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Regeneration über 50 - merkt ihr dass sich was verändert hat?

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@rennradrenate

Zitat von jana_w

vielleicht ist das zum Teil auch Wiedergutmachung für die letzten 500m die ich zu hart reingedrückt hab

das zieht sich durch den ganzen Thread und ich komm da net raus - aber was mich gerade bei deinem letzten Satz wirklich erwischt ist das Wort "Preis". Du sagst der Preis den man zahlt für das was man braucht. Das klingt nach Abrechnung, und ich merk dass ich das eigentlich net so denken will. Weil wenn ich anfang das so zu rechnen - Training als Kosten, Regeneration als Schuld - dann wird das irgendwann ein blödes Verhältnis zu was das eigentlich sein soll. Ich fahr seit 20 Jahren Rad weil's mir gut tut net weil ich ein Konto führ. Und jetzt sitz ich hier und rechne ob der Samstagseffekt social ist und ob das Betanio unter der Woche Trost ohne Kontext ist und ich merk: das macht mir den Spaß kaputt wenn ich's zu Ende denk. Vielleicht ist das die eigentliche Grenze von dem was so ein Thread leisten kann - man denkt sich rein und irgendwann denkt man sich raus aus dem was man eigentlich mag. Das ist jetzt net gegen dich @rennradrenate, du hast heute wirklich gute Sachen gesagt. Aber ich glaub ich hör heut Abend hier auf. Morgen früh halb sieben, Wecker klingelt, und dann schau ich einfach wie's ist.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

man denkt sich rein und irgendwann denkt man sich raus aus dem was man eigentlich mag

Das stimmt. Und ich merk das gerade auch bei mir - nicht unangenehm, aber es bleibt was hängen das ich noch nicht ganz greifen kann. Was mich an deinem letzten Satz beschäftigt: du sagst du willst kein Konto führen. Ich versteh das. Aber ich frag mich ob das Konto nicht längst da ist, nur ohne dass wir's angelegt haben. Jedes Mal wenn man losfährt obwohl man's nicht sollte, jedes Mal wenn man hinterher merkt die Beine waren von gestern noch dabei - das ist doch irgendwie Buchhaltung, auch wenn man's nicht so nennt. Der Unterschied ist nur ob man hinschaut oder nicht. Und jetzt frag ich mich: macht das Hinschauen es schlechter? Du sagst ja. Ich bin da nicht so sicher. Bei mir hat das Nachdenken über Regeneration die letzten zwei Jahre nicht den Spaß kaputt gemacht - aber ich merk heute Abend dass es das könnte, wenn man zu weit geht. Das ist vielleicht die echte Grenze. Nicht wie viel man weiß, sondern wie viel man im Moment des Anziehens noch denken will. Morgen halb sieben bei mir auch. Donnerstag ist immer eng.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

macht das Hinschauen es schlechter

ich hab das grad nochmal drehen lassen und ich glaub die Frage ist net ob Hinschauen schlechter macht - sondern wann. Beim Fahren selbst: nein, da will ich wissen was mein Körper macht. Hinterher beim Analysieren: auch okay, irgendwann. Aber genau in dem Moment wo ich die Radklamotten rausleg - da will ich's net. Da ist Hinschauen Gift. Das ist vielleicht der einzige Unterschied zwischen uns zwei in dem ganzen Gespräch heute. Du bist Lehrerin soweit ich's versteh, du denkst beruflich viel nach über Prozesse und was dahintersteckt. Ich zieh Kabel und wenn das Kabel sitzt ist gut. Ich hab net gelernt dass Nachdenken per se hilft, ich hab gelernt dass's irgendwann fertig sein muss. Was mich aber grad wirklich beschäftigt - und das ist neu: du sagst "das Konto ist längst da, auch ohne dass man's angelegt hat". Das stimmt wahrscheinlich. Aber ich glaub es gibt einen Unterschied ob das Konto im Hintergrund läuft oder ob man's aufmacht und jeden Posten anschaut. Mein Körper führt das Konto sowieso, der vergisst nix. Die Frage ist nur ob ich auch noch mitzähle oder ob ich dem Körper vertrau dass er's schon irgendwie ausgleicht. Ich weiß net ob das naiv ist.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

ob ich dem Körper vertrau dass er's schon irgendwie ausgleicht

Das ist nicht naiv. Oder vielleicht ist es das, aber dann ist es eine Form von Naivität die funktioniert - und das ist mehr als man von vielen Strategien sagen kann die wir heute durchgekaut haben. Was mich an deinem letzten Satz aber wirklich aufhält: du sagst der Körper vergisst nix. Das stimmt. Aber er kommuniziert das auch - nur eben nicht immer dann wenn wir zuhören wollen. Und da ist vielleicht der einzige Punkt wo ich nicht mitgehe: wenn man dem Körper komplett vertraut dass er's ausgleicht, setzt das voraus dass man seine Signale auch empfängt wenn sie kommen. Und wir haben heute Nachmittag ziemlich lange darüber geredet dass genau das mit zunehmendem Alter unzuverlässiger wird. Das ist kein Widerspruch zu deinem Kabel-Denken. Aber es ist vielleicht die Frage ob "fertig wenn's sitzt" auch gilt wenn das Sitzen sich anders anfühlt als früher. Ich fahr übrigens morgen auch, das steht fest. Aber ich merk gerade dass ich nach diesem Thread zum ersten Mal seit langem nicht weiß was ich unterwegs denken werde. Ob das gut ist oder nicht - keine Ahnung.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von jana_w

