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Selbst gepresst vs. Konzentrat: Rechnet sich der Aufwand wirklich?

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@markus_b82 Zur Beet-It-Finanzierungsfrage: ich hab das nicht sauber belegt im Kopf, da muss ich ehrlich sein. Ich weiß, dass sie als Studienprodukt eingesetzt wurden, aber ob da Firmengelder geflossen sind oder ob das einfach Verfügbarkeit und Standardisierung als Auswahlkriterium war - das kann ich dir gerade nicht mit Quelle beantworten. Das wäre einen eigenen Blick wert, bevor man das als Argument nutzt. Was mich aber mehr beschäftigt als die Finanzierungsfrage ist dein Punkt zur Trainingskurve.

Zitat von markus_b82

Wo ich da auf der Kurve sitze, weiß ich nicht

Das ist aus meiner Erfahrung das ehrlichste Problem in dem ganzen Bereich. Die Studien teilen grob in "trainiert" und "untrainiert" auf, aber die Grenze ist je nach Paper anders gezogen - VO2max-Werte, Wochenstunden, beides gemischt. Halbmarathon-Niveau kann je nach Studie in beide Kategorien fallen. Ich hab bei Patienten in der Praxis, die ambitioniert Ausdauer machen, den Eindruck, dass der subjektive Effekt trotzdem bestehen bleibt, aber das ist natürlich keine kontrollierte Beobachtung - das sage ich nur zur Vollständigkeit. Was mich an rennaradrenates Beitrag eigentlich mehr stört als die Messgerät-Frage: der Blutdruckeffekt und der Leistungseffekt werden hier immer wieder zusammengeworfen, aber das sind eigentlich zwei separate Evidenzstränge mit unterschiedlicher Robustheit. Wer Rote Beete wegen Blutdruck nimmt und wer sie wegen Laufleistung nimmt, sollte da nicht dasselbe Paper zitieren.

Zitat von markus_hh88

der Blutdruckeffekt und der Leistungseffekt werden hier immer wieder zusammengeworfen

okay das find ich eigentlich den interessantesten Punkt den seit langem hier jemand gemacht hat. ich hab das selbst nie so getrennt gedacht - Rote Beete ist Rote Beete, irgendwas mit Stickstoff, gut für irgendwas. aber wenn das wirklich zwei verschiedene Evidenzstränge sind mit unterschiedlicher Qualität, dann erklärt das auch warum Leute so unterschiedlich drüber reden. meine Hausärztin (ich war da letztes Jahr wegen was anderem) hat das auch mal kurz erwähnt, aber halt im Blutdruck-Kontext, nicht als Sportding. was mich da noch interessiert: wenn jemand Rote Beete wegen Blutdruck anfängt zu essen und dabei zufällig auch Sport macht - merkt der überhaupt was davon? oder geht das komplett unter weil die Ausgangssituation schon anders ist? ich mein, ich ess das Zeug weil mir der Geschmack gefällt und ich die Farbe voll nice find wenn ich damit koche. ob da jetzt Nitrat wirkt oder nicht, hab ich ehrlich gesagt nie so genau verfolgt. aber das hier wird mir gerade ein bisschen zu abstrakt. ihr redet seit Stunden über Dosierungsvarianz und externe Validität und am Ende weiß keiner von euch konkret ob der eigene Körper überhaupt reagiert. @markus_b82 du hast das Messgerät - hast du das jemals über mehrere Wochen wirklich diszipliniert gemacht oder ist das auch so eine Idee die man hat und dann doch nicht umsetzt

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less is more ?

Zitat von jana_w

ob da jetzt Nitrat wirkt oder nicht, hab ich ehrlich gesagt nie so genau verfolgt

