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Wann habt ihr gemerkt dass ein Supplement gar nix bringt – und aufgehört?

Ich frag mich das grad weil ein Kollege im Verein - der Hannes fährt seit Jahren mit - neulich gesagt hat er nimmt seit sechs Monaten irgendwelche Aminosäure-Kapseln und er weiß selbst nicht mehr warum. Hat irgendwann angefangen, weil ein anderer im Verein drauf geschworen hat, und jetzt schluckt er die halt weiter. Aus Gewohnheit. Das kenn ich. Ich hab das selbst mal so gehabt, mit Proteinpulver damals. Irgendwann war das einfach Routine und ich hätt nicht mehr sagen können ob ich das noch nehme weil's was bringt oder weil der Beutel halt noch da steht. Aber ich hab dann irgendwann aufgehört - kalt, ohne Plan - und ehrlich gesagt hab ich nix bemerkt. Nicht nach zwei Wochen, nicht nach einem Monat. Die Beine waren genauso die Beine wie vorher. Was mich bei dem Hannes-Ding stört: er zahlt für die Kapseln locker 30 Euro im Monat. Macht 360 im Jahr. Für nix, wenn er's selbst nicht mal einordnen kann. Das ist halt Geld das in vernünftiges Essen geht oder in ein neues Kassette. Ich will gar keine große Wissenschaftsdebatte. Mich interessiert ganz konkret: habt ihr irgendwann gemerkt dass ihr was nehmt ohne dass ihr noch wisst warum - und wie seid ihr da rausgekommen? Oder habt ihr aufgehört und dann doch gemerkt dass was fehlt? Weil der zweite Fall würd mich auch interessieren. Ich kenn ihn bei mir nicht, aber vielleicht ist das bei Ausdauer über vier Stunden anders als bei meinen normalen Touren samstags.

Zitat von rennradbernd

ich hätt nicht mehr sagen können ob ich das noch nehme weil's was bringt oder weil der Beutel halt noch da steht

Das ist für mich der eigentliche Punkt. Nicht ob's wirkt, sondern ob man überhaupt noch fragt. Bei dem Hannes klingt es so als wär die Frage irgendwann einfach eingeschlafen. Was mich dabei beschäftigt - und das ist ein Gedanke den ich noch nirgends im Thread gelesen habe: Aminosäure-Kapseln sind ja nicht irgendwas. Da steht meistens BCAA drauf, manchmal EAA, und die Dosierungsangaben auf den Packungen sind oft... sagen wir mal, kreativ. Ich hab mir das bei einer Marke mal genauer angeschaut, weil eine Kollegin die auch genommen hat - da stand die "empfohlene Tagesdosis" bei 3 Kapseln, aber der tatsächliche Gehalt war so gering, dass man dieselbe Menge Leucin mit einem einzigen Becher Hüttenkäse erreicht. Für Null Euro extra. Das ist kein Argument gegen Aminosäuren, das ist ein Argument gegen diese spezifische Art wie manche Produkte vermarktet werden. 30 Euro im Monat für Kapseln ohne Wissen warum und in welcher Menge - da würde ich als nächstes mal die Packung genau lesen, bevor man weiterschluckt oder aufhört. @rennradbernd dein Hannes sollte vielleicht nicht zuerst fragen ob er aufhört, sondern zuerst mal schauen was da eigentlich drin ist.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

