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Blutdruck selbst messen - wie verlässlich ist das eigentlich?

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@fk_1988

Zitat von fk_1988

du könntest ja einfach selbst sagen "ok wenn ich dreimal hintereinander über 140 hab, dann geh ich hin"

- ja aber genau da sitzt das Problem. Du hast Recht dass man sich ne eigene Regel setzen kann. Aber wer von uns macht das wirklich klar, bevor er anfängt zu messen? Ich glaub die meisten fangen einfach an und gucken dann was passiert, und erst wenn die Zahlen da sind wird es peinlich. Was mich aber bei dem ganzen Thread grad nervt ist dass wir immer noch so tun als wäre das hauptsächlich ne Frage von Technik und Disziplin. Aber ich glaub das ist nicht das echte Problem. Das echte Problem ist - und das hat @rote_socke_83 kurz angedeutet - dass viele Ärzte einfach nicht gut darin sind solche Gespräche zu führen. Nicht weil sie faul sind, sondern weil denen gar nicht klar ist dass ihre Patienten danach googlen und Geräte kaufen und dann im Forum rumfragen. Bei mir in der Lagerlogistik ist das ähnlich - wenn der Chef dir sagt "pass auf die Bestände auf" ohne dir zu zeigen wie, dann fängst du einfach an zu zählen ohne zu wissen was die Zahl dir sagen soll. Und irgendwann hast du Tabellen voll mit Zahlen die dir nix bringen. Das Ding ist - wenn der Arzt direkt sagen würde "Sie, Sie brauchen nicht zu messen, essen Sie einfach mehr Gemüse und kommen Sie in einem halben Jahr wieder" - dann würde die ganze Diskussion gar nicht erst anfangen. Aber stattdessen gibt's dieses Schulterzuckend und dann sitzt du da.

@gg1987

Zitat von gg1987

wenn der Arzt direkt sagen würde Sie brauchen nicht zu messen

ja, aber das setzt voraus dass der Arzt weiß was du abends zuhause machst. Und das tut er nicht. Der kennt dich fünf Minuten im Quartal, wenn überhaupt. Was mich bei dem Vergleich mit der Lagerlogistik grad aufhorchen lässt - das ist eigentlich ziemlich treffend. Aber bei euch im Lager gibt's wenigstens noch nen Schichtleiter der dir irgendwann sagt ob du richtig liegst. Bei mir komm ich mit Werten an und der Arzt legt sie beiseite, das hab ich ja schon erzählt. Was ich noch nicht gesagt hab: der hat mich dabei nicht mal angeschaut. Hat auf seinen Bildschirm getippt während ich geredet hab. Und da ist eigentlich der Punkt der mich grad mehr beschäftigt als die ganze Messtechnik-Debatte. Selbst wenn du dich hinsetzt, ordentlich misst, Protokoll führst, gute Werte sammelst - du brauchst am anderen Ende jemanden der das ernst nimmt. Sonst ist das wie wenn du nen Bericht schreibst den keiner liest. Ich kenn das aus dem Betrieb, da macht auch keiner aufwändige Dokumentation wenn er weiß dass die im Ordner verstaubt. Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht "wie messe ich richtig" sondern "wie kriege ich den Arzt dazu dass er mich fünf Minuten lang wirklich zuhört". Und das ist 'ne ganz andere Baustelle.

@rainer_w64

Zitat von rainer_w64

wie kriege ich den Arzt dazu dass er mich fünf Minuten lang wirklich zuhört

- das ist ehrlich gesagt ne Frage die ich nicht beantworten kann. Aber was mich bei deinem Beitrag beschäftigt ist eher was anderes. Du sprichst von nem Bericht der im Ordner verstaubt und das ist ne gute Analogie. Aber im Lager weißt du wenigstens ob die Bestände stimmen oder nicht, am Ende kommt ne Inventur und dann siehst du ob du richtig liegst. Bei Blutdruck ist das anders - selbst wenn dein Arzt dir zuhört, heißt das nicht dass deine Messungen am Ende irgendwen interessieren außer dir selbst. Und das ist vielleicht das, das man akzeptieren muss. Nicht "wie kriege ich den Arzt zum Zuhören" sondern eher "ok, ich messe für mich, nicht für ihn, und dann muss ich selbst wissen was ich damit anfange." Das ist unbefriedigend, aber ehrlich. Bei mir ist es so - ich miss jetzt gar nicht mehr, weil mir relativ schnell klar war: mein Arzt interessiert sich dafür wenn ich komme und die Werte zu hoch sind, und dafür brauch ich kein Gerät zuhause. Ich pass auf dass ich nicht zu viel Stress hab, esse halbwegs ordentlich, und wenn's wirklich ein Problem gibt merke ich das irgendwann auch ohne Zahlen. Das reicht mir.