Das ist eigentlich die redlichste Position in diesem Thread, @jana_w - auch wenn ich sie nicht teile. Und deine Frage an @markus_b82 ist gut. Ich stell sie mir selbst auch gerade. Bei mir war es so: ich hab das mit dem Blutdruck tatsächlich über acht Wochen protokolliert, morgens, gleiche Uhrzeit, nach fünf Minuten sitzen. Nicht weil ich Wissenschaftlerin bin, sondern weil meine Hausärztin gesagt hat, sie will beim nächsten Termin Zahlen sehen, keine Gefühle. Das hat mich diszipliniert, weil es einen konkreten Adressaten gab. Was ich da mitgenommen hab: der Blutdruck-Effekt war bei mir sichtbar, aber ich kann dir nicht sagen ob er von der Roten Bete kam, vom gleichzeitigen Trainingsaufbau oder davon, dass ich im selben Zeitraum weniger Salz gegessen hab. @markus_hh88 hat recht - das Messgerät sagt was, nicht warum. Was mich an jana_ws Kommentar aber wirklich stört: "zu abstrakt" als Ausstiegspunkt ist halt auch bequem. Ich finde die Trennung der zwei Evidenzstränge, die @markus_hh88 gemacht hat, eigentlich sehr praktisch relevant. Wer Rote Beete wegen Blutdruck isst, hat - wenn ich das richtig verstehe - robustere Gründe als wer sie wegen der nächsten Ausfahrt trinkt. Das ist doch für die Alltagsentscheidung nicht egal. Mir ist gerade auch aufgegangen, dass ich in all den Monaten nie bewusst unterschieden hab, welches Argument ich selbst eigentlich benutze.

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Zitat von rennradrenate

"zu abstrakt" als Ausstiegspunkt ist halt auch bequem

okay ja, das stich ich mir. aber ich steh dazu - ich find es ehrlicher zu sagen "ich ess das weil ich es mag" als so zu tun als würde ich meinen Körper systematisch beobachten während ich eigentlich einfach Rote Beete mit Ziegenkäse esse weil das gut aussieht auf dem Teller. was mich an deinem Beitrag aber wirklich kurz aufhorchen lässt @rennradrenate: du hast das acht Wochen protokolliert weil deine Ärztin Zahlen wollte. das ist eigentlich der einzige Grund in diesem ganzen Thread warum jemand wirklich diszipliniert gemessen hat. nicht Eigeninteresse, nicht Sportoptimierung - sondern externer Druck von jemandem der das Ergebnis einfordert. ich frag mich ob das nicht der entscheidende Unterschied ist. @markus_b82 hat das Messgerät und die Motivation aber keinen Adressaten. und ohne Adressaten schläft sowas halt ein, kenn ich von mir selbst auch - ich hab mal zwei Wochen mein Schlaftracking ernst genommen und dann lag das Ding in der Schublade. draußen fängt's gerade an zu regnen, fällt mir nur auf weil ich das Fenster noch aufhabe. aber zurück: gibt's eigentlich irgendjemanden hier der das wirklich ohne externen Druck über Wochen durchgezogen hat - und was hat den dann drangehalten?

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less is more ?

@jana_w

Zitat von jana_w

@markus_b82 hat das Messgerät und die Motivation aber keinen Adressaten

Das trifft ehrlich gesagt. Ich hab das Gerät, ich hab angefangen, und dann war das nach zwei Wochen eingeschlafen - genau wie du's beschreibst. Aber ich würd den Grund anders benennen als du: es war nicht der fehlende Adressat, es war das fehlende Protokoll. Ich hab die Werte nicht aufgeschrieben, nur gemessen und wieder vergessen. Ohne Aufzeichnung gibt's keine Tendenz, nur Momentaufnahmen. Was mich aber an deiner These beschäftigt: ich glaub nicht, dass externer Druck das entscheidende Kriterium ist. Ich hab Halbmarathon-Training auch ohne Coach durchgezogen, nur mit einem selbst gesetzten Datum - Wettkampf am 15. März, das war Adressat genug. Der Unterschied ist, glaub ich, ob das Ziel konkret und zeitgebunden ist oder ob es so offen bleibt wie "ich schau mal ob Rote Beete was bringt". Das Problem beim Nitrat-Selbsttest ist, dass es kein natürliches Ende gibt. Kein Rennen, keine Ärztin die im Oktober Zahlen will. Ich könnte mir einen künstlichen Rahmen setzen - vier Wochen Konzentrat, dokumentiert, dann vier Wochen Pause, dann nochmal messen. Ob das methodisch sauber ist, nein. Ob ich daraus was lerne, vielleicht schon. Was ich gerade noch nicht weiß: welches Messintervall würde überhaupt Sinn ergeben. Täglich ist viel Rauschen, wöchentlich vielleicht zu grob um einen Trend zu sehen.

