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Blutdruck-Messungen zu Hause – wann wird's unsinnig?

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Zitat von mh_82

Erklärung gibt einem das Gefühl von Kontrolle auch wenn man gar keine hat

ja. das ist der Punkt wo ich beim Lesen kurz aufgehört hab. weil das beschreibt eigentlich was ganz anderes als Messfrequenz oder Protokoll. das beschreibt einen Gemütszustand. und den kann kein Messgerät der Welt beheben, das ist mir jetzt erst so klar geworden in diesem Thread. was mich aber noch umtreibt - und das hat bisher keiner angesprochen: @holli hat anfangs geschrieben die Werte waren wild, dann hat sich was stabilisiert. der hat also tatsächlich einen Vorher-Nachher-Moment erlebt. Ich frag mich ob genau das das Problem ist. Nicht die Unruhe allgemein, sondern dass er jetzt Angst hat den Moment zu verpassen wo es wieder kippt. Also nicht Kontrolle gewinnen wollen, sondern Kontrollverlust verhindern wollen. Das ist nochmal ein anderer Antrieb. ich kenn das von der Arbeit. wenn in einem Lagerbereich mal was richtig schiefgelaufen ist, gucken die Leute danach noch wochenlang öfter rein als nötig. nicht weil sie neugierig sind, sondern weil sie das nächste Schiefgehen kommen sehen wollen. die Häufigkeit kommt nicht aus Interesse sondern aus dem Schrecken davor was passiert wenn man nicht hinschaut. ob das bei @holli so ist - keine Ahnung. aber ich würd das mal fragen.

Zitat von rote_socke_83

nicht weil sie neugierig sind, sondern weil sie das nächste Schiefgehen kommen sehen wollen

Das ist eine gute Unterscheidung, @rote_socke_83. Und ich glaub die trifft näher ran als alles was ich heute morgen geschrieben hab. Was mich dazu gerade beschäftigt: Das hat dann eigentlich nichts mehr mit Blutdruck zu tun. Das ist Vigilanz. Der Körper - oder der Kopf - läuft auf erhöhter Alarmbereitschaft und braucht ein Ritual um das zu managen. Die Messung ist dann das Ritual, nicht das Werkzeug. Das kenn ich tatsächlich aus dem Praxisalltag, Patienten nach einer akuten Verletzung die jede Bewegung auf Schmerz scannen, weil sie Angst haben das nächste Signal zu verpassen. Die Bewegung wird dadurch schlechter, nicht besser. Was mich bei @holli konkret interessieren würde: wie war das direkt nach dem stabileren Wert-Zeitraum? Hat er da die Frequenz erhöht oder war das schon immer so? Weil wenn die Häufigkeit erst danach gestiegen ist - dann passt deine Hypothese ziemlich gut. Und wenn das stimmt, dann ist die Frage "wie oft messen" eigentlich die falsche. Dann wäre die richtige Frage was ihm hilft mit der Restungewissheit umzugehen. Die wird nämlich nicht weggehen, egal wie oft er misst.

Zitat von elvira_k

Mache ich das für meine Gesundheit oder gegen meine Angst?

ich komm da immer wieder drauf zurück, auch jetzt nach allem was @mh_82 zuletzt geschrieben hat. das mit der Vigilanz - das erklärt eigentlich warum eine bessere Messmethode allein nicht reicht. weil der Kopf der auf Alarm läuft findet immer was. sauberere Daten bedeuten dann nur: die Abweichungen die er sieht sind echt. das macht's nicht ruhiger. was mich jetzt aber konkret beschäftigt - und das hat bisher keiner gefragt: @holli, du schreibst "meine Frau meint ich würde obsessiv". Was sagt sie genau? also nicht als Kritik, sondern was sieht sie von aussen die du vielleicht nicht siehst? weil das finde ich eigentlich interessanter als die Frage nach der Frequenz. jemand der mit einem zusammenlebt sieht manchmal Muster früher als man selbst. ich hab das bei meiner Frau auch erlebt, als ich nach jeder Ausfahrt zwanzig Minuten auf Strava gesessen hab. irgendwann hat sie gesagt: du kommst rein und bist trotzdem noch nicht angekommen. hat mich damals leicht genervt - aber sie hatte recht. die Frage die für mich jetzt offen ist: gibt es für @holli überhaupt einen Moment wo er nach der Messung wirklich abschalten kann. oder ist der nächste Messpunkt schon im Kopf bevor er das Gerät weggelegt hat.

Zitat von rote_socke_83

gibt es für @holli überhaupt einen Moment wo er nach der Messung wirklich abschalten kann

Das ist eigentlich die Frage die ich mir auch stellen wollte, aber du hast sie präziser formuliert als ich es hätte. Und das mit der Frau - ja, das finde ich auch relevanter als alles über Frequenz und Protokoll. Nicht weil die Außenperspektive automatisch recht hat, aber: wenn jemand der täglich mit dir zusammen ist sagt "das wird zu viel" - dann hat der meist schon länger was beobachtet bevor er das ausspricht. Das ist kein Bagatell. Was mich bei @holli noch fehlt ist ein ganz anderer Aspekt. Er schreibt, ohne Messung fühlt er sich unwohl. Aber wir wissen nicht was er dann tut. Schaut er auf Symptome? Wird er körperlich aufmerksamer? Weil das wäre nochmal eine andere Qualität. Das Messgerät könnte dann die Funktion haben, eigene Körperwahrnehmung zu ersetzen statt zu ergänzen. Das sehe ich manchmal bei Patienten mit Schmerzmessgeräten - irgendwann vertrauen sie dem Gerät mehr als dem eigenen Empfinden. Und das ist eigentlich der Punkt wo man aufpassen muss. Konkret gefragt an @holli: wenn du einen Tag lang nicht gemessen hast - merkst du dann mehr auf deinen Körper oder merkst du weniger?

