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Regeneration über 50 - merkt ihr dass sich was verändert hat?

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@derbär ich hab da selbst noch nichts konkret geändert, um ehrlich zu sein. Ich beobachte das Natrium-Ding gerade eher theoretisch. Was mich aber daran hält, es einfach zu ignorieren: nach meinen längeren Läufen im Sommer hab ich manchmal das Phänomen dass ich viel trinke und trotzdem das Gefühl hab, nicht wirklich "angekommen" zu sein. Kann Einbildung sein, kann aber auch zum Mechanismus passen den der Examine-Artikel beschreibt.

Zitat von derbär

ich merke immer mehr dass ich die Ursachen gar net auseinanderhalten kann

Das ist eigentlich der ehrlichste Satz im ganzen Thread. Ich glaub wir betreiben hier alle irgendwie post-hoc-Rationalisierung - man macht was, fühlt sich besser, sucht dann die Erklärung dafür. Das ist menschlich, aber eben kein Erkenntnisgewinn. Was ich dazu noch anmerken würde, und das hab ich bisher selbst nicht konsequent gemacht: es würde schon helfen, wenigstens eine Sache pro Training zu notieren, nicht alles, sondern wirklich nur eine. Ich hab das mal drei Wochen probiert mit einem simplen Textfile, nur Datum, Belastung, wie ich mich zwei Stunden danach gefühlt hab. Aber dann kommt die Arbeit dazwischen und die Konsistenz bricht weg. Das ist vielleicht das eigentliche Problem - nicht die Methode fehlt, sondern die Disziplin die nötig wäre um überhaupt verwertbare Daten zu sammeln. Ob das Natrium praktisch relevant ist bei normalen Trainingsumfängen unter einer Stunde - da bin ich selbst noch unschlüssig. Bei 80km im Sommer würd ich sagen: wahrscheinlich schon ein Faktor.

@markus_b82 das mit der post-hoc-Rationalisierung trifft mich gerade mehr als ich zugeben will. Weil ich genau das mache - ich fahr, ich fühl mich gut oder schlecht, und dann such ich im Nachhinein die Erklärung. Rote Beete, Magnesium, Timing... irgendwas muss es ja gewesen sein ne.

Zitat von markus_b82

nicht die Methode fehlt, sondern die Disziplin

ja. und ich glaub das Problem ist auch dass ich nach ner Ausfahrt das letzte bin was ich aufschreiben will. Ich bin platt, ich will essen, ich will nicht tippen. Das Textfile-Ding kenn ich - ich hab auch mal angefangen, zwei Wochen, dann war's vorbei. was mich aber gerade bei deinem letzten Satz erwischt: du sagst bei 80km im Sommer ist Natrium "wahrscheinlich schon ein Faktor". Okay - aber was wäre denn die praktische Konsequenz? Irgendne Brühe hinterher? Elektrolyttablette? Ich sag das net ironisch, ich frag wirklich. Weil wenn das die Antwort ist dann ist das so simpel dass ich mich ärgere dass ich nie drüber nachgedacht hab. Meine Mutter hat nach dem Sport immer Salzstangen gegessen und ich hab das als Kind total bescheuert gefunden. Vielleicht war die schlauer als ich.

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Zitat von derbär

Meine Mutter hat nach dem Sport immer Salzstangen gegessen

das ist ehrlich gesagt kein Witz - ich hab mal gelesen dass viele dieser "Sportler-Tricks" von früher empirisch gar nicht so schlecht waren einfach weil die Leute auf ihren Körper gehört haben statt auf irgendne App. Salzstangen sind halt Natrium + schnelle Kohlenhydrate, das ist eigentlich nicht dumm. Aber zur echten Frage: ich nehm nach langen Läufen im Sommer manchmal eine Elektrolyttablette ins Wasser, so eine von DM, keine Ahnung ob die optimal ist. Der Unterschied zum reinen Wasser ist bei mir subjektiv merkbar, ich fühl mich schneller "drin" wieder - aber ob das Natrium ist, der Geschmack, oder einfach dass ich dann langsamer trinke weil Tablette auflösen dauert... ich mein, du kennst das Problem ja selbst. Was mich bei dem ganzen Diskussionsverlauf hier aber gerade mehr beschäftigt: ihr redet die ganze Zeit übers Protokollieren und dass die Disziplin fehlt. Ich frag mich ob das Problem auch ist dass wir zu viel messen wollen. Ich hab irgendwann aufgehört alles tracken zu wollen und mich einfach gefragt: fühle ich mich beim nächsten Training besser oder schlechter als letzte Woche? Nicht wissenschaftlich, aber zumindest konsistent beobachtet über Monate. Das ist vielleicht mehr wert als drei Wochen Textfile und dann nix. @derbär die Brühe-Idee ist übrigens nicht so abwegig. Ich kenn eine die macht das ernsthaft, Miso nach langen Läufen.

