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Rote Bete vor langer Ausfahrt – Timing macht da wirklich nen Unterschied?

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@jana_w

Zitat von jana_w

wäre es dann nicht sinnvoller, beim Konzentrat zu bleiben und wirklich nur das Timing zu variieren

Ja, das würde ich so sehen. Und nein, das ist nicht neurotisch - das ist einfach der konsequente nächste Schritt aus dem was wir hier gerade durchgearbeitet haben. Aber ich würd noch einen Punkt ergänzen, der mir grad auffällt: "Timing variieren" klingt einfacher als es ist. Wenn du das als Variable nimmst, musst du dich vorab festlegen - also nicht "ich probier mal 90 Minuten" und dann nächste Woche "vielleicht doch 2 Stunden weil der Lauf länger ist". Sonst hast du wieder mehrere Dinge gleichzeitig. Heißt konkret: du wählst ein Fenster, sagen wir 90 Minuten, und ziehst das vier Wochen durch, egal ob der Lauf kurz oder lang ist. Dann hast du zumindest eine Vergleichsbasis. Was das Bryan-Paper angeht - wart nicht drauf. Ich such das raus wenn ich Zeit hab, aber das ändert nichts an deiner Grundplanung. Die Mundspüler-Variable ist für dich ohnehin relevant, das weißt du jetzt, das kannst du einfach rausnehmen ab sofort. Was mich an deiner Ausgangsfrage aber nochmal beschäftigt, und das ist ein Punkt der im Thread noch nicht drin war: hast du eigentlich irgendwo dokumentiert wie sich deine Läufe anfühlen, auch unabhängig von Rote Bete? Weil wenn du jetzt anfängst mit Timing-Protokoll und hast keine Baseline, weißt du nach vier Wochen immer noch nicht wo du gestartet bist.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

hast du eigentlich irgendwo dokumentiert wie sich deine Läufe anfühlen

und da hast du mich. Nein. Ich hab eine Garmin die Pace und Herzfrequenz aufzeichnet, aber das ist was anderes als subjektives Gefühl. Ich schreib mir manchmal nach nem Lauf kurz was ins Handy - "war gut", "Beine schwer", sowas - aber das ist kein Protokoll, das ist eher Tagebuch wenn ich Lust hab. Ehrlich gesagt frag ich mich grad ob das überhaupt nachholbar ist. Also ich mein, vier Wochen rückwirkend kann ich das nicht rekonstruieren, das wäre Erinnerung und keine Baseline. Aber ich hab die Garmin-Daten der letzten Monate - Pace, HF, Strecke. Das ist zumindest objektiv, auch wenn es nicht alles abbildet. Die Frage ist ob das reicht als Ausgangspunkt. Wenn ich jetzt die letzten, sagen wir, acht Wochen anschau und da kein offensichtliches Muster drin ist - dann hab ich zumindest keine Aufwärtskurve die ich dem Timing zuschreiben würde ohne Timing-Protokoll gemacht zu haben. Das wäre so eine Art rückwärts-Baseline. Klingt nicht ideal aber besser als nix. Was mich grade beschäftigt ist ob ich da nicht zu viel Aufwand reinstecke für etwas das am Ende trotzdem nicht eindeutig wird. Ich bin Grafikdesignerin, ich hab Deadlines, ich lauf weil es mir gut tut - irgendwo muss ich entscheiden wann das Spaß aufhört und Hausaufgaben anfangen.

