Erdiger Geschmack bei Roter Beete - Zubereitung schuld oder einfach so?
Zitat von rainer_w am September 11, 2026, 03:48 UhrAlso ich bin jetzt seit ein paar Tagen dabei mich da reinzufuchsen, frische Rote Beete und so, und eine Sache geht mir nicht aus dem Kopf. Dieser Geschmack. Mal ehrlich, das schmeckt nach Erde, nach feuchtem Boden, ein bisschen wie wenn man draußen die Nase zu tief reinschmeißt. Nicht eklig, aber eben so. Jetzt frag ich mich ob das eine Zubereitungsfrage ist oder ob das einfach der Grundcharakter von dem Gemüse ist und man da nichts gegen machen kann. Meine Nachbarin, die kocht die immer mit Essig und Lorbeer zusammen, die sagt der erdige Ton geht dann fast weg. Hab ich selbst noch nicht probiert, bin ja noch Anfänger in dem Bereich. Vom Glas her kenn ich das ja anders, da schmeckt das irgendwie säuerlich und zahm, aber das liegt wohl am Einlegesud. Das ist mir eigentlich lieber gewesen, wenn ich ehrlich bin, aber der Kollege der mich auf den Rote-Beete-Kram überhaupt gebracht hat, der sagt aus dem Glas ist nix wert wegen den ganzen Zusätzen. Ich hab jetzt letzte Woche die gekochte frische Beete einfach so gegessen nur bisschen Salz drauf, und dieser Erdgeschmack war schon recht dominant. Vielleicht zu wenig drumherum, keine Ahnung. Hat das hier jemand schon mal gezielt bekämpft mit irgendeiner Technik, oder ist das bei manchen Leuten einfach Geschmackssache und man gewöhnt sich irgendwann dran? Weil 35 Jahre lang hab ich in der Stahlhalle auch Gerüche die einem nicht passen einfach weggesteckt, aber beim Essen möchte man das ja nicht unbedingt müssen
Also ich bin jetzt seit ein paar Tagen dabei mich da reinzufuchsen, frische Rote Beete und so, und eine Sache geht mir nicht aus dem Kopf. Dieser Geschmack. Mal ehrlich, das schmeckt nach Erde, nach feuchtem Boden, ein bisschen wie wenn man draußen die Nase zu tief reinschmeißt. Nicht eklig, aber eben so. Jetzt frag ich mich ob das eine Zubereitungsfrage ist oder ob das einfach der Grundcharakter von dem Gemüse ist und man da nichts gegen machen kann. Meine Nachbarin, die kocht die immer mit Essig und Lorbeer zusammen, die sagt der erdige Ton geht dann fast weg. Hab ich selbst noch nicht probiert, bin ja noch Anfänger in dem Bereich. Vom Glas her kenn ich das ja anders, da schmeckt das irgendwie säuerlich und zahm, aber das liegt wohl am Einlegesud. Das ist mir eigentlich lieber gewesen, wenn ich ehrlich bin, aber der Kollege der mich auf den Rote-Beete-Kram überhaupt gebracht hat, der sagt aus dem Glas ist nix wert wegen den ganzen Zusätzen. Ich hab jetzt letzte Woche die gekochte frische Beete einfach so gegessen nur bisschen Salz drauf, und dieser Erdgeschmack war schon recht dominant. Vielleicht zu wenig drumherum, keine Ahnung. Hat das hier jemand schon mal gezielt bekämpft mit irgendeiner Technik, oder ist das bei manchen Leuten einfach Geschmackssache und man gewöhnt sich irgendwann dran? Weil 35 Jahre lang hab ich in der Stahlhalle auch Gerüche die einem nicht passen einfach weggesteckt, aber beim Essen möchte man das ja nicht unbedingt müssen
Zitat von elvira_k am September 11, 2026, 06:12 Uhr@rainer_w, da kann ich Sie beruhigen - das ist tatsächlich der Grundcharakter, und nein, Sie müssen sich da nicht 35 Jahre lang durchbeißen wie in der Stahlhalle. Das ist eher eine Frage von welche Sorte Sie anbauen oder kaufen und wie frisch die Knolle wirklich ist. In meinem Garten habe ich festgestellt, dass junge, dünnschalige Beete deutlich milder schmecken als die großen dicken Lagerbeete. Die dicken speichern einfach mehr von diesem erdigen, fast muffigen Aroma. Wenn Sie beim Einkaufen die Wahl haben - nehmen Sie lieber kleinere, nicht diese massiven Exemplare. Das mit dem Essig und Lorbeer von Ihrer Nachbarin ist nicht verkehrt, aber das überlagert eher, als dass es das Problem löst. Das ist ein bisschen wie Zahnschmerz mit Tee lösen. Was ich da eher machen würde: rohe Beete in hauchdünne Scheiben hobeln und mit etwas Zitronensaft marinieren. Da bleibt das erdige Element aber es wird durch die Säure irgendwie verfeinert, weniger dominant. Das Rohe hat einfach noch Biss, da merkt man nicht so diese schwere Note. Und vergessen Sie das Glas nicht ganz - nur weil Ihr Kollege meint die Zusätze sind böse, heißt das nicht dass Sie sich quälen müssen. Aus dem Glas zu starten ist völlig legitim, während Sie rausfinden ob Ihnen das Gemüse überhaupt zusagt.
