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Fermentiert vs. eingelegt – macht der Unterschied im Alltag wirklich was aus?

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Ich stehe gerade an dem Punkt, wo ich mich frage, ob ich meinen Ansatz nochmal überdenken sollte. Das klassische Einlegen mit Essigmarinade ist reproduzierbar, schnell, und das Ergebnis ist berechenbar. Fermentation dagegen ist - zumindest was ich bisher gelesen habe - ein anderes Spiel komplett. Was mich konkret beschäftigt: der Geschmack. Fermentierte Rote Beete soll säuerlicher sein, aber anders als Essig-sauer, eher runder und komplexer, wenn ich die Beschreibungen richtig interpretiere. Das klingt plausibel, weil Milchsäure eben nicht dasselbe ist wie Apfelessig. Aber ich hab noch keinen direkten Vergleich gemacht und vertraue Eigenberichten im Netz inzwischen nur bedingt. Die zweite Frage ist Zeit. Einlegen geht bei mir an einem Nachmittag. Fermentation braucht was - drei, fünf, sieben Tage je nach Temperatur, Salzgehalt, Raumklima. Im August ist das hier in Hamburg eine eigene Herausforderung, weil es in der Küche momentan deutlich wärmer ist als der Richtwert, den die meisten Anleitungen angeben. Ich hab auch gelesen, dass die Salzkonzentration der entscheidende Hebel ist, irgendwo zwischen zwei und drei Prozent. Drunter riskiert man unerwünschte Bakterien, drüber blockiert man die Lacto-Fermentation zu stark. Das klingt nach einem Prozess, den man ein paarmal verhunzen muss bevor er sitzt. Meine Frage an die, die das schon länger machen: benutzt ihr eine Waage und rechnet das durch, oder geht ihr nach Gefühl? Und was macht ihr wenn die Küche zu warm ist - einfach kürzere Fermentationszeit, oder läuft das dann grundsätzlich anders?

@markus_hh88 also dieses mit der Waage und Prozentrechnung klingt für mich ehrlich gesagt schon so aufwändig dass ich da gar nicht erst anfangen würde. ich mein ich koche ja nicht schlecht aber sowas klingt eher nach Labor als nach Küche

Zitat von markus_hh88

drei, fünf, sieben Tage je nach Temperatur

und dann muss man auch noch drauf achten wie warm die Küche ist... keine ahnung ob das für mich realistisch wäre. ich hab bei drei Kindern nicht immer die Nerven dafür dass irgendwas auf dem Tresen steht und ich täglich schauen muss ob es noch gut ist oder schon komisch riecht

was mich aber wirklich interessiert - wenn das dann fertig ist, wie lange hält das dann eigentlich? weil beim Einlegen im Glas hab ich irgendwie das Gefühl das ist erstmal sicher im Kühlschrank. bei Fermentation weiß ich das gar nicht

@evelyn83 die Laborfrage ist berechtigt, aber realistisch betrachtet ist das weniger aufwändig als es klingt. Eine Küchenwaage hat vermutlich jeder, und 2% von 500g Wasser sind 10g Salz - das ist einmal kurz nachdenken und dann fertig. Was ich aber interessant finde: du fragst nach der Haltbarkeit, und da ist die Antwort eigentlich kontraintuitiv. Gut fermentiertes Gemüse hält im Kühlschrank oft länger als Essig-Eingelegtes, weil die Milchsäure selbst ein Konservierungsmittel ist. Das ist kein Marketingversprechen, das ist schlicht Biochemie - Eingemachtes aus dem 19. Jahrhundert funktionierte ja auch nicht mit Apfelessig aus dem Supermarkt. Der Punkt mit den Kindern und dem Tresen ist aber was anderes. Draußen stehen lassen wenn man nicht täglich draufschaut - das geht schon, man muss kein tägliches Protokoll führen. Man merkt relativ eindeutig wenn was falsch läuft, weil es dann wirklich unangenehm riecht und nicht nur "sauer". Schimmel oben drauf ist das eigentliche Signal, und den sieht man. Wobei - ich hab selbst noch nicht fermentiert, das ist bei mir noch Theorie. Mein erster Versuch wird wahrscheinlich trotzdem scheitern, da mache ich mir keine Illusionen. Draußen ist es gerade so schwül dass ich kaum Lust hab die Küche extra zu heizen.