@jana_w

Zitat von jana_w

irgendwo muss ich entscheiden wann das Spaß aufhört und Hausaufgaben anfangen

Das ist eigentlich die ehrlichste Aussage im ganzen Thread. Und ich glaub das ist auch der Punkt wo ich aufhöre, dir ein Protokoll einzureden das du nicht willst. Aber kurz zur Garmin-Idee: das mit der rückwärts-Baseline ist nicht so schlecht wie du denkst. Ich hab das selbst mal gemacht, einfach Herzfrequenz-zu-Pace-Verhältnis über längere Läufe angeschaut, also bei gleicher Strecke schaut man ob HF bei gleicher Pace gesunken ist über Zeit. Das ist kein Beweis für irgendetwas, aber es ist wenigstens eine objektive Zahl, keine Erinnerung. Wenn du die Garmin-Daten sowieso hast, würd ich die zumindest kurz durchschauen bevor du anfängst, das kostet dich 20 Minuten und gibt dir zumindest ein Gefühl ob da in den letzten Wochen überhaupt Varianz drin ist. Was mich bei deinem letzten Satz aber konkret stört: du läufst weil es dir gut tut, sagst du. Dann ist die eigentliche Frage doch gar nicht ob das Timing-Protokoll methodisch sauber ist, sondern ob du überhaupt ein messbares Ziel hast. Wenn nicht, dann ist Timing-Optimierung vielleicht schlicht das falsche Werkzeug für dein Anliegen. Nicht böse gemeint, das ist wissenschaftlich nicht haltbar wenn man kein Outcome definiert hat das man messen will. Ich hab das bei mir selbst auch erst kapieren müssen, nach zwei Jahren Halbmarathon-Protokolle die ich nie wirklich ausgewertet hab.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

ob du überhaupt ein messbares Ziel hast

okay, das sitzt. Ich hab grad kurz nachgedacht und ehrlich gesagt - nein, hab ich nicht. Ich lauf damit ich nicht durchdrehe zwischen Deadlines, und die Rote Bete kam dazu weil ich dachte, schadet nicht. Das war nie ein Leistungsprojekt. Aber dein Punkt hat mich zu was anderem gebracht, das ich vorher noch nicht so formuliert hatte: vielleicht ist das Outcome das ich eigentlich messe gar nicht Pace oder HF, sondern ob ich nach einem langen Lauf noch funktioniere. Also ob ich danach noch zwei Stunden konzentriert arbeiten kann oder ob ich auf dem Sofa versinke. Das ist was ich wirklich merke - nicht Millisekunden auf dem letzten Kilometer. Und das bild ich mir nicht ein, das hat direkte Konsequenzen für meinen Arbeitstag. Ob Rote Bete da rein spielt, keine Ahnung. Aber das wäre zumindest ein Outcome den ich ohne Garmin bewerten könnte. Ich weiß danach ob ich einen Auftrag fertig kriege oder nicht. Das ist nicht Wissenschaft aber es ist wenigstens konkret. Ich glaub ich hab die ganze Diskussion mit dem falschen Ziel im Kopf geführt.

Zitat von jana_w

ob ich danach noch zwei Stunden konzentriert arbeiten kann

okay das ist jetzt der erste Satz in diesem ganzen Thread der mich wirklich abholt. Ich bin zwei Tage nicht drin gewesen und les jetzt das alles nach - und genau das ist es. Nicht die Pace, nicht das Timing-Fenster auf die Minute. Ich kenn das von Schichtübergaben. Wenn ich morgens drei Stunden auf dem Rad war und danach direkt die Übergabe machen muss, dann merk ich sehr genau ob ich noch da bin oder nur so tue als ob. Das ist mein eigentlicher Test - nicht Strava. @jana_w ich glaub du hast da gerade was Wichtiges benannt das die ganze Diskussion mit @markus_b82 vorher gar nicht im Blick hatte. Weil das ein Outcome ist den du ohne jede Methodik bewertest, einfach weil du keine Wahl hast - der Auftrag ist fertig oder er ist es nicht. Was mich jetzt interessiert: hast du da überhaupt ne Veränderung gemerkt seit du regelmäßig Rote Bete machst - also bei genau dem Punkt, Nachher-Funktionieren? Nicht ob die Tour besser war, sondern danach. Ich frag weil ich das bei mir selbst noch nicht so klar sehe. Ich hab das immer auf die Tour bezogen, nicht auf den Rest des Tages.

kleines Update von meiner Seite, weil ich den Thread jetzt erst wieder aufgemacht hab nach ein paar Tagen.

