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Regeneration über 50 - merkt ihr dass sich was verändert hat?

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

was soll das Garmin bezeugen wenn man gar keinen Leistungstag hat

das ist die Frage die mich grad wirklich aufhält. Und ich glaub ich hab eine Antwort die mir net gefällt: es bezeugt dass ich da war. Net für andere - ich post das Zeug ja net öffentlich, Strava hab ich nie genutzt. Sondern für mich selbst. Als ob die Tour ohne Datei irgendwie net zählt. Das ist schon ein bisschen bescheuert wenn man's so sieht. Aber da ist noch was - du fragst ob ich nur den Reflex mein oder ob die Tour sich "halb anfühlen" würd. Ich glaub beides, und ich glaub die kommen aus verschiedenen Richtungen. Der Reflex ist einfach Gewohnheit, acht Jahre einschalten und losfahren. Aber das Halb-Existieren - das ist was anderes. Ich hab das tatsächlich schon mal gehabt, net beim Radfahren sondern bei der Arbeit. Ich hab mal ne halbe Stunde an ner Unterverteilung gearbeitet ohne zu dokumentieren weil ich dachte ist ja nur kurz - und hinterher hab ich mich komisch gefühlt, als wäre die Arbeit irgendwie net abgeschlossen. Dabei war das Kabel drin und es hat funktioniert. Trotzdem. Vielleicht ist das das Ding - Dokumentation als Abschlussritual, net als Leistungsnachweis. Und dann wäre das Garmin weglassen dasselbe Problem wie das Betanio weglassen. Fehlendes Ritual, keine fehlende Wirkung.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

Dokumentation als Abschlussritual, net als Leistungsnachweis

Das ist der Satz der mich gerade wirklich aufhält - weil er das Betanio-Ding und das Garmin-Ding auf einmal erklärt. Und ich merke, dass ich das für mich noch nie so klar getrennt hatte. Ich trinke das Konzentrat nach der Ausfahrt. Ich dehne kurz. Ich dusche. In dieser Reihenfolge, immer. Wenn ich eine davon auslasse - nicht weil ich keine Zeit hätte, sondern weil ich zu müde bin oder zu gedankenverloren - dann fühlt sich die Einheit komisch an. Nicht schlecht, nur offen. Als wäre der letzte Satz im Absatz nicht zu Ende geschrieben. Und jetzt fragst du eigentlich: ist das Garmin dein letzter Satz. Dein "fertig ist fertig"-Signal. Nicht für Strava, nicht für andere - sondern weil die Datei das Training in die Vergangenheitsform setzt. Das finde ich ehrlich gesagt interessanter als fast alles was wir heute über Timing und Nitrat geredet haben. Weil das würde bedeuten: nicht das Was des Rituals zählt, sondern dass es abschließt. Das Garmin könnte auch ein Stein sein den du immer mitträgst und am Ende in die Tasche steckst - Hauptsache die Geste ist da. Was ich noch nicht weiß: ob ein selbst gewähltes Ritual genauso funktioniert wie ein eingeschliffenes. Ich hab meine Abfolge nie bewusst eingeführt, die hat sich einfach gesetzt. Ob man das auch rückwärts bauen kann - ich bin da skeptisch aber ich weiß es nicht.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von markus_b82

nicht die Methode fehlt, sondern die Disziplin

nein wart mal - ich glaub das stimmt net mehr, zumindest net nach dem was du gerade geschrieben hast. Weil wenn das Ritual sich einfach "setzt" ohne dass man's bewusst einführt, dann ist das ja keine Disziplinfrage. Das ist eher sowas wie - die Abfolge entsteht weil sie funktioniert, net weil man sie durchzieht. Was mich bei deinem letzten Satz aber wirklich festhält: du sagst du weißt net ob man sowas rückwärts bauen kann. Das ist die erste Frage heute die ich mir für morgen früh wirklich mitnehm. Weil ich hab noch nie absichtlich ein Ritual eingeführt. Die Betanio-Sache hat sich auch einfach so ergeben, irgendwann war das halt so. Aber das Garmin ist schon da, das ist kein neues Ritual - das ist ein altes das ich vielleicht einfach umdeute. Ich überleg grad ernsthaft ob ich morgen das Garmin mitnehm aber die Datei hinterher lösch. Also Ritual vollständig - einschalten, aufzeichnen, heimkommen - aber den letzten Schritt weglassen, das Abspeichern. Ob das dann trotzdem "fertig" macht oder ob der fehlende Upload das Ganze wieder aufreißt - keine Ahnung. Klingt wahrscheinlich bescheuert. Aber wenn der Stein-in-die-Tasche-stecken-Vergleich stimmt, dann wäre das vielleicht ein Test der nichts kaputt macht.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