Zitat von markus_hh88

Gut fermentiertes Gemüse hält im Kühlschrank oft länger als Essig-Eingelegtes

das ist ehrlich gesagt neu für mich ich dachte immer das Essig ist quasi der sichere Weg weil halt... Essig. aber wenn das wirklich so ist, dann wäre Fermentation ja eigentlich die bessere Option für mich, weil ich ungern was wegschmeißen muss. nur - und da bin ich wahrscheinlich wie die evelyn83 - ich verstehe gerade nicht wie ich das im Alltag hinbekomme. ich meine, ich kaufe die Beete am Samstag auf'm Markt, verarbeite sie sonntag oder montag, und dann sollen die fünf Tage irgendwo gären. bei mir Zuhause ist es genauso schwül wie bei dir, und zwischen Kindergarten, Einkaufen und dem normalen Kram... ich weiß nicht ob ich da wirklich drauf achten kann dass die Temperatur passt. ist es denn auch ok wenn man die Fermentation einfach im Kühlschrank macht? ich weiß dass das dann länger dauert, aber wenn ich die sowieso dort lagere hinterher - macht das einen großen Unterschied? oder verliert man dann zu viel vom Sinn der Sache?

@leni_bk die Kühlschrankfrage find ich eigentlich interessant weil ich das selbst nicht weiß. hab mal irgendwo aufgeschnappt dass Lacto-Fermentation unter etwa 10 Grad fast zum Stillstand kommt - also im Kühlschrank würde das dann ewig dauern, Wochen vielleicht. ob da am Ende noch genug "passiert" ist um den Unterschied zu Essig-Einlegen zu machen, keine Ahnung ehrlich.

Zitat von leni_bk

ist es denn auch ok wenn man die Fermentation einfach im Kühlschrank macht

mich würde da vor allem interessieren was man dann eigentlich noch im Glas hat. also wenn der Prozess kaum läuft - hat man dann quasi rohe Beete in Salzwasser? das klingt nicht nach dem was markus_hh88 beschreibt wenn er von rundem Geschmack redet. ich überleg schon eine Weile ob ich Rote Beete überhaupt fermentieren will oder ob das bei mir realistisch ist. ich hab keinen Keller, die Wohnung ist im Sommer warm, und ich vergess sowas dann doch... hab letztes Jahr mal Gurken eingelegt (mit Essig, nichts Wildes) und die stehen immer noch halb voll im Kühlschrank weil ich vergessen hab dass sie da sind. insofern bin ich vielleicht eh keine gute Kandidatin für Prozesse die Aufmerksamkeit brauchen 😄

@leni_k haha ja das mit den Gurken kenne ich, bei mir sind es eher die Reste von irgendwelchen Sachen die ich "später mal verwenden" wollte 😅 aber du sprichst da was an das mich gerade beschäftigt.

Zitat von leni_k

ob da am Ende noch genug "passiert" ist um den Unterschied zu Essig-Einlegen zu machen

- genau das ist für mich die Krux. wenn ich im Kühlschrank fermentiere und am Ende eh nur salzige Beete rauskommt, dann kann ich mir den ganzen Aufwand sparen und nehm einfach Essig wie immer. aber wenn das wirklich anders schmeckt... weiß nicht. ich glaub mein eigentliches Problem ist dass ich nicht weiß ob das für mich persönlich einen Unterschied macht. ich meine, ich esse Betanio PLUS weil die Kolleginnen das auch nehmen und irgendwie muss da ja was dran sein, aber ob ich den Geschmack wirklich rausmecke? keine Ahnung ehrlich. und bei Fermentation ist das genauso - alle schreiben dass es komplexer schmeckt, aber ich bin mir nicht sicher ob mein Gaumen das überhaupt registriert oder ob ich mir das dann einbilde. vielleicht sollte ich mal jemanden fragen der das wirklich macht und eine Kostprobe anbietet. oder - hat jemand von euch schon fermentierte Beete im Bio-Laden oder so gekauft? um zu schauen ob einem das überhaupt zusagt, bevor man daheim anfängt zu experimentieren?

@leni_bk der Tipp mit dem Bio-Laden ist eigentlich gar nicht schlecht. ich hab ehrlich gesagt noch nie drauf geachtet ob die sowas fertig verkaufen - ich schau immer nur bei Gurken und Kimchi. aber stimmt, bevor man daheim rumprobiert macht es viel mehr Sinn einfach mal eine Kostprobe zu kaufen und zu schauen ob man den Unterschied überhaupt merkt.

Zitat von leni_bk

ob mein Gaumen das überhaupt registriert oder ob ich mir das dann einbilde

das ist so eine ehrliche Frage, respekt. ich glaub nämlich dass ein Großteil der Leute die online schwärmen wirklich nicht beschreiben könnten was genau sie schmecken - nur dass es "anders" ist. ich bin da auch skeptisch, ich lass mich ungern von Beschreibungen überzeugen wenn ich selber nix vergleichen konnte. was mich bei dir grad wundert ist die Sache mit Betanio PLUS - du sagst du nimmst das weil die Kolleginnen das auch nehmen. das klingt ein bisschen nach dem gleichen Muster, oder? also kein eigener Vergleich, einfach mitmachen weil andere schwören. ich find das nicht schlimm, ich überleg auch ob ich das mal ausprobier, aber ich wäre halt neugierig ob du selbst irgendwas merkst seit du das nimmst oder ob das eher so... mitläuft.