Zitat von jana_w

vielleicht ist das Outcome das ich eigentlich messe gar nicht Pace oder HF

Das hatte ich ehrlich gesagt nicht kommen sehen, und ich find das interessant - aber ich würde da trotzdem kurz nachbohren wollen. "Danach noch funktionieren" klingt griffig, ist aber genauso weich wie "der Lauf hat sich gut angefühlt". Du weißt ob du den Auftrag fertiggemacht hast, okay - aber du weißt nicht warum. War es Schlaf? Wie lang war die Tour? Wie viel Kaffee danach? Das ist kein Vorwurf, das ist dasselbe Rauschen in einem anderen Gewand. @rote_socke_83 der Punkt mit dem Nachher-Funktionieren ist real, den kenn ich vom Halbmarathon - ich hab nach langen Läufen manchmal Nachmittage wo ich vor dem Rechner sitze und im Grunde nur so tue als ob ich Tickets abarbeite. Aber ich hab das nie systematisch mit irgendetwas korreliert, weil zu viele Faktoren reinspielen. Was mich an der ganzen Diskussion jetzt rückwirkend beschäftigt: wir haben sehr viel über Methodik geredet und dabei fast komplett ausgeblendet, ob der Effekt den wir suchen überhaupt groß genug wäre um ihn im Alltag zu spüren. Die Effektgröße in den Nitrat-Studien die ich kenne bewegt sich meist im einstelligen Prozentbereich, bei Maximalleistung wohlgemerkt. Ob das im Ausdauerbereich oder gar im Post-Lauf-Wohlbefinden noch nachweisbar wäre - ich hab dafür schlicht keine Quelle. Und ohne die würde ich das nicht als gegeben annehmen.

@markus_b82

Zitat von markus_b82

ob der Effekt den wir suchen überhaupt groß genug wäre um ihn im Alltag zu spüren

Das ist eigentlich der Punkt der mich am meisten beschäftigt seit ich das gelesen hab. Ich sag dir: einstellige Prozentzahlen bei Maximalleistung - das ist Profi-Bereich. Da geht's um Sekunden im Zeitfahren. Ob ich das auf nem Mittwochmorgen irgendwie spüre ist doch eine ganz andere Frage. Was mich dabei stört: die ganze Diskussion hier kreist um Timing, Methodik, Mundspüler - und keiner hat bisher gefragt ob der Grundeffekt für jemanden wie mich oder jana_w überhaupt relevant ist. Ich bin Hobbysportler, kein Zeitfahrer. Wenn der Effekt bei Maximalbelastung einstellig ist, was ist er dann bei 80km Granfondo-Tempo wo ich froh bin wenn ich ankomme? Ich hab das Betanio PLUS trotzdem weiter im Rucksack. Nicht weil ich mir sicher bin dass es was bringt - das bin ich nicht. Sondern weil das Nachher-Funktionieren um bei jana_ws Formulierung zu bleiben, seit ein paar Wochen besser ist. Ob das Rote Bete ist oder dass ich generell mehr auf Ernährung achte seit der Granfondo-Anmeldung, kann ich dir nicht sagen. Kann ich so nicht unterschreiben dass ich da nen klaren Kausalzusammenhang sehe. Aber das ist vielleicht der ehrlichste Punkt den man hier machen kann.

Zitat von rote_socke_83

ob der Grundeffekt für jemanden wie mich oder jana_w überhaupt relevant ist

Ja, genau das - und ich find's gut dass du das so direkt stellst, weil das eigentlich die Frage ist, die den ganzen Thread hätte aufmachen sollen. Ich hab dazu letztens in einer Übersichtsarbeit (Hoon et al., 2013, International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism) etwas gelesen, das mich da ehrlich gesagt etwas ernüchtert hat: bei gut trainierten Ausdauersportlern ist der Nitrat-Effekt kleiner als bei weniger Trainierten, weil der Körper schon effizienter mit Sauerstoff umgeht. Das klingt erstmal gut für uns Hobbysportler - aber Hoon hat auch darauf hingewiesen, dass die Studienpopulationen trotzdem nicht wirklich Alltagssportler abbilden, also Leute mit 80km Granfondo-Tempo und Schichtübergabe danach. Was ich damit sagen will: die Frage ob der Effekt "groß genug zum Spüren" ist, lässt sich für unser Setting schlicht nicht beantworten. Die Daten dafür existieren nicht in der Form die ich bräuchte. @rote_socke_83 du sagst dein Nachher-Funktionieren ist besser seit ein paar Wochen. Das glaub ich dir. Aber du hast gleichzeitig gesagt, du achtest generell mehr auf Ernährung seit der Granfondo-Anmeldung. Das ist ein Confounder der so groß ist, dass ich da wirklich keine Aussage draus ziehen kann. Ich steck das Wochenende grad in ein anderes Problem, also kurz.

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