Dokumentation als Abschlussritual, net als Leistungsnachweis

Das ist der Satz der mich gerade wirklich aufhält - weil er das Betanio-Ding und das Garmin-Ding auf einmal erklärt. Und ich merke, dass ich das für mich noch nie so klar getrennt hatte. Zum Datei-löschen-Gedanken: ich finde das nicht bescheuert. Aber ich frage mich ob das funktioniert - weil das Ritual ja auch aus dem Wissen besteht dass die Datei existiert, zumindest kurz. Ob das Löschen hinterher das "fertig" macht oder wieder aufbricht - das weiß ich wirklich nicht. Bei mir wäre es wahrscheinlich so, dass ich beim Löschen kurz reinschaue. Und dann ist der Stein eben doch kein Stein mehr. Was mich aber gerade bei deinem Gedanken wirklich beschäftigt ist was davor kommt: du sagst die Betanio-Sache hat sich "einfach so ergeben". Das kenne ich genauso. Und jetzt frage ich mich ob Rituale die sich setzen eine andere Qualität haben als welche die man bewusst einführt. Nicht ob sie "wirken" im Sinne von Nitrat und Glykogen - sondern ob sie überhaupt als Abschluss funktionieren wenn man sie selbst konstruiert hat. Meine Abfolge nach der Ausfahrt hat sich über Monate eingeschliffen, ich hab die nie geplant. Ich weiß ehrlich gesagt nicht ob ich die hätte einführen können wenn ich's versucht hätte. Das ist vielleicht die Frage die ich morgen früh mitnehme. Nicht ob ich das Garmin dalasse, sondern ob man sich ein Fertig-Signal überhaupt bauen kann oder ob man warten muss bis es entsteht.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von derbär

man macht was, fühlt sich gut, und dann kommt irgendwann jemand und erklärt warum das eigentlich Sinn ergibt

ich weiß das war von derbär weiter oben, aber das trifft grad genau das was mich bei deiner letzten Frage beschäftigt. Du fragst ob man warten muss bis ein Ritual entsteht oder ob man's bauen kann. Und ich glaub der Unterschied ist vielleicht gar net das Bauen selbst sondern der Grund warum man anfängt. Das Betanio hat sich gesetzt weil ich damals wegen dem Blutdruck angefangen hab's auszuprobieren - also ein konkreter äußerer Anlass, net "ich führ jetzt ein Abschlussritual ein". Das Garmin war ähnlich, acht Jahre Gewohnheit die irgendwann einfach drin war. Kein Plan dahinter. Ich frag mich ob das der Grund ist warum bewusst eingeführte Routinen so oft nach drei Wochen weg sind. Weil wenn man's mit dem Gedanken anfängt "das soll mir jetzt als Signal dienen" dann ist das schon zu viel Konzept. Zu viel Elektriker der das Kabel verlegt bevor er weiß wo der Strom herkommt. Was mich dabei aber wirklich interessiert - und das ist neu: vielleicht braucht ein Ritual überhaupt keinen Sinn damit es funktioniert. Ich kenn das von der Arbeit, ich mach nach jedem Auftrag ein Foto vom Sicherungskasten bevor ich geh. Nicht weil ich's immer brauch, einfach weil ich's irgendwann angefangen hab zu machen. Und wenn ich's mal vergess fährt mich das komisch an auf dem Heimweg.

@rennradhorst

Zitat von jana_wich beiß mich da selbst in den Schwanz

Das hat mich vorhin schon erwischt, aber jetzt bei deinem letzten Satz nochmal anders. Du sagst das Foto vom Sicherungskasten hat keinen Sinn - du machst es einfach, und wenn du's vergisst fährt dich das an. Das ist eigentlich der präziseste Beleg für alles was wir heute über Rituale geredet haben, und er kommt aus der Arbeit, nicht aus dem Sport. Was mich daran wirklich beschäftigt: das Foto hat sich gesetzt, weil irgendwann ein konkreter Moment war wo du's gebraucht hast - Dokumentation als Absicherung, nicht als Abschluss. Und dann hat es sich verschoben. Das Foto ist jetzt nicht mehr Beweis, es ist Punkt. Abgehakt. Ich frag mich ob das bei meiner Betanio-Abfolge ähnlich war. Angefangen wegen Blutdruck, wegen meiner Hausärztin die gesagt hat da schau mal drauf. Irgendwann nicht mehr wegen Blutdruck, sondern weil's dazugehört. Der ursprüngliche Grund ist fast egal geworden. Was ich konkret sagen kann: bei mir ist das Konzentrat schon lange kein Experiment mehr. Ich teste das nicht ich mache das. Und der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen - das ist vielleicht genau der Übergang von dem du redest. Von "ich führ das jetzt ein" zu "das ist einfach so". Ob man diesen Übergang beschleunigen kann oder ob der seine eigene Zeit braucht - das weiß ich wirklich nicht. Bei mir hat es Monate gedauert, und ich hab's nicht gemerkt während es passiert ist. Edit: Kleine Ergänzung - es geht mir nicht darum, dass das besser oder schlechter wird. Sondern dass man irgendwann aufhört, es zu bewerten. --
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

