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Placebo oder echt – wie merkt man das bei sich selbst überhaupt??

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mich beschäftigt das gerade echt sehr. Ich mein - wie soll ich als Hobbyläuferin überhaupt rausfinden ob irgendwas wirklich was bringt oder ob ich mir das nur einbilde? Bei meinem letzten langen Lauf (war Sonntag, so 18km) hab ich vorher Rote-Beete-Saft getrunken weil ich das grade ausprobiere. Gefühlt war die Pace besser, aber... ich hatte auch mal schlechter geschlafen als die Woche davor und war entspannter irgendwie. Wie soll ich da auseinanderhalten was der Saft gemacht hat und was einfach der Tag?? Ich studier Sportwissenschaft und weiß eh dass man für sowas eigentlich Kontrollbedingungen bräuchte. Aber ich bin halt keine n=30 Studie ich bin eine Person. Selbstexperiment ist da echt schwierig. Das Problem is auch: wenn ich glaub dass es hilft fühlt es sich wahrscheinlich besser an. Placebo is ja bei Ausdauersport scheinbar nicht zu unterschätzen, das hab ich mal in nem Paper gelesen (weiß grad nicht mehr welches genau). Also selbst wenn der Rote-Beete-Saft nix tut - bringt er mir dann trotzdem was weil ich glaub er bringt was?? Das dreht sich irgendwie im Kreis. Und dann kommt noch dazu dass ich nicht wochenlang nur eine Variable änder weil sich eh ständig irgendwas verändert - Schlaf, Stress, Trainingbelastung. Ich frag mich ob irgendjemand hier g'scheit auseinanderhält was bei ihm wirklich was tut und was einfach... Gefühl ist. Habt ihr da irgendeine Methode oder ist das bei euch auch so ein Bauchgefühl-Ding am Ende?

@miramira haha ja das dreht sich im Kreis stimmt. Aber ich glaub du machst es dir zu kompliziert mit dem wissenschaftlichen Ansatz. Du bist keine Studie, genau - und das ist okay. Bei mir wars so: ich hab jahrelang nichts genommen, laufe einfach. Dann hat ein Kumpel vom Training mir Magnesium empfohlen, meinte das hilft gegen Krämpfe. Ich war skeptisch aber hab es probiert, ein paar Wochen. Danach habs wieder gelassen - nicht weil ich dachte es hilft nicht, sondern weil mir der Unterschied nicht aufgefallen ist. Punkt. Keine Krämpfe vorher, keine Krämpfe nachher. Und das wars für mich. Das heißt nicht dass es anderen nicht hilft. Aber wenn du selbst keine klare Veränderung merkst - und zwar beim trainen, nicht beim nachdenken - dann ist es wahrscheinlich auch egal ob es wirkt oder nicht. Dein Problem ist glaub ich dass du vorher schon überlegst ob es funktionieren könnte. Versuchs anders: nimm es einfach zwei, drei Wochen und merk dir wie deine Läufe sich anfühlen. Dann setz es ab, lauf normal weiter. Wenn es danach deutlich schlechter wird, war wahrscheinlich was dran. Wenn nix passiert - naja, dann weißt du bescheid. Rote Beete als Saft ist auch billig genug dass man das einfach machen kann ohne viel Geld zu verschwenden. Das ist für mich der Unterschied.

Zitat von fk_1988

Wenn es danach deutlich schlechter wird, war wahrscheinlich was dran

Da stimm ich dir zu, aber ehrlich - das funktioniert auch nur wenn du merklich schlechter wirst. Bei den meisten Sachen die verkauft werden merkst du gar nix. Weder besser noch schlechter. Das ist ja das perfekte Geschäftsmodell, oder? Du merkst keinen Unterschied, aber du kannst dir immer noch einreden dass es was bringt weil du ja nicht weißt wie es ohne wäre. Das Problem bei Rote-Beete-Saft - und da bin ich ehrlich gesagt auch skeptisch - ist dass der Effekt wenn überhaupt winzig sein soll. Wir reden von ein paar Sekunden vielleicht auf 10km, je nachdem welche Studie man liest. Und die meisten sind eh von den Herstellern finanziert. Bei so kleinen Effekten merkst du als Einzelperson halt einfach gar nix. Du lausts schneller weil du ausgeruht bist, nicht weil der Saft was gemacht hat. @miramira du bist Sportwissenschaftlerin, du weißt ja selbst wie das läuft. Für dich wäre es wahrscheinlich hilfreicher rauszufinden wofür du dich überhaupt anstrengen willst statt herauszufinden ob irgendein Konzentrat dir zwei Sekunden spart. Ich lauf seit drei Jahren meine Halbmarathons, nehm nix, ess halt normal. Funktioniert. Und wenn nicht, hätte ich weniger Geld verschwendet

