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Blutdruckmessen zuhause – wie oft ist sinnvoll und wann wird es zur Belastung?

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Zitat von fk_1988

ob ihr Arzt überhaupt daran interessiert ist ihre Werte zu besprechen

Das ist der Punkt der mich gerade am meisten beschäftigt. Weil das "Gerät aus dem Badezimmer räumen" - gute Idee, hat bei deiner Frau geklappt, aber das ist ein Trick. Der eigentliche Strukturfehler bleibt. Wenn der Arzt am Ende eh nur sagt "wir nehmen jetzt Tabletten" egal was die Messungen zeigen, dann war das ganze Protokoll doch für die Katz. Was ich mich bei @elvira_k frage: hat sie dem Arzt überhaupt mal gesagt dass sie die Messerei als belastend empfindet? Weil das ist ja auch eine Information. Blutdruck durch Messangst hoch das ist medizinisch relevant. Weißkitteleffekt kennt jeder, aber der gleiche Mechanismus zuhause - den sehen viele nicht. Meine Hausärztin hat mal gesagt, sie wertet Tagebuch-Messungen von Patienten grundsätzlich skeptisch wenn die Einträge täglich sind, weil da fast immer Aufregung drinsteckt in den Werten. Zweimal die Woche ist ihr Minimum für irgendwas Verwertbares. Das hat mich überrascht, ehrlich gesagt. Draußen ist heute so ein Wetter wo man gar nicht rauswill - vielleicht liegt auch deshalb gerade soviel Grübeln in den Threads hier. Jedenfalls: @elvira_k sollte das Gespräch mit dem Arzt anders angehen. Nicht "was bedeuten meine Werte" sondern "was soll ich mit den Werten machen und wann rufst du mich an". Das gibt dem ganzen eine Richtung.

@rote_socke_83 das mit dem "wann rufst du mich an" statt "was bedeuten meine Werte" ist eigentlich genial. Das ist konkret. Das gibt einem halt was zu tun statt nur rum zu sitzen und zu interpretieren. Aber ich glaub das Problem ist noch ein anderes. Viele Ärzte - zumindest meine Erfahrung - die sind nicht so strukturiert. Die sagen "bringen Sie mir die Werte mit" und meinen das vielleicht sogar ernst aber dann sitzt man im Sprechzimmer und der Arzt hat drei Patienten hinter einem in der Warteschlange und guckt sich ne Minute lang die Werte an und sagt "okay sieht okay aus" oder "wir erhöhen die Dosis" ohne wirklich drauf einzugehen. Das ist nicht böse Absicht, das ist einfach wie der Laden läuft. @elvira_k wenn du deinen Arzt fragst und der sagt "ja bringen Sie die Werte mit", dann frag konkret nach: sollen die aus zwei Wochen sein oder aus zwei Monaten, und wann genau sollen wir darüber sprechen - nach der nächsten Untersuchung oder extra Termin. Weil sonst passiert wieder das gleiche - du sammelst Daten und am Ende sitzt du im Sprechzimmer und hast keine Ahnung wie der Arzt die verwenden will. Aber ehrlich? Wenn der Arzt dann immer noch so eine Null-Reaktion zeigt, dann ist das auch eine Antwort. Dann ist es vielleicht Zeit für einen anderen Arzt. Nicht weil der erste böse ist, sondern weil die Chemie nicht stimmt für das was du brauchst.

