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Wie merkt ihr ob sich eure Erholung wirklich verbessert hat?

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Ich beschäftige mich gerade mit der Frage, wie man das eigentlich sinnvoll beobachtet. Nicht im Labor, sondern im Alltag. Ich mache das seit einer Weile so dass ich nach längeren Ausfahrten (ab zwei Stunden aufwärts) kurz notiere, wie sich meine Beine am nächsten Morgen anfühlen. Schwere, Kribbeln, ob das Treppensteigen unangenehm ist. Das klingt banal, aber nach ein paar Wochen fängt man an, Muster zu sehen. Das Problem ist: Ich schlafe nicht jede Nacht gleich gut. Manchmal ist Mittwoch noch Korrekturbergstapel auf dem Tisch und dann bin ich einfach müder. Das verfälscht alles. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich seit ich konsequenter auf die Ernährung direkt nach der Ausfahrt achte, die schweren Beine seltener werden. Konkret gesagt: weniger oft dieses bleierne Gefühl am Tag danach. Aber ich weiß selbst, dass ich da nicht sauber trennen kann was die Ursache ist. Mehr Schlaf? Weniger intensive Einheiten gerade? Oder tatsächlich das was ich esse und trinke? Was mich interessiert: Macht hier jemand so etwas wie ein einfaches Tagebuch, das tatsächlich verwertbar ist? Ich habe schon gelesen, dass Ruheherzfrequenz morgens ein guter Marker sein soll. Bei mir schwankt die so wenig, dass ich da kaum was ableiten kann. Ich frage das auch weil ich merke, dass mir Erfahrungsberichte im Forum oft mehr bringen als irgendwelche allgemeinen Artikel. Da schreibt jemand "bei mir war es so und so" und das ist konkreter als Grafiken aus Studien, die ich ohnehin nicht vollständig lesen kann. Also: Wonach schaut ihr? Wie unterscheidet ihr "Einbildung" von echtem Signal?

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von rennradrenate

Wie unterscheidet ihr "Einbildung" von echtem Signal?

also ich find genau das ist die Gretchenfrage und ich hab ehrlich keine gute Antwort drauf. Was ich aber gemerkt hab - und das ist schon älter, nicht aus diesem Thread - ist dass "Einbildung" vielleicht gar nicht das richtige Wort ist. Wenn ich nach einem langen Lauf am nächsten Tag merke dass ich die Treppe normal hochgehe dann ist das ein reales Erleben. Ob die Rote Beete schuld ist oder der Schlaf oder einfach Glück... ja keine Ahnung. Was mich an deiner Methode interessiert @rennradrenate: Du notierst das abends oder morgens? Weil ich glaube das macht einen Unterschied, was du dann wahrnimmst. Abends bist du noch im "hat das Training wehgetan"-Modus, morgens eher im "okay was spüre ich jetzt"-Modus. Das sind für mich fast zwei verschiedene Datenpunkte. Das mit der Ruheherzfrequenz kenn ich auch - ich hab das mal zwei Wochen lang gecheckt und die hing mehr daran wie ich gelegen hab beim Aufwachen als an irgendwas Trainingsrelevantes. Hab dann aufgehört. Was ich mir manchmal denke: vielleicht ist die Frage ob es Einbildung ist auch ein bisschen egal, solange das Ritual funktioniert. Aber das klingt jetzt schon wieder nach Selbstbetrug und das mag ich eigentlich nicht so

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less is more ?

Zitat von jana_w

vielleicht ist die Frage ob es Einbildung ist auch ein bisschen egal, solange das Ritual funktioniert

