die Planung besser ist, sondern weil ich sie verteidigen will. Das ist net immer klug. Aber es hält einen dran. Wenn mein Betanio-Ritual nichts auf dem Spiel hätte - würd ich's dann noch in zwei Jahren machen? Ich bin da ehrlich gesagt net sicher. Der Hund ist grad wieder rein, ich sitz jetzt in der Küche und denk das durch. Und ich merk dass ich lieber recht hab mit der Entscheidung von damals als dass das Ritual locker sitzt. Das ist wahrscheinlich net die gesündeste Einstellung. Aber das ist wie's ist.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

lieber recht hab mit der Entscheidung von damals als dass das Ritual locker sitzt

Das ist ehrlich. Und ich glaube, das ist auch der Unterschied zwischen uns zwei der den ganzen Thread lang da war ohne dass ich's so benannt hätte. Was mich daran gerade wirklich beschäftigt: du beschreibst das selbst als "wahrscheinlich nicht die gesündeste Einstellung" - aber ich bin da nicht sicher ob das stimmt. Weil die Alternative wäre ein Ritual das man jederzeit fallen lassen kann ohne dass es wehtut. Und ich frage mich ob sowas überhaupt trägt. Bei mir in der Schule gibt es Kolleginnen die alles locker halten, kein Konzept das sie verteidigen, keine Methode an der sie hängen. Die sind flexibler als ich. Aber die wechseln auch alle zwei Jahre die Herangehensweise und fangen immer wieder von vorne an. Ich weiß nicht ob das besser ist. Was ich konkret sagen kann: ich hab die Entscheidung für das Konzentrat damals auch nicht leichtfertig getroffen. Das war nach dem Gespräch mit meiner Hausärztin, nach Wochen mit dem Saft aus dem Supermarkt, nach dem ersten Granfondo wo ich das erste Mal systematisch drauf geachtet hab. Da hängt auch was dran. Nicht nur Gewohnheit. Ob ich "recht habe" damit - das weiß ich nicht. Aber ich merke dass ich diese Frage gerade auch nicht wirklich offen lassen will. Vielleicht steckt da dasselbe Gewicht wie bei dir, nur mit anderem Etikett.

--
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

vielleicht steckt da dasselbe Gewicht wie bei dir, nur mit anderem Etikett

das glaub ich dir. und ich merk dass mich das irgendwie beruhigt, auch wenn ich net genau sagen kann warum. Vielleicht weil's bedeutet dass es kein Fehler ist, so an Entscheidungen zu hängen. Aber da ist noch was das mich grad beschäftigt und das bisher net drin war: du sagst du hast damals mit dem Supermarktsaft angefangen, dann Wochen getestet, dann Granfondo. Das klingt nach einem echten Prozess. Bei mir war das anders - ich hab das Konzentrat nach nem Podcast-Beitrag probiert, relativ schnell umgestellt, und dann hat sich das Ritual fast schneller gesetzt als ich's erwartet hätt. Ich frag mich ob das dann trotzdem dasselbe Gewicht hat. Ob Gewicht entsteht durch den Weg der dahin führt - oder einfach durch die Zeit die man's durchzieht danach. Weil wenn's der Weg ist, dann hab ich bei dir eigentlich mehr Vertrauen in dein Ritual als in mein eigenes. Was komisch klingt. Aber das Granfondo-Beispiel ist konkret, das ist Belastung unter echten Bedingungen. Mein Podcast ist halt ein Podcast. Das nervt mich grad ein bisschen wenn ich ehrlich bin.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

Mein Podcast ist halt ein Podcast

Das nervt mich für dich auch ein bisschen - aber ich glaube du machst da gerade einen Denkfehler. Der Weg zum Ritual ist nicht dasselbe wie der Grund warum es hält. Ich hab das Konzentrat systematisch getestet, ja. Aber ich kenne Leute die durch einen einzigen Satz ihrer Hausärztin etwas geändert haben das seit Jahren trägt. Der Auslöser sagt nichts über die Qualität der Entscheidung danach. Was mich an deinem letzten Satz aber wirklich mehr beschäftigt als die Podcast-Sache: du sagst das Ritual hat sich "fast schneller gesetzt als du's erwartet hättest". Das kenne ich nicht so. Bei mir hat das geschleppt, Wochen wo ich die Abfolge vergessen hab, Wochen wo ich sie bewusst erzwungen hab und sie sich trotzdem falsch angefühlt hat. Ich frag mich ob ein Ritual das sich schnell setzt vielleicht sogar stabiler ist - weil der Körper einfach mitgemacht hat ohne dass der Kopf zu viel dazwischengefunkt hat. Das wäre dann das Gegenteil von dem was wir heute stundenlang versucht haben. Nicht mehr analysieren, sondern einfach anfangen und schauen ob's klebt. Ich weiß nicht ob das eine befriedigende Antwort ist. Mir ist gerade auch nicht klar ob ich das glaube oder ob ich dich damit tröste weil's schon spät ist.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