Zitat von fk_1988

dann ist es vielleicht Zeit für einen anderen Arzt

Ja, aber da kommt noch was dazu was ich bisher nicht gesagt hab: das ist leichter gesagt als getan wenn man seit zehn Jahren zur selben Praxis geht und die Kartei da liegt. Arzt wechseln ist für viele Leute ein riesiger Schritt, gerade wenn man nicht jung ist und gerade wenn man schon Vorgeschichte hat. Das ist kein rationaler Einwand sondern eine echte Hürde. Was mich bei @fk_1988 seinem letzten Punkt aber wirklich trifft - die Sache mit den drei Patienten in der Warteschlange. Das ist keine Entschuldigung, aber es ist Realität. Ich hab mal bei meiner Hausärztin extra vorher angerufen und gesagt ich will nicht nur eine Routinemessung sondern ich will über meine Werte reden, wirklich reden. Hat geklappt, die hat sich dann auch Zeit genommen. Aber ich musste das aktiv ansagen. Wer das nicht weiß oder sich das nicht traut, dem hilft kein Ratschlag aus dem Forum. @elvira_k ich glaub das ist der Punkt der in deiner Situation fehlt. Nicht mehr Daten, nicht weniger Messen - sondern ein Termin wo das explizit das Thema ist. Nicht nebenbei.

@rote_socke_83

Zitat von rote_socke_83

ein Termin wo das explizit das Thema ist. Nicht nebenbei.

Das ist richtig, aber ich würde noch einen Schritt davor ansetzen: @elvira_k muss wissen was sie von diesem Termin will, bevor sie hingeht. Nicht allgemein "über meine Werte reden", sondern konkret - will sie wissen ab welchem Wert ihr Arzt handeln würde, will sie ein Protokoll vereinbaren, will sie klären ob Medikamente jemals Thema werden könnten. Das klingt pingelig, ist aber aus meiner Erfahrung der Unterschied zwischen einem Gespräch das was bringt und einem das man hinterher mit "ja, der meinte das ist okay so" zusammenfasst. Was ich noch nirgends im Thread gelesen hab: die meisten Heimgeräte messen am Oberarm oder am Handgelenk, und das macht einen erheblichen Unterschied in der Verlässlichkeit. Handgelenkgeräte sind anfälliger für Haltungsfehler, da kann schon ein leicht gebeugtes Gelenk die Werte um 10 mmHg verschieben. Wenn @elvira_k nicht weiß was sie benutzt und wie sie es anlegt, dann ist die ganze Diskussion über Häufigkeit eigentlich zweitrangig. Falsches Gerät, falsche Technik - und dann interpretiert man Rauschen als Signal. Ich frag mich ob das in der Praxis überhaupt jemand erklärt hat. Weil wenn der Hausarzt "messen Sie regelmäßig" sagt und damit fertig ist, dann geht er vermutlich davon aus dass das Gerät schon richtig benutzt wird.

Zitat von rote_socke_83

misst du um zu wissen, oder misst du um dich abzusichern

Das ist eigentlich der einzige Satz im ganzen Thread der mich wirklich getroffen hat, mal ehrlich. @markus_hh88 dein Punkt mit dem Handgelenkgerät ist gut, das wusste ich ehrlich gesagt auch nicht so genau. Ich hab so ein Oberarmgerät, das hat mir damals die Frau vom Sanitätshaus kurz gezeigt wie mans anlegt. Kurz. Drei Minuten vielleicht. Ob das gereicht hat weiß ich nicht. Aber was mich beim Lesen hier beschäftigt: alle reden über Häufigkeit, Technik, Arztgespräch. Kein Mensch fragt was der Wert überhaupt ist den @elvira_k da misst. 145? 155? Weil "leicht erhöht" ist halt nichts. Mein Arzt hat mir vor zwei Jahren auch so einen Wert hingeworfen und ich musste nachhaken bis er mir sagte was das konkret bedeutet für mich, in meinem Alter, mit meinem Gewicht. Das war kein schönes Gespräch aber danach wusste ich wenigstens wo ich stehe. Und das Gerät aus dem Badezimmer räumen - ne, das löst nix. Das ist wie wenn du den Kühlschrank zuklebst weil du abnehmen willst. Eine Woche hält das. Was ich @elvira_k wirklich sagen würde: frag den Arzt konkret nach einem Zielwert. Nicht "ist das okay" sondern "ab wann wird das für dich ein Problem". Dann hat man wenigstens einen Anker.