- ja aber genau da bin ich anderer meinung digga. wenn das Ritual nur funktioniert weil ich mir was einrede, dann spar ich mir die kohle für betanio und trink einfach wasser, alter das ist. aber jetzt das was mich grad triggert - ihr beide schreibt über notizen und schlaf und morgens vs abends, aber keiner fragt: wie intensiv trainiert ihr eigentlich grade? weil wenn ich ne woche lang einfach lockere trainingseinheiten fahre, merke ich am nächsten tag NATÜRLICH weniger schwere beine. das hat nix mit der roten beete zu tun. und genau das machen die meisten glaub ich falsch - die denken "ah meine routine funktioniert jetzt" aber sie trainiern unbewusst einfach weniger hart. bei mir im lager die letzte woche - total stressig, schwere kartons, spät weg. dann abends noch trainiert und direkt mein betanio genommen. nächsten morgen schwere beine wie immer. weil der körper war einfach zu k.o. von der arbeit. da hilft kein saft. @rennradrenate du schreibst "seit ich konsequenter auf die ernährung achte" - aber hast du auch checkt ob du vielleicht parallel weniger intensiv fährst oder mehr schläfst? weil das würde mehr erklären als jeder gemüsesaft ehrlich

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weniger reden mehr heben

@derbasti okay ja ich geb dir teilweise recht aber gleichzeitig... das mit dem "dann spar ich mir die Kohle" stimmt halt nur wenn du ausschließlich wegen der Wirkung was machst. Ich mach Rote Beete weil sie mir schmeckt und weil ich sie schön finde, das Gesundheitszeug ist für mich wirklich Hintergrundwissen. Also da ist für mich kein Geld zu sparen das ich "falsch" ausgebe. Aber der Punkt mit der Trainingsintensität - den find ich tatsächlich interessant und der kam so noch nicht vor. Du sagst der Körper war durch die Arbeit schon k.o. und dann kommt Training obendrauf. Das heißt eigentlich ist Trainingsbelastung und Alltagsbelastung gar nicht so trennbar wie man tut. @rennradrenate schreibt selbst "Mittwoch Korrekturstapel" als Störgröße - aber vielleicht ist das keine Störgröße sondern einfach Teil des Bildes. Wer nen stressigen Job hat erholt sich anders, Punkt. Was mich daran stört - und das ist jetzt kein Angriff - ist so ein bisschen der Unterton dass nur harte Einheiten "echte" Belastung sind. Ich bin grad eh mit einem Client-Projekt in der Endphase, sitze seit Tagen vor Screens, das kostet mich auch was. Da merk ich genauso Erholung oder eben nicht, auch ohne Laufschuhe anzuziehen.

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less is more ?

Zitat von jana_w

das kostet mich auch was

Das finde ich eigentlich den interessantesten Punkt, den du machst, @jana_w. Und ich glaube, da steckt was drin, was ich in meinen Notizen bisher gar nicht trenne. Ich schreibe "Korrekturstapel" als Randnotiz, aber ich gewichte das nicht. Körperliche Ausfahrt bekommt eine Zahl - zwei Stunden, Tempo, Höhenmeter - mentale Belastung bekommt "stressig" oder gar nichts. Dabei weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ich nach langen Elternabenden anders schlafe als nach ruhigen Tagen, selbst wenn ich nachmittags noch geradelt bin. Das müsste ich eigentlich miterfassen, wenn ich das ganze Tagebuch-Ding ernst nehme. @derbasti - dein Punkt zur Intensität ist berechtigt, den lasse ich stehen. Aber ich würde widersprechen, dass das die Ernährungsfrage erledigt. Wer immer locker fährt, kriegt vielleicht nie den Effekt zu sehen, weil die Belastung nie hoch genug ist. Das heißt nicht, dass kein Effekt existiert - nur dass man ihn unter bestimmten Bedingungen nicht messen kann. Was mich aber grad beschäftigt: Wenn Alltagsstress und Training nicht trennbar sind, dann ist das eigentlich ein Argument dafür, dass Erholung ganzheitlicher beobachtet werden müsste. Nicht nur was ich nach der Ausfahrt esse, sondern was der gesamte Tag mit mir gemacht hat. Ich weiß nicht ob ich mein Notizsystem jetzt umbauen will. Das klingt nach mehr Aufwand als Ertrag.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate der Punkt mit dem Tagebuch-Umbau - ich würd das nicht zu komplex machen, weil dann hört man nach zwei Wochen auf. Aus meiner Erfahrung in der Praxis sehe ich das oft: Leute fangen mit einem System an, das zu viele Variablen trackt, und dann nervt es einfach. Was aber tatsächlich hilft und wenig Aufwand ist: eine einzige Zahl für den subjektiven Gesamtzustand morgens, so ein einfaches 1-10 Gefühl, bevor man ans Handy geht. Nicht aufdröseln warum, nur die Zahl. Über ein paar Wochen siehst du dann Muster die du nachher mit deinen anderen Notizen verknüpfen kannst. Das ist keine wissenschaftliche Methode, aber die Datenlage zu sogenannten "wellness scores" im Ausdauersport zeigt, dass subjektive Morgeneinschätzung oft mit HRV-Daten korreliert - Düking et al. haben das 2016 in einer kleinen Studie gezeigt, wer will kann da reinschauen. Was mich am Thread aber mehr beschäftigt: Keiner hat bisher erwähnt, in welchem Trainingszyklus ihr gerade seid. Regeneration nach einer Aufbauphase mit progressiver Last fühlt sich anders an als nach einer Erhaltungsphase, und das verschiebt alle Vergleiche. @derbasti hat das mit der Intensität angesprochen, aber ich meine was anderes - nicht die einzelne Einheit, sondern die Akkumulation über Wochen. Die ist schwer zu erfassen wenn man nur tagesweise schaut.