@rainer_w, da kann ich Sie beruhigen - das ist tatsächlich der Grundcharakter, und nein, Sie müssen sich da nicht 35 Jahre lang durchbeißen wie in der Stahlhalle. Das ist eher eine Frage von welche Sorte Sie anbauen oder kaufen und wie frisch die Knolle wirklich ist. In meinem Garten habe ich festgestellt, dass junge, dünnschalige Beete deutlich milder schmecken als die großen dicken Lagerbeete. Die dicken speichern einfach mehr von diesem erdigen, fast muffigen Aroma. Wenn Sie beim Einkaufen die Wahl haben - nehmen Sie lieber kleinere, nicht diese massiven Exemplare. Das mit dem Essig und Lorbeer von Ihrer Nachbarin ist nicht verkehrt, aber das überlagert eher, als dass es das Problem löst. Das ist ein bisschen wie Zahnschmerz mit Tee lösen. Was ich da eher machen würde: rohe Beete in hauchdünne Scheiben hobeln und mit etwas Zitronensaft marinieren. Da bleibt das erdige Element aber es wird durch die Säure irgendwie verfeinert, weniger dominant. Das Rohe hat einfach noch Biss, da merkt man nicht so diese schwere Note. Und vergessen Sie das Glas nicht ganz - nur weil Ihr Kollege meint die Zusätze sind böse, heißt das nicht dass Sie sich quälen müssen. Aus dem Glas zu starten ist völlig legitim, während Sie rausfinden ob Ihnen das Gemüse überhaupt zusagt.
Zitat von rainer_w am September 11, 2026, 07:17 UhrZitat von elvira_kDas ist ein bisschen wie Zahnschmerz mit Tee lösen
das Bild ist gut, @elvira_k, muss ich sagen. Und das mit den kleinen Knollen, das hab ich so noch nicht gehört, das leuchtet mir ein. Ich hab nämlich letzte Woche so eine wirklich dicke erwischt, fast so groß wie eine Faust, und jetzt wo Sie das sagen... vielleicht war das schon das Problem. Was mich aber noch beschäftigt, weil ich das noch nirgendwo gelesen hab: Spielt es eigentlich eine Rolle wie lang man die kocht? Ich hab die damals einfach solange drin gelassen bis sie weich war, so eine Stunde oder was, und ich frag mich ob man da vielleicht durch zu langes Kochen irgendetwas rauszieht was den Erdgeschmack verstärkt. Oder ob das egal ist. In der Schlosserei hätten wir gesagt, zuviel Wärme zieht das Material in eine Richtung die man nicht mehr zurückbekommt, aber ob das bei Gemüse auch so funzt, keine Ahnung. Und das mit dem Rohessen und Zitronensaft, das klingt ehrlich gesagt nach Aufwand für einen Dienstagabend wenn man müde ist. Ich weiß noch nicht ob ich da rangehe, aber ausschließen will ich nix.