Zitat von rainer_w64

ab wann wird das für dich ein Problem

- da stimm ich dir zu, aber ich glaub das Problem ist dass viele Ärzte das selbst gar nicht so konkret beantworten können. Oder wollen. Mein Arzt hat mir das auch erst nach mehrmaligem Nachfragen gesagt, und selbst dann kam so ne Antwort wie "naja kommt drauf an". Kommt drauf an worauf? Das hilft keinem weiter. Was mich bei diesem ganzen Thread aber eigentlich mehr nervt - und @rainer_w64 du hast das gerade unbewusst angesprochen - ist dass wir hier die ganze Zeit über Messung Häufigkeit, Arztgespräche reden und überhaupt nicht darüber sprechen ob @elvira_k überhaupt wissen will was sie ändern kann. Weil das ist nämlich der Unterschied. Wenn der Arzt sagt "okay, dein Zielwert ist soundso", dann ist die nächste Frage nicht "wie oft messe ich" sondern "was kann ich denn konkret tun". Und da wird's dünn. Weil Rote Beete essen ist angenehm, aber ob das reicht - keine Ahnung. Bewegung hilft, aber wie viel und wie regelmäßig. Salz sparen - okay, aber wie viel Salz isst sie denn jetzt? Das fragt keiner. Meine Vermutung ist dass @elvira_k das mit der Roten Beete anfängt nicht weil sie denkt das hilft, sondern weil das das Einzige ist das konkret genug ist um es zu tun. Das Gerät aus dem Bad räumen ist zu abstrakt. Mit dem Arzt reden dauert zu lange. Aber "ess ich halt ne Woche lang jeden Tag Rote Beete und guck ob was passiert" - das ist greifbar. Auch wenn es wissenschaftlich nix taugt.

moin, @fk_1988 du triffst da was wichtiges am Ende - aber ich glaub das Problem liegt noch eine Ebene tiefer. @elvira_k sitzt nicht deswegen fest weil sie keine konkrete Anleitung hat, sondern weil sie überhaupt nicht weiss ob ihr Arzt bereit ist was zu verändern oder ob das am Ende sowieso auf Tabletten hinausläuft. Und das ist ehrlich gesagt die wichtigere Frage. Ich mein - wenn ich in Schicht arbeite und komm nach Nachtschicht nachhause und soll dann "Salz sparen" oder "mehr Bewegung" - das ist nicht praktisch, das ist eine Beleidigung. Der Arzt sagt das im 15-Minuten-Gespräch und gut ist. Und dann sitzt du zuhause und fragst dich ob du einfach akzeptieren sollst dass dein Körper so funktioniert, oder ob du noch was versuchen kannst. Das ist wahrscheinlich der echte Grund warum sie mit der Roten Beete anfängt. Was mich aber wirklich nervt - und das hat @rainer_w64 am Rande angesprochen - keiner fragt wie @elvira_k denn aktuell lebt. Wie viel Salz hat sie denn drauf? Bewegt sie sich überhaupt? Schläft sie gut? Oder ist das alles schon im Eimer und dann ist eine Woche Rote Beete halt das kleinste Problem. Weil wenn das alles im Eimer ist, dann bringt kein Forum-Tipp was. Dann muss sie mit dem Arzt klären ob sie jetzt anfängt Tabletten zu nehmen oder ob sie erstmal richtig was verändern will. Aber das traut sich keiner zu sagen, ne.