@jana_w der Punkt mit "fühle ich mich beim nächsten Training besser oder schlechter" ist interessant, aber ich bin da ehrlich gesagt nicht überzeugt. Das setzt voraus dass die Trainings überhaupt vergleichbar sind - gleiche Distanz, ähnliche Intensität, ähnlicher Schlaf davor. In der Praxis ist das selten der Fall, und dann ist die Wahrnehmung "besser als letzte Woche" genauso konfundiert wie das Textfile, nur ohne die Daten. Zitat von jana_w: ich hab irgendwann aufgehört alles tracken zu wollen

Ich versteh den Impuls. Aber der Unterschied zwischen "gar nicht tracken" und "zu viel tracken" ist nicht unbedingt "weniger tracken" - manchmal ist es einfach smarter tracken. Eine einzige Variable, konsequent. Das ist leichter gesagt als getan, das geb ich zu. Was mich bei der Miso-Sache aber wirklich überrascht: das ist tatsächlich nicht dumm. Miso hat neben Natrium auch Glutamat und je nach Variante Protein, das wäre zumindest von der Zusammensetzung her interessant nach langen Läufen. Hast du da eine Quelle für, oder ist das eher empirisch bei deiner Bekannten entstanden? Und zur Salzstangen-Geschichte von derbärs Mutter - ich glaub das ist ein gutes Beispiel dafür dass intuitive Praxis manchmal vor der Theorie liegt. Das heißt nicht dass man auf Evidenz verzichten sollte, aber es macht mich weniger hochnäsig gegenüber Hausmitteln die sich über Jahrzehnte gehalten haben. Wobei Salzstangen halt auch viel Zucker und Weißmehl sind, also ob das die optimale Natrium-Quelle ist. Edit: Zitat-Formatierung korrigiert - war vorher etwas verwirrend mit dem Jana-Mix.

@markus_b82 das mit dem Glutamat in Miso - interessant, aber ich frag mich ob das bei der Bekannten von jana_w überhaupt so gedacht war oder ob die einfach Bock auf Miso hatte und es zufällig passt. Ich kenn das bei mir selbst zu gut - man macht was, fühlt sich gut, und dann kommt irgendwann jemand und erklärt warum das "eigentlich Sinn ergibt". Plötzlich klingt es wissenschaftlich obwohl man einfach Hunger hatte.

Zitat von markus_b82

Wobei Salzstangen halt auch viel Zucker und Weißmehl sind

ja aber das ist mir nach nem langen Ritt ehrlich gesagt egal. Ich will nicht optimieren, ich will ankommen. Wenn mein Körper Salzstangen ruft dann krieg er Salzstangen. Das "optimale Natrium-Quelle"-Denken nervt mich ein bisschen - nicht böse gemeint, aber manchmal wird aus nem einfachen Ding zu viel gemacht. was mich aber gerade wirklich beschäftigt, und das hat bisher keiner angesprochen: ihr redet alle übers Was und Wann nach dem Training. Aber ich merk bei mir dass das Wie ich die letzte Stunde VOR dem Ende fahre massiv beeinflusst wie ich mich danach fühl. Wenn ich die letzten 10km noch mal reinhaue weil ich's kann - da bezahl ich später drauf, egal was ich hinterher esse. Und wenn ich locker ausrolle komm ich anders an. Kann sein das ist super banal aber ich hab das erst vor ein paar Monaten wirklich bewusst gemerkt. vielleicht ist Regeneration nicht nur Nachher-Optimierung sondern fängt früher an als ich dachte.