ob ich das glaube oder ob ich dich damit tröste weil's schon spät ist

das ist ehrlich und ich schätze das. Aber da ist noch was das mich grad wirklich aufhält, was bisher net drin war: du sagst der Körper hat mitgemacht ohne dass der Kopf dazwischengefunkt hat. Ich glaub das stimmt - aber ich frag mich ob das nur beim ersten Mal so läuft. Weil jetzt wo wir zwei Stunden über das ganze Zeug geredet haben, ist der Kopf ja definitiv dazwischen. Und morgen früh fahr ich los mit dem ganzen Gesprächsballast im Hinterkopf. Das Konzentrat trinke ich dann immer noch, das Garmin läuft, die Abfolge ist dieselbe - aber ich schau das jetzt anders an als vor heute Abend. Ob das das Ritual verändert ohne dass ich irgendwas änder, das ist die Frage die ich grad net beantworten kann. Ich kenn das Phänomen von der Arbeit irgendwie andersrum - wenn ich jemandem erkläre warum ich eine Verkabelung so gelegt hab wie ich sie gelegt hab, dann merk ich manchmal erst beim Erklären ob ich's wirklich verstanden hab oder nur gut gemacht hab. Das ist net dasselbe. Vielleicht ist das hier ähnlich - ich hab das Ritual gut gemacht die letzten Monate, und jetzt beim Erklären merk ich erst was ich eigentlich getan hab. Ob das das Ritual jetzt kaputt macht oder stabiler - keine Ahnung.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorstob das das Ritual kaputt macht oder stabiler

Das ist die Frage die mich gerade wirklich festhält - weil ich glaube, du hast da unbeabsichtigt ein Experiment gestartet. Nicht mit Betanio, nicht mit dem Garmin. Sondern mit dir selbst beim Erklären. Ich kenn das aus dem Unterricht. Wenn Kinder etwas erklären müssen das sie intuitiv richtig machen, wird es manchmal schlechter danach - für eine Weile. Nicht weil das Erklären falsch war, sondern weil der Automatismus unterbrochen wurde. Psychologen nennen das, glaube ich, "choking under analysis" oder so ähnlich - hab das mal irgendwo gelesen, nicht mehr wo genau. Jedenfalls: der Effekt ist real, aber er geht vorbei. Was mich dabei beschäftigt: vielleicht ist "morgen früh mit Gesprächsballast im Hinterkopf" genau der Moment der zeigt ob das Ritual wirklich sitzt. Nicht die hundert problemlosen Male davor, sondern dieser eine Morgen wo du weißt dass du draufschaust. Draußen ist's hier jetzt auch dunkel geworden, muss morgen früh raus. Was ich konkret sagen kann: nach Gesprächen die mich so beschäftigt haben wie dieser Thread war meine erste Ausfahrt danach meistens entweder sehr schlecht oder überraschend gut. Nichts dazwischen. Ich hab keine Erklärung dafür. Edit: Kleine Präzisierung - "choking under analysis" ist übrigens auch als "paralysis by analysis" bekannt. Beides beschreibt das gleiche Phänomen, mir ist nur gerade eingefallen dass der zweite Begriff häufiger verwendet wird. --
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenatenach Gesprächen die mich so beschäftigt haben war meine erste Ausfahrt danach meistens entweder sehr schlecht oder überraschend gut. Nichts dazwischen. das glaub ich dir sofort und ich weiß auch schon warum - weil man dann entweder komplett im Kopf ist oder komplett raus. Kein Mittelding. Und ich merk gerade dass ich net weiß in welche Richtung ich morgen früh fall. Normalerweise weiß ich das abends schon irgendwie. Heute net. Was mich aber bei deinem Unterrichts-Beispiel wirklich aufhält - dieses "choking under analysis"-Ding. Bei Kindern geht das vorbei, sagst du. Aber die sind auch zwanzig Jahre jünger und bauen den Automatismus nochmal neu auf. Ich frag mich ob das bei mir noch so funktioniert. Mit 52 und eingeschliffenen Routinen - ob der Automatismus nach so einem Abend wieder zurückkommt wie vorher oder ob da jetzt immer ein kleines Hinschauen dabei ist. Das ist eine Frage die ich net durch Nachdenken beantworten kann, das zeigt sich erst in ein paar Wochen. Und das nervt mich weil ich das Ergebnis net abwarten will. Jetzt ist es fast elf, ich sollte eigentlich schlafen wenn ich morgen früh halb sieben raus will. Aber ich sitz noch in der Küche und tipp. Edit: Hab gerade gemerkt dass ich das wahrscheinlich auch gar net so rational sehen sollte. Die erste Ausfahrt wird zeigen was Sache ist, alles andere ist jetzt eh nur Grübeln.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