Zitat von markus_b82

vier Wochen Konzentrat, dokumentiert, dann vier Wochen Pause, dann nochmal messen

Das ist eigentlich ein vernünftiger Ansatz, @markus_b82 - aber das Messintervall würde ich nicht vom Rauschen her denken, sondern von der Biologie. Die NO-vermittelten Blutdruckeffekte, die in der Literatur auftauchen, zeigen sich nach zwei bis drei Wochen konsistenter Aufnahme. Täglich messen macht da schon Sinn, wenn man es wirklich als Trend lesen will, nicht als Tageswert. Was mich aber an deiner Rahmenkonstruktion stört: du planst eine Pause ohne Washout-Gedanken. Wenn du vier Wochen abbrichst und dann wieder misst, weißt du nicht ob du den Ausgangszustand wieder hast oder ob sich da noch was verschoben hat. Das klingt kleinlich, ist aber genau das Problem, das die ganze Selbstbeobachtung immer wieder einholt. Bei mir war das damals einfacher, weil ich sowieso schon über Monate gemessen hatte, bevor ich mit dem Konzentrat angefangen hab. Ich hatte also tatsächlich einen Vorher-Wert. Den haben die meisten nicht. Ich merk gerade, dass jana_ws Adressaten-These mich doch mehr beschäftigt als ich zugeben wollte. Ich hab meiner Hausärztin beim letzten Termin gar nicht erzählt, dass ich das Protokoll schon längst nicht mehr führe. Das ist auch eine Art Antwort auf die Frage, was einen dran hält.

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@rennradrenate

Zitat von rennradrenate

Ich hab meiner Hausärztin beim letzten Termin gar nicht erzählt, dass ich das Protokoll schon längst nicht mehr führe.

Das ist eigentlich die interessanteste Aussage seit Langem in diesem Thread - nicht wegen der Messmethodik, sondern wegen dem was sie über Selbstbeobachtung generell sagt. Wir führen Protokolle für andere, nicht für uns. Und wenn der Adressat nicht nachfragt, schläft das System ein. Was mich dabei aber beschäftigt: du hattest einen echten Vorher-Wert. Das ist methodisch ein riesiger Vorteil, den ich nicht hab - und den ich auch nicht mehr rückwirkend produzieren kann. Ich könnte jetzt anfangen zu messen, aber dann ist das ein Nachher-Wert ohne Referenz. Was der mir sagt, ist begrenzt. Der Washout-Punkt ist berechtigt. Ich hab das ehrlich gesagt gar nicht mitgedacht. Vier Wochen Pause klingt lang, aber wenn NO-Effekte tatsächlich über Wochen aufgebaut werden - hast du da eine Quelle für, wie schnell der Blutdruckeffekt nach Absetzen verschwindet? Ich hab Hoon et al. kurz im Kopf, aber die haben das soweit ich weiß nicht explizit gemessen. Was ich gerade überlege: vielleicht ist das ganze Selbsttest-Konstrukt für jemanden ohne Ausgangsdaten und ohne externen Adressaten schlicht nicht belastbar genug um irgendwas zu lernen. Nicht wegen Disziplinmangel, sondern weil die Baseline fehlt. Das wäre dann eigentlich das ehrlichste Fazit für meinen Fall.

Zitat von markus_b82

vielleicht ist das ganze Selbsttest-Konstrukt für jemanden ohne Ausgangsdaten schlicht nicht belastbar genug um irgendwas zu lernen