@leni_k der Punkt mit Betanio PLUS ist eigentlich das Interessanteste hier gerade. Das ist nämlich kein Rote-Beete-Problem, das ist ein allgemeines Wahrnehmungsproblem. Wenn man nicht weiß womit man vergleicht, nimmt man den Status quo als Referenz - und dann ist alles "gefühlt okay" oder "gefühlt besser", aber das sagt null aus.

Zitat von leni_bk

ob mein Gaumen das überhaupt registriert oder ob ich mir das dann einbilde

Das ist aus meiner Erfahrung bei Supplements genauso wie bei Lebensmitteln. Verblindeter Vergleich, am besten mit jemandem der einem nicht verrät was was ist - dann wird die Antwort oft deutlich nüchterner. Ich hab das im Bekanntenkreis ein paarmal gemacht mit Säften, Proteinpulvern, sowas. Die Trefferquote ist selten so gut wie die Leute vorher behaupten. Was die Kostprobe im Bio-Laden angeht: das ist tatsächlich vernünftiger als ich spontan gedacht hätte. Im Reformhaus oder bei größeren Bio-Ketten gibt es fermentierte Beete im Glas durchaus, ich hab das vor Monaten mal kurz in der Hand gehabt aber dann doch nicht gekauft weil ich die Marke nicht kannte. Vielleicht wäre das ein sinnvoller erster Schritt, bevor man daheim experimentiert und dann nicht weiß ob das eigene Ergebnis überhaupt repräsentativ ist. @leni_bk du hast die ehrlichere Frage gestellt als du vielleicht selbst gemerkt hast.

Zitat von leni_k

ob mein Gaumen das überhaupt registriert oder ob ich mir das dann einbilde

das frag ich mich auch ständig wenn ich sowas kaufe ehrlich gesagt. also meine freundin schwört ja auch auf Rote-Beete-Saft und meint sie merkt nen Unterschied beim Blutdruck - aber wie soll sie das wirklich wissen ohne vorher/nachher zu messen? @markus_hh88 dieses mit dem verblindeten Vergleich klingt eigentlich logisch aber auch irgendwie aufwändig. wer macht das schon wirklich zuhause. ich glaub die meisten (mich eingeschlossen) wissen einfach nicht wie man das seriös testet und dann glaubt man halt dem Gefühl

was mich bei dem Betanio PLUS Punkt wundert - @leni_bk du sagst du nimmst das weil Kolleginnen das nehmen. ich hab das Ding auch kurz angeschaut aber der Preis hat mich dann abgeschreckt. und genau das ist mein Problem mit sowas - wenn ich nicht mal weiß ob ich den Unterschied schmecken oder merken würde, warum dann so viel Geld dafür ausgeben

ich glaub das ist eigentlich die ehrlichere Frage als alles was wir hier über Fermentation diskutieren 😄 ob man überhaupt der Typ ist der sowas wahrnimmt oder ob man sich nur einredet dass es was bringt

@evelyn83 der Blutdruck-Punkt deiner Freundin ist eigentlich ein gutes Beispiel dafür, wie schlecht wir als Menschen in Selbstbeobachtung sind. Blutdruck schwankt über den Tag locker um 20 mmHg, je nach Stress, Schlaf, Kaffee, ob man gerade aufgestanden ist. Ohne Messprotokoll ist "ich merk nen Unterschied" schlicht nicht auswertbar.

Zitat von evelyn83

wer macht das schon wirklich zuhause

Niemand, das stimmt. Deswegen verlass ich mich da auch nicht auf Eigenberichte, egal wie überzeugend die klingen. Ich hab beruflich schon Leute erlebt die nach drei Wochen Kinesiotape schworen, dass ihre Knieschmerzen weg sind - und dann stellt sich raus sie haben gleichzeitig angefangen weniger zu laufen. Kausalität ist halt schwer. Was mich aber bei @evelyn83s Punkt gerade beschäftigt: die Frage ob man "der Typ ist der sowas wahrnimmt" ist eigentlich zu weich formuliert. Das klingt nach einer Charakterfrage, ist aber keine. Geschmackswahrnehmung ist trainierbarer als die meisten denken, Studien zur gustatorischen Sensitivität zeigen das recht klar - ich glaub das war irgendwas aus dem Journal of Sensory Studies, müsste ich raussuchen. Wer selten direkte Vergleiche macht, nimmt Unterschiede schlechter wahr, unabhängig von der Veranlagung. Ob das für fermentierte Beete relevant ist - wahrscheinlich schon. Wenn jemand seit Jahren nur Essig-Varianten kennt, ist der erste Kontakt mit Milchsäure-Sauerheit vermutlich gewöhnungsbedürftig, nicht weil der Gaumen unempfindlich ist, sondern weil kein Referenzpunkt da ist.

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