Zitat von mh_82

Das Messgerät könnte dann die Funktion haben, eigene Körperwahrnehmung zu ersetzen statt zu ergänzen

das trifft mich gerade mehr als ich erwartet hab. ich kenn das nämlich von der anderen Seite. als ich mit Rote Beete Konzentrat angefangen hab, hab ich eine Weile täglich gemessen weil ich wissen wollte ob das was bringt. und irgendwann hab ich gemerkt - ich hab net mehr auf mich gehört, ich hab nur noch auf die Zahl gewartet. ob ich mich gut gefühlt hab interessierte mich kaum noch. das Blöde ist, bei mir hat sich dann tatsächlich was verändert, Werte stabiler, Morgen-Messung deutlich ruhiger. aber ob das die Rote Beete war oder dass ich insgesamt weniger Wurst gegessen hab keine Ahnung. den Beweis hab ich nie sauber hinbekommen, weil ich eben nie gleiche Bedingungen hatte. @holli ich frag mich bei dir konkret: wenn du morgens einen guten Wert hast, wie lang hält das Gefühl an. eine Stunde? bis zum Mittagessen? weil wenn die Beruhigung net mal bis zum Nachmittag trägt dann ist das Gerät halt kein Werkzeug mehr, das ist dann eher sowas wie ein Sicherheitsventil das sich immer wieder neu füllen muss. das kenn ich von Leuten die ständig ihr Multimeter zücken auch wenn sie eigentlich schon wissen was Sache ist - manchmal misst man net um was rauszufinden, man misst damit man was tun kann.

Zitat von rennradhorst

manchmal misst man net um was rauszufinden, man misst damit man was tun kann

das ist eigentlich der klarste Satz den ich heute hier gelesen hab. weil das benennt was ich in dem ganzen Thread die ganze Zeit umkreist hab ohne es so hinzukriegen. und dein Multimeter-Vergleich - der passt. ich kenn das auch. bei uns im Lager gibt's Leute die vor jeder Schicht die Förderbänder checken obwohl die Anzeige grün ist. nicht weil sie was vermuten. sondern weil sie sonst nicht loslassen können. das ist kein Qualitätsbewusstsein mehr, das ist Ritual gegen innere Unruhe. Punkt. was mich jetzt aber bei @holli wirklich interessiert, und das ist was anderes als alles bisher: er schreibt dass die Werte "wild" waren am Anfang. 150/95. das ist kein Kleinkram. ich frag mich ob er damals einen richtigen Schreck gekriegt hat - also so einen der sich festsetzt. weil wenn ja, dann ist alles was danach kommt vielleicht gar nicht Obsession, sondern das ist noch der Schrecken vom Anfang der nicht wirklich verarbeitet ist. die stabilen Werte haben den nicht weggespült, die haben ihn nur kurz überdeckt. @rennradhorst du schreibst deine Werte wurden stabiler - aber du weißt nicht warum genau. ehrlich gesagt finde ich das fast gesünder als wenn man glaubt es ganz genau zu wissen. weil dann hört man irgendwann auf zu suchen.

Zitat von rote_socke_83

fast gesünder als wenn man glaubt es ganz genau zu wissen

da steck ich gerade. weil das eigentlich das Gegenteil von dem ist was ich intuitiv dachte. ich hab immer gemeint, mehr Klarheit = weniger Grübeln. aber wenn ich ehrlich bin, war das bei mir net so. ich hab einen Punkt gehabt wo die Werte gut waren und ich trotzdem noch täglich gemessen hab - einfach weil ich dachte, das kann sich ja jederzeit wieder ändern. und das ist genau das was @rote_socke_83 mit dem "Schrecken vom Anfang" meint. bei mir war der erste erhöhte Wert beim Hausarzt auch so ein Moment. der sitzt. auch wenn danach alles besser wird. was mich bei @holli eigentlich beschäftigt ist was ganz anderes als Frequenz. er schreibt er hat umgestellt, weniger Salz, mehr Gemüse, Werte stabiler. das ist doch was. aber klingt net so als würde er das selbst würdigen. der redet über die Schwankung von 5 Punkten und net über das was er hingekriegt hat. ich kenn das von Ausfahrten - wenn ich 120 km gefahren bin und dann zuhause erstmal schau ob die Durchschnittsgeschwindigkeit gestimmt hat statt einfach froh zu sein dass ich's durchgezogen hab. das ist so ein Modus wo man das Gute net landen lässt. ob das bei @holli auch so ist weiß ich net. aber ich würd ihn das fragen.

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