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Selbst gepresst vs. Konzentrat: Rechnet sich der Aufwand wirklich?

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@markus_b82

Zitat von markus_b82

Dosierungskontrolle beim Eigenpressen für schlechter halte als ich anfangs dachte

- okay, das ist fair. Aber dann landest du ja doch wieder bei der gleichen Stelle wo du angefangen hast, nur mit mehr Zweifeln. Das ist nicht falsch, nur... weniger hilfreich als du denkst. Was mich an der ganzen Debatte stört: ihr redet über Nitrat als wäre es das Einzige was zählt. Aber wenn ich ehrlich bin hab ich mit meinem leicht erhöhten Blutdruck angefangen, Rote Beete zu essen weil meine Hausärztin gesagt hat "probier's, schadet nicht, und das Gemüse hat noch andere Sachen drin". Nicht wegen 300 mg NO3-. Wegen - keine Ahnung - Ballaststoffe, Magnesium, dass ich überhaupt bewusster esse statt immer dasselbe. Der Effekt den ich gemerkt hab, könnte genauso gut von "ich kümmere mich jetzt um meine Ernährung" kommen wie vom Nitrat selbst. Bei dir ist es wahrscheinlich ähnlich. Du presst dir frische Rote Beete, weil du dich damit mehr mit dem Thema beschäftigst als wenn du ne Dose aufmachst. Ob das gemessen werden kann oder nicht - ist das nicht auch schon ein Effekt. Hab ich selbst ausprobiert. Der Slow Juicer steht bei dir in der Küche. Das Teil wird benutzt oder es wird nicht benutzt. Wenn es benutzt wird weil dir das Ritual was gibt - dann brauchst du keine Baseline dafür.

@holli

Zitat von holli

Wenn es benutzt wird weil dir das Ritual was gibt - dann brauchst du keine Baseline dafür.

Das ist ein Argument, das ich ernst nehme - und trotzdem nicht kaufe. Nicht weil das Ritual keinen Wert hätte, sondern weil du damit die ursprüngliche Frage umdefinierst. Ich hab nicht gefragt, ob mir das Pressen ein gutes Gefühl gibt. Ich hab gefragt, ob die Dosierungskontrolle besser oder schlechter ist als beim Konzentrat. Das sind zwei verschiedene Fragen, und die Ritual-Antwort beantwortet nur eine davon. Was mich aber wirklich stört: du schreibst, der Effekt könnte genauso gut vom "ich kümmere mich jetzt um meine Ernährung" kommen. Stimmt wahrscheinlich. Aber das ist kein Argument gegen die Nitrat-Frage, das ist ein Argument dafür, dass Ernährungsinterventionen immer ein Verhaltens-Paket mitschleppen das du nicht isolieren kannst. Das gilt für Rote Beete genauso wie für jede andere Änderung. Hast du da eine Quelle für, ob das in Interventionsstudien überhaupt als Confounder kontrolliert wird? Was ich nach diesem Thread tatsächlich mitnehme - und das ist keine Kapitulation - ist, dass ich beim nächsten Kauf eines Konzentrats gezielt nach einem suchen werde, das als Studiensubstrat dokumentiert ist. Nicht weil mir die Marke egal ist, sondern weil das der einzige Proxy ist, den ich ohne eigene Analyse habe.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