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@derbär das mit dem Ausrollen - das klingt banal aber ich glaub du hast da wirklich was. Ich merk das beim Laufen genauso, wenn ich die letzten 500m noch mal reindrücke weil die Uhr gut aussieht, dann ist das danach spürbar anders als wenn ich locker reinlaufe. Nicht nur Beine, auch Kopf. Ich hab das lange ignoriert weil ich dachte, was sind schon 500m. Was mich aber bei dem Gedanken gerade erwischt: wenn Regeneration schon im Training anfängt, dann ist ja auch das Warm-up am Anfang Teil davon - also nicht nur Nachher-Optimierung sondern auch Vorher-Vorbereitung. Und dann steckt man plötzlich in einem Kontinuum und die ganze "was ess ich nach dem Training"-Frage ist vielleicht gar nicht der entscheidende Hebel. Ich mein, das sag ich als jemand der seit Monaten Betanio PLUS trinkt, also ich beiß mich da selbst in den Schwanz.

Zitat von markus_b82

smarter tracken. Eine einzige Variable, konsequent.

ich weiß was du meinst und im Prinzip hast du recht - aber ich frag mich ob das für Leute die kein Labordenken gewohnt sind überhaupt machbar ist ohne dass es sich anfühlt wie Hausaufgaben. Ich hab das nie durchgehalten und ich bin jemand der Dinge gerne ausprobiert. Vielleicht ist "fühl ich mich beim nächsten Training besser" tatsächlich die einzige Metrik die man wirklich konsequent durchzieht, weil sie kein Extra-Aufwand ist.

@jana_w das mit dem Kontinuum - ja. Genau das. Und das macht die ganze "Post-Training-Optimierung"-Diskussion irgendwie kleiner als sie sich anfühlt wenn man drüber redet.

Zitat von jana_w

ich beiß mich da selbst in den Schwanz

das ist aber wenigstens ehrlich. Ich mach das genauso - ich trink Rote Beete vorher bin überzeugt dass es was bringt, und gleichzeitig weiß ich dass ich's nicht sauber belegen kann. Das ist kein Widerspruch den ich auflösen muss glaub ich. Man kann was machen UND wissen dass man's nicht beweisen kann. was mich bei deinem Warm-up-Gedanken aber gerade erwischt: ich fahr eigentlich NIE warm rein. Ich steig auf, tret los, fertig. Hab nie drüber nachgedacht ob das überhaupt Einfluss auf die Regen danach hat. Das wäre tatsächlich ne Variable die ich ändern könnte ohne gleichzeitig drei andere anzufassen. Erste 15 Minuten bewusst locker - das ist so simpel dass ich mich frag warum ich da noch nie drüber nachgedacht hab. ob das dann auch den Kopf hinterher beeinflusst weiß ich net. Aber die Beine - da könnt ich mir vorstellen dass da was dran ist. die "fühl ich mich beim nächsten Training besser"-Metrik von dir ist übrigens vielleicht wirklich die einzige die ich langfristig durchziehe. Nicht weil sie gut ist sondern weil sie nichts kostet.

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@derbär das mit dem Warm-up, das hat mich gerade wirklich erwischt. Weil ich genau das gleiche mache - ich schnür die Schuhe und los, keine Ahnung warum ich da nie drüber nachgedacht hab. Und wenn ich ehrlich bin, ich trainiere morgens meistens, also Körper ist sowieso noch halb im Schlafmodus. Dass das dann Auswirkungen auf die Regeneration danach hat... klingt eigentlich logisch, ich hab das nur nie so verknüpft.