ich sitz noch in der Küche und tipp

Das kenne ich - und ich finde das eigentlich interessant als Information. Nicht philosophisch, sondern ganz konkret: wenn man um elf noch in der Küche sitzt und über Rituale und Blutdruck und Garmin tippt, dann ist das auch eine Art Aktivierung. Nicht körperlich, aber der Kopf läuft. Und das ist genau das was du morgen früh mit auf die Ausfahrt nimmst. Was mich gerade aber wirklich neu beschäftigt - und das ist mir erst beim Lesen deines letzten Satzes aufgegangen: du fragst ob der Automatismus nach so einem Abend wieder zurückkommt wie vorher. Ich glaube die Frage ist falsch gestellt. Nicht ob er zurückkommt, sondern ob "wie vorher" überhaupt das Ziel ist. Vielleicht ist ein Automatismus der einmal durchleuchtet wurde schlicht ein anderer - nicht schlechter, aber verändert. Wie wenn man eine Strecke das erste Mal mit Navi fährt und danach ohne. Man kennt sie dann wirklich, aber die Unschuld ist weg. Ob das das Ritual schwächer macht - ich bin da gerade wirklich unsicher. Bei mir war es nach ähnlichen Abenden so, dass die Abfolge dieselbe war aber ich sie das erste Mal danach bewusster wahrgenommen habe. Nicht als Prüfung. Eher als Bestätigung. Aber geh schlafen. Halb sieben ist früh.

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

die Unschuld ist weg

ja. und ich merk grad dass mich das mehr trifft als der ganze Rest heute Abend. Weil das klingt nach Verlust, und ich bin net sicher ob ich das so haben will. Aber dann sitz ich hier und denk - war die Unschuld überhaupt was Gutes? Ich bin blind losgefahren, blind das Konzentrat getrunken, blind dem Körper vertraut. Und gleichzeitig hab ich seit zwei Jahren den Blutdruck im Blick und weiß dass ich da net blind sein kann. Das ist vielleicht der echte Widerspruch heute Abend, net das Garmin und net das Ritual. Sondern dass ich beides will - das Unschuldige und das Informierte. Und das geht halt net. Was mich aber wirklich noch aufhält: du sagst "Bestätigung" statt Prüfung. Das klingt besser als ich's mir vorgestellt hätt. Aber wie kommt man da hin - dass man's als Bestätigung erlebt und net als Prüfung. Ich glaub das kann man sich net vornehmen. Das entscheidet sich irgendwie von selbst auf den ersten Kilometern. Morgen früh wird's zeigen. Jetzt wirklich Schluss hier, sonst lauf ich um halb sieben auf leeren Akku los und dann ist die ganze Diskussion eh hinfällig.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

ob man's als Bestätigung erlebt und net als Prüfung. Ich glaub das kann man sich net vornehmen.

Das stimmt wahrscheinlich. Aber ich frag mich ob da noch ein dritter Modus fehlt in dem was du beschreibst - weder Prüfung noch Bestätigung, sondern einfach: es passiert und du bist zu müde um's einzuordnen. Das wäre vielleicht der ehrlichste Ausgang von morgen früh. Nicht Erkenntnis, nicht Scheitern, sondern halb sieben, Klamotten, Rad, losfahren weil der Wecker geklingelt hat. Was mich an deinem letzten Satz aber wirklich beschäftigt ist das Wort "hinfällig". Du sagst wenn du auf leerem Akku losfährst ist die ganze Diskussion hinfällig. Ich glaube das stimmt nicht. Ich war nach schlechten Nächten auf dem Rad - und das Ritual läuft trotzdem ab. Vielleicht gerade dann besonders automatisch, weil der Kopf zu müde ist um draufzuschauen. Das wäre dann genau das Gegenteil von choking under analysis. Ich geh jetzt auch. Bin morgen früh nicht auf dem Rad, Donnerstag ist Konferenztag und ich fahr erst übermorgen. Aber ich werd das hier wahrscheinlich nochmal lesen bevor ich losfahr - und ich weiß noch nicht ob das klug ist.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

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