der einzige Proxy ist, den ich ohne eigene Analyse habe

- okay, aber da muss ich widersprechen. Das ist kein Proxy, das ist nur eine andere Art von Marketingdruck. Nur weil Beet It in einer Studie verwendet wurde heißt das nicht dass die aktuelle Charge in deinem Supermarktregal genauso ist wie damals im Labor. Du verlagerst nur das Vertrauen von der Rote Beete zur Firma. Was mich aber eigentlich mehr interessiert: du fragst jetzt nach Quellenangaben für Confounding-Kontrolle in Ernährungsstudien. Das ist eine gute Frage aber @markus_b82, du weißt schon dass das eine Rabbit Hole wird die nächsten zwei Wochen. Du landest wieder bei Papers statt bei einer Entscheidung. Und ehrlich - meine Hausärztin hat mir nie erzählt welche Studien hinter dem "versuch Rote Beete" stecken. Sie hat das gesagt weil sie es in der Praxis sieht dass Leute damit besser fahren. Das ist keine Evidenz im wissenschaftlichen Sinn aber es ist auch nicht nutzlos. Der Slow Juicer steht bei dir. Benutz ihn oder benutz ihn nicht - aber nicht weil du irgendwann die perfekte Quelle gefunden hast. Das kommt nicht.

moin, ich les das gerade und muss sagen - @holli hat einen Punkt, aber nicht den den er denkt.

Zitat von holli

du verlagerst nur das Vertrauen von der Rote Beete zur Firma

ja, stimmt. Aber das ist nicht das gleiche wie vorher. Wenn Beet It in ner Studie verwendet wurde, dann gibt's zumindest eine dokumentierte Mindestanforderung die die Charge erfüllt haben muss. Bei Betanio PLUS oder nem beliebigen anderen Saft hab ich gar nix außer was auf der Packung steht. Das ist nicht dasselbe Vertrauen. Was mich aber viel mehr stört - und das sag ich als jemand der sich mit Ernährung beim Laufen beschäftigt: ihr diskutiert hier über Nitratdosierung und externe Validität und am Ende geht's allen nur darum dass niemand wirklich wissen will wie der eigene Körper reagiert. @markus_b82 willst du das wissen oder willst du nur ne wissenschaftliche Rechtfertigung dafür dass du den Slow Juicer kaufst? Weil das sind zwei unterschiedliche Ziele. Bei mir ist's so - ich ess nach langen Läufen einfach ne Banane und nen Jogurt, weil das praktisch ist und mir nicht zu teuer vorkommt. Ob da irgendwas mit Nitrat oder Magnesium oder sonst was passiert - keine Ahnung und ist mir auch egal. Das Ding funktioniert für mich, ich fühl mich danach nicht zerstört, mehr brauch ich nicht zu wissen. Und ich muss nicht vier Wochen lang morgens ne Blutdruckmesser in die Hand nehmen um das zu wissen.

@fk_1988

Zitat von holli

du verlagerst nur das Vertrauen von der Rote Beete zur Firma

Das hat fk_1988 schon gut auseinandernehmen - dokumentiertes Vertrauen ist nicht dasselbe wie blindes Vertrauen. Ich muss das nicht nochmal durchkauen. Was mich an deinem Beitrag aber direkt stört: du fragst, ob ich das wirklich wissen will oder nur eine Rechtfertigung für den Slow Juicer suche. Das ist eine rhetorische Frage, die so tut als wären das die einzigen zwei Optionen. Ich hab den Juicer vor vier Monaten gekauft, bevor ich überhaupt systematisch über Dosierungsvarianz nachgedacht hab - die Kausalität geht also genau andersrum als du implizierst. Und zur Banane-und-Joghurt-Aussage: das ist kein Argument in dieser Diskussion, das ist ein Ausstieg aus ihr. Niemand sagt, dass du dein Post-Workout protokollieren musst. Aber wenn jemand konkret fragt, ob frisch gepresster Saft dosierungssicherer ist als Konzentrat, dann ist "mir reicht das subjektive Gefühl" keine Antwort auf diese Frage - das ist eine andere Frage. Was mich aber wirklich interessiert, und das hat hier noch niemand angesprochen: gibt es eigentlich Daten dazu, wie stark die Nitrat-Absorption zwischen Personen variiert - also nicht die Quelle, sondern die individuelle Verwertung? Ich hab letztens irgendwo den Begriff "responder/non-responder" gelesen, analog zu Kreatin-Studien. Wenn ein Teil der Population auf Nitrat gar nicht reagiert, wäre das Messen für diese Personen sowieso irrelevant. Hast du da eine Quelle für, @markus_hh88?