@gg1987

Zitat von gg1987

keiner fragt wie @elvira_k denn aktuell lebt

ja, das ist der Punkt der mich auch stört. Wir drehen uns hier seit gestern im Kreis über Messtechnik und Arztgespräche und niemand fragt das naheliegendste. Was isst die Frau eigentlich. Nicht wegen Rote Beete - das ist mir wurscht. Sondern wegen Salz, wegen Fertigkram, wegen dem ganzen Rest. Ich sag dir wie das bei mir war. Vor zwei Jahren hat mein Arzt gesagt erhöhter Blutdruck und ich hab erstmal gedacht okay, Rote Beete, weniger Fleisch, fertig. Aber dann hab ich mal wirklich hingeschaut was ich so esse und da war das Problem schon. Brot, Wurst, Käse - das ist alles Salz. Nicht einmal das böse Salz wo man den Streuer in der Hand hat. Das unsichtbare. Das haben mir weder der Arzt noch irgendein Forum gesagt, das hab ich selbst rausgefunden weil ich angefangen hab Etiketten zu lesen. War nervig. Hat aber mehr gebracht als jede Messerei. @gg1987 du fragst ob das alles schon im Eimer ist - ich glaub das weiß @elvira_k selbst nicht. Und das ist das Problem. Nicht ob sie zweimal oder dreimal die Woche misst.

@rainer_w64 ja genau das. Ich hab das auch erst gemerkt als ich mal drei Tage lang alles aufgeschrieben hab was ich esse. War deprimierend ehrlich. Eine Scheibe Brot morgens schon 400mg Natrium. Käse im Sandwich - nochmal 300. Das summiert sich brutal. Aber was mich bei deinem Punkt noch mehr beschäftigt - und das ist vielleicht das Eigentliche - @elvira_k kann gar nicht konkret ändern wenn sie nicht weiß was sie ändern soll. Nicht weil sie zu doof ist oder zu faul, sondern weil der Arzt ihr nicht gesagt hat wo genau die Schraube sitzt. Und dann greift sie zur Roten Beete weil das greifbar ist. Du kannst morgen Rote Beete kaufen. Du kannst aber nicht morgen deine gesamte Ernährung analysieren ohne dass jemand dir zeigt wie. Das Problem ist - und da bleib ich hart - das ist nicht die Aufgabe vom Forum. Das ist die Aufgabe vom Arzt. Oder besser: von nem Ernährungsberater, wenn der Arzt das selbst nicht leistet. Aber das kostet Zeit und Geld und deswegen sitzt @elvira_k hier und fragt ob sie täglich oder zweimal die Woche messen soll. Das ist ein Symptom, nicht das Problem. Was ich sie aber wirklich fragen würde - und das hat glaub ich noch niemand konkret gemacht - hast du mal mit deinem Arzt geredet ob das hier überhaupt für dich sinnvoll ist oder ob ihr zusammen einfach sagt okay, wir nehmen ne Tablette und gut? Weil manchmal ist das die ehrlichere Lösung als sich selbst verrückt zu machen.

@gg1987

Zitat von gg1987

manchmal ist das die ehrlichere Lösung als sich selbst verrückt zu machen

ja, aber da ist noch was was mich stört. Diese Frage - Tablette oder nicht - die klingt immer so als wäre das eine einmalige Entscheidung. Ist sie aber nicht. Ich kenn Leute die fangen mit einer Tablette an und zwei Jahre später nehmen die drei verschiedene, weil die eine Nebenwirkung hat und die andere den Ausgleich machen soll. Das ist kein Vorwurf an die Medizin, das ist einfach wie das läuft. Und wenn @elvira_k das noch nicht auf dem Schirm hat, dann ist die Frage "Tablette ja oder nein" eigentlich zu kurz gedacht. Ich will das nicht dramatisieren. Aber ich finde man sollte das wissen bevor man sich darauf einlässt. Mein Arzt hat mir das nicht gesagt, ich hab das von einem Kumpel aus der Arbeit gehört der schon seit Jahren auf dem Zeug ist. Der hat mich mehr aufgeklärt als zehn Arzttermine zusammen. Was mich bei @gg1987 seinem letzten Satz wirklich hängt: du sagst das Forum kann das nicht leisten. Stimmt. Aber der Arzt leistet es in 15 Minuten auch nicht. Und ein Ernährungsberater kostet Geld das nicht jeder hat. Da bleibt halt das Forum. Nicht weil es gut ist, sondern weil es das einzige ist was um halb elf abends noch antwortet.

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