Zitat von elvira_kDas ist ein bisschen wie Zahnschmerz mit Tee lösen
das Bild ist gut, @elvira_k, muss ich sagen. Und das mit den kleinen Knollen, das hab ich so noch nicht gehört, das leuchtet mir ein. Ich hab nämlich letzte Woche so eine wirklich dicke erwischt, fast so groß wie eine Faust, und jetzt wo Sie das sagen... vielleicht war das schon das Problem. Was mich aber noch beschäftigt, weil ich das noch nirgendwo gelesen hab: Spielt es eigentlich eine Rolle wie lang man die kocht? Ich hab die damals einfach solange drin gelassen bis sie weich war, so eine Stunde oder was, und ich frag mich ob man da vielleicht durch zu langes Kochen irgendetwas rauszieht was den Erdgeschmack verstärkt. Oder ob das egal ist. In der Schlosserei hätten wir gesagt, zuviel Wärme zieht das Material in eine Richtung die man nicht mehr zurückbekommt, aber ob das bei Gemüse auch so funzt, keine Ahnung. Und das mit dem Rohessen und Zitronensaft, das klingt ehrlich gesagt nach Aufwand für einen Dienstagabend wenn man müde ist. Ich weiß noch nicht ob ich da rangehe, aber ausschließen will ich nix.
Zitat von rainer_w am September 11, 2026, 07:38 UhrZitat von elvira_kDas mit dem Rohessen und Zitronensaft, das klingt ehrlich gesagt nach Aufwand für einen Dienstagabend wenn man müde ist
- ja, das sehe ich genauso. Aber jetzt interessiert mich doch was mit dem Kochen los ist. Eine Stunde, das ist ja nicht gerade kurz. Ich mein, bei Kartoffeln zum Beispiel, wenn die zu lange im Wasser sind, werden die mehlig und geschmacklos. Kann das bei Beete auch passieren nur halt in die andere Richtung - dass da was rauskocht was den erdigen Ton eigentlich dämpfen würde. Oder anders gefragt: Hat jemand hier Erfahrung ob 20-30 Minuten genügt, um die durch zu bekommen, oder muss die wirklich ne ganze Stunde brutzeln. Weil wenn die schneller gar ist, könnte das ja tatsächlich was verändern. Hab das bis jetzt nicht gezielt getestet, bin halt nach Gefühl vorgegangen wie bei vielem anderen auch. Und was die kleinen Knollen angeht - nächsten Einkauf achte ich drauf. Bin ja ohnehin neugierig genug um das zu testen, kostet ja nicht die Welt wenn ne kleine Beete nicht schmeckt. Aber mit den Zusätzen im Glas, naja, der Kollege wird da nicht so happy sein wenn ich mir wieder welche kaufe. Ist mir schnuppe, wenn das besser schmeckt für mich, dann ist das so.
Zitat von elvira_kDas mit dem Rohessen und Zitronensaft, das klingt ehrlich gesagt nach Aufwand für einen Dienstagabend wenn man müde ist
- ja, das sehe ich genauso. Aber jetzt interessiert mich doch was mit dem Kochen los ist. Eine Stunde, das ist ja nicht gerade kurz. Ich mein, bei Kartoffeln zum Beispiel, wenn die zu lange im Wasser sind, werden die mehlig und geschmacklos. Kann das bei Beete auch passieren nur halt in die andere Richtung - dass da was rauskocht was den erdigen Ton eigentlich dämpfen würde. Oder anders gefragt: Hat jemand hier Erfahrung ob 20-30 Minuten genügt, um die durch zu bekommen, oder muss die wirklich ne ganze Stunde brutzeln. Weil wenn die schneller gar ist, könnte das ja tatsächlich was verändern. Hab das bis jetzt nicht gezielt getestet, bin halt nach Gefühl vorgegangen wie bei vielem anderen auch. Und was die kleinen Knollen angeht - nächsten Einkauf achte ich drauf. Bin ja ohnehin neugierig genug um das zu testen, kostet ja nicht die Welt wenn ne kleine Beete nicht schmeckt. Aber mit den Zusätzen im Glas, naja, der Kollege wird da nicht so happy sein wenn ich mir wieder welche kaufe. Ist mir schnuppe, wenn das besser schmeckt für mich, dann ist das so.
