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Wie zuverlässig sind die Blutdruckmessgeräte für zu Hause wirklich?

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Ich habe mir vor einigen Monaten so ein Oberarm-Messgerät gekauft, nachdem der Hausarzt mir geraten hat, regelmäßig zu messen. Seitdem beschäftigt mich aber eine Frage, die ich gerne mit euch klären würde: Wie genau sind diese Dinger eigentlich? Bei mir ist es so, dass ich manchmal morgens und abends messe, und die Unterschiede sind teilweise erheblich. Gestern zum Beispiel hatte ich morgens 138/86 und abends 122/78 und dazwischen habe ich eigentlich nichts Besonderes gemacht, nur normal Haushalt und ein wenig im Garten gearbeitet. Meine Nachbarin meint, dass diese Heimgeräte alle nicht zuverlässig sind und man sich da nicht drauf verlassen sollte. Aber der Hausarzt hat mir doch explizit geraten zu messen, also kann ja nicht ganz falsch sein. Mich irritiert auch, dass ich gelesen habe, man soll immer zur gleichen Zeit messen und in Ruhe sitzen. Bei mir ist das schwierig, weil ich nicht jedes Mal um die gleiche Minute herum gemessen kriege. Heute Morgen war ich zum Beispiel grade aus dem Garten reingekommen und habe direkt gemessen, ob das wohl verfälscht hat? Und noch was: Kostet es was, so ein Gerät checken zu lassen? Oder braucht man da gar nicht zu fragen? Ich habe meines jetzt seit etwa fünf Monaten, vielleicht sollte ich das mal überprüfen lassen, um sicherzugehen.

@elvira_k die 16er Differenz zwischen morgens und abends ist eigentlich völlig normal, da musst du dir nix draus machen. Blutdruck schwankt ständig - Tagesrhythmus, wie viel du getrunken hast, ob du nervös bist. Das ist kein Zeichen dass dein Gerät kaputt ist. Zur Frage ob du es checken lassen solltest - ehrlich gesagt, bei den meisten Oberarm-Geräten aus dem Handel brauchst du das nicht. Die sind werkskalibriert und halten das ziemlich lange. Es sei denn es fällt runter oder sowas. Meine Apothekerin hat mir mal gesagt dass die Dinger eher zu oft überprüft werden als nötig. Was ich dir aber würde raten: mach dir nicht so viel Kopf dass du immer exakt die gleiche Zeit erwischst. Das ist ein Ideal das in der Realität nicht funktioniert, besonders wenn du wie ich tagsüber arbeitest. Wichtiger ist dass du generell ein paar Mal pro Woche misst und grob guckst ob es ein Muster gibt. Wenn es ständig über 140 ist, dann solltest du deinen Arzt davon wissen. Aber einzelne höhere Werte weil du gerade noch im Garten warst - vollkommen egal. Deine Nachbarin hat das halt nicht ganz verstanden. Die Geräte sind zuverlässig genug für den Hausgebrauch. Das reicht völlig aus.

Zitat von fk_1988

Das reicht völlig aus

Naja, kann ich so nicht ganz unterschreiben. Nicht weil die Geräte schlecht sind, aber dieses "reicht völlig aus" gilt halt nur wenn man auch weiß wie man misst. Ich hab das selbst falsch gemacht am Anfang - Arm nicht auf Herzhöhe, kurz vorher noch Kaffee, einmal gemessen und fertig. Meine Hausarztin hat mir dann erklärt dass man mindestens zweimal hintereinander messen soll mit einer Minute Pause dazwischen und den Schnitt nehmen. Das hat bei mir locker 10 Punkte Unterschied gemacht. @elvira_k dieser Garten-Messung direkt danach - das wäre bei mir auch rausgeschmissen. Nicht weil das Gerät spinnt sondern weil dein Körper da noch auf Betrieb ist. 5 Minuten ruhig sitzen vorher ist kein Luxus, das ist einfach nötig damit der Wert irgendwas aussagt. Was mich bei der ganzen Diskussion mehr interessieren würde: merkst du bei bestimmten Sachen dass die Werte systematisch anders sind? Ich hab zum Beispiel gemerkt - rein aus eigener Beobachtung, nix weiter - dass meine Werte nach langen Schichten deutlich schlechter aussehen als nach normalen Tagen. Das sagt mir mehr als irgendwelche Einzelmessungen.