Zitat von markus_b82

responder/non-responder

Das ist eigentlich der erste Gedanke in diesem Thread, der mich wirklich aufhorchen lässt, @markus_b82. Nicht weil er die Diskussion auflöst - tut er nicht - sondern weil er eine Frage stellt, die ich mir selbst nie so direkt gestellt hab. Bei mir war es so: ich hab auf die Rote Bete reagiert, zumindest auf den Blutdruckwert, das hab ich protokolliert. Aber ob das Nitrat war oder irgendwas anderes, weiß ich nicht. Was ich jetzt gerade denke: wenn es tatsächlich individuelle Non-Responder gibt - analog zu Kreatin, das kenn ich aus dem Vereinskontext, da schwören manche drauf und andere merken absolut gar nichts - dann wäre das der entscheidende Grund, warum die ganze Dosierungsdiskussion hier ins Leere läuft. Man kann die Quelle noch so gut kontrollieren, wenn der Körper nicht reagiert, ist das egal. Ich hab dazu keine Quelle parat. Aber @markus_hh88 hat vorhin den Begriff "systemischer Gefäßwiderstand" erwähnt - wenn der Effekt da messbar ist, müsste die Responder-Frage eigentlich in den Blutdruck-Studien auftauchen, nicht nur in den Leistungsstudien. Ob das da getrennt ausgewertet wird, weiß ich nicht. Konkret gesagt: das wäre für mich eine andere Ausgangsfrage als die, mit der @markus_b82 den Thread angefangen hat. Nicht "frisch oder Konzentrat" sondern "reagiere ich überhaupt.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von markus_b82

reagiere ich überhaupt

okay das ist eigentlich die einzige Frage die ich hier wirklich interessant finde. weil alles andere - Dosierungsvarianz Konzentrat vs. frisch Slow Juicer - das setzt ja voraus dass der Körper überhaupt irgendwas damit macht. und wenn ein Teil der Leute einfach kein Responder ist, dann ist die ganze Diskussion vorher irgendwie... naja. was mich dabei beschäftigt - und das ist jetzt kein wissenschaftlicher Punkt sondern eher so ein Alltagsding - ich kenn das vom Kaffee. manche Leute trinken zwei Espresso und schlafen danach ein, andere werden von einer Tasse komplett wach. das ist halt einfach so. und da fragt auch niemand ob die Dosis stimmt oder ob die Bohnen aus biologischem Anbau kommen. also ich find, wenn die Responder-Frage wirklich so relevant ist wie @rennradrenate und @markus_b82 das grad aufmachen - dann müsste der erste Schritt doch sein, überhaupt rauszufinden ob man reagiert. bevor man anfängt über Quellen und Chargenprüfung nachzudenken. und das kriegt man vielleicht eher raus wenn man einfach vier Wochen konsequent isst und auf den eigenen Körper hört als wenn man versucht kontrollierte Bedingungen herzustellen die sowieso nie wirklich kontrolliert sind. ich weiß, das klingt nach meinem "zu abstrakt"-Kommentar von vorhin und @rennradrenate hat mich dafür zurecht gestichelt. aber ich mein das diesmal anders

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less is more ?