Zitat von rainer_w am September 11, 2026, 08:06 Uhrach so, ich hab mir grad nochmal gedacht - wenn das mit der Kochzeit wirklich so einen Unterschied macht, dann müsste man das ja eigentlich merken ob das Kochwasser danach anders aussieht oder riecht. Bei uns in der Halle, wenn man Metall zu lange in der Säure hatte, hat man das am Geruch gemerkt, das war eindeutig. Ob das beim Gemüse auch so ein Signal gibt weiß ich halt nicht. Ich mein das Wasser wird ja eh dunkelrot, aber ob da nach ner Stunde anders riecht als nach 25 Minuten, das hab ich nie drauf geachtet. und jetzt wo ich so drüber nachdenk, ich frag mich ob das vielleicht auch am Herd liegt. Ich hab Ceranfeld, kein Gas, und Ceran hält die Temperatur anders, das bleibt lange heiß auch wenn man runterregelt. Kann sein dass die Beete bei mir länger auf mehr Hitze war als ich gedacht hab. Meine Frau sagt immer ich kenn mich mit dem Ceranfeld noch nicht richtig aus seit wir das vor drei Jahren eingebaut haben, und da hat sie nicht ganz Unrecht. In der Schlosserei hatte ich Temperaturkontrolle auf den Zehntelgrad, zuhause am Herd bin ich da ehrlich gesagt blinder Passagier. naja, wird sich zeigen beim nächsten Versuch.
ach so, ich hab mir grad nochmal gedacht - wenn das mit der Kochzeit wirklich so einen Unterschied macht, dann müsste man das ja eigentlich merken ob das Kochwasser danach anders aussieht oder riecht. Bei uns in der Halle, wenn man Metall zu lange in der Säure hatte, hat man das am Geruch gemerkt, das war eindeutig. Ob das beim Gemüse auch so ein Signal gibt weiß ich halt nicht. Ich mein das Wasser wird ja eh dunkelrot, aber ob da nach ner Stunde anders riecht als nach 25 Minuten, das hab ich nie drauf geachtet. und jetzt wo ich so drüber nachdenk, ich frag mich ob das vielleicht auch am Herd liegt. Ich hab Ceranfeld, kein Gas, und Ceran hält die Temperatur anders, das bleibt lange heiß auch wenn man runterregelt. Kann sein dass die Beete bei mir länger auf mehr Hitze war als ich gedacht hab. Meine Frau sagt immer ich kenn mich mit dem Ceranfeld noch nicht richtig aus seit wir das vor drei Jahren eingebaut haben, und da hat sie nicht ganz Unrecht. In der Schlosserei hatte ich Temperaturkontrolle auf den Zehntelgrad, zuhause am Herd bin ich da ehrlich gesagt blinder Passagier. naja, wird sich zeigen beim nächsten Versuch.
Zitat von n.feld am September 11, 2026, 08:44 UhrZitat von rainer_wob das am Herd liegt
Das ist faktisch die interessanteste Beobachtung im ganzen Thread, auch wenn sie @rainer_w selbst nicht so einschätzt. Ceranfeld-Nachziehhitze ist real, das ist kein Mythos. Die Kochzeit ist bei Roter Beete aber trotzdem nicht der Haupthebel für den Erdgeschmack - der kommt von Geosmin, einem Stoff den Bodenbakterien produzieren und der sich in der Knolle einlagert. Den kocht man nicht heraus, der ist thermisch ziemlich stabil. Was sich beim Kochen verändert: Zucker und Säure werden zugänglicher, das verschiebt die Wahrnehmung. Man erschmeckt den Erdton weniger dominant, weil mehr Gegenaromen aktiv sind. Das ist aber Überlagern, nicht Entfernen, @elvira_k hatte da inhaltlich recht. Konkret gesagt, wer Geosmin grundsätzlich als störend empfindet, wird das mit keiner Garmethode wegbekommen. Das ist eine Rezeptorfrage. Manche Menschen reagieren auf Geosmin extrem sensitiv, andere kaum. Das erklärt warum manche Leute begeistert sind und andere nicht. Ist in der Literatur dokumentiert, hab ich irgendwann mal bei einem Vortrag über Aromachemie aufgeschnappt. Die Nachbarin mit Essig und Lorbeer kompensiert also de facto, und das ist keine schlechte Strategie wenn man das Gemüse trotzdem essen will. Nur sollte man sich keine Illusion machen dass man das Gemüse damit "korrigiert".