zuerst mal schauen was da eigentlich drin ist

ja stimmt. aber ehrlich gesagt - wer macht das wirklich? der Hannes sicher nicht. der hat die Packung einmal angeschaut als er sie im Laden in die Hand genommen hat, und seitdem liegt die halt hinterm Schüttelmischer. was mich bei deinem Hüttenkäse-Vergleich aber einhakt: das setzt voraus dass der Hannes die Packung lesen und den Leucin-Gehalt einordnen kann. kann er nicht. ich auch nicht auf Anhieb. das ist ja fast schon das eigentliche Problem - die Hersteller wissen das genau. die Zutatenliste ist nicht für Leute geschrieben die verstehen wollen was da drin ist. die ist geschrieben damit sie aussieht als ob. ich hab das mal mit einem Magnesium-Präparat probiert, vor zwei Jahren - hab die Packung wirklich durchgelesen und dann eine halbe Stunde gegoogelt was Magnesiumoxid vs. Magnesiumcitrat überhaupt bedeutet. meine Hausarztin hat dann gesagt, Citrat wird besser aufgenommen, das auf der Packung war Oxid, billiger, schlechtere Verfügbarkeit. die Packung hat 18 Euro gekostet. danach hab ich das gelassen und nehm seitdem Nüsse und Vollkornbrot. aber das ist halt nicht für jeden so einfach. nicht weil die Leute dumm sind - sondern weil das Zeug so gemacht ist dass man eben nicht selbst nachprüfen kann ohne Aufwand.

@rennradbernd dein Magnesium-Beispiel ist gut, weil es zeigt wo das Problem wirklich liegt. Nicht bei der Motivation, nicht beim Geld - sondern bei dieser stillen Voraussetzung, dass man als Laie irgendwie durchsteigen soll durch Dinge die absichtlich undurchsichtig gemacht sind.

Zitat von rennradbernd

die Zutatenliste ist nicht für Leute geschrieben die verstehen wollen was da drin ist

Ja. Und das Gemeine ist: es gibt ja Produkte wo die Angaben tatsächlich klar und seriös sind. Aber die sehen von außen genauso aus wie die anderen. Man braucht Vorwissen um den Unterschied zu erkennen - und wer das Vorwissen hat, braucht das Produkt meistens nicht mehr. Was ich bei deiner Hausarztin interessant finde: dass du überhaupt gefragt hast. Das machen die wenigsten. Die meisten schlucken und fragen nachher - wenn überhaupt. Ich hab bei meiner Ärztin mal das Rote-Bete-Konzentrat angesprochen, fast ein bisschen verlegen, weil ich dachte sie schaut mich schief an. Hat sie nicht. Hat gesagt, Nitrat aus echten Lebensmitteln ist physiologisch anders einzuordnen als synthetische Supplemente, und dass sie lieber Patienten sieht die über Lebensmittel nachdenken als über Kapseln. Das war für mich eine Bestätigung die ich gar nicht gesucht hatte. Aber ich nehm sie trotzdem.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

fast ein bisschen verlegen weil ich dachte sie schaut mich schief an

das kenn ich. ich hab das bei meiner Hausarztin auch so erlebt, aber andersrum - ich hab mich nicht getraut zu fragen weil ich dachte das ist eh zu banal für eine Arztpraxis. Rote Bete, Magnesium, Aminosäuren - das fühlt sich an als ob man damit keine Arztzeit vergeuden sollte. aber was mich an deinem letzten Satz beschäftigt: du sagst, die Bestätigung hast du nicht gesucht - und nimmst sie trotzdem. das ist ehrlich. und ich glaub das ist der Punkt wo ich hänge. weil ich mir manchmal nicht sicher bin ob ich skeptisch bin weil ich wirklich skeptisch bin, oder ob ich einfach keine Lust hab mir das alles anzutun. den Aufwand mein ich. Packung lesen, googeln, nachfragen. der Hannes macht das nicht. ich mach's manchmal, aber ohne System. und dann steh ich da mit Halbwissen das mich entweder beruhigt oder verunsichert - je nachdem was ich zufällig gefunden hab. was mich jetzt wirklich beschäftigt: deine Ärztin hat einen Unterschied gemacht zwischen Lebensmittel-Nitrat und synthetischen Sachen. das hab ich so noch nicht gehört. ich hätt das für dasselbe gehalten. ob da wirklich ein relevanter Unterschied ist für jemanden der samstags drei Stunden fährt und sonst halbwegs normal isst - das weiß ich nicht.