Zitat von jana_w

vier Wochen konsequent isst und auf den eigenen Körper hört

@jana_w - das klingt diesmal tatsächlich anders, und ich nehm das so. Aber ich hak kurz ein, weil mich das gerade wirklich beschäftigt: "auf den eigenen Körper hören" setzt voraus, dass man überhaupt weiß wonach man hört. Das ist beim Kaffee-Beispiel einfach, weil der Effekt nach 20 Minuten da ist oder nicht. Beim Nitrat ist das Fenster viel weicher - kein klares Signal, kein klarer Zeitpunkt. Was mir bei deinem Vergleich aber einen neuen Gedanken gibt: beim Koffein gibt es tatsächlich genetische Varianten, die die Verstoffwechselung beeinflussen, das hab ich mal irgendwo gelesen. Wenn das bei Nitrat ähnlich wäre - also nicht nur individuelle Varianz, sondern eine biologisch erklärbare Responder-Struktur - dann wäre das eigentlich der Punkt wo ich aufhöre, die Quelle zu optimieren. Dann ist die Frage "frisch oder Konzentrat" wirklich zweitrangig. Ich hab das mit dem Kaffee-Vergleich noch nie so direkt auf Nitrat übertragen. Das ist ehrlich gesagt ein Gedanke, der mich mehr weiterbringt als die letzte Stunde Washout-Diskussion. Morgen früh ist Ausfahrt, da werd ich das im Kopf haben.

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Rennrad ist kein Hobby, das ist Therapie.

Zitat von rennradrenate

genetische Varianten, die die Verstoffwechselung beeinflussen

okay das ist der Punkt der mich jetzt wirklich festhält. weil wenn das stimmt - also dass es bei Koffein genetisch erklärbar ist wer Responder ist und wer nicht - dann ist die logische Folgefrage ob man das überhaupt rausfinden kann ohne Bluttest oder sowas. beim Kaffee merkst du's halt. beim Nitrat... keine Ahnung wonach man schauen würde. ich frag mich ob da irgendwas mit dem Mundmikrobiom reinspielt. ich hab das mal irgendwo gelesen, dass die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit im Mund anfängt und dass Mundspülung das blockiert. wenn das stimmt, wäre die Frage "bin ich Responder" vielleicht gar nicht so genetisch wie @rennradrenate das aufmacht, sondern auch durch Alltagsfaktoren beeinflussbar. das wäre dann irgendwie ironisch - jemand isst wochenlang Rote Beete, putzt sich aber zweimal täglich mit Listerine die Zähne und wundert sich warum nix passiert. @markus_hh88 du hast vorhin was von Mundmikrobiom... nein eigentlich nicht, das hab ich woanders aufgeschnappt. weiß jemand ob das belegt ist oder ob ich da grad was durcheinanderbringe

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less is more ?

@jana_w

Zitat von jana_w

weiß jemand ob das belegt ist oder ob ich da grad was durcheinanderbringe

Das bringst du nicht durcheinander, das ist tatsächlich ein real dokumentierter Effekt. Ich hab das vor ein paar Monaten in einem Paper von Govoni et al. (2008, Free Radical Biology and Medicine) gelesen - die haben gezeigt, dass antiseptische Mundspülungen die Nitrat-zu-Nitrit-Konversion im Speichel blockieren und dadurch den Blutdruckeffekt von Rote-Beete-Saft signifikant abschwächen. Das ist kein Randbefund, das ist ziemlich klar demonstriert. Was mich daran beschäftigt: wenn das stimmt, dann ist die Responder-Frage, die @rennradrenate aufgemacht hat, nicht nur genetisch, sondern auch verhaltensbedingt. Jemand putzt sich morgens mit Listerine die Zähne und trinkt dann das Konzentrat - und wundert sich warum nichts passiert. Das wäre tatsächlich ein Confounder, den ich in keiner der Studien, die ich kenne, je als Variable gesehen habe. Hast du da eine Quelle für, @markus_hh88, ob das in RCTs irgendwo kontrolliert wird? Was ich daran methodisch irritierend finde: das würde bedeuten, dass zwei Personen dieselbe Dosis nehmen, dieselbe Ausgangsphysiologie haben, und trotzdem komplett unterschiedlich reagieren - nicht wegen Genetik, sondern wegen Zahnpasta. Das macht die Responder-Kategorie wesentlich unschärfer als beim Koffein-Vergleich.

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