@marcus_r klar aber ich würde das anders sehen. Das Problem bei deiner Logik ist dass du wartest bis es deutlich schlimmer wird. Das stimmt - aber bei sowas wie Rote-Beete merkst du ja nicht nur zwei Sekunden, sondern auch dass du dich anders anfühlst, schneller regenerierst oder eben nicht. Das ist was anderes als irgendein Pulver das nix kostet und nix bringt. Was mich aber mehr nervt: @miramira du hast vorhin geschrieben dass Placebo vielleicht trotzdem hilft wenn du dran glaubst. Das ist true, aber das bedeutet nicht dass du dann das Zeug kaufen sollst. Wenn Placebo hilft - dann hilft dir auch ne Routine. Morgens früher rausgehen, ne bestimmte Musik hören, dein Lieblingsklamotten anziehen. Kostet nix und du weißt immerhin wovon der Effekt kommt. Bei mir wars so dass ich irgendwann gemerkt hab - ich brauch gar nix zum Trinken, ich brauch einfach ne halbe Stunde Zeit für mich bevor ich losjogg. Der Kopf ist frei, fertig. Und jetzt? Mach ich das einfach. Kein Produkt, kein Geld weg. Das ist auch der Punkt den ich an der ganzen Sache schwierig finde. Du fragst dich ob der Saft hilft, aber eigentlich solltest du fragen ob du dein Geld da lieber anders investierst. Bessere Laufschuhe vielleicht, oder einfach mehr Zeit zum Trainieren. Das bringt dir garantiert mehr als rauszufinden ob irgendein Konzentrat zwei Sekunden spart die du eh nicht merkst.

@fk_1988 jetzt merkst du selbst dass du im Grunde das sagst was ich meine, nur anders rum formuliert. Du hast ne Routine gefunden die dir hilft - Kopf frei, Zeit für dich - und das funktioniert. Aber wie viele Leute machen das? Die meisten kaufen sich lieber was. Und genau da sitzen die Hersteller und warten drauf. Aber du hast recht dass Rote-Beete-Saft anders ist als irgendein Pulver. Das ist ja noch echtes Gemüse, da stört mich weniger drüber. Was mich nervt sind eher diese ganzen Konzentrate und Kapseln wo du am Ende nicht weißt was reingestopft wurde und warum. Da zahls du für nen Namen und ne Versprechung. @miramira dich würde mich interessieren - du studierts ja - merkst du bei deinen Kommilitonen ob die wissenschaftliche Seite davon hilft oder ob alle trotzdem genauso reinfallen in den Hype wie normale Hobbyläufer? Ich hab das Gefühl egal wie viel du weißt, sobald dich jemand überzeugt hat dass es hilft machts weniger aus ob es stimmt oder nicht. Und dann läufts du schneller weil du selbstsicherer bist, nicht weil der Saft was getan hat

Zitat von marcus_r

merkst du bei deinen Kommilitonen ob die wissenschaftliche Seite davon hilft

das ist ne gute Frage aber ich glaub das führt in die falsche Richtung. Weil am Ende is es egal ob du Sportwissenschaftler bist oder nicht - wenn du müde bist merkst du weniger, wenn du gut drauf bist merkst du mehr. Punkt. Was mich aber gerade denken lässt: @miramira du hast von deinem langen Lauf erzählt, 18km und du warst entspannter als sonst. Das ist ja schon mal ne Info. Nicht "der Saft hat geholfen" sondern "ich war einfach in ner besseren Verfassung". Das ist ehrlich gesagt wichtiger als rauszufinden ob das Zeug chemisch was tut. Weil wenn du weißt dass Schlaf und Kopf frei wichtiger sind als irgendein Saft - dann kannst du deine Energie da reinlegen statt in Tests zu machen die dir eh nix bringen. Ich bin heute morgen ziemlich kaputt vom Lagerist-Job, hab gestern ne doppelte Schicht gemacht. Hätte ich jetzt nen Saft getrunken und bin schneller gelaufen - hätte ich wahrscheinlich gedacht "aha, funktioniert" obwohl es nur Einbildung wär weil ich heute eh ausgeglichener bin. Das zeigt mir immer wieder: die meisten Variablen kriegst du gar nicht kontrolliert, also warum sich den Kopf zerbrechen. Besser ist einfach: merkst du nen echten Unterschied oder nicht. Bei mir nie. Also spar ich mir das Geld.

Zitat von fk_1988

wenn du weißt dass Schlaf und Kopf frei wichtiger sind als irgendein Saft - dann kannst du deine Energie da reinlegen

Genau das ist aber auch das Problem. Die meisten Leute wissen das nicht, oder wollen es nicht wissen. Weil es ist ja einfacher ne Flasche zu kaufen als sich selbst zu organisieren. Ich mein, ich bin Elektriker - wenn etwas nicht funktioniert check ich die Schaltung, nicht ob ich ne neue Lampe brauche. Aber im Fitness-Bereich scheint das anders zu laufen. Da wird erst Equipment gekauft statt die Basics zu klären. Was mich gerade noch denken lässt: @miramira du hast ja erwähnt dass sich bei dir auch Stress und Trainingslast ständig ändern. Genau darum kann ich die ganze Messung auch vergessen. Das ist wie wenn ich versuchen würde rauszufinden ob ein Kabel besser funktioniert wenn ich gleichzeitig die Spannung änder. Geht nicht. Und der Rote-Beete-Saft ist am Ende nur ein weiterer Faktor den du nicht isolieren kannst. Aber ehrlich - wenn du Lust drauf hast den Saft zu trinken, dann trink ihn einfach. Nur nicht weil du dir davon was versprichst sondern weil es dir schmeckt. Das ist wenigstens ehrlich. Alles andere ist zeitverschwendung