@rote_socke_83 fair Punkt mit der Messtechnik, da hast du recht. Zweimal messen mit Pause - das hab ich auch so gelernt, war aber zu faul es zu schreiben haha. Meine Apothekerin hat mir da ähnliches erzählt wie dir deine Hausarztin. Aber was du mit den systematischen Mustern sagst - genau das meine ich. @elvira_k sollte weniger auf einzelne Messungen gucken und mehr drauf achten ob es richtungen gibt. Deine lange Schicht-Beobachtung ist gold wert, weil da tatsächlich ein Zusammenhang rausspringt. Das ist viel hilfreicher als wenn man jeden einzelnen Wert auseinandernimmt. Bei mir ist es ähnlich - nach meinen Halbmarathon-Läufen sind die Werte natürlich im Keller, aber das ist ja auch nicht die Frage. Interessanter finde ich eher, wie sie an normalen Arbeitstagen aussehen. Und ob sich was ändert wenn ich länger schlafe oder eben nicht. Ich messe aber auch nicht täglich, eher so zwei, drei Mal pro Woche wenn ich Zeit hab. Das Problem bei täglich messen ist glaube ich dass man anfängt sich verrückt zu machen. Jeder kleine Unterschied wird zum Drama obwohl der Körper halt einfach nicht konstant ist. Wenn elvira_k das zu ernst nimmt, wird das schnell stressig - und Stress drückt die Werte ja auch nach oben. Ein bisschen Zirkelschluss.

Zitat von fk_1988

anfängt sich verrückt zu machen

Da ist was dran aber ich würd das umdrehen: das Verrücktmachen kommt nicht vom Messen selbst sondern davon dass man keine Referenz hat was normal für einen persönlich ist. @elvira_k misst erst seit ein paar Monaten da fehlt noch einfach die Erfahrung was die eigenen Werte so machen. Ich hab das selbst durchgemacht. Erste Wochen dachte ich jeder Wert über 130 ist Alarm. Irgendwann merkst du halt: freitags nach der Frühschicht sieht das immer so aus, und samstags nach dem Radfahren eben anders. Dann hört das Verrücktmachen auf. Was mich bei dem Zirkelschluss-Argument von @fk_1988 aber stört: das klingt fast so als wäre weniger Messen die Lösung für den Stress. Ich sag dir, das ist Logik die mir zu kurz greift. Wenn jemand erhöhten Blutdruck hat oder der Arzt sagt "beobachte das mal" - dann ist weniger Messen nicht die Antwort. Dann ist die Antwort dass man lernt die Werte einzuordnen. Punkt. @elvira_k: schreib dir die Werte auf, auch kurz den Kontext dazu. Garten vorher, Stress gehabt, schlecht geschlafen. Nach drei Wochen siehst du Muster die dir kein einzelner Wert zeigt. Das kostet dich fünf Sekunden pro Messung.

@rote_socke_83 der Punkt mit dem Kontext aufschreiben ist gut, den würde ich so unterschreiben. Aus der Praxis kenne ich das: Patienten bringen mir Messprotkolle wo nur Zahlen drinstehen, und ich kann damit wenig anfangen weil der Kontext fehlt. Was ich aber noch ergänzen würde, weil das hier noch nicht drin war: der Arm. Nicht nur Herzhöhe, sondern auch welcher Arm. Viele Leute wechseln das durch, messen mal links, mal rechts, und wundern sich über Abweichungen. Es gibt tatsächlich Menschen die haben links/rechts-Differenzen von 10-15 mmHg systolisch, das ist physiologisch normal und hat nichts mit dem Gerät zu tun. Wenn das niemand erklärt hat, sieht das aus wie Gerätefehler.

Zitat von rote_socke_83

das klingt fast so als wäre weniger Messen die Lösung

Genau das hat mich auch gestört. Realistisch betrachtet ist das Messen nicht das Problem, es ist das fehlende Einordnungswerkzeug. @elvira_k: deine Hausarztpraxis sollte dir eigentlich sagen können, welcher Arm und welche Uhrzeit als Referenz gilt. Wenn das nicht besprochen wurde, ist das der eigentliche Lücke im Gespräch.

@markus_hh88 guter Punkt mit links/rechts, das hätte ich echt erwähnen sollen. Bei mir selbst gemessen - rechter Arm ist konsistent ein paar Punkte höher, links gemessen ich halt gar nicht erst mehr weil das zu verwirrend wurde. Aber was mich jetzt mehr interessiert: @rote_socke_83 du sagst die Ärzte sollten sagen welcher Arm und welche Uhrzeit als Referenz. Das ist theoretisch richtig, aber wie oft passiert das in der Praxis wirklich? Bei mir war es so - mein Hausarzt hat mir gesagt "messen Sie regelmäßig" und das war's. Die Details mit Arm und Uhrzeit und so ein Kram, das hab ich mir selbst zusammensuchen müssen oder eben von der Apothekerin erfahren. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass viele Ärzte das auch gar nicht so detailliert durchsprechen weil sie denken es ist offensichtlich. Ist es aber nicht. Das Problem ist dann - und da sehe ich einen echten Unterschied zu deiner Position - wenn jemand wie @elvira_k anfängt täglich zu messen und keinen Rahmen hat, dann wird das tatsächlich zum Stress-Generator. Nicht weil Messen schlecht ist, sondern weil ohne diese ganzen Regeln die Werte einfach wild aussehen und man fängt an rumzudoktorn. Vielleicht sollte die Hausarztpraxis da einfach ein Blatt mitgeben. Zwei Seiten, fertig. Welcher Arm, wie lange vorher nix essen, zweimal messen, aufschreiben. Statt dass jeder das selbst rausfinden muss.