Zitat von rainer_wob das am Herd liegt
Das ist faktisch die interessanteste Beobachtung im ganzen Thread, auch wenn sie @rainer_w selbst nicht so einschätzt. Ceranfeld-Nachziehhitze ist real, das ist kein Mythos. Die Kochzeit ist bei Roter Beete aber trotzdem nicht der Haupthebel für den Erdgeschmack - der kommt von Geosmin, einem Stoff den Bodenbakterien produzieren und der sich in der Knolle einlagert. Den kocht man nicht heraus, der ist thermisch ziemlich stabil. Was sich beim Kochen verändert: Zucker und Säure werden zugänglicher, das verschiebt die Wahrnehmung. Man erschmeckt den Erdton weniger dominant, weil mehr Gegenaromen aktiv sind. Das ist aber Überlagern, nicht Entfernen, @elvira_k hatte da inhaltlich recht. Konkret gesagt, wer Geosmin grundsätzlich als störend empfindet, wird das mit keiner Garmethode wegbekommen. Das ist eine Rezeptorfrage. Manche Menschen reagieren auf Geosmin extrem sensitiv, andere kaum. Das erklärt warum manche Leute begeistert sind und andere nicht. Ist in der Literatur dokumentiert, hab ich irgendwann mal bei einem Vortrag über Aromachemie aufgeschnappt. Die Nachbarin mit Essig und Lorbeer kompensiert also de facto, und das ist keine schlechte Strategie wenn man das Gemüse trotzdem essen will. Nur sollte man sich keine Illusion machen dass man das Gemüse damit "korrigiert".
Zitat von rainer_w am September 11, 2026, 09:00 Uhr@n.feld, okay das mit dem Geosmin, das ist jetzt mal was Konkretes, da kann ich wenigstens dran festhalten. Ich muss aber sagen, das macht mir die Sache nicht unbedingt leichter, wenn ich ehrlich bin. Weil wenn das ne Rezeptorfrage ist, dann weiß ich ja immer noch nicht auf welcher Seite ich steh. Ich mein, ich hab die Beete nicht als unerträglich empfunden, eher so... ungewohnt. Vielleicht bin ich dann in der Mitte irgendwo. Was mich an dem was du sagst aber wirklich beschäftigt: wenn der Stoff thermisch stabil ist, was passiert dann eigentlich beim Einlegen im Glas? Weil da schmeckt man das ja kaum, das ist mein Ausgangspunkt gewesen von Anfang an. Ist das dann die Essigsäure die da drüber liegt oder baut sich Geosmin in Säure irgendwie ab? Wäre interessant zu wissen ob da wirklich was chemisch passiert oder ob der Essigsud einfach so dominant ist dass man nix anderes mehr wahrnimmt. Ich frag das nicht um klugzuscheißen, ich will das einfach verstehen. 35 Jahre Schlosserei und man lernt, dass man ein Problem besser kapiert wenn man weiß wo genau es sitzt. Ob ich dann trotzdem das Glas nehme oder die frische Knolle, das ist ne andere Frage.
@n.feld, okay das mit dem Geosmin, das ist jetzt mal was Konkretes, da kann ich wenigstens dran festhalten. Ich muss aber sagen, das macht mir die Sache nicht unbedingt leichter, wenn ich ehrlich bin. Weil wenn das ne Rezeptorfrage ist, dann weiß ich ja immer noch nicht auf welcher Seite ich steh. Ich mein, ich hab die Beete nicht als unerträglich empfunden, eher so... ungewohnt. Vielleicht bin ich dann in der Mitte irgendwo. Was mich an dem was du sagst aber wirklich beschäftigt: wenn der Stoff thermisch stabil ist, was passiert dann eigentlich beim Einlegen im Glas? Weil da schmeckt man das ja kaum, das ist mein Ausgangspunkt gewesen von Anfang an. Ist das dann die Essigsäure die da drüber liegt oder baut sich Geosmin in Säure irgendwie ab? Wäre interessant zu wissen ob da wirklich was chemisch passiert oder ob der Essigsud einfach so dominant ist dass man nix anderes mehr wahrnimmt. Ich frag das nicht um klugzuscheißen, ich will das einfach verstehen. 35 Jahre Schlosserei und man lernt, dass man ein Problem besser kapiert wenn man weiß wo genau es sitzt. Ob ich dann trotzdem das Glas nehme oder die frische Knolle, das ist ne andere Frage.
