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Selbstmessung Blutdruck – wie verlässlich sind eure Heimgeräte wirklich?

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Zitat von markus_hh88

nach einem normalen Trainingstag mit gutem Schlaf davor liegen die Werte manchmal 10 Punkte auseinander

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen, und ich find es gut dass das hier mal jemand konkret benennt. Ich hab das bei mir nach Läufen auch beobachtet - am Tag nach einem langen Lauf (also 18+ km) liegen meine Morgenwerte regelmäßig niedriger, egal was ich abends gegessen habe. Ob das Regenerationsphysiologie ist oder einfach besserer Schlaf nach Erschöpfung, kann ich nicht sagen. Hast du da eine Quelle für den Schlaf-Effekt auf den Tagesblutdruck? Ich hab dazu mal was bei Staessen et al. gelesen, aber das war im Kontext ambulanter 24h-Messung, nicht Heimmessung. Was mich aber eigentlich stört an der ganzen Diskussion - und das sag ich auch in Richtung @andrea.h: ihr beschreibt das Heimprotokoll als methodisch dünn, was stimmt. Aber die Alternative wäre 24h-ABPM beim Arzt, und die kriegt man als Kassenpatient nicht mal eben so. Also läuft es doch auf Heimmessung mit allen Schwächen hinaus, oder? Das führt mich zu einer Frage, die ich mir schon länger stelle: gibt es eigentlich Daten dazu, ob Heimprotokolle mit fester Tageszeit über mehrere Monate hinweg besser mit dem kardiovaskulären Risiko korrelieren als Einzelmessungen in der Praxis? Ich meine, da muss es Studien geben - die Geräte sind seit 20 Jahren auf dem Markt.

@markus_b82 du sprichst da was an das mich selbst immer nervt. Diese 24h-ABPM - klar, das wäre die saubere Methode, aber wer kriegt das regelmäßig? Meine Ärztin hat mir das Ding einmal mitgegeben vor zwei Jahren, seitdem nix mehr. Und dann sitze ich da mit meinem Oberarm-Gerät und soll damit glücklich sein. Aber ehrlich - ich glaub das Problem ist weniger die Methode als das was @markus_hh88 gesagt hat: die Erwartung wird nicht kalibriert. Mein Hausarzt hat mir damals nicht erklärt wofür das Ding gut ist. Ich dacht erst, ich muss täglich messen und Tagebuch führen wie ein Diabetiker. Das hab ich dann zwei Wochen gemacht, bin fast verrückt geworden, und dann hats mir gereicht. Jetzt messe ich einfach ab und zu wenn mir danach ist - morgens vor dem Kaffee, Oberarm, immer das gleiche Gerät. Und weißt du was - ich sehe trotzdem ob der Trend über Monate geht. Nicht weil ich so gewissenhaft bin, sondern weil ich's mir selbst nicht verbiete. Was mich beim Schlaf-Punkt noch beschäftigt: kann das auch die andere Richtung gehen? Also nicht nur besserer Blutdruck nach Training sondern auch dass Stress am Vortag die Messung versaut? Ich merke das bei mir - wenn ich schlecht geschlafen hab weil irgendwas mich ärgert dann sind die Werte am nächsten Morgen immer höher. Aber ob das am Blutdruck liegt oder nur daran dass ich nervös bin wenn ich mess, kann ich auch nicht trennen.

Zitat von elvira_k

dass ich überhaupt nicht feststellen kann, ob sie hilft

Das ist eigentlich die ehrlichste Zusammenfassung des Problems, die hier bisher jemand formuliert hat. Und es ist kein Versagen von dir oder deinem Protokoll - es ist eine strukturelle Grenze dieser Messmethode. @holli, zur Stressfrage: ja, das geht in beide Richtungen, und der Mechanismus dahinter ist gut beschrieben. Sympathikusaktivierung durch psychosozialen Stress erhöht den Gefäßwiderstand und damit den systolischen Druck - das ist keine Einbildung. Was du nicht trennen kannst, ist, ob du beim Messen noch im Stress-Modus bist oder ob der Blutdruck selbst erhöht ist. Fünf Minuten ruhig sitzen vor der Messung hilft, aber "fünf Minuten ruhig sitzen" ist halt nicht das Gleiche wenn man gerade schlecht geschlafen hat. Was mich aber gerade mehr beschäftigt, nach @markus_hh88s Schlaf-Punkt: ich frage mich, ob das nicht das eigentliche Argument gegen Kurzzeit-Ernährungsbeobachtungen ist. Nicht primär Messrauschen, sondern die Konfundierung durch Schlaf, Stress, körperliche Aktivität - alles Variablen, die niemand in einem Heimprotokoll kontrolliert. Man bräuchte eigentlich eine Phase, in der sonst buchstäblich nichts variiert, und das ist im echten Leben schlicht nicht abbildbar. Ich hatte mal eine Beratungsklientin, die vier Wochen penibel Ernährungsprotokoll geführt hat, parallel Blutdruck gemessen - und die einzige Woche mit deutlich besseren Werten war die, in der sie Urlaub hatte. Kein Zufall.

@anna_grf das mit der Urlaubswoche ist krass - aber ich glaub das zeigt auch was ganz anderes. Bei mir ist es ähnlich. Wenn ich in Ruhe bin, nicht gehetzt zur Arbeit fahren muss - die Werte sind einfach anders. Aber das hat doch wenig mit Ernährung zu tun. Das ist einfach Alltag versus Ausnahmezustand. Was mich gerade mehr beschäftigt: ihr redet alle so, als wäre das Problem dass Heimgeräte generell unbrauchbar sind. Aber vielleicht ist das gar nicht das Problem. Vielleicht ist das Problem nur dass die meisten Leute - und da nehm ich mich selbst nicht aus - viel zu viel Bedeutung in einzelne Messungen legen. @elvira_k mit ihrer Roten Beete aus dem Garten - die isst halt was Vernünftiges. Ob sie das mit nem Gerät nachweisen kann ist dann ehrlich gesagt schnuppe. Das ist nicht weil die Messung schlecht ist, sondern weil die Frage falsch gestellt ist. Mich nervt nur langsam diese Diskussion dass alles so kompliziert ist. Klar, biologische Variabilität, Stress, Schlaf - das stimmt alles. Aber dann sitze ich da und messe einfach nicht. Oder eben wie ich jetzt - ab und zu, nicht obsessiv, und gucke ob es über ein Jahr gerechnet nach oben oder unten driftet. Für alles andere brauchts dann halt doch den Arzt, und die 24h-Messung wenn's drauf ankommt. Das ist dann auch ok. Frisches Gemüse tut's auch ohne Nachweis.

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