@fk_1988

Zitat von fk_1988

ich mess jetzt gar nicht mehr

ja, das ist zumindest konsequent. Aber mich beschäftigt grad was anderes an dem was du sagst. Du meinst, wenn's wirklich ein Problem gibt, merkst du das auch ohne Zahlen. Echt jetzt - das stimmt doch gar nicht immer. Erhöhter Blutdruck macht doch oft jahrelang keine Symptome. Das ist ja gerade das Tückische. Ich hab's auch nicht gemerkt, hat mir der Arzt gesagt beim Check. Ich hab mich nicht schlechter gefühlt als sonst. Also was genau willst du dann "merken"? Das ist für mich der Haken an dieser ganzen "hör auf deinen Körper"-Haltung. Bei nem kaputten Lager am Getriebe hörst du das irgendwann, da gibt's Geräusche oder Vibrationen. Aber Blutdruck ist kein Lager - der quietscht nicht bevor er zum Problem wird. Deswegen bin ich beim Messen auch nicht fertig, auch wenn mich die ganze Sache mit dem Arzt ankotzt. Die Frage ist halt ob man messen soll obwohl am Ende niemand die Zahlen ernstnimmt - oder ob man's lässt und dann irgendwann einen Schlaganfall kriegt den man vielleicht hätte kommen sehen können. Das klingt jetzt dramatisch aber mal ehrlich, genau darum geht's doch eigentlich.

@rainer_w64 Zitat von rainer_w64genau darum geht's doch eigentlich
ja, aber ich glaub du wirfst da zwei Sachen durcheinander die nicht das gleiche sind. Auf einer seite die Frage "soll ich messen um mich selbst zu beruhigen" und auf der anderen "soll ich messen um Probleme früh zu erkennen". Das sind zwei komplett unterschiedliche Gründe und ich glaub genau da liegt der Knoten. Wenn du wirklich Angst vor nem Schlaganfall hast - und das ist legitim - dann is die Antwort nicht "kauf dir ein Handgelenksgerät und los geht's". Das ist dann eher "geh zum Arzt und sag dem dass dich das beschäftigt". Der kann dir dann sagen ob du ein echtes Risiko hast oder nicht. Und wenn ja, dann kümmert der sich drum, nicht du mit deinem Gerät zuhause. Was mich aber grad mehr ärgert ist - und das richtete sich eher an @fk_1988 - diese Haltung "ich mess nicht mehr weil's eh keinen Unterschied macht". Das is mir auch zu einfach. Es gibt ja durchaus Leute bei denen regelmäßiges Messen sinnvoll ist, nur eben nicht die meisten von uns im Forum die da rumfragen. Und bei uns ist es eben wie du sagst - der Arzt nimmt's nicht ernst, also macht's keinen Sinn. Aber statt das jetzt als persönliches Versagen zu interpretieren könnte man auch einfach sagen: ok, mein Arzt ist da nicht hilfreich, also nutz ich die Zeit anders. Ich geb dir Recht dass das unbefriedigend ist, aber es is halt so.

@gg1987

Zitat von gg1987

mein Arzt ist da nicht hilfreich, also nutz ich die Zeit anders

ja, klingt vernünftig. Aber was machst du dann mit der Zeit? Das ist die Frage die mich grad beschäftigt. Ich mein das nicht sarkastisch. Ich frag mich ernsthaft was die Alternative ist wenn man in diesem Zwischenzustand steckt. Nicht krank genug, aber auch nicht beruhigt. Du sagst "nutz die Zeit anders" - aber womit? Mehr Gemüse essen und hoffen? Das mach ich ja schon, Rote Beete, weniger Salz, das ganze Programm. Und trotzdem sitze ich abends manchmal da und frag mich ob das reicht. Was mich wirklich nervt ist dass es anscheinend keine saubere Option gibt. Messen ohne Arzt der's auswertet - sinnlos laut diesem Thread. Nicht messen - auch keine Lösung wenn man weiß dass Bluthochdruck eben nicht quietscht. Und zum Arzt gehen bringt dir "trinken Sie weniger Kaffee" und dann Tschüss. Ich kenn das aus der Schlosserei. Wenn ein Bauteil im Grenzbereich läuft - nicht kaputt, aber auch nicht sauber - dann überwachst du das trotzdem. Einfach weil du weißt dass es irgendwann kippen kann. Ohne Überwachung läufst du blind. Vielleicht ist Messen deshalb gar nicht so dumm. Auch wenn keiner die Zahlen auswertet. Zumindest weiß ich dann ob der Trend geht oder steht. Das ist kein Beweis für nix, aber es ist auch nicht nichts.

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