Zitat von n.feld am September 11, 2026, 09:04 UhrZitat von rainer_wbaut sich Geosmin in Säure irgendwie ab
Gute Frage, und ich bin da nicht sicher genug um das definitiv zu beantworten. Meine Vermutung: beides. Geosmin ist in wässriger Säure tatsächlich nicht vollständig stabil, das weicht chemisch etwas auf, aber der Effekt ist wahrscheinlich gering bei den Konzentrationen die in einem Haushaltsessig vorkommen. Der dominantere Effekt dürfte Maskierung sein. Essigsäure ist aromaseitig sehr laut, die überdeckt eine Menge. Was beim Einlegeprozess noch passiert: der Sud zieht in die Knolle, verändert das Zellmilieu, und das verschiebt das gesamte Aromaprofil. Das ist nicht nur Oberfläche. Ob das Geosmin dabei in relevanten Mengen abgebaut wird, dafür müsste man Messdaten haben, die ich nicht habe. @rainer_w, die Schlosser-Analogie ist gar nicht schlecht. Wenn man ein Problem chemisch lokalisiert hat, versteht man die Lösungsstrategien besser. Nur die Konsequenz hier ist halt unbefriedigend: man kann das Substrat nicht verändern, nur den Kontext drumherum. Ob das für dich reicht, ist tatsächlich Geschmackssache im wörtlichen Sinn.
Zitat von rainer_wbaut sich Geosmin in Säure irgendwie ab
Gute Frage, und ich bin da nicht sicher genug um das definitiv zu beantworten. Meine Vermutung: beides. Geosmin ist in wässriger Säure tatsächlich nicht vollständig stabil, das weicht chemisch etwas auf, aber der Effekt ist wahrscheinlich gering bei den Konzentrationen die in einem Haushaltsessig vorkommen. Der dominantere Effekt dürfte Maskierung sein. Essigsäure ist aromaseitig sehr laut, die überdeckt eine Menge. Was beim Einlegeprozess noch passiert: der Sud zieht in die Knolle, verändert das Zellmilieu, und das verschiebt das gesamte Aromaprofil. Das ist nicht nur Oberfläche. Ob das Geosmin dabei in relevanten Mengen abgebaut wird, dafür müsste man Messdaten haben, die ich nicht habe. @rainer_w, die Schlosser-Analogie ist gar nicht schlecht. Wenn man ein Problem chemisch lokalisiert hat, versteht man die Lösungsstrategien besser. Nur die Konsequenz hier ist halt unbefriedigend: man kann das Substrat nicht verändern, nur den Kontext drumherum. Ob das für dich reicht, ist tatsächlich Geschmackssache im wörtlichen Sinn.
Zitat von rainer_w am September 11, 2026, 09:08 UhrZitat von n.feldman kann das Substrat nicht verändern, nur den Kontext drumherum
@n.feld das ist eigentlich ein recht ernüchterndes Fazit, muss ich sagen. Nicht falsch aber ernüchternd. Was mich jetzt aber noch beschäftigt, und das ist ein anderer Winkel als vorher: wenn der Kontext so entscheidend ist, dann müsste ja auch eine Rolle spielen womit man die Beete kombiniert. Also nicht nur Essig im Sud, sondern was man dazu auf den Teller legt. Ich kenn das vom Käse, da gibt es Sorten die allein gegessen wirklich scharf und unangenehm sind, aber mit nem Stück Brot und etwas Butter auf einmal ganz anders landen. Ob das bei Roter Beete ähnlich funktioniert hab ich so noch nicht ausprobiert. Meine Nachbarin macht die immer mit Zwiebeln und da stell ich mir vor dass das auch so eine Überdeckungsstrategie ist, auch wenn sie das sicher nicht so nennt. Und das mit dem "Aromaprofil verschieben durch den Sud" - das klingt fast schon nach Materialbehandlung. In der Schlosserei haben wir Oberflächen auch mit Beizen behandelt, nicht um das Metall zu verändern, sondern um bestimmte Eigenschaften nach vorne zu bringen. Vielleicht ist Einlegen genau sowas, nur mit Gemüse halt. Ich weiß noch nicht ob mich das zur frischen Knolle bekehrt oder ob ich still und heimlich wieder zum Glas gehe ohne dem Kollegen was davon zu sagen
Zitat von n.feldman kann das Substrat nicht verändern, nur den Kontext drumherum