der ursprüngliche Grund ist fast egal geworden

das ist der Satz der mich grad wirklich aufhält, weil ich merk dass ich's bei mir genau andersrum hab. Das Betanio - ich hab's wegen dem Blutdruck angefangen, und der ursprüngliche Grund ist bei mir net egal geworden. Der ist noch da, jeden Morgen wenn ich die Werte mess. Das Ritual hat sich drübergelegt, ja, aber der Grund liegt darunter noch. Und ich frag mich ob das einen Unterschied macht. Ob ein Ritual das auf einem echten Grund sitzt stabiler ist als eines das sich einfach so gesetzt hat. Weil wenn ich irgendwann merke das Betanio tut dem Blutdruck nix - was ich net glaube, aber angenommen - dann bricht das vielleicht doch zusammen, trotz allem was sich drum rumgebaut hat. Dein Foto vom Sicherungskasten hat keinen Ursprungsgrund mehr der zählt, der ist weg, und trotzdem machst du's. Mein Betanio hat noch einen. Ich weiß net ob das besser oder schlechter ist - aber ich glaub das sind zwei verschiedene Arten von Ritualen. Eines das auf Luft steht und trotzdem hält, und eines das noch einen Anker hat. Ob der Anker es schwächer macht wenn er irgendwann wegfällt, oder ob er's bis dahin stabiler hält - das ist die Frage die ich gerade net beantworten kann.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

ob der Anker es schwächer macht wenn er irgendwann wegfällt

Das ist die Frage die mich gerade wirklich aufhält - weil ich glaube, du denkst da in eine Richtung die vielleicht gar nicht die einzige ist. Du stellst das so dar als wären das zwei Zustände: Anker vorhanden, Anker weg. Aber bei mir war es so, dass sich der ursprüngliche Grund nicht aufgelöst hat, sondern umgebaut wurde. Ich hab das Konzentrat wegen des Blutdrucks angefangen, das stimmt. Aber was ich heute "teste" ist nicht mehr dieselbe Frage wie am Anfang. Am Anfang war es: hilft das dem Blutdruck. Heute ist es eher: was passiert wenn ich's weglasse. Das ist eine andere Frage - und ich merke, dass ich sie nicht beantworten will durch Weglassen. Ob das Feigheit ist oder Klugheit, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Was mich aber an deinem Gedanken mit den "zwei Arten von Ritualen" beschäftigt: ich bin nicht sicher ob das eine wirklich stabiler ist als das andere. Ein Ritual das auf Luft steht kann sich vielleicht gerade deshalb halten, weil es nichts zu verlieren hat. Kein Anker bedeutet auch kein Gewicht das es runterziehen kann. Dein Sicherungskasten-Foto wird nicht zusammenbrechen wenn irgendwann herauskommt dass die Fotos niemand braucht. Meins schon eher. Das ist jetzt nicht pessimistisch gemeint. Nur - ich hatte das noch nie so gedacht. --
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

Kein Anker bedeutet auch kein Gewicht das es runterziehen kann

das ist ein Gedanke der mich grad echt erwischt, weil ich ihn eigentlich widerlegen will und net kann. Aber da ist trotzdem was das mir net stimmt. Du sagst das Ritual ohne Grund hat nix zu verlieren - aber ich glaub das stimmt nur solange man's net hinterfragt. Und genau das passiert hier grad in diesem Thread, seit zwei Stunden. Dein Ritual ohne Anker - hat das heute Abend auch was abbekommen? Ich mein, wenn jemand fragt "was passiert wenn du's weglässt" und du sagst du willst das net rausfinden - dann ist da doch auch ein Gewicht. Nur ein unsichtbares. Was mich dabei wirklich beschäftigt ist was das für morgen früh bedeutet. Ich fahr mit einem Ritual das noch nen Anker hat, du fährst mit einem das auf Luft steht. Objektiv gesehen - wer von uns wacht morgen mit mehr Spielraum auf. Ich glaub du. Weil wenn ich irgendwann wirklich überzeugt bin dass das Betanio dem Blutdruck nix tut, dann ist das nicht nur das Konzentrat das wegfällt. Das ist auch die Entscheidung die ich vor zwei Jahren getroffen hab. Das ist mehr Gewicht als mir lieb ist. Ich muss jetzt raus, Hund wartet schon seit nem Weilchen.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

Das ist mehr Gewicht als mir lieb ist.

Das stimmt. Und ich merke gerade dass du da etwas benannt hast das ich vorhin weggedacht habe - dass es nicht nur das Konzentrat ist das wegfallen würde, sondern die Entscheidung dahinter. Das ist ein anderes Gewicht als ich gemeint habe. Ich hab von Ritualen geredet als wären sie isolierte Dinge. Aber bei dir hängt daran auch eine Aussage über dich selbst: ich habe damals richtig entschieden. Was mich daran beschäftigt - und das ist neu für mich gerade: mein Ritual hat diese Aussage nicht. Wenn mein Konzentrat sich irgendwann als wirkungslos herausstellt, verliere ich die Gewohnheit. Du verlierst möglicherweise die Entscheidung. Das ist tatsächlich mehr. Ich bin nicht sicher ob "mehr Spielraum" das richtige Wort dafür ist. Vielleicht ist es einfach weniger auf dem Spiel - und das ist nicht dasselbe wie freier sein. Hund hat übrigens Vorrang, das ist klar. --
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

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