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Macht Ernährung vor dem Training wirklich so viel aus oder rede ich mir das ein?

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@markus_b82 ja, ich hab die HF live auf dem Display. Aber ehrlich gesagt schau ich da meistens erst drauf wenn ich schon merke dass irgendwas nicht stimmt. Also genau das falsche Verhalten das du beschreibst. Was mich an deinem Kontext-Tag-Ansatz beschäftigt ist eigentlich was anderes. Ich merk gerade dass ich das beruflich die ganze Zeit mache - wir tracken im Lager Schichtleistung gegen Personalstand, Tageszeit, Auftragslage. Und trotzdem bin ich beim Radfahren nie auf die Idee gekommen das genauso anzugehen. Kann ich mir selbst nicht ganz erklären. Vielleicht weil ich das als Ausgleich sehe und dann unbewusst den Analyse-Modus abschalte.

Zitat von markus_b82

ob "Nachtschicht + schlecht geschlafen" immer dasselbe Muster produziert

Das würde ich fast schon unterschreiben ohne es getestet zu haben. Weil Nachtschicht-Samstag-Ausfahrt ist bei mir eigentlich immer ein Griff ins Klo. Immer. Ich hab das bisher als Pech verbucht. Was mich aber wirklich interessiert: du sagst HF-Drift bei gleicher Pace. Wie erkennst du das live, wenn du gleichzeitig fährst, auf Verkehr achtest, vielleicht noch bergauf? Ich kann mir nicht vorstellen dass ich da die Disziplin hab regelmäßig runterzuschauen bevor ich irgendwas spüre. Im Lager würd ich sagen: du brauchst eine Alarmschwelle, nicht eine manuelle Kontrolle. Gibt es sowas am Garmin eigentlich für HF-Zonen?

Zitat von rote_socke_83

du brauchst eine Alarmschwelle, nicht eine manuelle Kontrolle

Ja, genau das. Und die gute Nachricht: das geht am Garmin tatsächlich. Unter Alarme kannst du eine HF-Obergrenze und eine Untergrenze einstellen, der piept dann wenn du aus der Zone rausfällst. Ich hab das selbst so konfiguriert dass er mich warnt wenn ich über Zone 3 rutsche bei langen Einheiten - nicht weil ich den Alarm immer brauche, sondern weil er mich zwingt, kurz hinzuschauen statt blind zu fahren. Ob das bei deinem Modell geht, weiß ich nicht genau - kommt auf die Garmin-Serie an. Welches hast du? Was mich an deiner Beobachtung mehr beschäftigt als die Technik: du sagst Nachtschicht-Samstag ist "immer ein Griff ins Klo". Das ist eigentlich schon dein Muster, du hast es nur nie als Datenpunkt behandelt sondern als Pech. Dabei ist das genau die Info die du bräuchtest um vorab anders zu planen - mehr Carbs am Freitag, kürzere Ausfahrt, oder die Einheit einfach verschieben wenn es geht. Nicht jede schlechte Ausfahrt muss man durchkämpfen. @rennradhorst hatte das mit dem Freitagsabend-Essen ja schon angesprochen, aber ich glaube bei dir geht es noch eine Ebene tiefer: nicht nur was du isst, sondern wie viel Erholung du überhaupt hattest. Das ist kein Ernährungs-Problem mehr, das ist Schlafschuldproblematik.

Zitat von markus_b82

das ist kein Ernährungs-Problem mehr, das ist Schlafschuldproblematik

Ok, da muss ich kurz stoppen. Das ist der erste Punkt heute Abend der mich wirklich unangenehm trifft. Weil du hast natürlich recht - aber gleichzeitig kann ich das nicht einfach lösen. Nachtschicht ist Nachtschicht, das ist mein Job und der geht nicht weg. Ich kann nicht sagen "diese Woche kein Training weil Schlafschuld" und dann vier Wochen lang nichts fahren weil die Schichten sich häufen. Was mich aber wirklich beschäftigt: wenn Schlaf das eigentliche Problem ist, dann hilft mir die ganze Ernährungs-Optimierung die wir hier besprochen haben nur bedingt weiter. Ich kann freitags abends noch so ordentlich essen - wenn ich fünf Stunden geschlafen hab, ist das Ergebnis trotzdem vorhersehbar. Ehrlich gesagt frag ich mich grad ob ich die Granfondo-Vorbereitung strukturell falsch angehe. Nicht was ich esse oder wann, sondern wann ich überhaupt trainieren kann ohne dass der Job mir reinpfuscht. Das ist mir im Laufe dieses Threads erst klar geworden. Ich hab immer gedacht das Problem ist die Ernährung. Vielleicht ist das Problem der Kalender. @markus_b82 du machst das schon länger mit den Einheiten - planst du deine Touren aktiv um die Belastung der Woche herum oder fährst du einfach wann Zeit ist?