@marcus_r da muss ich dir aber widersprechen bei einer Sache. Du sagst "wenn dir der Geschmack gefällt trink ihn einfach" - aber das ist ja genau der Punkt wo ich mir unsicher bin. Weil wenn ich mir einrede dass der Saft hilft, dann trinke ich ihn VOR den wichtigen Läufen, nicht einfach so zwischendurch. Und dann ist es wieder keine echte Gewohnheit sondern wieder so ein Ritual das ich mir selbst suggeriere. Bei mir hat die Kollegin gesagt "probiers vor langen Läufen, da merkst du es am meisten" - und genau das hat sie mich gemacht. Und jetzt bin ich in dieser Falle wo ich nicht weiß ob ich schneller bin weil ich daran glaube oder weil der Saft wirklich was macht. Das ist doch auch wieder ein Produkt das ich nur wegen der Versprechung kaufe, oder nicht? @fk_1988 mit deinem Punkt zum Schlaf und zur Verfassung - das sitzt mir im Kopf. Ich merke bei mir selbst dass ich am Wochenende viel besser laufe einfach weil ich ausgeruht bin. Das ist so viel größer als irgendein Saft. Und ehrlich, wenn ich die Zeit die ich mit "hab ich den richtigen Shot getrunken" verbringe einfach in ne halbe Stunde mehr Schlaf investieren würde - das wäre wahrscheinlich smarters. Aber dann frag ich mich - warum machen das so viele Läufer trotzdem? Es kann ja nicht nur Marketing sein wenn das so viele machen, oder?

@leni_do das ist aber auch ne gute Frage warum so viele das machen. Und ich glaub das hat weniger mit Marketing zu tun als mit sowas wie sozialer Beweis. Wenn alle im Lauftreff oder im Gym das trinken oder nehmen, dann machst du es auch einfach mit. Ist ja auch psychologisch logisch - wenn zehn Leute dir sagen dass es hilft, denkst du nicht "zehn Leute liegen falsch" sondern du zweifelst an dir selbst. Aber da sitzt das echte Problem. Es geht gar nicht um ob der Saft wirkt oder nicht. Es geht darum dass die Leute nicht unterscheiden können zwischen "das macht eine messbare Veränderung" und "das fühlt sich gut an weil ich es erwarte". Und sobald es sich gut anfühlt - egal warum - merkst du auch tatsächlich schneller zu sein. Dein Kopf ist looser, du hast weniger Angst vorm langen Lauf, du pushst dich unbewusst mehr. Ist ja nicht gelogen. Aber das ist eben auch kein Grund den Saft zu kaufen, weil wie du selbst merkst - das selbe Gefühl kriegst du auch mit nem guten Schlaf oder ner festen Routine. Was mich gerade interessiert - hast du das schon so gemacht dass du einfach ohne den Saft nen Lauf machst und dir selbst sagst "hey das war auch ganz gut"? Oder brauchst du inzwischen das Ritual um dich selbst zu vertrauen?

@marcus_r jetzt hast du mich erwischt, ehrlich gesagt. Nein, ich hab das noch nicht gemacht - einfach nen Lauf ohne Saft und mir selbst sagen "war auch ganz gut". Ich merk gerade dass ich das gar nicht traue, weil ich im Kopf schon weiß dass meine Kollegin sagt es hilft und dann laufe ich los und denk die ganze Zeit "naja, heute ohne, wird wahrscheinlich schlechter". Das ist ja schon die halbe Niederlage bevor ich anfang, oder. Das Problem ist - und da glaub ich sitzt der echte Knoten - dass ich inzwischen nicht mehr weiß ob ich dem Saft vertraue oder nur meiner Kollegin. Sie läuft schneller als ich, trainiert intensiver, und wenn SIE sagt es hilft dann denk ich "okay, vielleicht merkst du es nur noch nicht". Aber das ist ja genau dieser soziale Beweis den du erwähnst. Ich kopiere nicht den Saft, ich kopiere ihr Vertrauen darin, und das ist was anderes. Nächsten Sonntag hab ich wieder nen längeren Lauf, so 16km. Und ich glaub ich probiers einfach mal ohne. Nicht weil ich denke dass es nix bringt sondern weil ich rausfinden will ob ich mir selbst danach sagen kann "war okay, war nicht schlechter" ohne dass mir das Gefühl kommt dass ich was verpasst hab. Das ist wahrscheinlich der einzige Test der bei mir wirklich zählt, nicht? Weil am Ende zählt nicht ob der Saft chemisch was tut sondern ob ich danach weniger zweifle

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