Zitat von rennradrenate

nicht sauber trennen was die Ursache ist

Das ist ehrlich gesagt das Problem mit fast jedem Selbstversuch ohne Kontrollbedingung. Ich hab das selbst getestet mit Rote-Beete-Konzentrat über sechs Wochen und bin zu keinem klaren Ergebnis gekommen, weil ich parallel mein Trainingsvolumen hochgefahren hab.

@marek_rb der Hinweis auf Düking et al. ist gut, danke. Das kenn ich noch nicht, schau ich mir an. Was mich aber an dem ganzen Thread stört: Ihr redet über Selbstbeobachtung als wäre sie das Kernproblem. Aber das eigentliche Rauschen sitzt tiefer. Selbst wenn @rennradrenate ein perfektes Tagebuch führt, mit Morgen-Score, Schlafstunden, Trainingsintensität und Alltagsstress - was testet sie dann genau? Sich selbst. Einmal. Ohne Vergleichsbedingung. In der Praxis sieht das anders aus: Ich hab Patienten die mir schwören, ihr Konzentrat hat die Erholung verbessert. Dann frag ich nach und stellt sich raus, sie haben zeitgleich angefangen besser zu schlafen weil sie das Handy abends weglegen. Kausalität komplett unklar.

Zitat von marek_rb

bin zu keinem klaren Ergebnis gekommen, weil ich parallel mein Trainingsvolumen hochgefahren hab

Genau das. Und das ist kein individuelles Versagen, das ist das strukturelle Problem von Selbstversuchen. Konkret gefragt: Was würde euch eigentlich überzeugen? Nicht im Studiendesign-Sinne, sondern persönlich - welches Signal wäre für euch stark genug um zu sagen, das ist kein Zufall? Ich frage das weil ich glaube, dass die meisten von uns diese Schwelle nie explizit definiert haben. Und dann bewegt man sich ewig im "könnte sein, könnte nicht sein".

@mh_82 die Frage, die du am Ende stellst, ist eigentlich die interessanteste im ganzen Thread - und ich glaube, die meisten können sie wirklich nicht beantworten. In der Literatur gibt es dafür einen Begriff, den ich gerade in anderem Kontext lese: "minimal detectable change", also die kleinste Veränderung, die über normales Rauschen hinausgeht. Das Problem im Selbstversuch ist, dass man sein eigenes Rauschen meistens gar nicht kennt. Wenn @rennradrenate sagt, die schweren Beine kommen seltener - wie oft kamen sie vorher? Wie stark? Über wie viele Wochen? Ohne Baseline ist "seltener" kein Signal, das man von Regression zur Mitte unterscheiden kann.