Zitat von derbär

erste 15 Minuten bewusst locker

ich würd das gern ausprobieren, aber ich weiß schon dass ich's vergesse sobald meine Playlist läuft. Das ist mein Problem - Musik an und dann zieht das Tempo einfach an. Vielleicht wäre das tatsächlich die eine Variable die ich mal isoliert testen könnte ohne Musik die ersten Kilometer. Schrecklicher Gedanke, aber. Was mich aber bei dem ganzen Warm-up-Kontinuum-Gedanken noch stört: wenn das alles so zusammenhängt - Warm-up, Ausrollen, Timing danach - dann ist die Frage eigentlich nicht "was hilft bei der Regeneration" sondern "was hab ich im Training verbockt das ich hinterher korrigieren will". Das klingt zynisch, ist aber vielleicht der ehrlichste Blick drauf. Ich mein, ich trink mein Betanio PLUS und glaub dran, aber vielleicht ist das zum Teil auch Wiedergutmachung für die letzten 500m die ich zu hart reingedrückt hab.

@jana_w der letzte Satz von dir sitzt. "Wiedergutmachung für die letzten 500m" - das ist eigentlich das ehrlichste was ich seit langem über meine eigene Regen-Routine gelesen hab. Ich glaub ich mach das auch, nur hab ich's nie so benannt. Aber da ist noch was das mich gerade beschäftigt und was im ganzen Thread noch net aufgetaucht ist. Ihr redet übers Warm-up am Anfang und Ausrollen am Ende - aber ich frag mich ob das bei uns Älteren nochmal ne andere Dimension hat. Mit 52 merk ich dass ich nach hartem Training am nächsten Morgen schlechter einschätz ob ich wirklich erholt bin oder net. Ich fahr los fühlt sich okay an, und nach 20km merkt man dann erst dass die Beine von gestern noch dabei sind. Das ist früher net so gewesen. Da wusst ich morgens: fertig oder net fertig. Meine Hausärztin hat das mal "verzögerte Wahrnehmung" genannt, also dass das Signaling zwischen Muskel und Kopf mit dem Alter etwas langsamer wird. Ob das stimmt oder ob sie mich damit beruhigt hat - keine Ahnung. Aber es würde erklären warum ich manchmal denke ich bin erholt und dann beim ersten Anstieg kommt die Quittung. Und wenn das stimmt, dann ist die ganze Diskussion ums Timing nach dem Training vielleicht gar net der Haupthebel. Dann wäre eher die Frage: wie erkenn ich überhaupt ob der Körper bereit ist für die nächste Einheit. Das interessiert mich ehrlich gesagt mehr als ob ich jetzt Miso oder Salzstangen nach der Ausfahrt ess. Edit: Oder anders gesagt - vielleicht sollte man weniger auf die Regenerations-Routinen schauen und mehr auf objektive Marker wie Ruhepuls oder wie schnell die HR nach dem Warm-up wieder runtergeht. Gibt es da Erfahrungen mit?

Zitat von markus_b82

kumulativer Stress also Arbeit plus Sport plus schlechter Schlaf, lässt sich im Nachhinein kaum noch sauber auseinanderrechnen

@rennradhorst das was du gerade beschreibst mit der "verzögerten Wahrnehmung" - das ist eigentlich der unheimlichste Gedanke im ganzen Thread. Weil wenn das Signaling wirklich langsamer wird, dann helfen dir weder Betanio noch Miso noch irgendein Timing dabei zu erkennen ob du überhaupt starten solltest. Das ist ein komplett anderes Problem als alles was wir bisher besprochen haben. Ich bin 34 und ich merk das noch nicht so - aber ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung ob ich's schon merken würde wenn's anfängt. Vielleicht unterschätze ich das gerade auch bei mir und nenn es einfach "schlechter Tag". Was mich daran beschäftigt: du sagst deine Hausärztin hat das "verzögerte Wahrnehmung" genannt. Hat sie dir irgendwas Konkretes dazu gesagt wie man damit umgeht? Weil wenn der Körper das Signal verzögert schickt, dann müsste man ja eigentlich konservativere Faustregeln haben - nicht "fühle ich mich erholt" sondern irgendwas wie "wie viele Stunden seit der letzten harten Einheit". Das ist dann Planung statt Körpergefühl, und das widerspricht irgendwie allem was ich intuitiv mache. Ich frag weil ich das gerade gar nicht auflösen kann und ich nicht so tun will als ob ich's wüsste.

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