Zitat von rote_socke_83

vielleicht ist das Problem der Kalender

ja das ist es wahrscheinlich. Aber ich würd das net ganz so düster sehen. Ich bin Elektriker, selbständig, d.h. ich hab auch keine Woche die wie die andere aussieht. Was ich irgendwann kapiert hab: du kannst net auf die perfekte Woche warten weil die kommt net. Was du machen kannst ist die Einheit anpassen statt sie zu streichen. Nachtschicht gehabt, schlecht geschlafen - dann fähr halt eine Stunde locker statt drei Stunden mit Anspruch. Das klingt banal aber ich hab jahrelang alles-oder-nichts gemacht und dann eben oft nichts. Was mich bei deiner Frage an @markus_b82 beschäftigt: ob der seine Einheiten aktiv plant oder wann Zeit ist. Ich mach das schon länger so dass ich Sonntags kurz schau was die Woche bringt - net perfekt durchgetaktet, aber ich weiß ob Donnerstag ein langer Tag wird oder net. Und dann liegt die lange Tour eben am Mittwoch wenn's geht. Die Granfondo kriegst du net mit einer Traumwoche vor, die kriegst du mit 20 mittelmäßigen Wochen wo du trotzdem gefahren bist. Das eigentliche Problem das ich bei dir seh - und das sag ich net um klug zu klingen - ist dass du Schlechtes immer als Pech verbucht hast statt als Information. Das hast du selbst gesagt. Die Nachtschicht-Samstag-Kombo ist kein Pech, das ist ein wiederkehrendes Muster und da kann man was draus machen. Net die Schicht abschaffen aber die Erwartung an den Samstag.

Zitat von rennradhorst

die Granfondo kriegst du net mit einer Traumwoche vor, die kriegst du mit 20 mittelmäßigen Wochen

Das ist ehrlich gesagt der Satz den ich heute Abend gebraucht hab. Nicht weil er mich tröstet, sondern weil er das Problem neu rahmt. Ich hab das bisher als Qualitätsfrage gesehen - gute Ausfahrt oder schlechte Ausfahrt. Aber du hast recht, das ist eigentlich eine Mengenfrage. Was mich jetzt aber konkret beschäftigt: wenn ich die Erwartung an den Samstag nach Nachtschicht runtersetze - auf eine Stunde locker statt drei mit Anspruch - was mach ich dann mit dem Trainingsplan? Ich hab keinen formalen, aber ich hab so eine grobe Vorstellung wie viele Kilometer ich pro Woche brauche um bis zur Veranstaltung nicht komplett abgehängt zu sein. Wenn ich den Samstag kürze, hol ich das dann irgendwo nach oder lass ich es einfach? @rennradhorst du sagst du schaust Sonntags kurz was die Woche bringt. Aber du bist selbständig, du hast da einen Spielraum den ich nicht hab. Bei mir steht der Schichtplan vier Wochen im Voraus fest. Ich weiß also heute schon welche Samstage diesen Sommer nach Nachtschicht kommen. Das könnte ich eigentlich mal rausschreiben und schauen wieviele "echte" Trainingssamstage ich überhaupt hab bis zur Granfondo. Ich vermut das Ergebnis macht mir keinen Spaß.

@rote_socke_83 mach das. Wirklich. Schreib die Samstage raus. Klingt vielleicht ernüchternd aber ich kenn das Gefühl wenn man das schwarz auf weiß sieht - das ist net unbedingt schlimm, das ist meistens realistischer als das diffuse "irgendwie zu wenig" im Kopf.

Zitat von rote_socke_83

Ich vermut das Ergebnis macht mir keinen Spaß.

Vielleicht. Aber ich wette du hast mehr brauchbare Samstage als du denkst, die du bisher einfach nicht als solche gezählt hast weil sie net "perfekt" waren. Ich hab das mal für eine Granfondo-Vorbereitung vor drei Jahren gemacht - hab gedacht ich komm auf vielleicht acht vernünftige Wochenenden bis zum Start. Waren am Ende fünfzehn, davon sechs die ich ursprünglich als "zu müde, zählt net" abgeschrieben hätte. Was ich konkret machen würd an deiner Stelle: die Nachtschicht-Samstage net als Ausfall markieren sondern als kurze Einheit einplanen. Eine Stunde, 30 km, kein Anspruch. Die zählen trotzdem auf die Gesamtkilometer. Und du lernst in diesen Einheiten mehr über dein Körpergefühl unter Belastung als an jedem Tag wo alles passt - weil du die Variablen kennst. Du weißt ja dann: fünf Stunden Schlaf, Nachtschicht, 28 Grad. Was macht mein Körper damit. Das ist eigentlich wertvolle Info für die langen Einheiten später. Dass du den Schichtplan vier Wochen voraus kennst ist übrigens ein Vorteil den ich als Selbständiger net hab.

@rennradhorst ok, ich hab das grad tatsächlich gemacht. Schichtplan ist eh digital, hab mal schnell gezählt. Bis zur Granfondo im September hab ich 14 Samstage. Davon vier nach Nachtschicht, einer ist wegen Familienkram schon weg. Bleiben neun wo ich theoretisch was vernünftiges machen kann, plus die vier die ich jetzt als kurze Einheiten nehm statt sie abzuschreiben. Das ist mehr als ich gedacht hab, ehrlich gesagt. [quote=rennradhorstDu weißt ja dann: fünf Stunden Schlaf, Nachtschicht, 28 Grad. Was macht mein Körper damit.[/quote]

Das ist ein guter Punkt. Ich hab das bisher immer als Störvariable gesehen die das Ergebnis ruiniert. Aber wenn ich die Nachtschicht-Samstage als eigene Kategorie laufen lasse, sind das eigentlich vier Einheiten in denen ich konkret teste was unter diesen Bedingungen geht. Und im September kann es auch warm werden, das ist keine schlechte Vorbereitung. Was mir gerade noch durch den Kopf geht: ich weiß jetzt wann ich fahren kann, ich weiß ungefähr was ich essen soll und wann. Aber ich hab null Ahnung was ich in den neun "echten" Wochen eigentlich trainieren soll. Ich mein - länger werden die Einheiten irgendwie von allein, nehm ich an. Aber gibt es da einen Unterschied ob ich die gleiche Zeit lieber auf Intensität setze oder auf reine Kilometeranzahl? Ich glaub für 160 km ist das keine unwichtige Frage, aber ich hab da keinen Plan.

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