Das ist ehrlich, @markus_b82 - aber ich würd das nicht als Fazit stehen lassen. Es gibt einen Unterschied zwischen "nicht belastbar genug für einen Nachweis" und "nicht belastbar genug um irgendwas zu lernen". Das erste stimmt, das zweite nicht. Was ich damit meine: du kannst aus einem Selbsttest ohne saubere Baseline trotzdem etwas mitnehmen, nur eben nicht das, was du ursprünglich wolltest. Wenn du vier Wochen konsequent misst und der Blutdruck sich überhaupt nicht bewegt - das ist auch eine Information. Nicht über Nitrat, aber über dich. Bei mir war das damals so: ich hab gemerkt, dass mein Wert stark mit dem Trainingsumfang schwankt, nicht mit dem Essen. Das hätte mir keine Studie gesagt. Was die Washout-Frage angeht: ich hab da keine Quelle parat, aber meine Hausärztin hat mal sinngemäß gesagt, dass Blutdruckeffekte durch Lebensstiländerungen sich eher in Wochen als Tagen aufbauen und auch wieder abbauen. Wie genau das für Nitrat gilt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Was mich aber gerade mehr beschäftigt: du redest die ganze Zeit über das Messen als würde das die eigentliche Frage lösen. Aber deine ursprüngliche Frage war eine andere - ob der Aufwand des Selbstpressens sich lohnt. Die ist im Thread irgendwo verschwunden.

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Moment, da muss ich mal reinwerfen. @rennradrenate

Zitat von rennradrenate

deine ursprüngliche Frage war eine andere - ob der Aufwand des Selbstpressens sich lohnt

- ja genau. Und ich glaub, ihr seid da beide in ein Loch gefallen, das mit Messprotokollen und Baselines gar nichts zu tun hat. Die Antwort auf die Ausgangsfrage ist doch viel einfacher: Nein es lohnt sich nicht - nicht weil der Effekt nicht real ist, sondern weil @markus_b82 ihn ohnehin nicht zuordnen kann. Er kann messen wie er will, am Ende weiß er nicht ob die Rote Beete was bringt oder ob es Zufall ist. Das akzeptiert er jetzt auch selbst. Aber dann - und das ist der Punkt - kann er sich das Gerät und die vier Wochen Protokoll sparen und stattdessen einfach entscheiden: kaufe ich mir nen gutes Konzentrat oder nicht. Punkt. Frisches Gemüse tut's auch, kostet weniger, und die Illusion aufzugeben spart Zeit. Bei mir war's damals anders. Meine Hausärztin hat mich aufgeklärt ich hab gemessen weil sie es brauchte, nicht weil ich dachte ich würde was lernen. Das hat funktioniert. Aber das ist nicht auf jeden übertragbar. Hab das selbst ausprobiert - die Disziplin hält nur wenn es um was Konkretes geht. Nicht um die Frage "bringt's was". Die ist zu offen. Spart euch das Geld für den Slow Juicer, @markus_b82. Wirklich.

@holli

Zitat von holli

Spart euch das Geld für den Slow Juicer

Den hab ich schon. Der steht in der Küche und wird nicht verschwinden, also das Argument kommt etwas spät. Aber der Kern deines Beitrags stört mich aus einem anderen Grund. Du sagst, die Frage "bringt's was" ist zu offen - und deshalb soll ich einfach entscheiden und aufhören zu messen. Das klingt pragmatisch, ist aber eigentlich eine Kapitulation vor der Komplexität. Ich kann den Punkt nachvollziehen, ich teile ihn nur nicht. "Kauf einfach ein gutes Konzentrat" setzt voraus, dass ich weiß was "gut" ist - und genau da hängt der Thread seit Beitrag eins. Was mich an deiner Vereinfachung konkret stört: du behandelst "messen ohne Baseline" und "gar nicht messen" als gleichwertig schlechte Optionen. Sind sie nicht. Selbst wenn ich keinen Nachweis führen kann, ob Nitrat der Auslöser ist - Blutdruckdaten über Wochen haben einen diagnostischen Eigenwert, den ich ohne Messung nicht bekomme. Meine Hausärztin würde da wahrscheinlich ähnlich argumentieren wie rennradrenates. Was ich dir aber zugestehe: die ursprüngliche Frage nach frisch vs. Konzentrat habe ich im Thread tatsächlich nicht beantwortet. Meine ehrliche Position nach dem ganzen Austausch ist, dass ich die Dosierungskontrolle beim Eigenpressen für schlechter halte als ich anfangs dachte - nicht weil der Aufwand zu hoch ist, sondern weil ich keine verlässliche Aussage über den Nitratgehalt meiner Supermarkt-Rote-Beete machen kann. Ob das ein Argument für Konzentrat oder gegen Eigenpressen ist, ist nicht dasselbe.

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