Zitat von rote_socke_83

das klingt fast so als wäre weniger Messen die Lösung

@fk_1988 das ist jetzt bei dir schon das zweite Mal dass du das Argument richtung "weniger ist mehr" schiebst, und ich versteh den Impuls, aber ich glaub du vermischst da zwei Sachen. Der eine ist das methodische Problem - falscher Arm, kein Kontext, einmal messen statt zweimal. Das ist lösbar. Der andere ist tatsächlich Mess-Angst, die manche Leute entwickeln. Das sind aber zwei verschiedene Phänomene und die Lösung für beide ist nicht "seltener messen". Was mich an deinem "zwei Seiten Merkblatt"-Vorschlag aber ehrlich gesagt ein bisschen nervt: das gibt es. Nicht als fancy Broschüre, aber die ESH-Empfehlungen zur Heimblutdruckmessung sind da relativ klar. Das Problem ist nicht dass die Information nicht existiert, sondern dass niemand in der Praxis die Zeit hat, das durchzusprechen. Und dann kauft jemand wie @elvira_k ein Gerät, kriegt die Anweisung "messen Sie regelmäßig", und wundert sich ein halbes Jahr über Schwankungen die völlig normal sind. Das eigentliche Leck ist das Gespräch direkt nach dem Kauf, nicht die Häufigkeit der Messung danach.

@markus_hh88

Zitat von markus_hh88

das eigentliche Leck ist das Gespräch direkt nach dem Kauf

ja, das kenn ich. ich hab mein Gerät damals einfach mitgenommen, Packungsbeilage überflogen, fertig. Kein Mensch hat mir irgendwas erklärt. Und ich bin Vorarbeiter, ich les sowas wenigstens. Was machen die Leute die das gar nicht machen. Was mich bei dem ganzen Thread aber noch beschäftigt: ihr redet viel über Technik und Methodik, und das ist alles nicht falsch. Aber niemand hat bisher gesagt was man eigentlich mit den Werten anfangen soll wenn man sie hat. Ich mein konkret - ich schreib meine auf, hab ich wochenlang gemacht. Und dann sitzt du beim Arzt und der guckt kurz drauf und sagt "ja, passt so" oder "da müssen wir drauf achten". Ende. Kein echtes Gespräch was das bedeutet oder was ich anders machen könnte. Das Messprotokoll ist also nur so gut wie das was danach kommt. Und da hakt es bei mir mehr als bei der Frage ob ich jetzt links oder rechts messe. @elvira_k ich würd dir trotzdem sagen: mach weiter. Aber frag beim nächsten Termin konkret was dein Arzt mit den Werten eigentlich sehen will. Nicht "ist das okay" sondern "ab welchem Wert rufst du mich an".

@rainer_w64 genau das ist der Punkt wo ich gerade hängen bleibe. Ich messe seit Jahren und hab meine Werte aufgeschrieben, aber beim Arzt passiert oft genau das was du beschreibst - kurzer Blick, "passt" oder "müssen wir beobachten" und dann sitzt du da und weißt nicht was du jetzt konkret mit den Daten anfangen sollst. Das Problem ist glaube ich dass viele Ärzte gar nicht erwarten dass Patienten sowas ernsthaft dokumentieren. Die gehen von "Patient misst vielleicht jeden zweiten Sonntag" aus nicht von "hat ein Protokoll mit drei Monaten Daten". Wenn du dann ankommst mit sowas, wissen sie manchmal gar nicht wie sie damit umgehen sollen. Mich würde interessieren @rainer_w64 - hast du denn versucht das konkret anzusprechen, also nicht "ist das okay" sondern wirklich "was bedeutet es wenn der Wert an langen Schichten systematisch höher ist"? Oder fühlt sich das zu direkt an gegenüber dem Arzt? Bei mir ist es komisch - ich trau mich bei der Apothekerin sowas zu fragen, beim Arzt eher nicht. Dabei ist der Arzt derjenige der die Verantwortung trägt.

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