Zitat von mh_82

welches Signal wäre für euch stark genug

Das würde mich tatsächlich interessieren, weil ich vermute, die Antwort hängt stark davon ab, was man zu verlieren hat. Wer 40 Euro im Monat für ein Konzentrat ausgibt, setzt die Schwelle wahrscheinlich anders als jemand, dem es ums Prinzip geht. Was mich an dem Thread insgesamt beschäftigt: Alle reden über Ernährung als Variable, aber die Outcome-Messung ist so weich, dass kaum eine Intervention da sauber durchkommt. Selbst in kontrollierten Studien ist "perceived recovery" als Endpunkt umstritten - Bellenger et al. haben 2016 im Sports Medicine Review ziemlich deutlich gemacht, wie schwer das zu standardisieren ist. Im Selbstversuch ist es nochmal eine Stufe schwieriger. Das ist kein Argument gegen das Beobachten. Nur gegen zu starke Schlüsse daraus.

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Meinungen hier sind privat, nicht Institutsposition.

@tobi_w der Verweis auf Bellenger ist gut, den kenn ich tatsächlich. Aber du machst genau das, was mich an dem Punkt ein bisschen stört: du beschreibst das Problem sehr sauber und hörst dann auf.

Zitat von tobi_w

die Antwort hängt stark davon ab, was man zu verlieren hat

Das ist mir zu vage. Klar, wer mehr Geld ausgibt, setzt die Schwelle anders - aber das erklärt noch nicht, wie die Schwelle überhaupt aussieht. Ich hab das neulich in der Praxis anders formuliert bekommen: Ein Patient sagte, er würde aufhören wenn er drei Wochen hintereinander keine Veränderung spürt. Das ist wenigstens konkret. Falsch wahrscheinlich, weil drei Wochen bei wechselnder Belastung nichts beweisen - aber zumindest hat er einen Punkt definiert. Was mich beschäftigt: Fast alle hier beschreiben "perceived recovery" als Outcome, aber keiner hat gesagt was der Gegenbeweis wäre. Nicht der Beweis - der Gegenbeweis. Was müsste passieren damit ihr sagt, nein, das bringt nichts? In der Praxis sieht das anders aus als in der Theorie. Ich frag Patienten manchmal direkt: Stell dir vor du nimmst das sechs Wochen und merkst gar nichts - hörst du dann auf? Die meisten zögern. Das sagt eigentlich alles über die Konfirmationslogik die da läuft.

Zitat von mh_82Was müsste passieren damit ihr sagt, nein, das bringt nichts? Das ist eigentlich die schärfere Frage, ja. Und ich find es interessant, dass du sie von der Falsifizierbarkeits-Seite her aufziehst, weil das genau der Punkt ist, an dem Selbstversuche meistens kollabieren. Was mich dabei aber beschäftigt - und das ist ein bisschen ein Seitengedanke: Dein Patient mit den "drei Wochen" hat wenigstens ein Kriterium formuliert, auch wenn es methodisch wackelig ist. Das ist in der Praxis eigentlich mehr als die meisten tun. Die Frage ist, ob das Kriterium vorher festgelegt wurde oder im Nachhinein, wenn drei Wochen vorbei sind und man doch was gespürt hat. Das klingt nach einer kleinen Nuance, ist aber der Unterschied zwischen einem Test und einer Bestätigung, die man sich rückwirkend zusammenbaut. Was ich in unserer Arbeitsgruppe manchmal sehe: Leute definieren ihre Abbruchbedingung implizit so, dass sie eigentlich nie erreicht werden kann. "Ich hör auf wenn es nichts bringt" - aber "bringt nichts" bleibt diffus genug, um immer noch eine Erklärung zu finden, warum es doch was gebracht haben könnte. Stress, Schlaf, Trainingsphase. @mh_82 du schreibst "Konfirmationslogik", und ich würde dem zustimmen, aber ich würde das nicht als individuelles Versagen lesen. Das ist bei wahrgenommener Erholung als Outcome fast strukturell unvermeidbar, weil das Signal-Rausch-Verhältnis so ungünstig ist, dass auch gut motivierte Beobachter kaum eine Chance haben, sauber zu trennen. Edit: Kleine Ergänzung - das Problem verschärft sich noch, wenn die Person emotional oder finanziell in die Intervention investiert hat. Dann wird die Rationalität des Abbruchs auch psychologisch schwieriger, unabhängig von der methodischen Frage. --
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