@n.feld das ist eigentlich ein recht ernüchterndes Fazit, muss ich sagen. Nicht falsch aber ernüchternd. Was mich jetzt aber noch beschäftigt, und das ist ein anderer Winkel als vorher: wenn der Kontext so entscheidend ist, dann müsste ja auch eine Rolle spielen womit man die Beete kombiniert. Also nicht nur Essig im Sud, sondern was man dazu auf den Teller legt. Ich kenn das vom Käse, da gibt es Sorten die allein gegessen wirklich scharf und unangenehm sind, aber mit nem Stück Brot und etwas Butter auf einmal ganz anders landen. Ob das bei Roter Beete ähnlich funktioniert hab ich so noch nicht ausprobiert. Meine Nachbarin macht die immer mit Zwiebeln und da stell ich mir vor dass das auch so eine Überdeckungsstrategie ist, auch wenn sie das sicher nicht so nennt. Und das mit dem "Aromaprofil verschieben durch den Sud" - das klingt fast schon nach Materialbehandlung. In der Schlosserei haben wir Oberflächen auch mit Beizen behandelt, nicht um das Metall zu verändern, sondern um bestimmte Eigenschaften nach vorne zu bringen. Vielleicht ist Einlegen genau sowas, nur mit Gemüse halt. Ich weiß noch nicht ob mich das zur frischen Knolle bekehrt oder ob ich still und heimlich wieder zum Glas gehe ohne dem Kollegen was davon zu sagen
Zitat von n.feld am September 11, 2026, 09:25 UhrZitat von rainer_wmit Zwiebeln und da stell ich mir vor dass das auch so eine Überdeckungsstrategie ist
Die Käse-Analogie ist besser als du denkst, @rainer_w, aber nicht ganz aus dem gleichen Grund. Bei Käse ist es tatsächlich Textur und Fett die Schärfe binden. Bei Roter Beete mit Zwiebeln ist es anders: Zwiebeln haben eigene Schwefelverbindungen, die aromaseitig mit Geosmin interagieren, nicht einfach nur überdecken. Das ist näher an deiner Beizen-Analogie als an Butter aufs Brot. Was mich an deinem letzten Absatz ehrlich mehr interessiert: ob du den Kollegen brauchst der dir erlaubt was du kaufst. Das klingt ungewollt komisch aber die Frage stellt sich ja tatsächlich. Wenn Einlegeknolle für dich besser schmeckt, ist das keine Niederlage, das ist Information über deine Rezeptoren. Das Glas hat halt mehr Säure, mehr Salz, mehr Kontext von Anfang an, und wenn dein Nervensystem das bevorzugt, dann ist das so. Wo ich @elvira_k übrigens noch nicht ganz zustimme: die Sorte spielt rein in die Geosmin-Konzentration, das stimmt, aber ich würde nicht pauschal sagen "klein gleich mild". Das hängt auch vom Boden ab, auf dem die gewachsen sind. Hab das irgendwo gelesen in einem Kontext der eher Richtung Bodenmikrobiologie ging, nicht Kochratgeber. Sandiger Boden, andere Bakteriengemeinschaft, anderes Geosmin-Niveau. Das ist aber für jemanden der auf dem Wochenmarkt einkauft praktisch kaum steuerbar.
Zitat von rainer_wmit Zwiebeln und da stell ich mir vor dass das auch so eine Überdeckungsstrategie ist
Die Käse-Analogie ist besser als du denkst, @rainer_w, aber nicht ganz aus dem gleichen Grund. Bei Käse ist es tatsächlich Textur und Fett die Schärfe binden. Bei Roter Beete mit Zwiebeln ist es anders: Zwiebeln haben eigene Schwefelverbindungen, die aromaseitig mit Geosmin interagieren, nicht einfach nur überdecken. Das ist näher an deiner Beizen-Analogie als an Butter aufs Brot. Was mich an deinem letzten Absatz ehrlich mehr interessiert: ob du den Kollegen brauchst der dir erlaubt was du kaufst. Das klingt ungewollt komisch aber die Frage stellt sich ja tatsächlich. Wenn Einlegeknolle für dich besser schmeckt, ist das keine Niederlage, das ist Information über deine Rezeptoren. Das Glas hat halt mehr Säure, mehr Salz, mehr Kontext von Anfang an, und wenn dein Nervensystem das bevorzugt, dann ist das so. Wo ich @elvira_k übrigens noch nicht ganz zustimme: die Sorte spielt rein in die Geosmin-Konzentration, das stimmt, aber ich würde nicht pauschal sagen "klein gleich mild". Das hängt auch vom Boden ab, auf dem die gewachsen sind. Hab das irgendwo gelesen in einem Kontext der eher Richtung Bodenmikrobiologie ging, nicht Kochratgeber. Sandiger Boden, andere Bakteriengemeinschaft, anderes Geosmin-Niveau. Das ist aber für jemanden der auf dem Wochenmarkt einkauft praktisch kaum steuerbar.