vielleicht ist das zum Teil auch Wiedergutmachung für die letzten 500m die ich zu hart reingedrückt hab

ich zieh das nochmal raus weil ich glaub da steckt was drin das wir noch net zu Ende gedacht haben. Du sagst der Körper kommuniziert - aber ich frag mich ob das Signaling vielleicht auch in die andere Richtung geht. Also net nur Körper zu Kopf, sondern Kopf zu Körper. Wenn ich morgen früh losfahre und schon beim Anziehen weiß "das ist heute kein Leistungstag, ich roll nur locker raus" - verändert das dann was im Körper bevor ich überhaupt auf dem Rad sitz? Ich mein das ernst. Ich hab das manchmal, dass ich mit komplett anderem Vorzeichen losfahr - kein Ziel, keine Strecke geplant - und dann fühlt sich die Belastung objektiv leichter an obwohl die Wattage vielleicht ähnlich ist. Draußen wird's grad dunkler, morgen früh wird's schwül sein, das weiß ich schon. Und ich merk dass ich den Ausritt schon anders im Kopf hab als gestern. Ob das dann "besser regeneriert" danach ist - keine Ahnung. Aber es wäre das erste Mal dass ich bewusst mit einer Erwartungshaltung losfahr statt einfach zu schauen was kommt. Das wäre vielleicht die einzige Variable die ich morgen wirklich isoliert testen könnt.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

ob das dann wirklich die einzige Variable ist die ich morgen isoliert testen könnt

Das ist interessant - aber ich glaub nicht, dass das eine Variable ist. Das ist eine Haltung. Und Haltungen lassen sich schlecht isolieren, weil sie alles andere auch einfärben. Wie du pedalierst, wie du in Kurven gehst, wie du reagierst wenn ein Anstieg kommt. Wenn du mit "kein Leistungstag" losfahrst, veränderst du nicht eine Sache, du veränderst den ganzen Modus. Was mich dabei aber wirklich beschäftigt: du sagst Wattage ähnlich, Belastung fühlt sich leichter an. Das würde bedeuten dass die Wahrnehmung verschoben ist, nicht die Physik. Und ich frage mich ob das dann auch für die Erholung danach gilt - also ob der Körper nach einem Ausritt im "kein Leistungstag"-Modus anders reagiert als nach einem mit identischem Profil aber anderem Vorzeichen. Ich hab das bei mir noch nie so direkt verglichen. Ich wüsste nicht mal wie ich das messen würde, außer dem alten "fühlt sich anders an" das wir beide schon für ziemlich unzuverlässig befunden haben. Was ich konkret sagen kann: bei mir hat sich das Körpergefühl nach der Ausfahrt verändert seit ich nicht mehr mit Strava-Zielen unterwegs bin. Seit ungefähr einem Jahr fahre ich sonntags ohne Aufzeichnung. Das war erst unangenehm, mittlerweile vermiss ich's nicht. Ob das Regeneration beeinflusst hat - keine Ahnung. Aber ich komme anders heim.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

ich komme anders heim

das ist vielleicht der schlichteste Satz heute aber er bleibt hängen. Ohne Aufzeichnung fahren - das hab ich noch nie ernsthaft probiert. Ich hab Garmin seit acht Jahren und ich weiß ehrlich gesagt net mehr wie's davor war. Das ist so eingeschliffen dass ich beim Rausholen des Rads schon automatisch aufs Display schau ob's GPS hat. Was mich da gerade wirklich beschäftigt: du sagst "anders heimkommen" ohne zu wissen ob das die Regeneration beeinflusst. Aber vielleicht ist "anders heimkommen" schon das Ergebnis. Net Mittel zum Zweck sondern fertig. Ich frag mich ob ich das Garmin-Ding überhaupt loswerde. Net aus Disziplin sondern weil ich glaub dass ich nach zwanzig Minuten anfang nachzuschauen wie schnell ich war. Das ist wie wenn ich auf der Baustelle das Messgerät weglasse - theoretisch kann ich's abschätzen, praktisch greif ich trotzdem danach. Ich weiß net ob das Gewohnheit ist oder ob ich dem Gefühl ohne Zahl einfach net trau. Morgen früh werd ich's wahrscheinlich trotzdem laufen lassen. Aber ich denk grad zum ersten Mal ernsthaft drüber nach was wäre wenn net.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorst

ob ich dem Garmin-Ding einfach net trau

Das ist der Punkt der mich gerade wirklich erwischt - nicht das Garmin selbst, sondern das Vertrauen. Oder eben das fehlende. Ich hab das erste Mal ohne Aufzeichnung gefahren weil mein Gerät einen Fehler hatte, nicht weil ich es wollte. Und das war entscheidend - ich hatte keine Wahl, also war es auch keine Niederlage. Wenn ich es bewusst ausgemacht hätte, hätte ich das ganze Ride lang daran gedacht. Ich frage mich ob das bei dir ähnlich wäre. Nicht "ich lass das Garmin aus" als Entscheidung, sondern irgendeinen Umweg finden bei dem es sich nicht wie Verzicht anfühlt. Das klingt fast wie ein Trick den man sich selbst spielt - aber manchmal ist das der einzige Weg. Was mich dabei aber wirklich beschäftigt: du sagst "dem Gefühl ohne Zahl nicht trauen". Das ist bei mir auch noch da, auch nach einem Jahr sonntags ohne Aufzeichnung. Ich komme heim und mein erster Impuls ist immer noch nachzuschauen wie lange ich gebraucht hab. Ich tu's nicht, aber der Impuls ist da. Der geht nicht weg, man gewöhnt sich nur dran dass man ihm nicht folgt. Ob das dann irgendwas mit Regeneration zu tun hat - ich bin ehrlich gesagt nicht mehr sicher. Vielleicht ist das schon wieder eine dieser Fragen die zu weit führt wenn man sie zu Ende denkt.

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

man gewöhnt sich nur dran dass man ihm nicht folgt

das ist eigentlich das was mich grad wirklich aufhält. Weil das klingt nach dauerhafter Arbeit - also net "ich hab das gelernt und jetzt ist gut" sondern "ich muss das jeden Sonntag neu entscheiden". Das ist irgendwie anstrengend als Vorstellung. Aber da ist noch was das ich grad zum ersten Mal so denke: du sagst der erste Impuls bleibt, auch nach nem Jahr. Was wenn der Impuls gar net das Problem ist sondern nur das Folgen. Ich hab auf der Baustelle auch Impulse die ich net auslebe - ich will manchmal dem Kunden sagen was ich wirklich denk, tu's aber net. Das ist keine Niederlage, das ist einfach gelernte Steuerung. Und trotzdem erschöpft mich das manchmal mehr als die Arbeit selbst. Ich frag mich ob das beim Garmin genauso wäre. Nicht nachschauen, aber wissen dass man's könnte - ist das Freiheit oder nur aufgeschobener Reflex. Was mich aber wirklich interessiert: du sagst das erste Mal war Zufall, kaputtes Gerät. Ich hab sowas nie gehabt. Mein Garmin läuft seit acht Jahren problemlos durch, das Ding ist zuverlässiger als manche Kunden. Vielleicht wäre der einzige ehrliche Test wenn ich's morgen früh absichtlich zuhause lasse - net ausmachen zuhause lassen. Damit die Versuchung gar net dabei ist. Ich weiß schon dass ich's net tu.

@rennradhorst

Zitat von rennradhorstzuhause lassen. Damit die Versuchung gar net dabei ist. Das ist eigentlich ein anderer Gedanke als "ausmachen" - und ich glaube du hast da was. Nicht die Willenskraft trainieren, sondern die Situation so bauen dass Willenskraft gar nicht gebraucht wird. Das kenn ich aus der Schule. Wenn ich mein Handy im Lehrerzimmer lasse statt in der Tasche, dann schau ich nicht drauf im Unterricht - nicht weil ich disziplinierter bin, sondern weil die Option einfach nicht da ist. Was mich aber gerade wirklich beschäftigt ist ein anderer Aspekt den ich noch nicht durchgedacht habe: du sagst du weißt schon dass du's nicht tust. Das ist interessant. Weil das bedeutet, du hast die Entscheidung schon getroffen - und zwar gegen den eigenen Impuls. Warum? Nicht weil Garmin die Ausfahrt verbessert, das haben wir beide bezweifelt. Sondern weil irgendetwas an der Aufzeichnung bleibt. Dokumentation vielleicht. Oder Beweis. Beweis wofür eigentlich. Das ist die Frage die mich gerade nicht loslässt. Was soll das Garmin bezeugen wenn man gar keinen Leistungstag hat. Für wen läuft das dann. Bei mir war es beim ersten Mal ohne Aufzeichnung so: ich hab hinterher das Gefühl gehabt die Tour existiert irgendwie halb. Das ist albern, ich weiß das. Aber der Impuls war da. Und ich frage mich ob das bei dir ähnlich wäre oder ob du einfach nur den Reflex meinst. Edit: Kleine Ergänzung - mir ist gerade klar geworden dass ich das wahrscheinlich zu psychologisch sehe. Vielleicht ist es am Ende auch einfach nur Gewohnheit, die sich anfühlt wie ein Bedürfnis. --
Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

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